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Kuba veröffentlicht "Privatgespräch" zwischen Castro und Fox

Poonal vom 23.04.2002
Von Gerold Schmidt

  (Mexiko-Stadt, 23. April 2002, npl). — Die mexikanische Regierung hätte es wissen müssen: mit Kubas Staatschef Fidel Castro ist nicht zu spaßen. Zu sehr reizten der konservative Präsident Vicente Fox und sein Außenminister Jorge G. Castañeda in den vergangenen Monaten die Geduld der Kubaner und setzten die über Jahrzehnte guten Beziehungen zum sozialistischen Inselstaat aufs Spiel. Am vergangenen Freitag stimmte Mexiko vor der UNO-Menschenrechtskommission in Genf erstmals für eine Resolution, in der die Menschenrechtssituation auf Kuba verurteilt und die Entsendung eines UNO-Berichterstatters dorthin gefordert wird.

Für Castro war das Maß voll und am Montagnachmittag nahm der Eklat seinen Lauf. Persönlich präsentierte Kubas Staatschef in Havanna vor nationaler und internationaler Presse den Mitschnitt eines Telefonanrufs vom 19. März, in dem Fox darauf drängt, Castro möge seinen Auftritt auf der UNO-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung in der mexikanischen Stadt Monterrey auf einen Tag beschränken und solle davon Abstand nehmen, "die USA und George W. Bush zu attackieren".

Eine unerwartet schnelle Abreise von Castro aus Monterrey hatte vor einem Monat zu Spekulationen geführt. Die anschließende kubanische Version, Mexiko habe Castro auf Druck der Vereinigten Staaten praktisch ausgeladen, wird durch den Gesprächsmitschnitt nun weitgehend bestätigt. "Bitte kompliziere mir den Freitag nicht", so Fox an Castro in klarer Anspielung auf die Anwesenheit des US-Präsidenten in Monterrey. Er hängte noch weitere Bitten um politisches Wohlverhalten an. Offiziell hatte die mexikanische Regierung jede versuchte Einflussnahme auf die kubanische Seite vehement abgestritten und nach Beweisen verlangt. Dabei war sie sich offenbar sicher, die vereinbarte Vertraulichkeit des Gesprächs bleibe unter allen Umständen gewahrt. Das Kalkül wäre wahrscheinlich aufgegangen, hätte sich Mexiko bei der Abstimmung in Genf wie in den Vorjahren enthalten.

Nun stehen beide Länder vor einem politischen Scherbenhaufen. Fidel Castro erwähnte am Montag sogar einen möglichen Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Mexiko will vorerst nicht so weit gehen. "Unabhängig von Anekdoten und Episoden wie dieser wird Mexiko seine diplomatischen Beziehungen fortsetzen," ließ Fox Montag Nacht erklären, und bezeichnete diese Verletzung der Privatsphäre als "inakzeptabel, da sie die gegenseitige Vertrauensbasis zerstört". Zudem verbat sich Mexiko die Einmischungen in "innere Angelegenheiten".

Verloren haben bei dem Streit beide Staaten, aber gerade bezüglich der "inneren Angelegenheiten" befindet sich der mexikanische Präsident nun in einer sehr schwierigen Situation. Die Opposition, die im Parlament die Mehrheit besitzt, hat der Regierung wiederholt vorgeworfen, sich immer mehr den Interessen der USA zu unterwerfen und ihre traditionelle außenpolitische Unabhängigkeit aufzugeben. Außenminister Jorge G. Castañeda — im übrigen früher ein glühender Verfechter der kubanischen Revolution — gilt den Regierungsgegnern als das Paradebeispiel für die Rolle des "US-Lakaien".

Vor allem deswegen und nicht etwa, weil auf Kuba im Menschenrechtsbereich paradiesische Zustände herrschen, hatte eine Parlamentsmehrheit das mexikanische Kabinett aufgefordert, sich mit der Stimme in Genf zu enthalten. Auch wenn die USA ihren Sitz in der UNO-Menschenrechtskommission vor kurzem verloren, so wird ihnen nach wie vor die Urheberschaft für die Resolutionen gegen Kuba zugeschrieben, deren Präsentation in diesem Jahr von Uruguay übernommen wurde.

In dem Castro Fox bewusst bloß stellte, hat er ihn noch angreifbarer für Attacken im eigenen Land gemacht. Statt der "Einheit der Mexikaner über die Ideologien hinweg", wie es der Regierungssprecher angesichts des kubanischen Handelns einforderte, wird die Opposition eher versuchen, die Position des Präsidenten zu schwächen. Ausreichend Material dafür hat ihr der ausgefuchste Revolutionär von der Karibikinsel an die Hand gegeben.


Quelle: poonal
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