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Schlacht um Oaxaca

junge welt vom 04.11.2006
Von Gerold Schmidt, Mexiko-Stadt

  Die Aufständischen in der mexikanischen Stadt Oaxaca haben die Polizei in einer mehrstündigen Straßenschlacht am Donnerstag aus dem Universitätsviertel zurückgedrängt. Dabei wurden nach Angaben von Sanitätern mindestens 20 Rebellen, zehn Polizisten und drei Pressefotografen verletzt. Es war die bisher größte und härteste direkte Konfrontation zwischen der Bundespolizei und der Volksversammlung der Bevölkerung Oaxacas (APPO).

Die mexikanische Regierung hatte am vergangenen Wochenende knapp 5000 Bundespolizisten nach Oaxaca entsandt, um den Aufstand unter Kontrolle zu bringen. Die im Mai begonnene Aufstandsbewegung richtet sich gegen Gouverneur Ulises Ruiz, dem Korruption und Repression vorgeworfen werden.

Nach teils bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen vor den Eingangstoren der Autonomen Universität Benito Juárez de Oaxaca, einer Bastion der APPO, mußten die Polizisten trotz des massiven Einsatzes von Tränengas und Wasserwerfern am Donnerstag nachmittag fliehen. Die Volksversammlung sprach in einer ersten Bilanz in deutlicher Abweichung von den offiziellen Zahlen von 200 Verletzten auf ihrer Seite, darunter fünf Schwerverletzten. Die Polizei soll unter anderem in Häuser in der Umgebung der Universität eingedrungen sein, um die Bewohner festzunehmen.

Der Bundesminister für Öffentliche Sicherheit, Eduardo Medina Mora, erklärte zwar, es sei bei der Offensive nur um die Räumung der Barrikaden vor der Universität gegangen. tatsächlich zielte der massive Angriff der Polizei auf die Selbstverwaltung offenbar darauf, die Radiostation der Universität zu besetzen. Zu ihrem Schutz waren die Barrikaden vor dem Universitätsgelände in den vergangenen Tagen verstärkt worden. »Radio Universidad« informiert durchgehend über die Auseinandersetzungen und ist zugleich wichtiges Kommunika tionsmittel zwischen Führung und Basis der aufständischen Bevölkerung.

Beim erbitterten Widerstand gegen die Polizei bildete die Bevölkerung Menschenketten vor den Wasserwerfern. Die APPO-Anhänger wehrten sich mit Steinen, Stöcken, Feuerwerkskörpern und Molotow-Cocktails.

Universitätsrektor Francisco Martínez Neri verwahrte sich in einer vom Rundfunk übertragenen Rede gegen jegliche Verletzung der universitären Autonomie durch die Polizeikräfte und forderte die Studenten auf, diese Autonomie zu verteidigen. Nach mexikanischem Recht darf die Polizei nur dann auf das Universitätsgelände, wenn der Rektor seine Zustimmung dazu gegeben hat. Minister Medina Mora erklärte nach der selbst von einigen regierungsnahen Medien als »Niederlage« der Bundespolizei bezeichneten Auseinandersetzung, die Regierung beabsichtige in einer Kombination aus »Aktionen und Dialog«, den Frieden in Oaxaca wiederherzustellen. Flavio Sosa, bekanntester Vertreter der APPO-Führung, bezeichnete den Sieg über die zum Teil schwerbewaffneten Polizisten als Beweis für die Kraft der Bewegung. Er empfahl der Bundespolizei den Rückzug aus Oaxaca. Die APPO rief dazu auf, in der gesamten Stadt so viele Barrikaden wie möglich zu errichten, aber jegliche Akte von Vandalismus zu vermeiden. Für Sonntag ist eine Großdemonstration angesetzt.

 Quelle:  
  http://www.jungewelt.de/2006/11-04/053.php 
 

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