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Einige Anmerkungen zum Artikel über Mexikos Handelsbilanz...

 

Über eine Wirtschaftsmeldung und ihre Hintergründe

News vom 21.02.2007

  Liebe Chiapas98-Empfänger/innen, ich würde mich gerne kurz zu dem Artikel über Mexikos Handelsbilanz äußern, ohne damit eine negative Kritik ausdrücken zu wollen. Dies ist eher als Ergänzung gemeint und soll lediglich zum Nachdenken über "Freihandel" und Weltwirtschaft und über Aktivitäten dagegen anregen ... E. S.

Hinweis: Die Zapatistas rechneten in den 1990ern immer noch mit dem alten Peso. NAFTA machte die Einführung eines neuen Pesos nötig − so zumindest die mexikanische Regierung ... So erklären sich die Angaben zu den Kilopreisen (Kaffee, Rinder) im Auszug aus dem Marcos-Text.


Ich habe gelesen, dass Mexikos Handelsbilanz mit den USA 2006 eine Rekordhöhe erreicht hat. Eine Rekordhöhe von Ausbeutung, Ausverkauf, Abhängigkeit, Umweltzerstörung, Zerstörung der sozialen und traditionell-indigenen Struktur usw.

Eine "positive Handelsbilanz" Mexikos mit den USA bedeutet, dass das "Schwellenland" (in Dollar gerechnet) mehr exportiert als importiert. Zu fragen wäre, was wohl mehr zählt: die Technologie, beispielsweise Waffen und Computer, die von Norden nach Süden wandert, oder die Rohstoffe, die oft noch durch US-Firmen zutage gefördert werden und sich in die entgegengesetzte Richtung bewegen? Und was fließt da eigentlich genau über die gemeinsame Grenze der Supernation mit dem "Schwellenland", die für Menschen aus dem Süden fast unüberwindbar ist?

Dinge, die nach Mexiko reinfließen:

- Vorprodukte − oft für Maquilafabriken in "Freien Produktionszonen", also in Produktionsstätten ohne Arbeiter/innen-Rechte und Umweltstandards usw. − Konsum- und Luxusgüter sowie Technologie für die Mittel- und Oberschicht, und last but not least − landwirtschaftliche Produkte, z.B. industriell (massenhaft hochautomatisiert) angebauter und somit konkurrenzlos billiger (Gen-) Mais, der die kleinbäuerlichen (Subsistenz-) Strukturen in Mexiko zerstört, da für einheimische Produzent/inn/en auf dem mexikanischen Markt nichts mehr abzusetzen ist.

Dinge und Menschen, die aus Mexiko rausfließen: − Fertigprodukte, die durch US-Firmen zur Weiterverarbeitung nach Mexiko exportiert und danach aus Mexiko reimportiert werden (aus eben diesen Maquiladora- Fabriken in jenen "Freien Produktionszonen", die gleich an der Grenze liegen)... − Rohstoffe, wie Öl, Uran usw. (siehe das Comunicado unten) − landwirtschaftliche Produkte, wie (Tropen-) Holz, Kaffee, pflanzliche Wirkstoffe... − Fischereiprodukte (z.B. von Shrimps- Farmen, die die Mangroven zerstören und das Wasser verseuchen)... − Know how durch "brain drain" (Abwanderung von Fachkräften, Forschern, akademischem Personal usw., weil es in den USA mehr zu verdienen gibt) und Medizin- und Heilwissen von Indígenas durch Biopiraterie oder durch "geschickte Entwicklungshilfeprogramme"...

Subcomandante Marcos hat für Chiapas ganz am Anfang des Aufstandes der EZLN in einem Comunicado von 1994 folgendes geschrieben:

"Chiapas verblutet auf tausend Wegen: Öl- und Gaspipelines, Stromleitungen, Eisenbahnwagen, Bankkonten, Last- und Lieferwagen. Dieses Land zahlt den Imperien weiterhin seinen Tribut: Öl, elektrische Energie, Vieh, Geld, Kaffee, Bananen, Honig, Mais, Kakao, Tabak, Zucker, Soja, Sorghum, Melonen, Mamey, Mango, Tamarinde, Avocados und chiapanekisches Blut fließen durch die tausendundeinen, in der Gurgel des mexikanischen Südostens geschlagenen Reisszähne der Plünderung. Millionen Tonnen an Rohstoffen werden zu den mexikanischen Häfen, den Eisenbahn-, Flug- und Lastwagenterminals geschafft. Es gibt viele Bestimmungsorte: USA, Kanada, Holland, Deutschland, Italien, Japan -, aber ein einziges Ziel: das Imperium. Der Anteil, den der Kapitalismus dem Südosten abverlangt, versickert wie von Anfang an in Blut und Schlamm. Eine Handvoll Kaufleute, unter ihnen der mexikanische Staat, holen sich aus Chiapas den ganzen Reichtum und hinterlassen eine tödliche, stinkende Spur: 1989 waren es 1.222,6 Milliarden Pesos (490 Mio. US-$), die sich die Bestie in Chiapas einverleibte; verteilt wurden per Kredit und Leistungen aber nur 616,3 Milliarden Pesos. Mehr als 600 Milliarden verschwanden im Bauch der Bestie. In den "chiapanekischen Böden" stecken 86 Fördertürme der Pemex, die täglich 92.000 Barrel Öl und 19 Milliarden Kubikmeter Gas aus der Erde saugen. Im Tausch hinterlassen sie den kapitalistischen Stempel: ökologische Zerstörung, Landvertreibung, Hyperinflation, Alkoholismus, Prostitution und Armut. (Pemex-Teams fällen Bäume) und Sprengstoffexplosionen hallen in Gegenden wider, wo es den Bauern verboten ist, Bäume zu fällen, um zu säen; mit jedem Baum, den sie schlagen, riskieren sie eine Strafe von zehn Mindestlöhnen und Gefängnis." (Subcomandante Marcos, Botschaften aus dem lakandonischen Urwald. Nautilus-Verlag 2005, S.19ff.)

Und weiter: "100.000 t Kaffee werden exportiert, 1988 um einen Preis von durchschnittlich 8000 Pesos pro Kilo, den chiapanekischen Produzenten blieben 2500, oft auch weniger. Die Kühe wurden den verarmten Bauern zu 2400 Pesos das Kilo abgeluchst und von den Zwischenhändlern teilweise um das Zehnfache weiterverkauft etc. etc." (S.20f.)

Was Marcos da 1994 aufzählte, ging nicht alles in den Export, aber es wird deutlich, dass nichts für die Bevölkerung vor Ort übrigbleibt. Ich schreibe dies alles einfach nur, weil es die Gelegenheit gibt, darauf hinzuweisen! Übrigens: Der nächste G8-Gipfel kommt bestimmt! (Infos: www.gipfelsoli.org)

Solidarische Grüße, edo.

siehe auch: https://www.chiapas.eu/news.php?id=2341

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