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Neuerscheinungen im August bei AV

News vom 08.08.2007

  Im August sind bei uns folgende Bücher erschien:

Zum 100. Geburtstag von Frida Kahlo:
Sparte: Biographie, Frauen, Kunst Reihe: Widerständige Frauen / Band 4

Bilkis Brahe
Frida Kahlo − Tragödien sind albern

Am 6. Juli 2007 jährt sich der Geburtstag der mexikanischen Malerin Frida Kahlo zum einhundertsten Male. Das allein kann aber nicht Grund für die Publikation einer weiteren Biographie der Künstlerin sein, wird sie doch heute zu Recht zu den bedeutendsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts gezählt. Das war nicht immer so: nach ihrem Tod im Jahre 1954 wurde es still um sie; noch 1979 ist sie einer Germaine Greer kaum ein Begriff, es gelingt der englischen Historikerin nicht, die Malerin in einen geopolitischen Kontext einzuordnen. Erst die feministische Bewegung entdeckte die Malerin wieder, weil Kahlo, so erkannte bereits ihr Ehemann Diego Rivera, zum „erste(n) Mal in der Kunstgeschichte (…) jene allgemeinen und besonderen Dinge, die ausschließlich die Frau betreffen, ausgedrückt hat.“ Kahlos Kunst bietet demnach Modelle der Identifikation und des Sich-Selbst- Erkennens gleichermaßen.

Heute wird Kahlo umfassender gewürdigt und wahrgenommen; der neuesten Generation Kunsthistorikerinnen ist es gelungen, zu Themenbereichen und zu Fragestellungen vorzudringen, die noch vor wenigen Jahren nicht wahrgenommen wurden: Kahlos intensive Auseinandersetzung mit dem präkolumbischen Erbe ihres Landes, ihre Sozialkritik, ihre reiche Metaphorik, ihr Wissen um die prekäre Wechselbeziehung zwischen Privatem und Politischem prägen ihre Malerei; zugleich ist sie bestimmt vom Autobiographischen und Selbstbekennenden, von den Fragen um sexuelle Differenz, Marginalität, kulturelle Identität und weibliche Subjektivität. Frida Kahlo ist, so Erika Billeter 1993, „die erste Künstlerin in der Geschichte, die das männliche Prinzip in der Kunst verlassen hat“ und „ihre eigene Ikonographie“ erfand. Kahlo hat in der Welt der Malerei neue Maßstäbe gesetzt; sie ging eigene, persönliche Wege in der Malerei, in der das individuelle Leid zugleich zum Paradigma der menschlichen Existenz wird. Kahlo, deren Leben von Krankheiten und den Folgen eines schweren Unfalls bestimmt war, wehrt sich gegen die Vereinnahmung durch die Surrealisten: „Ich habe niemals Träume gemalt. Was ich dargestellt habe, war meine Wirklichkeit.“

Verlag Edition AV ISBN: 978-3-936049-80-0 Taschenbuch; 198 Seiten Preis: 16,00 €

Sparte: Bolivien, Straßenkinder, Theater der Unterdrückten

Stefan Gurtner

Die Straßenkinder von Tres Soles Von zerstörten Kindheiten, Selbstorganisation und einem Theater der Unterdrückten in Bolivien

Seit zwanzig Jahren besteht in Bolivien die vom Autoren gegründete Wohngemeinschaft „Tres Soles“; für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche. Dieses Buch versucht, anhand von Einzelschicksalen und Anekdoten „manche spannender als Romanstorys“ ihre Entstehungsgeschichte darzustellen. Ebenso spannend ist ohne Zweifel die geschilderte Suche nach neuen, erzieherischen Wegen, in einem Land, wo nach jahrhundertalter Unterdrückung durch die spanischen Kolonialherren und langen Militärdiktaturen noch immer äußerst autoritäre Gesellschaftsstrukturen herrschen, sowohl in den Familien, in den Schulen als auch in den Firmen. Außerdem ist von der weißen Minderheit ein Apartheid-Staat geschaffen worden, der die großen indianischen Mehrheiten praktisch von allen Entscheidungen ausgeschlossen hat und der erst vor Kurzem durch die Wahl des ersten indigenen Präsidenten, Evo Morales, in Frage gestellt worden ist. Man kann sich natürlich vorstellen, dass diese Suche in einem solchen Umfeld sehr schwierig ist und auf viele, teilweise heftige Widerstände stößt. Auch ist die Verführung groß, wieder in -diesmal moderne kolonialistische oder übermäßig traditionelle Verhaltensweisen der Urbevölkerung zu verfallen. Das Resultat ist ein faszinierende, manchmal auch heikle Mischung aus indianischen Gemeinschafts- und Selbstverwaltungsmustern und westlichen Erziehungsmethoden, vor allem Spiel und Theater, mit denen versucht wird, den Kindern und Jugendlichen ein neues Bewusstsein und ein kritisches Denkvermögen zu ermöglichen. Auf alle Fälle ist die Arbeit mit solchen Jugendlichen immer problematisch, und so manch einer kommt mit einem blauen Auge davon, nicht nur im körperlichen Sinn; aber das mögen die Leserin und der Leser bei der Lektüre selbst erfahren.

Verlag Edition AV ISBN: 978-3-936049-79-4 Taschenbuch; 300 Seiten Inkl. einer DVD Preis: 18,00 €

Schlagworte: Bolivien, Straßenkinder, Pädagogik, Theater, Selbstorganisation Barsortiment: Libri, KNV

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