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Zapatisten organisieren ausserparlamentarisches Linksbündnis

Poonal vom 26.07.2005
Von Gerold Schmidt, Poonal Nr. 679

  (Mexiko-Stadt, 20. Juli 2005, npl).- Knapp zwei Jahre lang konzentrierte sich die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) mit ihrer zivilen Basis auf den Aufbau von indigenen Selbstverwaltungsstrukturen in ihrem Einflussgebiet im Süden Mexikos. Alle Kraft der Bewegung schien auf die Konsolidierung ihrer fünf autonomen Regionen im Bundesstaat Chiapas gerichtet. Zwar blieben die Zapatisten für viele Linke im In- und Ausland ein Bezugspunkt, der Anspruch nationaler und internationaler Präsenz, der die Jahre zuvor bestimmend für die zapatistische Bewegung war, trat jedoch in den Hintergrund. Das hat sich nun innerhalb weniger Wochen grundlegend geändert. Zu einem Zeitpunkt, an dem die politischen Parteien Mexikos schon ganz auf die erst in einem Jahr stattfindenden Präsidentschaftswahlen ausgerichtet sind, geht die EZLN mit einer "anderen Kampagne" in die Offensive. Vorgenommen hat sie sich damit nicht gerade wenig: Eine neue Verfassung, ein anderes Land, eine andere Welt.

Bereits Ende Juni riefen die Zapatisten die Alarmstufe Rot aus. Der erste Eindruck war verwirrend. Einige Beobachter machten sogar bevorstehende Kampfhandlungen aus. Ohne die nach wie vor bestehende Bedrängung der EZLN-Basis durch Bundesarmee und paramilitärische Gruppen verharmlosen zu wollen, lässt sich die Maßnahme im Nachhinein als taktisch kluger Paukenschlag interpretieren. Sie bereitete das Terrain für die "Sechste Erklärung aus dem Lakandonischen Urwald". Diese ist Rückbesinnung und Aufbruch zugleich. Ein weiteres Mal wollen sich die Zapatisten der Gesellschaft öffnen. Fernab jeder Parteipolitik beabsichtigen sie, mit der "wirklichen Linken" ein breites Bündnis einzugehen. Mit den von neoliberaler Zerstörung marginalisierten Menschen soll "etwas anderes" aufgebaut werden. Am Konkretesten ist dabei der Vorschlag, eine neue Verfassung auszuarbeiten, die den Bedürfnissen der Bevölkerung entspricht.

Nachdem die Alarmstufe Rot seit Ende vergangener Woche wieder aufgehoben ist, läuft die "andere Kampagne" auf Hochtouren. Bereits ab Anfang August soll in den zapatistischen Gemeinden mit Mitgliedern verschiedener gesellschaftlich organisierter Gruppen versucht werden, die Kampagne inhaltlich zu füllen und zu einem Grundkonsens zu kommen. Später wollen die Zapastisten selbst durch das ganze Land reisen und sich die Vorstellungen derjenigen anhören, die die Hoffnung in das herrschende mexikanische Regierungs- und Parteiensystem verloren haben. Für das Jahresende ist ein internationales Treffen geplant, das an die von der EZLN initiierten so genannten intergalaktischen Treffen gegen den Neoliberalismus aus den Neunzigerjahren anknüpft.

Die Zapatisten selbst geben zu, mit ihrem erneuten Strategiewechsel ein hohes Risiko einzugehen. Die Versuche, ein landesweites großes außerparlamentarisches Linksbündnis zu schmieden, sind in der über elfeinhalbjährigen Aufstandsgeschichte mehrfach gescheitert. Zu verschieden und sektiererisch waren die Positionen. Sie ließen dem Nationalen Demokratischen Konvent (CND) ebensowenig eine Chance wie später der Bewegung der Nationalen Befreiung (MLN). Nur das 1996 gegründete Zapatistische Bündnis der Nationalen Befreiung (FZLN) hat bis heute als Organisation überlebt, aber ohne die angestrebte Massenbasis. Erste Reaktionen auf den EZLN-Vorstoß sind zwar überwiegend positiv, für die Erfolgschancen der "anderen Kampagne" könnte die radikale Ablehnung jeglicher politischer Parteien und ihrer voraussichtlichen Präsidentschaftskandidaten jedoch problematisch werden. Andrés Manuel López Obrador, populärer Bürgermeister von Mexiko-Stadt ist mit seiner Partei der Demokratischen Revolution (PRD) für EZLN-Sprecher Subcomandante Marcos bestenfalls "die linke Hand der Rechten". Viele Sympathisanten der Zapatisten dürften dagegen trotz aller Skepsis bereit sein, dem in Umfragen führenden Präsidentschaftsanwärter López Obrador eine Chance zu geben.


Quelle: poonal
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