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EZLN zum 25. Jahrestag

EZLN vom 13.01.2019
übersetzt von Nadine

  WORTE DES CCRI-CG DER EZLN AN DIE ZAPATISTAS ZUM 25. JAHRESTAG DES BEGINNS DES KRIEGES GEGEN DAS VERGESSEN.

Worte des Subcomandante Insurgente Moisés:
31. Dezember 2018.

Compañeros, compañeras der zapatistischen Unterstützungsbasis:
Compañeras und compañeros der autonomen zapatistischen Autoritäten:
Compañeras und compañeros der regionalen und lokalen Komitees und Verantwortliche:
Compañeras und compañeros Milizionäre und Milizionärinnen:
Compañeras und compañeros Insurgentas und Insurgentes:

Durch meine Stimme spricht die Stimme der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung.

Ich spreche zu Euch als Sprecher von Euch allen, es ist meine Arbeit eure Stimme und euer Blick zu sein.

Für uns zapatistische pueblos [Anmk.: wörtlich »Volk« oder »Dorf«, Selbstzuschreibung] ist die Stunde gekommen und wir sehen, dass wir alleine sind.

Ich sage es Euch ganz klar, compañeras und compañeros der zapatistischen Unterstützungsbasis, compañeras und compañeros Milizionäre und Milizionärinnen, so wie wir es sehen, dass wir alleine sind, wie vor fünfundzwanzig Jahren.

Wir sind aufgestanden, um die Menschen in Mexiko und der ganzen Welt zu wecken, alleine, und heute, fünfundzwanzig Jahre später, sehen wir, dass wir alleine sind. Doch wir haben versucht es ihnen zu erzählen, wir haben viele Treffen abgehalten, Ihr wisst es, compañeras, compañeros, Ihr wart Zeugen, wir gingen um zu wecken, um zu den Armen von Mexiko, vom Land und aus der Stadt, zu sprechen.

Viele haben nicht auf uns gehört, einige sind dabei sich zu organisieren, wir hoffen, dass sie sich weiterhin organisieren, die Mehrheit schenkte uns keine Beachtung.

Aber haben unsere Arbeit gemacht und noch fehlt einiges, und deshalb sagen wir es Euch deutlich compañeros und compañeras.

Und nicht nur in diesen fünfundzwanzig Jahren, sondern mit der Erfahrung seit mehr als fünfhundert Jahren, sagen wir Euch, dass wir heute sehen, was wir vor fünfundzwanzig Jahren sahen, dass sie uns nicht ansehen, nicht anhören, was wir den Armen von Mexiko sagen.

Fünfundzwanzig Jahre nach unserer Erhebung sehen wir, was wir Euch gerade erzählen.

Es wiederholt sich, compañeros und compañeras, wir sehen, dass wir alleine sind.

Was wir erreicht haben, erreichten wir durch unsere Arbeit, durch unsere Anstrengung.

Wenn wir etwas erreicht haben, liegt es an unserer Arbeit, und wenn wir Fehler haben, liegt dies auch an unserem Scheitern. Aber es ist unsere Arbeit, niemand hat es uns gesagt, niemand hat es uns gelehrt. Einige wollen uns lehren, sie wollen uns sagen, was wir machen müssen, wann wir sprechen sollen, wann wir nicht sprechen sollen. Wir werden nicht auf sie achten. Nur wer sich organisiert, weiß, sieht, versteht. In Gesprächen wird nur geredet. Man muss auch tun, was gesagt wird, man muss tun, was gedacht wird, wir haben keine Handbücher. Was wir erschaffen wollen, wird uns niemand lehren, es muss mit unserem Opfer sein, es muss mit unser Anstrengung sein, compañeros und compañeras.

Und wir zeigen einmal mehr und wir werden es erfüllen, dass möglich ist, was gesehen wird und für unmöglich gehalten wird. Es wird sehr einfach gesagt, dass man das Unmögliche möglich machen muss, so wird es gesagt. Aber in der Praxis muss man es machen und wir zeigen dies. Was ist es, was wir zeigen? Hier ist es, wir haben es direkt vor uns: das pueblo hier ist jenes, welches befiehlt, es hat seine eigene Politik, seine eigene Ideologie, seine eigene Kultur, es erschafft, es verbessert, es korrigiert, es stellt sich vor und wird es in die Praxis umsetzen.

Das ist es, was wir sind. Hier befiehlt nicht die schlechte Regierung, hier befehlen die Frauen und die Männer, die organisiert sind. Diejenigen, die nicht organisiert sind, glauben weiterhin an diese Hoffnungslosigkeit, die keine Hoffnung ist.

Sie wollen uns belügen, sie wollen uns betrügen, angefangen mit der Tatsache, dass es Menschen gibt, die an die Virgen Morena [Anmk.: wörtlich »dunkle Jungfrau«, gemeint wohl die Partei MORENA des neuen Präsidenten López Obrador] glauben. Es ist ein Verrückter, der dies sagt, der nicht zu denken weiß, der nicht für die Menschen denkt. Wir, compañeros, arbeiten mit unserer Erfahrung, mit unserer Arbeit, mit unserer Anstrengung und werden dies auch weiterhin tun. Und wir werden weiter erschaffen und wir werden es erreichen. Alles, was wir errichtet haben, haben wir selbst geschaffen. Es gibt einige solidarische Brüder und Schwestern, einige, die uns unterstützt haben, aber die gesamte Last haben wir getragen, denn es ist nicht leicht diesen politischen Parteien, diesen schlechten Regierungen gegenüberzutreten und heute jener betrügerischen, verschlagenen.

Es ist nicht leicht fünfundzwanzig Jahre tausenden Soldaten, die den Kapitalismus beschützen, entgegenzutreten, und hier sind sie, hier wo wir sind, haben wir sie direkt vor der Nase, in diesen Tagen. Es ist nicht leicht sich den Paramilitärs zu stellen, es ist nicht leicht den kleinen Führern entgegenzutreten, die heute alle gekauft sind von den politischen Parteien, insbesondere von dem, der an der Macht steht und der Partei, die an der Macht ist. Aber wir haben keine Angst vor ihnen. Oder haben wir etwa Angst vor ihnen, compañeras und compañeros?

[Man hört ein einstimmiges »Nein«] Ich habe euch nicht gehört [man hört ein noch lauteres »Nein«]

Die Leute von außen kommen und gehen, wir sind hier, hier machen wir weiter. Jedes mal wenn sie kommen, kommen sie als Touristen, aber die Misere, die Ungleichheit, die Ungerechtigkeit sind keine Tourismusattraktion. Die armen Menschen von Mexiko sterben und werden weiterhin sterben. Es ist eine Schande, dass sie dem Aufmerksamkeit schenken, der hier das Volk von Mexiko täuscht.

Und wir haben nicht gelogen compañeras und compañeros. Vor fünf Jahren haben wir den Menschen von Mexiko und der Welt gesagt, dass etwas noch schlimmeres kommen wird. In ihren Sprachen, mit ihren eigenen Worten - Zusammenbruch, Hydra, Monster, Mauer - versuchten wir es ihnen zu sagen, trotzdem schenkten sie uns keine Beachtung. So glauben sie, dass wir sie belügen, weil sie dem Aufmerksamkeit schenken, dessen Namen ich nicht einmal aussprechen möchte. Ich sage besser Betrüger, Gauner, zu dem der an der Macht ist.

Compañeros, compañeras, jener, der an der Macht ist, wird das Volk von Mexiko zerstören, aber vor allem die pueblos originarios [Anmk.: wörtlich »ursprüngliche Völker«, Selbstzuschreibung], er wird uns holen, insbesondere uns Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung. Warum? Weil wir ganz klar sagen, dass wir keine Angst haben. Oder doch compañeros und compañeras?

[Es ertönt ein lautes »Nein«]

Wir werden uns stellen, wir werden nicht erlauben, dass sein Projekt der Zerstörung [Anmk.: gemeint das Tourismus-Infrastrukturprojekt »Tren Maya«] hier geschieht, wir haben keine Angst vor seiner Nationalgarde, dessen Namen er geändert hat, um nicht Armee zu sagen, welche aber die gleichen sind, das wissen wir.

Wir werden verteidigen, was wir erschaffen haben und wir zeigen es den Menschen von Mexiko und der Welt, dass wir es sind, die erschaffen, Frauen und Männer. Wir werden nicht erlauben, dass sie kommen, um uns zu zerstören, oder doch?

[Es ertönt ein lautes »Nein«]

Jener, der an der Macht ist, ist listig. Und welche List ist es? Er bringt die Menschen von Mexiko dazu ihm beizustehen und versucht die pueblos originarios zu täuschen, indem er sich auf die Erde kniet, um Erlaubnis bittend, so als ob alle pueblos originarios ihm glauben würden, aber hier sagen wir ihm, dass wir es nicht glauben, im Gegenteil.

Was ist mit ´im Gegenteil` gemeint? Dass er vorgibt unsere Weisen, unsere Gebräuche aufzunehmen, dass er unsere Mutter Erde um Erlaubnis bittet; er sagt ´erlaube mir Mutter Erde die pueblos originarios zu zerstören`, dies ist, was es bedeutet, aber den Brüdern und Schwestern anderer pueblos originarios fehlt das Verständnis dafür. Das ist es, was dieser Herr tut, wir glauben ihm nicht. Wenn Mutter Erde sprechen würde, würde sie ihm sagen ´verpiss dich!`. Mutter Erde spricht nicht, aber wenn sie es würde, wäre es ´nein, schwer dich zum Teufel!`

Wir wissen, was die Mutter Erde ist, wir leben seit fünfhundertzwanzig Jahren mit ihr, wir wissen es, nicht jene, die weder wissen noch gefühlt haben, was Schwitzen bedeutet, die glauben zu wissen, was Schweiß ist, wie diese dummen Abgeordneten und Senatoren. Sie wissen weder was Armut ist, noch was Schweiß ist, wir aber wissen es. Deshalb wissen sie auch nicht Gesetze für die Menschen der pueblos originarios zu machen, wir tun es, denn wir wissen um das Leid und wir wissen wie das Gesetz sein soll, welches wir wollen, nicht sie.

Da habt ihr die Gauner, compañeros und compañeras, die drei Gewalten, die es in Mexiko gibt, die Justizmacht, die Exekutive, die Legislative. Schaut euch an, was sie mit uns machen, insbesondere jene, die Partei, die die Mehrheit im Kongress der Union [Anmk.: MORENA] bildet, die uns zu Abgeordneten machen, als Indígenas, damit wir zum Beispiel neben Ricardo Monreal [Anmk.: Senator im Kongress, MORENA] sitzen. Wie in jenen vergangenen Zeiten, als ein Tojolabalero [Anmk.: Angehöriger der indigenen Gruppe Tojolabales in Chiapas] neben Diego Fernández de Ceballos saß, der finquero [Anmk.: Großgrundbesitzer] vieler Landgüter ist. Der Indígena Tojobalero nimmt im Kongress der Union teil, als ob er sagen würde, dass die Grundstücke, die die Großgrundbesitzer besetzt haben, aufgeteilt werden sollen, während er an der Seite von Diego Fernández de Ceballos sitzt. Das ist es, was sie uns zeigen wollen, dass mit dem Lohn, den sie verdienen, bequem im Restaurant, einem Motel sitzend, sie ihr Volk im Stich lassen. So sind alle Abgeordneten, Senatoren, Minister, Gemeindevertreter und andere. Das ist es, was sie wollen, damit wir selbst, Tzeltales, Tzotziles, Choles, Tojolabales und alle Sprachen, die hier in Mexiko gesprochen werden, lügen und unsere pueblos täuschen. Das ist, was sie uns zeigen, das ist ihre Arbeit, weil es ihr Boss so gesagt hat, deshalb sind sie für uns keine Regierung, sie sind Vorarbeiter. Jetzt sehen wir, was auf uns, die pueblos originarios, zukommt. Diese Befragung, die sie machen, wir müssen es ganz klar sagen, ist eine Manipulation des Volkes. Diese Befragung bittet um Erlaubnis, durch Abstimmung, uns pueblos originarios angreifen zu können. Darum geht es bei der Befragung, aber die Menschen sind immer noch nicht aufgewacht, und heute können wir nicht mehr die fünfundzwanzig Jahre berücksichtigen, wir sind müde geworden. Sie sprechen und sprechen, wie wir hier sprechen, es dringt zum einen Ohr hinein, und kommt zum anderen heraus, das heißt, es bleibt nicht im Bewusstsein.

Dies ist, was die neue Regierung tut, sie führt eine Befragung durch, damit sie uns, den pueblos originarios und insbesondere der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung, die Stirn bieten, mit ihrem »Tren-Maya«-Mist und geben ihm auch noch den Namen unserer Vorfahren. Wir akzeptieren es nicht, dass sie ihm ihren Namen geben, es hat nichts damit zu tun. Wenn es nach uns ginge, sollen sie ihn nach ihrer Mutter benennen.

Im Laufe dieser fünfundzwanzig Jahre, compañeros, compañeras, Unterstützungsbasis, Frauen und Männer, Milizionärinnen und Milizionäre, haben wir in der Welt auch jene gesehen, die sagen, dass sie kämpfen, dass sie progressiv sind, andere, dass sie links sind, andere, dass sie Revolutionäre sind, und nicht die leiseste Ahnung von dem Wort revolutionär haben, was umgestalten, Wandel bedeutet. Hier sagen wir, dass wir unsere Jugendlichen vorbereiten müssen, weil wir selbst uns wandeln, eines Tages werden wir zurückkehren [zur Mutter Erde] und deshalb muss die Jugend vorbereitet sein. Die von außen wissen nicht wovon sie sprechen, sie wissen es nicht, bedauerlich, dass sie trotz ihrer Studien, ihrer Karrieren und Diplome nicht wissen, was das Wort Revolution bedeutet. Und dann gibt es einige, die uns sagen, dass wir Wähler sind.

Sie haben nicht die geringste Ahnung, wie sie die Idee, den Gedanken, revolutionieren können. Sie denken, dass wir lügen, so wie sie lügen. Wir haben zu den Menschen in Mexiko gesagt, dass wir mit ihnen einen Dialog führen werden, und wir haben uns daran gehalten, und wenn wir eines Tages sagen, dass wir uns verteidigen werden, gegen die geringste Provokation, werden wir uns verteidigen. Wir werden nicht zulassen, dass jemand hierher kommt, um Zuflucht zu suchen hier auf diesem Territorium, in der Rebellion und im Widerstand, um es auszunutzen, um sich zu verstecken und ihren Mist zu machen. Wir werden es nicht zulassen.

Wir, compañeros, compañeras, haben die Menschen in Mexiko nicht getäuscht, aber wir müssen ihnen auch sagen, dass die Menschen immer noch darauf hereinfallen, wir wissen nicht warum, es macht uns traurig und wütend. Was ist dann der Sinn des Studiums, Geschichte zu kennen, wenn wir nicht unsere Realität sehen, wie wir leben, wozu dient das Studium.

Wir erschaffen ohne Studium, aber hier haben wir Tatsachen, wir zeigen es, wir zeigen es ihnen und wir werden es weiter demonstrieren. Was die anderen tun ... wer weiß?

Wir sagen euch, dass der, der an der Macht ist, verrückt ist, schaut euch nur an, was er sagt, dass er für die Armen und für die Reichen regieren wird. Nur ein Verrückter, der sich in seinem Kopf geirrt hat, kann das sagen, weil dann funktioniert sein Verstand nicht, ist hirnlos. Das sagt nur einer, ein Grundbesitzer, wie der Mistkerl Absalom Castellanos Dominguez, der jetzt endlich in der Hölle ist. Wir werden uns nicht überreden lassen, dass sie aufhören werden uns auszubeuten, nur weil dieser Verrückte sagt, dass er für Reiche und Arme regieren wird. Er weiß nicht, was er sagt, oder versteht nicht, was er sagt. Und wir sind sicher, dass er es nicht versteht, weil es von seinem Boss diktiert wird, dass es so gesagt werden muss. Er gehorcht und sagt, was er sagen muss, damit die Bürger und Bürgerinnen ihm weiterhin glauben.

Es ist sehr einfach, man kann nicht den Ausgebeuteten und den Ausbeuter unterstützen, man muss sich für eins von beiden entscheiden, entweder bist du mit dem Ausbeuter oder mit den Ausgebeuteten, aber man kann nicht mit beiden sein. So sehen wir es, so verstehen wir es und so tun wir es auch.

Eine Schande, dass er all das die Vierte [Anmk.: gemeint »Vierte Transformation« unter welchem Motto die neue Regierungspartei ihren Wahlkampf bestritt, als radikalen politischen und sozialen Wandel im Land] nennt, denn es hat nichts mit einer Vierten zu tun. Wie glauben jene dieser Vierten, in wieweit sie der Dritten [Anmk.: als die »Dritte Transformation« ist die Mexikanische Revolution und das Ende der Diktatur als Staatsform, 1910-1917, gemeint] folgen, welche in die Tat umgesetzt wurde, welche die Realität konfrontierte. Nicht wie er, der sagt, dass er allen Kriminellen vergeben wird. Wie man hier, im Allerkleinsten, hier wo wir sind, sagt, bedeutet dies, dass er nichts gegen diese schlechte Regierung macht, die gerade an der Macht ist, oder die Mörder des compañero Galeano. Dies ist, was er uns damit sagt, ebenso wie all den anderen Getöteten. Somit ist er ohne Wirkung an der Macht.

Wir können so viele Dinge nennen, die er sagt, die nicht wahr sind. Und haben wir also Angst vor dieser schlechten Regierung, compañeros, compañeras?

[Es ertönt ein lautes »Nein«]

Natürlich nicht, weil all diese Lügen uns wütend machen, welche er den Menschen von Mexiko sagt, und wir haben Mitleid mit jenen, die gut Spanisch sprechen und doch nicht verstehen, was er ihnen sagt. Uns fällt es auch schwer, aber es hat nichts mit dem Spanisch zu tun, man muss das Elend, die Ungleichheit, Gerechtigkeit und alles sehen, dafür braucht man nicht Spanisch lernen, man sieht und fühlt es. Alles ist Hohn, was er uns antut, besonders den pueblos originarios, es ist eine Demütigung, was er uns antut, aber auch für diejenigen, die gut Spanisch sprechen und die diese stinkende Politik nicht analysieren, die diese schlechte Regierung macht.

Compañeros y compañeras, wir werden nicht nachgeben, oder doch?

[Es ertönt ein lautes »Nein«]

Ich sollte lauter sprechen, damit es dort hinten verstanden wird. Compañeros, compañeras, wir werden nicht nachgeben, oder?

[Es ertönt ein einstimmiges »Nein«]

Es gibt niemanden, der für uns, die ausgebeuteten pueblos auf dem Land und in der Stadt kämpfen wird, niemand. Niemand wird kommen, kein Mann, keine Frau; keine Gruppe, sondern es ist notwendig, dass es Frauen und Männer gibt, die sich selbst organisieren und organisieren und organisieren. Das Volk ist es, das sich organisieren muss, um sich zu befreien, oder glaubt Ihr, dass der Papst kommen wird?

[Es ertönt ein einstimmiges »Nein«]

Oder, dass Trump kommen wird?

[Es ertönt ein einstimmiges »Nein«]

Noch weniger werden wir jenem glauben, der sagt, dass er die Vierte ist, oder glauben wir es doch?

[Es ertönt ein einstimmiges »Nein«]

Es ist dasselbe, compañeros, compañeras, und ich belüge Euch nicht, wie damals, als er noch seine Kampagne machte, sagte er: »In der Partei, in der ich bin - die gerade jetzt an der Macht ist -, werde ich nicht zulassen, dass parasitäre Nutznießer eintreten. So sagte er es; das heißt, dass er all jene, die er jetzt eingesetzt hat, nicht einsetzen würde. Doch es sind die selben, wie immer. Sie sind von der PAN, der PRI, sie sind grün [PVEM], sie sind von der PT [Arbeiterpartei]. Da ist die große Lüge, aber es scheint viele, dreißig Millionen zu geben, die Spanisch nicht verstehen, deshalb glauben sie all diese Lügen, die er sagt. Und dann sagt er, dass er die Korruption bekämpfen wird, so sagt er! Dann wäre sein Regierungsministerium an erster Stelle. Die Staatssekretärin ... man weiß, woher sie kommt, es ist nicht notwendig es zu sagen. Wir wissen, woher seine Staatssekretärin kam und sie selbst sagt: »Ich werde nicht in diesen Kampf [gegen die Korruption] involviert werden«, und jener, der behauptet, er würde die Korruption bekämpfen, sagt nichts dazu.

Es ist reine Lüge, er wird nichts für das Volk tun. Sie glauben, dass sie uns dann mit ihrem PROƁRBOL-Projekt verarschen werden, was dasselbe ist wie immer. Der Name ist neu, aber es ist das Gleiche, was von den anderen [Anmk.: Regierungen & Präsidenten] durchgeführt wurde, dem wir uns mit unserem Widerstand und unserer Rebellion entgegengestellt haben.

Vor fünfundzwanzig Jahren haben wir Carlos Salinas de Gortari bezwungen, der als der mächtigste Mann bezeichnet wurde und wir haben ihn nicht gefürchtet. Und wir hatten die Menschen in Mexiko noch nicht kennen gelernt, heute kennen sie uns nach 25 Jahren. Wir haben zu ihnen gesprochen, gesprochen und gesprochen. Heute sind wir müde, wir haben viel dafür aufgewendet, um verstanden zu werden. Nur einige haben es verstanden, die meisten nicht.

Aber es ist das, was wir tun konnten, compañeros und compañeras. Wir bitten die Brüder und die Schwestern aus dem Ausland nicht, eine Waffe aufzunehmen. In fünfundzwanzig Jahren haben wir nichts mit Kugeln noch mit Bombenanschlägen gewonnen, sondern mit Widerstand und Rebellion. Damit haben wir gewonnen, deshalb konnten sie kommen und es sehen, aber sie kamen nur, um zu sehen, nicht, um etwas für andere Brüder und Schwestern mitzunehmen, die nicht kommen konnten, weil sie nicht das Geld haben, genau wie wir.

Wir haben keine Angst vor dem Kapitalismus, vor dem Finquero [Anmk.: frühere Großgrundbesitzer, meist Plantagen], noch vor dem neuen Großgrundbesitzer, oder haben wir doch Angst?

[Es ertönt ein einstimmiges »Nein«]

Was auch immer sie sagen, was auch immer sie denken, wir werden uns verteidigen. Was auch immer passiert, egal was es kostet und was auch immer kommt. Wir werden uns verteidigen, wenn nötig kämpfen. Oder nicht compañeros und compañeras?

[Es ertönt ein einstimmiges »Ja«]

Damit es klar ist, compañeros und compañeras; hier gibt es keinen Retter und keine Retterin. Die einzigen, die Retter und Retterinnen sind, sind die Männer und Frauen, die kämpfen und sich organisieren, gemeinsam mit ihrem Volk.

Die Veränderung, die wir wollen, ist, dass die Menschen, die Welt, Frauen und Männer eines Tages entscheiden, wie sie ihr Leben leben wollen, und nicht, dass es eine Gruppe gibt, die über das Leben von Millionen Menschen entscheidet, NEIN.

Wir sagen nichts anderes in wenigen Worten: Das Volk regiert, die Regierung gehorcht. Dafür müssen wir kämpfen.

Sie glauben, dass wir immer noch unwissend sind, compañeros und compañeras. Aber hier sind wir, bereit, uns zu verteidigen.

Für all das und das, was ich euch bereits gesagt habe, sind wir bereit, bereit alles zu tun, egal was kommt.

Deshalb sagen wir:

Hier sind wir!

Wir sind die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung und hier werden wir weitermachen!

ES LEBE DIE ZAPATISTISCHE AUTONOMIE!
ES LEBEN DIE PUEBLOS ORIGINARIOS!
TOD DER SCHLECHTEN REGIERUNG!
TOD DEM KAPITALISMUS!
ES LEBE DIE ZAPATISTISCHE ARMEE DER NATIONALEN BEFREIUNG!

Worte des Geheimen Revolutionären Indigenen Komitees.
1. Januar 2019

Compañeros und compañeras der Unterstützungsbasis, Milizionäre und Milizionärinnen, aufständische compañeros und compañeras, Kommandanten der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung.
Brüder und Schwestern, compañeros und compañeras.

Heute, am 1. Januar 2019, möchten wir zum 25. Jahrestag unseres bewaffneten Aufstands vom 1. Januar 1994 sprechen.

Trotz aller ideologischen, politischen, wirtschaftlichen, militärischen und paramilitärischen Bedrohungen möchten wir euch noch einmal sagen, dass wir hier weiter die Autonomie für das Leben unserer pueblos aufbauen.
Hier in den zapatistischen Gemeinden, regiert von den Räten der Guten Regierung und den Zapatistischen Rebellischen Autonomen Landkreisen, wo Erniedrigungen, Manipulationen, Täuschungen, Lügen und verschleierte Konsultationen keinen Platz haben.

Deshalb lassen wir kein Projekt zu, das das Leben der Menschheit zerstört und unsere Mutter Erde tötet, denn hinter all dem stehen die Interessen der großen nationalen und transnationalen Kapitalisten.

So sehr sie auch versuchen, uns mit repressiven Kräften wie der Nationalgarde zu demütigen, werden wir nicht ruhen unsere Mutter Erde zu verteidigen, weil wir in ihr geboren wurden, weil wir in ihr leben und in ihr sterben werden.

In diesen Ländereien rebellischer Männer und Frauen, sollten sie wissen, dass wir uns nicht ergeben, wir uns nicht verkaufen und nicht aufgeben, geschweige denn das Blut, das Leben und den Tod unserer Gefallenen im Kampf verraten.

Selbst wenn sie eine Milliarde befragen, werden wir nicht aufgeben. Oder selbst wenn sie ihre verdammte Mutter um Erlaubnis bitten, werden wir uns nicht beugen.

Seit 1492 bis 2018 sind 525 Jahre des Widerstandes und Aufstandes gegen die großen ausländischen und mexikanischen Erniedrigungen vergangen. Sie konnten uns niemals ausrotten. Wir, die des dunklen Blutes, der Farbe der Mutter Erde, bekräftigen, dass wir hier sind und hier weitermachen werden.
Selbst wenn eine Milliarde Jahre vergehen, werden die Zapatistas immer noch hier sein.

Geheimes Revolutionäres Indigenes Komitee, Generalkommandantur der EZLN
Aus dem Caracol La Realidad, Mutter der Caracoles aus dem Meer unserer Träume.

Mexiko, Januar 2019.

Worte des Rates der Guten Regierung ´Hacia la Esperanza` [´Zur Hoffnung`].
1. Januar 2019.

Guten Tag compañeras und compañeros.

Im Namen meiner compañeras und compañeros des Rates der Guten Regierung dieser Zone Selva Fronteriza [Grenzzone Selva], Zentrum unseres Caracols, ´Madre de los caracoles mar de nuestros sueños` [´Mutter der Caracoles, Meer unserer Träume`], Sitz des Rates der Guten Regierung.

An alle compañeras und compañeros, Unterstützungsbasis der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung, an die lokalen Verantwortlichen, an die munizipalen Räte.

Wir heißen Sie herzlich willkommen, mit uns den 25. Jahrestag unseres bewaffneten Aufstands vom 1. Januar 1994 zu feiern, als wir uns zur Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung erklärten.

Heute sind wir bereits 25 Jahre im Kampf, wir die am meisten vergessenen, marginalisiertesten und vom neoliberalen kapitalistischen System ausgebeuteten.

In jenen Jahren zuvor sahen sie uns nicht, dass wir pueblos indígenas [Anmk.: wörtlich »indigene Völker«, Selbstzuschreibung] existierten, aber 1994 sagten wir ¡Ya Basta! [Anmk.: dt. »Es reicht!«], der schlechten Regierung den Krieg erklärend. Wir nahmen fünf Landkreissitze ein: Las Margaritas, San Cristóbal de las Casas, Ocosingo, Altamirano und Oxchuc.

Weil unsere Großväter und Großmütter seit mehr als 500 Jahren vom kapitalistischen System nicht berücksichtigt wurden, weil wir für sie keinen Wert haben. Sie waren nur Sklaven der Patrone [Anmk.: etwa Arbeitgeber auf Plantagen], sie arbeiteten hart und wurden nicht bezahlt und wie Tiere misshandelt, ohne Menschlichkeit. All diese Misshandlungen erlitten unsere Großeltern.

Sie waren müde von so viel Missbrauch und Ungerechtigkeit, und deshalb beschlossen sie, sich zu organisieren und gegen die Ausbeutung zu kämpfen.

Deshalb sind unsere compañeras und compañeros vor 25 Jahren der mexikanischen Armee entgegengetreten, sie waren mutige compañeras und compañeros, die ihr Leben opferten, ohne etwas dafür zu erwarten.

Sie opferten ihr Leben, damit die neuen Generationen in Zukunft besser leben können. Sie waren mutige Männer und Frauen, wir werden uns immer an sie erinnern, weil sie unsere Lehrer waren.

Als Rat der Guten Regierung sagen wir heute, dass wir unsere Freiheit erobert haben, die Freiheit, mit unserem pueblos zu regieren, ohne jemanden um Erlaubnis zu bitten, haben wir beschlossen, unsere Regierungen und unsere eigenen Regelungen als pueblos zu bilden.

Wir bilden Gesundheitspromotoren und Bildungspromotoren, kollektive Arbeit, autonome Landkreise und den Rat der Guten Regierung. Obwohl es nicht einfach für uns war, weil wir keine Handbücher haben, die uns anleiten, regieren wir uns selbst.

Wir werden konfrontiert mit verschiedenen Angriffen der schlechten Regierung, die uns fertig machen will und verschiedene Projekte und Programme erstellt hat, damit sie uns verwirren und wir nichts bemerken, um so unsere Organisation fertig zu machen. Aber wir sind organisiert, sie können uns nicht fertig machen.

Denn stets arbeiten wir mehr an unserer Autonomie um dem neoliberalen kapitalistischen System gegenüberzutreten.

Als pueblos im Widerstand und in der Rebellion haben wir verstanden, dass es keinen anderen Weg gibt: Die Organisierung, aus jeder Ecke der Welt. Jede Organisation hat verschiedene Weisen und Gebräuche, um sich zu organisieren, aber alle gegen denselben Feind, das neoliberale kapitalistische System.

Mit diesem System wird die Weltkrise immer schwieriger. Sie haben es geschaffen, um die Menschheit zu zerstören. Es ist ihnen egal, dass sie das Universum zerstören, denn für sie ist alles Ware, sie wollen nur Profit, um immer reicher zu werden.

Dieses System will die Länder in Fincas [Anmk.: Großgrundbesitz/Farmen] verwandeln und die Regierungen werden die Vorarbeiter sein. Für uns sind die schlechten Regierungen nicht mehr die Regierungen der Menschen, weil sie im Dienst ihres Boss stehen.

Deshalb glauben wir, als EZLN, ihnen nicht mehr, weil sie die gleichen Diebe und Mörder sind, die ihr Vaterland verkaufen. Wir sagen ihnen, dass wir hier mit unserer Autonomie, unserem Widerstand und unserer Rebellion in unserem zapatistischen Territorium weitermachen und sein werden.

Aus La Realidad, Chiapas.
Rat der Guten Regierung ´Hacia la Esperanza`.

 Anhang  
  formatierter Text als PDF


 Quelle:  
  http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2019/01/01/palabras-de-la-comandancia-general-del-ejercito-zapatista-de-liberacion-nacional-dirigidas-a-los-pueblos-zapatistas/ 
 

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