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Blut, Terror und Tragödie hinter den Kampflinien

 

Vom einzigen westlichen Journalist in der Taliban-kontrollierten Kandahar Provinz

Znet vom 26.11.2001
Von Robert Fisk
übersetzt von Dana

  "Sie werden niemals durchkommen," rief mir der Taliban Mann zu. "Die Nördliche Allianz beschiessen Takhta-Pul und die Amerikaner bombardieren das Stadtzentrum."

"Unmöglich," sagte ich. Takhta-Pul liegt nur 24 Meilen von hier entfernt, wenige Minuten von der afghanischen Grenzstadt Spin Boldak. Aber dann stolperte ein Flüchtling mit zerfurchtem Gesicht und weisses Haar, das unter seinem braunen Turban seine Stirn bedeckte — er sah aus wie 70, sagte aber er sei erst 36 Jahre alt — auf uns zu. "Die Amerikaner haben gerade unsere Häuser zerstört," rief er. "Ich habe gesehen wie mein Haus verschwand. Es war ein grosses Flugzeug, dass Rauch spuckte und den Boden mit Feuer besprühte."

Für einen Mann der nicht lesen konnte, und die Kandahar Provinz sein ganzes Leben lang noch niemals verlassen hat, war diese Beschreibung des Spectre erschreckend genug — das amerikanischen "Hummel" Flugzeug, das Militärs und Zivilisten mit der gleichen Grausamkeit aufmischt. Und die dreispurige Strasse hinauf kamen Hunderte weitere Flüchtlinge, alte Frauen mit dunkle Gesichter, und Säuglinge in den Armen junger Frauen in Burqas, und kleine Jungs mit tränenverschmierten Gesichter, die alle die gleiche Geschichten erzählten.

Mullah Abdul Rahman sank neben mir zu Boden, strich sich mit der Hand über das verschwitzte Gesicht, und erzählte mir wie sein Bruder, ein Kämpfer in der selben Stadt, gerade entkommen ist. "Da war ein Flugzeug, das aus der Seite Raketen feuerte," sagte er kopfschüttelnd. "Es meinen Bruder heute fast getötet. Es hat viele Menschen getroffen."

So sieht es also aus, wenn man auf der Verliererseite des amerikanisch-afghanischen Blutbades steht. Überall war es die selbe Geschichte von Verzweiflung, Entsetzen und Mut. Ein amerikanischer F-18 stieg über uns auf, als ein Mann mittleren Alters, mit wütenden Augen auf mich zukam. "Das ist es was ihr wolltet, nicht wahr?" schrie er. "Sheich Osama ist ein Vorwand um den islamischen Menschen das anzutun."

Ich bat einen anderen Talibankämpfer, einen 35-jährigen Mann mit fünf Kinder, namens Jamaldan, das Versprechen seiner Regierung zu ehren und mich nach Kandahar zu bringen. Er sah mich mitleidig an. "Wie kann ich dich dorthin bringen," fragte er "wenn wir uns kaum selbst schützen können?"

Die Implikationen sind erstaunlich. Die Strasse von der iranischen Grenzstadt Zabul nach Kandahar wurde von afghanischen Kämpfer und US-Spezialtruppen abgeschnitten. Die Amerikaner bombardierten den zivilen Verkehr und den Taliban auf der Strasse nach Spin Boldak, und die Truppen der Nördlichen Allianz feuerten über die Strasse. Takhta-Pul wurde von amerikanischen Geschützen beschossen und von der Allianz belagert. Kandahar war umzingelt.

Kein Wunder, dass ich den hiesigen Taliban Kommandanten, den nachdenklichen und intelligenten Mullah Haqqani, dabei traff, während er sich vorbereitete die pakistanische Grenze aus "medizinischen Gründen" nach Quetta zu passieren.

Kandahar mag nicht der talibanische Stalingrad sein, noch nicht, aber Tragödie war das Wort, das einem dazu einfiel. Aus einem Sandsturm heraus kam eine Frau in einem grauen Schal. "Ich habe vor zwei Tage meine Tochter verloren," klagte sie. "Die Amerikaner haben unser Haus in Kandahar bombardiert und das Dach fiel auf sie." In all dem Chaos und dem Geschrei, tat ich das was Reporter tun. Ich zückte mein Notizblock und mein Stift. Name? "Muzlifa." Alter? "Sie war zwei." Ich wende mich ab. "Dann war da noch meine andere Tochter." Sie nickt als ich frage, ob dieses Mädchen auch gestorben ist. "Im selben Augenblick. Ihr Name war Farigha. Sie war drei." Ich wende mich ab. "Von meinem Sohn ist nicht viel übriggeblieben." Das Notizbuch kommt zum dritten Mal hervor. "Als das Dach ihn traf, wurde er zu Fleisch verarbeitet, und alles was ich sehen konnte waren Knochen. Sein Name war Sherif. Er war anderthalb Jahre alt."

Sie kamen aus einem Blizzard aus Sand, diese Menschen, alle mit einer blutigen Geschichte. Shukria Gul erzählte ihre Geschichte ruhiger. Unter ihrem Burqa klang sie wie ein Teenager. "Mein Mann Mazjid war ein Arbeiter. Wir hatten zwei Kinder, unsere Tochter Rahima und unseren Sohn Talib. Vor fünf Tagen, beschossen die Amerikaner ein Munitionslager in Kandahar und die Kugeln dramgen in unser Haus. Mein Mann wurde getötet. Er war 25.’’

Im Akhtar Trust Flüchtlingslager traf ich Dr Ismael Moussa, der gerade aus Karachi angekommen war, ein Doktor der Theologie, der Geld und Religion an die Witwen verteilt. "Die Amerikaner haben für sich selbst ein Übel geschaffen," sagte er "Und sie werden dafür zahlen. Gott der Allmächtige gesteht einem Unterdrücker eine Atempause zu, genug Seil ums sich damit selbst zu aufzuhängen, bevor Er ihn ergreift und nie mehr loslässt.’’

Ergreifung, so scheint es, war es auch woran das Aussenministerium dachte, als sie die Reporter ernsthaft warnten, dass Taliban Einladungen nach Taliban eine Falle seien um fremde Journalisten zu entführen. Angesichts der Höflichkeit sogar der verzweifeltsten Talibananhänger gestern, könnte das zu der "interessant wenn’s war wäre"-Akte abgelegt werden. Dr Moussa vermutete einen erschütternderen Grund: der Wunsch ausländische Korrespondenten davon abzuhalten die Verbrechen in Kandahar zu sehen, die von den Freunden Grossbritanniens von der Nördlichen Allianz beim Fall von Mazar-i-Sharif verübt worden sind.

Was Mullah Najibullah angeht, dem einzigen Vertreter des Aussenministeriums des Taliban auf dieser Seite von Kandahar, sah er müde und zutiefst deprimiert aus, und gestand, Spin Boldak in der vorigen Nacht verlassen zu haben und seitdem nicht geschlafen zu haben. Aber Kandahar sei ruhig gewesen, behauptete er. Die islamischen Ältesten des Taliban blieben weiterhin dort. Später gab er zu, dass alle Taliban Kämpfer den Befehl erhalten hatten Spin Boldak am Samstag nacht zu verlassen, aus Furcht die Soldaten der Allianz könnten die Lager, als Flüchtlinge verkleidet überfallen.

"Nur Gott der Allmächtige hat den Muslimen erlaubt weiterhin die grosse bewaffnete Macht der Vereinigten Staaten zu bekämpfen,’’ fügte er hinzu. Hätte er einen Blick aus dem Fenster geworfen, hätte er am Himmel die Düsenstreifen der Bomber gesehen, die nach Kandahar unterwegs waren.

Es war eine surreale Situation. Taliban Männer, ihre Gewehre geschultert, starrten in die Sonne, hoch in das brennende Licht, durch das vier weisse Rauchstreifen aus den Düsenantrieben der Jäger über den Himmel brannten. Ich stand hinter ihnen und staunte über den Kampf, denn ich 20 Jahre lang beobachtet habe: ein wogendes Heer aus schwarze Turbane wie aus dem 8. Jahrhundert, und genau hinter ihnen, die Spuren einer B-52 aus Diego Garcia. Gott gegen Technologie.

 Quelle:  
  http://www.zmag.org/weluser.htm 
 

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