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Worte von Subcomandante Marcos

 

auf der Protestkundgebung für die Gefangenen von Atenco, 12. Mai 2006, Mexiko Stadt

Indymedia Chiapas vom 12.05.2006
übersetzt von Dana

  Worte von Subcomandante Marcos von der EZLN, auf der Protestkundgebung nahe der Präsidialresidenz Los Pinos in Mexiko Stadt, am 12. Mai 2006, vor mehr als 20.000 Menschen, die gegen die brutale Repression von Atenco und für die Freilassung aller politischen Gefangenen vom 3. und 4. Mai demonstrierten.

Compañeros und Compañeras der Anderen Kampagne:

Heute, wie schon früher, ruft uns der Schmerz zusammen. Der Schmerz zu sehen, wie unsere Compañeras und unsere Compañeros von der Front der Dörfer in Verteidigung des Landes (FPDT) und von anderen Organisationen, Gruppen, Kollektiven, Familien und Einzelpersonen, in San Salvador Atenco, von der Polizei der schlechten Regierungen angegriffen werden.

Die schlechte Regierung des Bezirkes von Texcoco, die zur (Partei der Demokratischen Revolution) PRD gehört, des Bundesstaates von México, die zur (Institutionellen Revolutionären Partei ) PRI gehört, und die Bundesregierung, unter Leitung des (Nationale Aktions Partei) PAN- zugehörigen Vicente Fox Quesada.

Es handelte sich nicht, wie die da oben behaupten, um eine Operation zur Durchsetzung der öffentlichen Ordnung. Es handelte sich um einen Angriff der Zerstörung und Vernichtung, ausgeführt mit der Straflosigkeit jener , die sich vom Gesetz von oben beschützt wissen, das Gesetz der Mächtigen. Das Gesetz, das die Ermordung eines Jugendlichen rechtfertigt, den Einsatz von Schusswaffen gegen die schutzlose zivile Bevölkerung, die Zerstörung bescheidener Häuser, wilde Schläge gegen alles was sich bewegt, sexuelle Aggression gegen Frauen und Jungen, willkürliche und wahllose Verhaftungen. Kurzum, der Faschismus.

All dies, wie stundenlang von den Massenmedien dargestellt, unter dem Vorwand des Rechtsstaates, der Durchsetzung des Gesetzes.

Der gleiche Rechtsstaat, der die Gerechtigkeit in eine kostspielige Ware verwandelt hat, die sich nur Reiche leisten können. So haben wir gesehen, wie Marta Sahagún, von der PAN und Ehefrau von Vicente Fox, die Richter kaufte, um die unrechtmäßige Bereicherung ihrer Familie zu decken. Und wenn jemand es wagt dies öffentlich zu denunzieren, kaufen sie die Justiz erneut, um sie zum Schweigen zu bringen und dafür zu bestrafen, die Wahrheit gesagt zu haben.

Der gleiche Rechtsstaat, der Abgeordnete wie Diego Fernández de Cevallos, von der Nationalen Aktionspartei (PAN) deckt, die ihre politische Position missbrauchen, um dem organisierten Verbrechen zu helfen.

Der gleiche Rechtsstaat, der die Veruntreuung öffentlicher Mittel, nicht nur zulässt, sondern sogar fördert, damit die PAN sie in den Handel mit öffentlichen Posten und der Inflation der Meinungsumfragen investieren kann, so wie sie es mit diesem Zwergengehirn mit Diktatoransprüchen, Felipe Calderón tun.

Der gleiche Rechtsstaat, der dem politischen Arm des organisierten Verbrechens gesetzliche Sonderrechte verleiht, der PRI, und diesem gefallenen Gangster Roberto Madrazo.

Der gleiche Rechtstaat, der die institutionalisierte Korruption deckt, die sich Partei der Demokratischen Revolution (PRD) nennt, die die gleichen Betrüger wie immer hegt und ernährt, die Wahlkampagne von Andrés Manuel López Obrador.

Compañeros und Compañeras:

Da oben schlagen einige vor, ihr Augenmerk auf eine Verschwörungstheorie zu lenken, eine Konspiration, ein ausgetüfteltes Komplott, um das Geschäft zu ruinieren, in das sie die Wahlen verwandelt haben.

Aber hier unten wissen wir, was passiert ist: die repressive Maschinerie des Staates wurde im Gang gesetzt, ungeachtet des wo, wann und auf welche Weise.

Sie wollen uns hier unten überzeugen, dass die Politik von oben die einzig mögliche ist, von ihnen geführt, mit ihren Regeln und Zeiten.

"Beweise", fordern die von oben, wenn man sie auf die Menschenrechtsverletzungen hinweist, mit denen "ihr Gesetz" angewendet wird. "Beweise", wiederholen ihre trainierten Echos.

Als ob sich die da oben die Mühe machen würden, "Beweise" vorzubringen, um das zu tun, was sie tun.

Und die politischen Parteien und ihre Kandidaten? Kümmert es sie vielleicht, was hier unten vor sich geht?

Nein. Sie finden es durch die Massenmedien heraus, und laufen zu ihren Imageberatern um auszurechnen, wie sich das auf die Meinungsumfragen auswirken wird, wenn sie versprechen, nach ihrer Wahl zum Präsidenten, das ganze Land in das Atenco vom 3. und 4. Mai zu verwandeln (so wie es Calderón und Madrazo tun), oder schweigen, wie es AMLO tut, der sich darauf beschränkt, die Gewalt "von wo auch immer" zu verurteilen, als ob die Gewalt der Dorfbewohner, mit der, der Polizisten gleichgesetzt werden könnte.

Diese Politiker achten nur auf die Meinungsumfragen; sie interessieren sich weder für Demokratie, noch Freiheit, noch Gerechtigkeit. Denn diese Banner anzunehmen, sie sich konsequent zueigen zu machen, hat keinen Einfluss auf die Umfragen.

Compañeros und Compañeras:

Wir alle wissen dies, und deshalb rufen uns heute Empörung und Wut zusammen.

Die Empörung und die Wut, die durch das Wissen entstehen, dass für die von oben, Frauen die Kriegsbeute sind, die den "Ordnungstruppen" in voraus versprochen werden.

Die Aggression, die gegen unsere Compañeras verübt wurde und wird, einfach nur weil sie Frauen sind. Der Wunsch, sie nicht nur zu schlagen und einzusperren, sondern sie auch zu erniedrigen und moralisch zu zerstören.

Und diese Botschaft richtet sich nicht nur gegen sie als Frauen, die für ein besseres Land kämpfen, ein anderes Mexiko. Sie ist gegen alle Frauen Mexikos gerichtet.

Für das wirtschaftliche und politische System, sind sie alle die Beute, mit der jene bezahlt werden, die mit Gewalt durchsetzen, was mit Vernunft nicht aufrechterhalten werden kann.

Wenn sie sich nicht freiwillig der Verachtung, der Misshandlung, der sexuellen Aggression, der Vergewaltigung unterwerfen, werden sie durch gesetzliche Gewalt dazu gezwungen. Das ist die Alternative, die das System allen einfachen und bescheidenen Frauen von unten anbietet, ungeachtet des politischen Zeichens, das oben simuliert wird.

Wer kann stolz darauf sein, dem als Symbol der demokratischen Modernität unseres Landes zu applaudieren?

Welcher ehrliche Mensch kann angesichts dieser Grausamkeit schweigen?

Wer kann als Frau, als Mensch in Mexiko oder überall auf der Welt, wissen, was es bedeutet in San Salvador Atenco Frau zu sein, im Bundesstaat México, am 3. und 4. Mai 2006, und tatenlos bleiben, und weiterhin die Bürde der eigenen Erniedrigung tragen, das als Schicksal oder Pech verkleiden, was zum Fluch geworden ist.

Wer kann all dies wissen, und zum Mikrofon greifen, zur Kamera, zum Computer, zur Rednertribüne, zum Tisch, zum Transportmittel, zum Laptop, zum Arbeitswerkzeug auf dem Feld oder in der Stadt, zum Buch, zum Bleistift, zum Spielzeug, das Radio oder den Fernseher einschalten, eine Zeitung oder Zeitschrift lesen, und nicht sehen und nicht hören, oder schlimmer noch, zwar zu sehen und zu hören, aber zu denken, dass sie es vielleicht nicht besser verdient hätten, jene "die Studenten, Arbeiter, Indigenas sein sollen, die arm sein sollen, die keine Abgeordneten, Senatoren, Gouverneure, Beamte, Unternehmer zu sein haben; kurzum, die Frauen sind".

Welche ehrliche Frau in Mexiko, ungeachtet ihrer Überzeugungen, kann dazu schweigen? Wer kann als Jugendlicher, alter Mensch, Kind, Mann oder Frau, wissen was es bedeutet jemand in Atenco am 3. und 4. Mai gewesen zu sein, und davon unberührt bleiben?

Wer kann die Geschichte der Schmerzen dieser Compañeros und Compañeras hören, und nicht die gleiche Wut und die gleiche Empörung verspüren?

Wer kann die Entscheidung ihrer Herzen weiterzukämpfen hören, und nicht die gleiche Rebellion verspüren.

Nicht wir, nicht wir, nicht in der Anderen Kampagne, nicht als Compañeros und Compañeras derer, die am langen Tag des Terrors, am 3. und 4. Mai in San Salvador Atenco, dafür leiden mussten von unten zu sein und von links.

Weder gleichgültig, noch still, noch unbewegt.

Wir, die Andere Kampagne, werden unsere Compañeras und Compañeros nicht alleine lassen. Weder im Gefängnis, noch in ihrem Schmerz, noch in ihrer Wut, noch in ihrem Kampf.

Egal wie lange es dauert, egal welche Konjunktur sie von oben zu verhängen beschließen. Egal ob wir viele sind oder wenige. Egal ob sie uns angreifen oder loben. Egal ob sie uns verstehen und unterstützen, oder uns verurteilen und verfolgen. Wir werden die erste Pflicht erfüllen, die wir als Teil der Anderen Kampagne auf uns genommen haben: den anderen beizustehen, uns gegenseitig zu helfen und nicht alleine zu lassen.

Wir werden weiterhin schreien und weiterhin mobilisieren, wir alle, im ganzen Land.

Wenn sie denken uns mit Repression davon abzuhalten oder entmutigen zu können, sollten sie sich ein Beispiel an unserer Compañeros und Compañeras nehmen, die am 3. und 4. Mai gefangengenommen wurden.

Wenn sie unsere Forderung nach Gerechtigkeit mit Repression begegnen wollen, ganz gleich unter welchem Alibi seitens der politischen Parteien oder Massenmedien, sollten sie schon mal anfangen in den Gefängnissen, Krankenhäuser und Friedhöfe Platz zu schaffen, denn das hier wird nicht aufhören, bis alle Gefangenen vom 3. und 4. Mai freigelassen worden sind."

Für die da oben sind wir nicht wichtig. Es ist ihnen gleich, welcher Horror dadurch entsteht zu wissen, was sie unseren Compañeros und Compañeras angetan haben, und Personen, die überhaupt nicht wussten worum es ging. Sie rechnen sich aus, dass die Schläge und Drohungen, die Zeit, die Lügen und das Schweigen es schaffen werden, uns in die Vergessenheit zu befördern.

Sie irren sich.

Wir werden unsere Proteste und Mobilisierungen fortsetzen, in ganz Mexiko und auf der ganzen Welt.

Sie sollen wissen, dass wir hier unten weder verzeihen, noch vergessen.

Und unsere Wut wird nicht die gleiche sein wie früher, wie immer.

Nein.

Von jetzt an ist sie eine organisierte Empörung, eine andere Wut.

Wir haben gerade erst begonnen, sie werden uns nicht aufhalten.

Entweder alle Gefangenen werden freigelassen, oder sie werden uns alle ins Gefängnis werfen müssen.

Aus der Anderen Mexiko Stadt

Subcomandante Insurgente Marcos Mexiko, Mai 2006

 Quelle:  
  http://chiapas.indymedia.org/display.php3?article_id=122185 
 

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