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Computersklaven

 

Weltweit werden immer mehr PC in Entwicklungsländern gefertigt - unter erbärmlichen Bedingungen

junge welt vom 06.05.2004
Hans Peter

  Über Computer und die schöne neue Welt des World Wide Web gibt es viele Berichte. Wenig zuverlässige Informationen dagegen gibt es über deren Herstellung. Dieser Frage ging eine aktuelle Studie nach, die von der katholischen Organisation CAFOD erstellt wurde. »Säubere deinen Computer −Arbeitsbedingungen in der Elektronikindustrie« lautet der Titel. Entstanden ist sie durch Befragung von Beschäftigten in der Computerindustrie, vor allem in Mexiko und China.

Die Elektronikbranche ist heute der weltweit am stärksten globalisierte Industriezweig, so CAFOD. Mehr als ein Drittel aller Elektronikexporte stammt dabei aus Entwicklungsländern. Nicht mehr Rohstoffe und Agrarprodukte, sondern Elektronikprodukte sind heute deren größte Devisenbringer. Alle derartigen Exporte der Drittweltländer beliefen sich im Jahr 2000 auf 450 Milliarden US- Dollar. Das waren mehr als alle Agrarexporte und fast dreimal so viel wie die Textilexporte der sogenannten Dritten Welt.

Weltweit wurden 2002/2003 laut CAFOD etwa 138 Millionen Computer verkauft. Davon entfielen 40 Prozent auf die drei größten Konzerne Dell, Hewlett Packard und IBM. 4,8 Prozent erreichte Fujitsu Siemens.

»Viele Stufen der Produktion von Computern werden von niedrigqualifizierten, niedrigbezahlten Arbeitskräften ausgeführt −die meisten davon Frauen − in Entwicklungsländern«, so die Studie. CAFOD macht für diese Arbeitsbedingungen vor allem die großen PC- Konzerne verantwortlich, die durch ihre Preis- und Kostenvorgaben für die von ihnen beherrschten globalen Produktionsketten extreme Arbeitsbedingungen und Niedrigstlöhne erzwingen. Ständige technologische Neuerungen, Preissenkungen und damit verbunden extreme Schwankungen der Nachfrage kennzeichnen die Branche schon lange. Enormer Druck auf die Beschäftigten ist eine der Folgen. CAFOD zitiert einen der Gründer von Intel: »Keine Gewerkschaften in der Firma zu haben ist essentiell für das Überleben unserer meisten Firmen«. Das Zitat dürfte typisch sein für die Branche.

Elektronikprodukte machen heute beispielsweise 53 Prozent aller Exporte Malaysias, 13 Prozent aller Ausfuhren Indonesiens, 26 Prozent der Exporte von Thailand und 63 Prozent der der Philippinen aus. Selbst Südkorea exportiert vor allem Elektronik. Auch Mexikos Hauptexportprodukt ist nicht mehr Öl, sondern Elektronik.

Eines der Produktionszentren in Mexiko ist die Region um Guadalajara. 1998 ließ IBM hier 800 000 Computer fertigen. Im Jahr 2000 kamen 60 Prozent aller IBM-Laptops aus Mexiko. Das IBM-Produktionssystem bestand lange Zeit darin, alle wichtigen Räume in IBM-Fabriken an Zulieferfirmen zu vermieten. Das erlaubte dem Konzern, alle Risiken auf die Zulieferer abzuwälzen, die ihrerseits die Beschäftigten mit Drei-Monats-Verträgen von Leiharbeitsfirmen bekamen. Von den real zeitweise 7 000 Beschäftigten in der IBM-Niederlassung Guadalajara waren so nur 500 tatsächlich bei IBM beschäftigt, der Rest Leiharbeiter. Deren Wochenlöhne lagen 2003 zwischen 50 und 100 US- Dollar. Nur bei extremen Überstunden wurde der gesetzliche Mindestlohn von 100 Dollar wöchentlich erreicht. Die Beschäftigten sind vor allem junge Frauen zwischen 18 und 25 Jahren. Fast alle Arbeitsverträge sind extrem kurz, 28 Tage bis maximal drei Monate. Obwohl das mexikanische Arbeitsrecht mehrere Leiharbeitsjobs hintereinander nicht erlaubt, arbeiten Beschäftigte manchmal jahrelang auf Grundlage von solchen Verträgen.

Noch schlechter sind die Arbeitsbedingungen und Löhne in China. »Wenn sich zwischen Dongguan und Hongkong der Verkehr staut, leidet der Welt-Computer-Markt«, wird der stellvertretende Asienleiter von IBM zitiert. 22 Prozent der Exporterlöse Chinas kamen 2002 aus dem PC- Geschäft. China ist auf dem Weg zur »Welt-Computer-Fabrik«, so CAFOD .

In den Fabriken um Dongguan nahe Hongkong, werden inzwischen fast alle wichtigen Teile von Computern produziert. Elfstundenschichten sind die Regel, so CAFOD. Der gesetzliche Mindestlohn beträgt umgerechnet 54 US-Dollar im Monat. Bei »normaler Arbeitszeit« werden nur 36 bis 37 Dollar bezahlt. Nur mit vielen Überstunden ist der Mindestlohn zu erreichen. Viele Beschäftigte haben sich, um aus ihrem Dörfern in die Fabrik zu kommen, bei Jobvermittlern verschuldet. Diese Schulden werden sie nun nicht wieder los.

CAFOD nennt zahlreiche Beispiele für extreme Arbeitsbelastung. So mußte ein Beschäftigter 300 Tastaturen pro Stunde fertigstellen, ein anderer in jeder Stunde 150 Monitore auf Funktionstüchtigkeit prüfen. Vergiftungen beim Umgang mit gefährlichen Stoffen und Verletzungen sind weit verbreitet, die Arbeitssicherheit ungenügend.

Die Studie endet mit der Forderung an die PC-Konzerne, aber auch an die Regierungen, endlich die ILO-Kernarbeitsnormen wie das Verbot von Kinderarbeit und Zwangsarbeit, das Recht auf freie Bildung von Gewerkschaften, Streikrecht, und das Verbot von Diskriminierungen anzuerkennen und auf ihre weltweite Einhaltung zu drängen −sowohl bei den Markenherstellern, aber auch bei allen Zulieferern. Bis zur Verwirklichung dieser Forderungen, das macht die Studie deutlich, ist es noch ein weiter Weg.

* Quelle: Clean up your computer. Working conditions in the electronic sector. A CAFOD-Report, download unter: http://www.cafod.org.uk

 Quelle:  
  http://www.jungewelt.de/2004/05-04/010.php 
 

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