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Ende der Eiszeit zwischen Venezuela und Mexiko -

 

Statt Geschäftsbeauftragter bald wieder Botschafter in Mexiko-Stadt und Caracas

junge welt vom 20.08.2007
Von Gerold Schmidt, npl

  (Mexiko-Stadt, 17. August 2007).- Nach der Annäherung an Kuba nun Venezuela. Die konservative mexikanische Regierung unter Präsident Felipe Calderón fährt mit ihren Bemühungen fort, die Beziehungen zu linken lateinamerikanischen Regierungen zu normalisieren und das von Ex-Staatschef Vicente Fox zerschlagene Porzellan zu kitten. Das jüngste Beispiel ist die angestrebte Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen mit Venezuela auf Botschafterebene. Seit dem beidseitigen Abzug der Botschafter im November 2005 kommunizierten die Regierungen nur über Geschäftsträger.

Nach entsprechenden Signalen aus Mexiko-Stadt hatte Venezuelas Staatschef Hugo Chávez vor anderthalb Wochen den ersten offiziellen Schritt getan und mit dem ehemaligen Außenminister Roy Chaderton einen erfahrenen Diplomaten als neuen Botschafter in Mexiko designiert. "Wir sind bereit, eine neue Seite aufzuschlagen", so Chávez. Nur zwei Tage später gab die mexikanische Regierung bekannt, mit Jesús Mario Chacón ebenfalls einen hochkarätigen Gesandten mit 25- jähriger diplomatischer Erfahrung in Europa, Asien und Amerika als Botschafter in Caracas vorzuschlagen. Die amtierende mexikanische Außenministerin Patricia Espinosa sprach von einem "Vertrauensklima für die Normalisierung der Kontakte". Seit ihrem Amtsantritt im vergangenen Dezember habe die neue Regierung das Gespräch mit Venezuela gesucht.

Mehrere verbale Vorgeplänkel zwischen Calderóns Parteifreund Vicente Fox und Hugo Chávez kulminierten während des im November 2005 im argentinischen Mar del Plata abgehaltenen Amerikagipfels mit einem Eklat. Damals griff Fox außergewöhnlich scharf und mit kaum verhülltem Auftrag aus Washington die ablehnende Haltung der venezolanischen Regierung gegenüber dem inzwischen wohl endgültig gescheiterten US-Projekt der Gesamtamerikanischen Freihandelszone (ALCA) an. Chávez titulierte Fox darauf hin als "Hündchen des Imperiums". Der beleidigte Mexikaner zog seinen Botschafter zurück und forderte bis zum Ende seiner Amtszeit vergeblich eine Entschuldigung. Venezuela rief ebenfalls noch im November 2005 seinen Botschafter aus Mexiko-Stadt ab.

Der kürzliche Streit zwischen Manuel Espino, dem Vorsitzenden der mexikanischen Regierungspartei der Nationalen Aktion (PAN), und Hugo Chávez tat der aktuellen Annäherung offenbar keinen Abbruch. Espino hatte im Juli als Präsident der christdemokratischen Regionalorganisation ODCA während eines Treffens in Caracas Venezuelas Regierung und vor allem die verweigerte Konzessionsverlängerung des Fernsehsenders RCTV attackiert. Chávez drohte daraufhin mit der Ausweisung. Espino gilt jedoch als Altlast von Fox und wird den PAN-Vorsitz im März 2008 voraussichtlich an einen loyalen Calderón-Vertrauten abgeben müssen.

Patricia Espinosa machte Anfang dieser Woche deutlich, dass hinter der neuen mexikanisch-venezolanischen Freundschaft handfeste Interessen stehen: "Wirtschaftliche Interessen, Märkte für unsere Produkte zu suchen, unsere Investitionen im Ausland zu schützen, unsere kulturelle Präsenz sowie unsere Fähigkeit zu stärken, in unserer Region und auf internationale Angelegenheiten generell Einfluss zu nehmen". Insofern ordnet sich die Annäherung an die ideologische völlig anders ausgerichtete Chávez-Regierung in den Kontext der gegenüber Fox veränderten außenpolitischen Strategie Felipe Calderóns ein. Der Blick soll wieder etwas stärker Richtung Süden gerichtet werden und die diesbezügliche Politik zumindest ein bisschen mehr Unabhängigkeit gegenüber Washingtons Vorgaben wahren. Gleichzeitig sichert diese Strategie Calderón innenpolitisch eine gewisse Profilierung. So waren nach Michele Bachelet aus Chile und Nicaraguas Präsident Daniel Ortega zuletzt auch Brasiliens "Lula" und der argentinische Staatschef Nestor Kirchner zu Gast in Mexiko.

 Quelle:  
  http://www.jungewelt.de/2007/08-20/025.php 
 

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