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Zapatistische kritik löst Debatten in der mexikanischen Linken aus

Poonal vom 23.08.2005
Von Gerold Schmidt

  (Mexiko-Stadt, 18. August 2005, npl).- "Schurken", "Dreistlinge" und "Verräter", nennt er sie, mit denen eine "Rechnung zu begleichen" sei. Subcomandante Marcos, Sprecher und Galionsfigur der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (EZLN), hat in den vergangenen zwei Wochen schweres Geschütz aufgefahren. Doch diesmal schießt er selbst nach Meinung vieler zapatistischer Sympathisanten zumindest teilweise daneben. Denn seine beißende Kritik richtet sich im Wesentlichen nicht gegen die konservative Regierung von Präsident Vicente Fox oder die das Land zuvor jahrzehntelang skrupellos beherrschende Revolutionäre Institutionelle Partei (PRI). Ziel sind vielmehr die sich selbst als links bezeichnende Partei der Demokratischen Revolution (PRD), deren gesamtes Führungspersonal und vor allem ihr aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat Andrés Manuel López Obrador.

Nicht unbedingt die inhaltliche Kritik stößt auf Widerspruch. Es sind die Tonwahl und der Eindruck, die PRD sei zum Hauptgegner der EZLN geworden. Im Rahmen der im Juli angekündigten "anderen Kampagne" der Zapatisten, die fernab jeder Parteipolitik beabsichtigen, mit der "wirklichen Linken" in Mexiko ein breites antikapitalistisches Bündnis einzugehen, war Marcos nach über vier Jahren Abwesenheit am 6. August wieder persönlich in der Öffentlichkeit präsent.

Auf dem ersten von sechs geplanten Treffen mit verschiedenen Sektoren der Zivilgesellschaft wurden die Figur des Exbürgermeisters der Hauptstadt López Obrador und die kritische Position der Zapatisten gegenüber ihm und der PRD unweigerlich zum Thema. Während des Treffens und in den Folgetagen verschärfte der Subcomandante die zuvor schon geäußerten Anklagen gegen die Oppositionspartei. Zusammengefasst sieht er in dem populärsten Politiker des Landes letztlich nur eine "Mogelpackung" der Rechten. Obradors Stellungnahmen gegen Privatisierungen sind demnach nicht glaubwürdig und sein Eintreten für die indigenen Rechte ein Lippenbekenntnis. Der Kandidat werde sich im Fall eines Wahlsieges 2006 mit den Mächtigen arrangieren, ist Marcos überzeugt. Er verweist darauf, dass sich López Obradors Kampagnenteam aus vielen früheren Mitarbeitern des nach wie vor einflussreichen Expräsidenten Carlos Salinas de Gortari zusammensetzt. Im Diskurs des Präsidentschaftskandidaten ist Salinas einer der Lieblingsfeinde López Obradors.

Dieser und andere PRD-Politiker, wie der dreimalige Präsidentschaftskandidat Cuauhtémoc Cárdenas oder der PRD- Generalsekretär Guadalupe Acosta, lehnen die offene argumentative Auseinandersetzung mit den Zapatisten ab. Sie beschränken sich darauf, die Vorwürfe als überzogen zurückzuweisen. Dies kann nicht nur mit Feigheit erklärt werden. Die PRD-Spitze hat kein Interesse daran, sich in der Konfrontation mit der EZLN abzunutzen. Ihr geht es darum, an den Wahlurnen die klerikal-konservative PAN und die PRI zu besiegen.

Aus dieser Perspektive handelt es sich um eine "Nichtdebatte". Dagegen ist die Diskussion innerhalb der nicht fest in Parteistrukturen eingebundenen mexikanischen Linken und der PRD-Basis umso intensiver und längst nicht abgeschlossen. Vielfach wird es abgelehnt, in der — kritischen — Unterstützung von López Obrador und der Sympathie für die Zapatisten einen unauflösbaren Widerspruch zu sehen. Kurzfristig erscheint der PRD-Kandidat im Vergleich zu PRI und PAN zumindest als kleineres Übel, manchen ist er sogar nach wie vor ein Hoffnungsträger. Andererseits sind tief greifende gesellschaftliche Veränderungen nicht vom politischen Parteiensystem Mexikos zu erwarten. Das, so der unterschwellige Ton vieler Kommentare, muss aber nicht mehr belehrend von Marcos erklärt werden.


Quelle: poonal
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