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Nahrungsmittelselbstversorgung für die Multis

Poonal vom 24.07.2020
Ana de Ita
übersetzt von Gerold Schmidt

  pxhere
Foto: pxhere (CC0 1.0)


(Mexiko-Stadt, 19. Juli 2020, La Jornada).- Das Rückgrat für die Erholung des mexikanischen Landbaus, wie sie sich die Regierung zum Ziel gesetzt hat, ist die Selbstversorgung bei Nahrungsmitteln. Mit einem offenen Markt ist dies jedoch unmöglich. Denn Einfuhren gibt es nicht nur, weil es an inländischer Produktion fehlt, sondern auch wegen der Vorteile finanzieller und logistischer Bedingungen, der Preise und der Einflüsse durch klimatische Gegebenheiten. Dazu kommen die Subventionen, die andere Länder für die Herstellung und Ausfuhren ihrer Produkte aufbringen.

Die Selbstversorgung bei Nahrungsmitteln ist nicht nur undurchführbar, sie ist auch nicht zielführend. Die mexikanische Landwirtschaft ist heute ein extrem konzentrierter und von multinationalen Unternehmen bestimmter Sektor. 26 Jahre Nordamerikanischer Freihandelsvertrag (NAFTA) zwischen Mexiko, Kanada und den USA haben die Landwirtschaft und die Lebensmittelproduktion der drei Länder zum Nachteil Mexikos integriert. NAFTA hat jegliche Einfuhrzölle abgeschafft und hält den Lebensmittelmarkt mit den USA und Kanada offen. Als Ergebnis des Vertrages installierten viele Multis ihre Fabriken in Mexiko. Sie nutzen verschiedene Vorteile aus: billige und qualifizierte Arbeitskräfte; die Möglichkeit, natürliche Güter wie Land und Wasser für sich zu vereinnahmen; fehlende umweltbezogene, arbeitsrechtliche und steuerliche Regulierungen, die sie in ihren Herkunftsländern beachten müssten. Der Wert der landwirtschaftlichen Exporte aus den USA nach Mexiko wird Jahr für Jahr vom Verkaufswert der Produkte übertroffen, die die in Mexiko ansässigen US-Multis dort herstellen. Letztere kontrollieren bedeutende Marktsegmente in Mexiko. Der von Mexiko, Kanada und den USA neu verhandelte Freihandelsvertrag T-MEC ändert diese Bedingungen nicht, er vertieft sie.

Kleine Produzent*innen sehen sich seit NAFTA dem offenen Markt ausgesetzt



Das letzte Jahr der Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto (2012-2018) endete mit Maisimporten von 17 Millionen Tonnen. In Land selbst wurden 27 Millionen Tonnen Mais produziert. Seit 1996 sind die Maisimporte exponentiell gestiegen — nicht wegen mangelnder einheimischer Produktion, sondern wegen eines veränderten Konsumverhaltens der Großverbraucher. Viele Kleinbäuer*innen und Landwirt*innen konnten ihre Ernten nicht verkaufen, denn ihre Märkte wurden mit dem subventionierten US-Mais überschwemmt. Das machte die Maisimporte in Mexiko zu einem finanziellen Geschäft. Die nationalen Maisproduzent*innen wurden seit den ersten NAFTA-Jahren dem offenen Markt ausgesetzt.

Die großen multinationalen Vermarkter und Verarbeiter von Getreide kontrollierten mit Unterstützung von vier aufeinander folgenden mexikanischen Regierungen (1994-2018) den Binnenmarkt. Einerseits profitierten sie von den Maisimporten aus den USA, andererseits kauften sie einen großen Teil der mexikanischen Ernte zu internationalen Preisen auf. Gleichzeitig übernahmen sie die notwendige Infrastruktur: Getreidemühlen, Fabriken für die Verarbeitung von Speiseöl, Pasten, Maissirup, Futtermischer, Verladeterminals, Hubanlagen. Außerdem schoben sie Finanzierungsmodelle für Produzent*innen an und diversifizierten ihre Geschäftstätigkeiten: Heute produzieren sie Maissirup, Rind- und Hühnerfleisch, industrielle Lebensmittel, Mehle, Speisestärken, Festigungsmittel und industrielles Viehfutter.

Mexiko als Exportplattform



Die steigende Nachfrage nach Viehfutter und zu Lebensmitteln verarbeiteten Getreiden und Ölsaaten hat die Integration der US-Märkte geleitet. Die großen Multis, die wie Smithfield, Tysson und Pilgrims (die letzten beiden wurden von JBS aufgekauft) ihr Geschäft auf dem Fleischmarkt betreiben, haben Tochterunternehmen in Mexiko aufgebaut. Mit ihren in Fabriken zusammengepferchten und misshandelten Schweinen, Hühnern und Rindern verdrängen sie die kleinen und mittleren Viehzüchter*innen. Ihr Vieh wird mit importiertem Industriegetreide wie Genmais, Gensojapaste sowie mit bei der Ethanolproduktion anfallender Trockenschlempe (Dried Distillers Grains with Solubles, DDGS) ernährt. Die industriellen Viehhalter suchen neue Märkte in den asiatischen Ländern und dem Mittleren Orient. Mexiko wird von ihnen als Exportplattform benutzt.

Die in Mexiko ansässigen und global agierenden Agrarindustrien sind die Hauptnachfrager nach den Getreideeinfuhren des Landes. Von den 14,2 Millionen Tonnen Mais, die 2016 importiert wurden, gingen 77 Prozent an die industriellen Viehzüchter und 19 Prozent an die Lebensmittelindustrie. Sich auf die unstillbare Maisnachfrage der Multis einzulassen und ihren Vorschlägen zu folgen, riesige klimaintelligente Monokulturen mit gelbem Mais (Futter- und Industriemais) einzurichten, ist widersinnig. Gleiches gilt für die Selbstversorgung bei Soja und Reis, wenn dafür mit Agrargiften besprühte Monokulturen auf der Halbinsel Yucatán vorgesehen sind.

Der Regierungsvorschlag der Selbstversorgung bei Nahrungsmitteln spielt somit den Multis in die Hände. Er steht im Widerspruch zur Nahrungsmittelsouveränität der Bevölkerung und der Dorfgemeinden.

Ana de Ita ist Direktorin des Studienzentrums für den Wandel im Mexikanischen Landbau (Ceccam, Centro de Estudios para el Cambio en el Campo Mexicano)

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