Schnellnavigation

Listenmoderator

Die Liste wird von PCl moderiert.

Webmaster

chiapas.eu powered by KADO.

unterstützte Standards

W3C HTMLW3C CSS
RSS 2.0Adobe PDF
twitter.com/chiapas98

»Sieht man die Welt heute, dann bleibt nur Wut«

 

Ein Gespräch mit Manu Chao*

junge welt vom 11.11.2005
Interview: Nancy Garín, Mar del Plata

  Die neoliberale Globalisierung schafft Wohlstandsinseln und grenzt die Mehrheit aus. Der Trend spiegelt sich auch in den Großstädten wider. Ein Gespräch mit Manu Chao*

Frage: Das Weltsozialforum in Brasilien, die Weltfestspiele in Venezuela, der Gipfel der Völker in Argentinien: Es vergeht kaum ein Treffen von Globalisierungskritikern ohne ein Konzert von Ihnen. Sind Sie ein Idol der weltweiten Bewegung gegen die neoliberale Globalisierung?

Dieses Label wurde mir von den Medien aufgedrückt. Aber ich unterstütze natürlich diese globalisierungskritische Bewegung, weil ich sie für ultrawichtig halte. Ich denke, es ist ein großer Vorteil, daß die Bewegung bis jetzt horizontal gegliedert ist ö das erschwert die Korrumpierung. Die Presse wiederum sucht bei politischen Bewegungen geradezu nach Persönlichkeiten. Aber diese Bewegung braucht keine Integrationsfiguren oder Anführer. Ihr Kraftquell sind die Basisgruppen.

Frage: Globalisierung und Migration sind zentrale Themen Ihrer Musik. Sind Sie inzwischen selbst zu einem globalisierten Musiker geworden?

Ja, schon. Ich reise ja dauernd in alle Ecken der Welt. Und ich bin sehr froh, diese Möglichkeit zu haben. Reisen ist die beste Lehre, die man haben kann. Reisen zu können ist ein Privileg. Viele Menschen werden zur Emigration gezwungen, oft unter sehr schweren Bedingungen. Das hinterläßt nicht nur bei ihnen selbst Spuren, es ist auch gefährlich für die Gesellschaften. Die aktuellen Geschehnisse in Frankreich sind ein Indiz für das zunehmende Konfliktpotential.

Frage: Wie sehen Sie die Unruhen in den französischen Städten?

Ich denke, daß das eines Tages geschehen mußte. In den vergangenen Jahren konnte man doch beobachten, wie die Stimmung in diesen Trabantenstädten immer gereizter wurde. Die Jugendlichen sitzen dort fest, ohne Perspektive. Es ist bedauerlich, daß all das in Gewalt ausgeartet ist. Aber für die Beteiligten gibt es keine andere Möglichkeit, ihrer Wut und Frustration Ausdruck zu verleihen. Darin sehe ich einen allgemeinen Trend. Wenn man den Zustand der Welt heute sieht, und die eigene Hilflosigkeit, dann bleibt nur Wut.

Frage: Kennen Sie die Cités, die Vorstadtsiedlungen in Frankreich?

Ja, ich habe dort auch gearbeitet und kenne den Alltag dort ebenso wie die sozialen Hintergründe.

Frage: Wie ließe sich die Situation lösen?

Ich halte die Bildung für einen ganz wichtigen Punkt. Wenn die Jugend keine Bildung hat, bleibt ihr die Zukunft versperrt. Man muß das so sehen: Der Druck nimmt immer weiter zu, bis es irgendwo zur Explosion kommt. Dieser Tage geschieht das in Paris. Morgen kann es überall knallen. Die Bildungsmisere ist nicht nur für Paris charakteristisch, sondern für alle diese Vororte, in ganz Frankreich. In den marginalisierten Schichten und in den Migrantenfamilien existiert keine Bildungskultur, die Kinder gehen nicht mehr zur Schule. Dadurch gibt es eine ganze Generation, die nur durch das Fernsehen »Bildung« erfahren hat. Wenn in den TV-Programmen kein Respekt mehr herrscht, weshalb sollte man das von diesen Jugendlichen erwarten?

Frage: Gerade in den Medien wurden die Konflikte auch als religiös motiviert dargestellt, als islamisch-christlicher Konflikt. Was meinen Sie dazu?

Dieses Vorgehen ist vergleichbar mit der Berichterstattung über die Proteste gegen den »Amerika-Gipfel«. Gerade die großen Nachrichtensender zeigten nicht die Zehntausenden Demonstranten, sondern einige Dutzend Krawallmacher. Nun sind sie in Frankreich auf der Jagd nach brisanten Bildern, um die Angst zu schüren. Aber die Gewalt in Paris ist nicht neu. Sie dringt nur ins Bewußtsein derer, die nicht in den Vororten leben.

* Manu Chao wurde in Paris geboren, seine Mutter stammt aus dem Baskenland, sein Vater aus Galicien. Auch mit seinem zweiten Soloalbum »Próxima Estación: Esperanza« (Nächste Station: Hoffnung) griff er wieder politische Inhalte auf: Migration, Rassismus, Globalisierung. Zusammen mit anderen Liedermachern wie dem Kubaner Silvio Rodríguez trat er in der vergangenen Woche auf dem Gipfel der Völker im argentinischen Mar del Plata auf.

 Quelle:  
  http://www.jungewelt.de/2005/11-11/022.php 
 

 Diese Seite bookmarken:  
  add to Google Bookmark add to digg add to Yahoo MyWeb Bookmark newsvine Bookmark del.icio.us Bookmark reddit Bookmark StumbleUpon Bookmark Twitter Bookmark Mr.Wong Bookmark Webnews Bookmark Yigg 
 
 
 Print & Co:  
  E-Mail Drucker PDF 
 

Aktuell empfohlen

Das kritische Denken angesichts der kapitalistischen Hydra

Veranstaltungskalender

back August 2017 forward
S M D M D F S
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31    

Die nächsten Termine

21.09.2017
Warning

Ort-Detailangaben:
Bismarckstr. 101, 5. Etage bei SEKIS, Berlin

Ort: Berlin
Zeit: 19:00 Uhr