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»Die EZLN reagiert womöglich auf Provokationen der Armee«

 

Ein Gespräch mit Anne Huffschmid

junge welt vom 22.06.2005
Interview: Harald Neuber

  Wie die jüngsten Erklärungen der zapatistischen Guerilla zu bewerten sind und welche Rolle die mexikanische Armee spielt. Ein Gespräch mit Anne Huffschmid

Frage: Die EZLN hat in Ihrem jüngsten Kommuniqué einen »Roten Alarm« erklärt und ihre Truppen in die Militärlager gerufen. Sprechen nun die Waffen in Chiapas?

Die Alarmstufe Rot ist nach meiner Lesart nicht mit einer militärischen Mobilmachung zu verwechseln. Zunächst einmal haben wir hier nur einen Text vorliegen, wobei ein Kommuniqué einer bewaffneten Gruppe zugleich immer eine Tat ist, oder, wie im vorliegenden Fall, eine Tat ankündigt. Und die EZLN hat ihre Gegner im Laufe der nun fast zwölfjährigen Aufstandsgeschichte immer wieder daran erinnert, daß es sich bei ihr nicht etwa um ein Autorenkollektiv oder eine besonders aktive Nichtregierungsorganisation handelt, sondern um eine Guerillaorganisation. Man kann deshalb auch nicht sagen, daß die Organisation nun in die Klandestinität gehe. Die EZLN hat immer klandestin gearbeitet, aber, und das ist der Unterschied zu anderen bewaffneten politischen Organisationen, sie hat auch eine sehr bemerkenswerte zivile Dynamik auf vielen politischen Ebenen in Gang gebracht.

Frage: Es ist also keine bedeutende politische Neuorientierung der zapatistischen Guerilla?

Ich würde nicht von einer grundlegenden Zäsur sprechen. Die Dramatik der Erklärung ist ja offensichtlich, aber durchaus vertraut. Ungewöhnlich ist auch der karge und daher umso martialischer wirkende Ausdruck. Bislang wurden solche organisatorischen Umbrüche in derartigen Kommuniqués immer begründet − diesmal nicht.

Frage: Weshalb sollten auf militärische Worte nicht militärischen Aktionen folgen?

Ich halte es für möglich, daß die EZLN mit diesem Schritt auf Provokationen der mexikanischen Armee reagiert. Insofern ist eine erhöhte Alarmbereitschaft durchaus angebracht. Es ist vermutlich kein Zufall, daß das Verteidigungsministerium fast zeitgleich zu dem Kommuniqué der EZLN vermeldete, »im zapatistischen Einflußgebiet 44 Marihuanaplantagen ausfindig gemacht und zerstört« zu haben. Das halte ich für die eigentliche Zäsur − allerdings auf Regierungsseite. Erstmals wird die zapatistische Bewegung hier mit Drogen und Drogenhandel in Verbindung gebracht. Das ist natürlich völlig absurd, denn es ist bekannt, daß die EZLN in ihren Gemeinden sogar Alkohol verboten hat. Dieses Vorgehen von seiten des Staates folgt allein politischen Zielen: Die EZLN soll als »Drogenguerilla« diffamiert werden. Vor zehn Jahren wurde die bislang einzige und zudem erfolglose Militäroffensive in den zapatistischen Gebieten noch mit vermeintlichen Waffenarsenalen begründet.

Frage: Die Regierung macht also mobil, nicht die EZLN?

In der erwähnten Erklärung des Verteidigungsministeriums jedenfalls ist ein deutlicher Rückfall in die Kriegsrhetorik vom Januar 1994 zu bemerken. Die EZLN wird − und das ist in den vergangenen Jahren immer bewußt vermieden worden − als »eine Gruppe von Aufsässigen« bezeichnet, »die sich selber EZLN nennt«. Der Begriff der »Aufständischen« wird nicht genannt, weil er die politische Rebellion anerkennen würde.

Frage: Unabhängig von dem militärischen Konflikt hat Subcomandante Marcos zuletzt auch die drei großen Parteien PAN, PRI und die sozialdemokratische PRD scharf kritisiert. Welche Perspektive sehen Sie auf der politischen Ebene?

Beunruhigend sind vor allem die Attacken der EZLN gegen die Linkspartei PRD. Deren Galionsfigur, Andres Manuel López Obrador, wurde von Marcos allen Ernstes mit Expräsident Carlos Salinas verglichen. Was auch immer man vom Machtpolitiker López Obrador halten mag: Das ist ein Rückfall in sektiererische Feindbilder, auf die gerade die Zapatistas lange Zeit verzichtet haben − und damit ein Schritt in die politische Isolation.

* Anne Huffschmid ist Journalistin und Kulturwissenschaftlerin. Sie hat lange Jahre für deutsche Medien aus Mexiko berichtet, über die EZLN veröffentlichte sie das Buch »Diskursguerilla: Wortergreifung und Widersinn« (Synchron, 2004).

 Quelle:  
  http://www.jungewelt.de/2005/06-22/023.php 
 

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