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Der Geist von Oaxaca

junge welt vom 30.12.2006
Mumia Abu-Jamal
übersetzt von Jürgen Heiser

 
Die Volksbewegung im Süden Mexikos ist ein Beispiel für den Widerstand geworden. Kampf für freie Wahlen erinnert an Betrug an den Urnen in den USA

Vor wenigen Monaten machten sich in der südmexikanischen Stadt Oaxaca Tausende auf einen langen Marsch nach Mexiko-Stadt. Über 800 Kilometer legten sie zurück, um Demokratie zu fordern und den Abtritt des des Gouverneurs ihrer Provinz zu erzwingen. Ulises Ruiz von der Partei der Institutionellen Revolution (PRI) hatte das Amt durch Korruption und Wahlbetrug erlangt. Die Demonstranten, unter ihnen Lehrer, Studierende, Bauern und Kleinhändler, zogen durch Berge und durch Täler. Neunzehn Tage lang ertrugen sie strömenden Regen, glühende Hitze und klirrende Kälte, um die Auseinandersetzung mit der Bundesregierung zu suchen. Die Volksversammlung der Völker Oaxacas (Asemblea Popular de los Pueblos de Oaxaca, APPO) hat Mexiko erschüttert. Entschlossen und prinzipientreu beharrte sie auf freie und gerechte Wahlen ohne Korruption. Der Wille des Volkes sollte endlich respektiert werden.

Die Ereignisse von Oaxaca erinnern uns in den USA daran, daß die von Korruption bestimmten Präsidentschaftswahlen der Jahre 2000 und 2004 von den meisten US-Bürgern stillschweigend akzeptiert wurden. Es ist die Ergebenheit von Lämmern, die zur Schlachtbank geführt werden.

Die Wahlmanipulationen im Jahr 2000 in Florida und 2004 in Ohio haben der US-Demokratie einen enormen Schaden zugefügt und das Vertrauen von Millionen in den Wahlprozeß erschüttert. Die Menschen in Oaxaca haben durch ihren mutigen Protest gegen die unverhältnismäßige Gewaltanwendung durch Polizei und Militär bewiesen, daß Demokratie für die Mehrheit der Menschen größte Bedeutung hat. Die APPO, die zum Widerstand auch in Mexiko-Stadt und in anderen Landesteilen motiviert hat, wirkte wie ein Katalysator. Sie hat die politische Krise Mexikos offensichtlich gemacht. Diese Krise hat eine ihrer Ursachen darin, daß die staatstragenden Parteien des Landes alles dafür tun, das Volk einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen. Wenn es denen folgt, die nicht mehr tatenlos zusehen wollen − so fürchten die korrupten Eliten −, dann wird es bald zwei, drei oder ein Dutzend Oaxacas geben.

Obwohl Oaxaca eine der ärmsten Provinzen Mexikos mit einem der größten indigenen Bevölkerungsanteile ist, geht von der oppositionellen Volksbewegung eine Inspiration aus, die weit über die mexikanischen Grenzen hinausreicht. Die Bewegung entstand schließlich aus dem Widerstand gegen die Repression des Gouverneur Ruiz, der seine Polizei im Juni 2006 auf einen Streik der Lehrergewerkschaft hetzte. Innerhalb weniger Tage versammelten sich mehrere hunderttausend Menschen, um die Lehrer zu unterstützen. Die APPO, die Volksversammlung, war geboren, und die fortdauernde politische Krise sorgt mehr und mehr dafür, daß sich weitere gesellschaftliche Kräfte radikalisierten.

Wenn diese Entwicklung sich fortsetzt, wird sicher auch härtere Repression folgen. Aber die Bevölkerung von Oaxaca und Mexiko hat das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Was der APPO die Kraft gegeben hat, existiert auch in anderen Landesteilen und kann jederzeit überall dort zum Auseinandersetzungen führen, wo Arbeiter und Arme sich den habgierigen Kräften der Globalisierung widersetzen. Wenn Arme noch tiefer ins Elend getrieben werden, wenn Arbeiterinnen und Arbeiter immer schlechter bezahlt werden, dann ist der Boden für Widerstand bereitet. Der Geist von Oaxaca breitet sich aus, und der mexikanische Volkswiderstand, wie er von der APPO und den Zapatisten repräsentiert wird, hat seine Entsprechungen auch in anderen lateinamerikanischen Ländern. Die Bevölkerung und die Widerstandsbewegung von Oaxaca brauchen jede Unterstützung. Aber nicht nur mit Worten, sondern durch vergleichbare Bemühungen, sich zu organisieren, überall auf der Welt. Die Bevölkerung der USA hat alle Gründe, diesen Schritt zu tun und ebenfalls für demokratische und von Korruption befreite Wahlen zu kämpfen.

 Quelle:  
  http://www.jungewelt.de/index.php 
 

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