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Marcos: Kritik und Selbstkritik

junge welt vom 01.09.2004
Von Luz Kerkeling

 
Mexiko: Neue Erklärungen von EZLN-Sprecher Subcomandante Marcos.
Bilanz der Bewegung dargelegt

Mit einer Serie von Erklärungen hat sich Subcomandante Marcos, der Sprecher der Zapatistischen Nationalen Befreiungsarmee (EZLN), in Mexiko wieder zu Wort gemeldet. Im Namen der Rebellenorganisation distanziert sich der bekannte Guerillero darin scharf von der politischen Klasse des mittelamerikanischen Landes. Zugleich bilanziert Marcos die Entwicklung in den zapatistischen Gebieten und betont die Bedeutung der »politisch aktiven Zivilgesellschaft«. Nur so könnten positive Änderungen erreicht werden. Die renommierte linke mexikanische Tageszeitung La Jornada druckt die Mitteilungen seit dem 20. August täglich in vollem Wortlaut.

Der sozialdemokratischen Partei der Demokratischen Revolution (PRD) wirft Marcos einen provinziellen Politikstil, Korruption und Populismus vor. Der ehemaligen Staatspartei »Partei der Institutionalisierten Revolution« (PRI) wird Korruption bei den Geschäften des Erdölunternehmens PEMEX, jahrzehntelanger Wahlbetrug und eine unzureichende Aufarbeitung des »schmutzigen Krieges« gegen soziale Aktivisten in den siebziger Jahren zur Last gelegt. Die Partei der Nationalen Aktion (PAN) von Präsident Vicente Fox wird beschuldigt, sich an Stiftungen sowie an staatlichen Fonds zu bereichern.

Besonders differenziert geht der »Sub« auf die zapatistischen Gemeinden im südlichen Chiapas ein, die vor etwa einem Jahr ihre Selbstverwaltung erklärt haben. Während die Partizipation der Frauen in den EZLN-Strukturen bei bis zu 40 Prozent liege, sei es durchschnittlich nicht mal ein Prozent Frauen, die in den autonomen Räten und den »Juntas der Guten Regierung«, den seit August 2003 bestehenden lokalen Selbstverwaltungsgremien, tätig seien. Die Situation der Frauen in den Dörfern müsse weiter verbessert werden: »Zur Lage der Frauen können wir noch immer keinen guten Bericht abliefern«, schreibt der Guerillero selbstkritisch. Auch wenn den Zapatisten klar sei, daß kulturelle Änderungen viel Zeit in Anspruch nähmen, hofften sie, »eines Tages mit Zufriedenheit sagen zu können, daß wir zumindest diesen Aspekt der Welt in Unordnung gebracht haben«.

Marcos räumt ferner ein, daß der Einfluß der EZLN als politisch- militärische Organisation in den Gemeinden zum Teil zu groß sei: »Di e Idee war, daß die EZLN die Gemeinden bei der Errichtung ihrer Autonomie begleitet und unterstützt«. Diese Begleitung arte jedoch bisweilen in Verwaltung, »Beratung in Anweisungen und Unterstützung in Behinderung« aus.

Gegenüber der Kritik einiger Nichtregierungsorganisationen (NRO) an den Selbstverwaltungsorganen bleibt Marcos jedoch beharrlich. Einige NRO hatten die wöchentliche Rotation dieser Gremien kritisiert, da stets alles wieder neu erarbeitet werden müsse. »Der Zweck ist, daß die Aufgabe des Regierens nicht ausschließlich einer Gruppe vorbehalten ist und es keine professionellen Anführer gibt«, so Marcos. Nach Ansicht des EZLN-Sprechers hat die Basisstruktur den Vorteil, Korruption praktisch unmöglich zu machen. Wichtig sei daher der langfristige Zeitrahmen, in dem die Zapatisten dächten: »Eine gründliche Analyse wird zeigen, daß dies ein Prozeß ist, in dem ganz e Gemeinschaften zu regieren lernen«.

Schließlich setzt sich der Subcomandante mit der Rolle der »Zivilgesellschaft« auseinander. Ihr Zweck sei es, ein globales horizontales Widerstandsnetzwerk aufzubauen, in dem die zapatistische Philosophie der Selbstverwaltung zentral vertreten ist. Die Unterstützung der zapatistischen Bewegung aus aller Welt habe trotz großer Schwierigkeiten angehalten, so Marcos. »Inzwischen arbeiten die ?Zivilgesellschaften— wegen, für, und mit uns, (...) weil sie (...) eine Sache angenommen haben, die für uns größte Bedeutung hat: die Errichtung einer Welt, in die alle Welten passen«.

 Quelle:  
  http://www.jungewelt.de/2004/09-01/008.php 
 

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