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Deutschlandrundreise verlängert bis 25. November 05

Heike Milanomi (Rundbrief) vom 20.08.2005
Heikes Rundbrief, August 2005

  Diese Woche wäre mein Rückflug nach Mexiko gewesen. Doch schon seit einigen Wochen hatte ich das Gefühl es ist zu schnell. Ich hatte noch interessante Angebote bis in den November und habe deshalb den Flug umgebucht.

Nun versuche ich die noch vielen freien Tage im September und Oktober mit Terminen für Puppentheater und Vorträgen zu füllen. Einige Leute sind da auch schon am organisieren, wer mich noch einladen möchte, melde sich bitte schnell.

Als ich mich Ende November 2004 von Leuten in Chiapas verabschiedete und ankündigte auf eine 8 bis 9 monatige Vortragsreise zu gehen, wunderten sich viele. Das sei doch viel zu lange. Doch die Zeit verging im Fluge. Vielleicht habe ich so 150 mal mein Puppentheater vorgeführt und nahezu 100 mal mit Vorträgen, Videofilmen und Interviews über die Konflikte und Hoffnungen in Chiapas und über meine Arbeit dort im internationalen Friedensteam SIPAZ berichtet.

Es wird mir nie langweilig immer wieder davon zu berichten. Denn eigentlich ist es nie gleich. Die Reaktionen der Kinder beim Puppenspiel und die Fragen der Teilnehmenden bei Vorträgen und Seminaren sind immer wieder unterschiedlich. Auch das Umfeld meiner Veranstaltungen ist immer wieder neu. Schulen, Straßenfeste, Landesgartenschau, Ferienlager oder eine Pfadfinderstadt wo 5000 Menschen, meist Jugendliche ein friedliches Zusammenleben miteinander und mit Mutter Erde versuchen. Ein anarchistisches Jugendzentrum was um seine Existent kämpft, ein deutsches Sozialforum was besonders die sozialen Mißstände hier anklagt und versucht Widerstand zu vernetzen, Kirchentage, Gottesdienste und Weltläden. Ich treffe Menschen die interessieren sich für Mexiko und andere die wollen von der Bewegung der Zapatistas lernen um hier im eigenen Land Alternativen zum von der Macht des Geldes dominierten globalisierten Kapitalismus aufzubauen. Ja das ist es ja eigentlich, was ich will. Mexiko soll hier lebendig werden, dazu soll mein kurzer Besuch beitragen.

Jedoch die Zeit verfliegt nicht nur hier in meinem persönlichen Leben. Auch die Bewegungen in Chiapas ziehen voran und meine Erfahrungen sind nicht mehr ganz aktuell. Die Zapatistas zogen Bilanz aus ihrem Kampf der letzten Jahre. Der Aufbau der indigenen Autonomie in den Dorfgemeinschaften in Chiapas geht weiter, und ist zentrale Aufgabe der zivilen organisierten Zapatistas und wird weiterhin von mexikanischen und internationalen Solidaritätsgruppen unterstützt. Gleichzeitig startet die EZLN, also der militärische Teil der Zapatistas eine weitere politische (nicht militärische) Initiative. Sie organisieren wieder Treffen mit der organisierten Zivilbevölkerung Mexikos, wagen es Chiapas zu verlassen, durchs Land zu reisen um ein breites linkes Bündnis zu organisieren. Dies in einem Moment, in welchem politische Parteien um die Macht im Wahlkampf streiten. Dagegen sollen politische und wirtschaftliche Veränderungsvorschläge ausgearbeitet und eine Verfassungsänderung vorgeschlagen werden ohne sich am Wahlkampf zu beteiligen. Gegen Jahresende soll es auch wieder ein intergalaktisches, also ein weltweites Treffen geben. Vielleicht klingt es überheblich oder verträumt wenn ich behaupte, Chiapas sei ein Herz des Aufbaus einer menschenwürdigen Gesellschaft, oder zumindest doch sehr parteilich wenn ich die Zapatistas als gutes Beispiel vorstelle. In diesem Zusammenhang stelle ich mir die Frage, ist es jetzt grad in diesem Moment wichtig in Chiapas zu arbeiten, oder ist es genau der Moment hinaus zu gehen in die Welt um zu berichten, dieses Herz Chiapas weltweit lebendig zu machen.

Wenn ich davon rede das ich gerne in Deutschland weiter arbeiten möchte, fragen mich viele Leute warum denn. Es gibt da viele Gründe und ich sehs grad auch nur von hier. Die Veränderung der Welt kann ja von Chiapas ausgehn, aber eben nicht nur dort stattfinden. Ich sehe viele mögliche Aufgaben darin meine Erfahrungen vieler Jahre internationaler Friedensarbeit hier nach Deutschland, hier in die sogenannte 1.Welt zu bringen. Ich habe Lust an der Ausbildung, Vorbereitung von internationalen Friedensfachkräften mitzuwirken und Menschen, ja von Kleinkind bis Oma zu motivieren eine würdiges Zusammenleben aufzubauen.

Aber so ganz ehrlich, es ist auch ein Reiz dieses bequeme Leben in Deutschland zu genießen. Sagte doch ein mexikanischer Freund vor meiner Abreise zu mir: "Paß auf wenn Du nach Europa gehst, das Du Dein Herz nicht verlierst. Die materielle Verlockung in Europa ist groß..."

Ich gebe zu, ich genieße den Luxus der Fahrten in bequemen Eisenbahnen, saubere Toiletten, sauberes Trinkwasser etc.

Dazu erlebe ich einen interessanten Widerspruch. Ich lerne ein deutsches Sozialsystem bewußt und von innen kennen in einem Moment wo es rapide im Abbau ist. Wo viele Leute über Arbeitslosigkeit klagen, empfinde ich es als Privileg, Arbeitslosengeld zu bekommen. Es ist mir wichtig, das bedürftige Erwerbslose Geld bekommen um nicht zu hungern. Aber ich finde es schlimm wenn Menschen zu Bedürftigen gemacht werden. Es wäre viel besser wenn alle Menschen die Chance hätten von und mit würdiger Arbeit zu leben. Dabei will ich betonen würdige Arbeit, nicht einfach Beschäftigung und Verwaltung von Arbeitslosen. Nicht 1 Euro Jobs die dazu führen keine regulären Arbeitskräfte mit würdiger Bezahlung einzustellen und Arbeitsbedingungen für andere Lohnabhängige zu verschlechtern. Das Arbeitsamt hat mir nun eine Hilfe zur Selbständigkeit angeboten, eine ich AG. Erst dachte ich, wieder mal so eine Maßnahme die Arbeitslosenzahlen zu frisieren, denn dann bin ich da raus. Kommt dem Amt ja auch viel billiger als Arbeitslosengeld. Dann aber überlege ich, ist ja mal ein kreativer Ausweg. Und ich kann mir ganz legal aussuchen was ich arbeiten will. Nur muß ich irgendwie glaubhaft machen davon leben zu können.

Also werde ich einen Existenzgründerkurs besuchen um meine Ideen in ein Konzept umzuwandeln mit welchem ich glaubwürdig darstellen kann, das ich mein eigenes Unternehmen aufbauen und davon Leben kann. Ich bin sicher ich kann von und mit meinen Vorträgen und Puppenspielen leben, solange ich die Zuschüsse vom Arbeitsamt bekomme um die Sozialversicherungen zu zahlen. Diese sind höher als was ich zum Leben brauche. Im Existenzgründerkurs werde ich wahrscheinlich kapitalistisches Denken lernen. Mal schaun wie weit ich komme, mit dem Kopf denken und das Herz nicht verkaufen.

Und wenn es nicht klappen sollte, dann ist das kein Problem. Es wird dann wieder so eine Lernerfahrung wie das Schreiben vieler Bewerbungen. Mein Privileg ist, ich kann das alles ausprobieren, bin aber nicht drauf angewiesen eine bezahlte Arbeitsstelle oder einen funktionierenden eigenen Betrieb zu erreichen. Für meine Existenz ist es wichtiger mit anderen Menschen zusammen am Aufbau eines würdigen Friedens zu arbeiten. Wobei ich nicht immer so sicher bin ob ich da wirklich auf dem besten Wege bin, kann sich also auch mal ändern.

Im Moment werde ich weiterhin in internationalen Friedensteams arbeiten und auf Vortragsreisen gehen. Mit der Selbständigkeit einer ich AG brauche ich dann einige Honorare für mich. Spenden für meine Veranstaltungen sollen aber weiterhin PBI zugute kommen. Eine bessere Form der Finanzierung meines Arbeitsplatz wäre die Förderung einer Inland Rückkehrerstelle angesiedelt bei PBI und finanziert durch den eed (der Antrag ist in Arbeit für nächstes Jahr). Dann bräuchte ich um Geld nicht mehr Gedanken machen und einfach nur klar inhaltlich arbeiten.

Da mein vor 6 Jahren erschienenes Buch "Unterwegs im Einsatz für Frieden" langsam fast ausverkauft ist, plane ich auch eine Fortsetzung zu schreiben. Es fehlt mir noch die richtige Inspiration. Eine andere Idee ist ein Bilderbuch zum Puppentheater, wobei ich gerade erfahre wie kompliziert das technisch ist, denn es soll ja auch schön werden, damit es die Leute haben wollen. Oder auch Postkarten mit Bildern des Puppenspiels.

Sind alles so Zusatzideen, so richtig schön lebendig wird diese Arbeit ja doch einfach nur mit den mitmachenden Kindern. Auch ein Vortrag hat ohne Gespräch nicht den selben Wert.

Manchmal befürchte ich aber auch, Applaus kann süchtig machen. Natürlich ist es schön wenn die Kinder klatschen, sich einige noch für das Theater persönlich bedanken. Oder wenn nach einem Vortrag von einzelnen Leuten persönliches Lob kommt. Dagegen ist es dann frustrierend wenn sich der Terminkalender nicht füllt, sei es nur einfach weil für viele interessierte alles viel langfristiger geplant werden muß.

Aber Arbeit finde ich zum Glück immer. Und wenn die Sonne scheint und ich hab grad nichts zu tun, dann mache ich Urlaub.

Workshop über "Puppenspiel und Friedenserziehung" auf dem Kirchentag in Hannover

Hiermit beende ich den Rundbrief, der nächste wird dann wohl vor Weihnachten aus Mexiko kommen, mit einem Rückblick auf meine Europareise. Über Rückmeldungen, Ideen und Anregungen freue ich mich. Ich schicke Euch auch gerne meine Veranstaltungsangebote.

E-Mail:
Hotmail: heikemilanomi-at-hotmail.com
Yahoo:  milanomi2-at-yahoo.com

peace brigades international (pbi) &middle; Bahrenfelder Str. 79 &middle; 22765 Hamburg

Fon +49-(0)40-3 80 69 03 &middle; Fax +49-(0)40-3 86 94 17
E-Mail info-at-pbi-deutschland.de

Mein Dank an alle Leute und Organisationen, die meine Reise unterstützen. Besonderer Dank an den ABP des Evangelischen Entwicklungsdienstes und den Katholischen Fonds Eine Welt Kooperation für die finanzielle Förderung.

Liebe Grüße
Heike Milanomi Kammer

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