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Treffen der Indig. Völker von Amerika schließt mit der Erklärung v. Vicam

La Jornada vom 15.10.2007
Hermann Bellinghausen
übersetzt von Dana

 
Marcos: "Niemals zuvor hat es so viel Zerstörung und so viel Dummheit der Regierungen gegeben"
Die Indigenas von America ermahnen in der "Erklärung von Vicam", dass sie Mutter Erde mit dem Leben verteidigen werden

Vícam, Sonora, 14 Oktober. Die Rebellion, die den Kontinent erschüttern wird, wird nicht dem Pfad und den Schritten der anderen folgen, die zuvor den Gang der Geschichte verändert haben, verkündete Subcomandante Marcos am Abend, bei der Abschlusszeremonie des Treffens der Indigenen Völker von Amerika. "Wenn der Wind, der wir sind, nachlassen wird," sprach er weiter, "wird eine neue Zeit anbrechen, in der alle Farben passen werden."

Nachdem er jeweils auf Yoreme, Spanisch und Englisch gegrüßt hatte, seine Worte aus der Yaqui Tradition schöpfend, erklärte Marcos vor den versammelten Teilnehmern, deren Anzahl in Vícam sich heute Abend verdoppelt hatte: "Die vier Räder des Geldkarrens rollen wieder über den Weg, der auf dem Blut und dem Leid der Völker dieses Kontinents errichtet wurde", in dem "längsten Krieg in der Geschichte der Menschheit, der nunmehr seit 515 Jahren andauert", und dessen an jedem 12. Oktober gedacht wird.

Dieser Krieg reproduziert heute "die Zeiten und Methoden der großen Kartelle und der großen Grundbesitze des Zeitalters, in dem die gekrönten Häupter Europas durch Blut und Feuer herrschten". Die Armeen und paramilitärischen Kräfte setzten Gewalt ein "wie zu den Zeiten der Eroberung", um ganze Völkerschaften auszurotten.

"Etwas jedoch hat sich geändert: niemals zuvor hat es seitens der Regierung soviel Zerstörung und soviel Dummheit gegeben, soviel Brutalität gegen die Erde und die Menschen. Sie sind nämlich dabei, die Welt zu töten." Das "Geschäft der Herrschenden", mit dem die Welt zugrunde gerichtet wird, werde "Wahldemokratie" genannt. Dort oben "gibt es keine Hoffnung für die indigenen Völker".

Bei dieser Zusammenkunft "ist die Erinnerung der unsichtbare Faden gewesen, der unsere Völker eint," erklärte Marcos und fasste den Grund all ihrer Kämpfe in einem einzigen Wort zusammen, der seit dem Ursprung der Menschheit besteht: "Freiheit", ist es, was sich die indigenen Völker ersehen, und "sie kann nicht ohne Gerechtigkeit oder Demokratie bestehen." Er vertraute darauf, dass es "eine Welt ohne Herrscher" geben wird, etwas, dass heute "unmöglich erscheint".

Die zunehmende Plünderung der Erde wird denunziert

Der Rarámuri Indigena Francisco Palmo liest seinerseits die Schlusserklärung der Zusammenkunft der Indigenen Völker von Amerika. Sie richtet sich gegen die Arroganz der Macht, denn die Ausplünderung des Landes und der Ressourcen der indigenen Völker "wächst täglich." Aber, so heißt es weiter, "der Widerstand und die Empörung der Menschen wächst ebenfalls."

Die 579 Delegierten von 67 indigenen Völkern, aus 12 amerikanischen Ländern, bestätigten in der Erklärung von Vicam: "Wir sind die Nachkommen der Völker, Nationen und Stämme, die diesen Ländern erstmals einen Namen gaben; die von unserer Mutter Erde geboren wurden und ihr gegenüber, die uns Leben spendet und uns im Tode aufnimmt, einen heiligen Respekt bewahren. Deshalb erklären wir der ganzen Welt, dass wir die Mutter Erde mit unserem Leben verteidigen und schützen werden." Sie sprechen von dem "Schmerz, der durch den Angriff der Invasoren erlitten wurde, gestützt auf falsche Argumente der kulturellen Überlegenheit und die arrogante Anmaßung der Zivilisierung, mit der Absicht unsere Gebiete zu plündern, unsere Kulturen zu zerstören und unsere Völker auszulöschen."

Die Teilnehmer der Zusammenkunft verkündeten ihr historisches Recht auf freie Selbstbestimmung, "gemäß den verschiedenen Formen zu deren Ausübung, die von unseren Völkern, je nach Herkunft, Geschichte und Streben entschieden wird." Sie wiesen ebenfalls "den Eroberungskrieg und die kapitalistische Ausrottung" zurück, die "von den transnationalen Konzernen und den internationalen Finanzorganisationen, in Mitverschwörung mit den großen Mächten und Nationalstaaten aufgezwungen werden."

Sie betonten ihre Ablehnung gegenüber "der Zerstörung und Plünderung der Mutter Erde, durch die Besetzung unserer Gebiete für industrielle Aktivitäten wie Bergbau, landwirtschaftliche und touristische Unternehmen, ungebremste Urbanisierung und die Ausweitung der Infrastruktur, sowie durch die Privatisierung von Wasser, Land, Wäldern, Ozeanen und Küsten, der biologischen Vielfalt, der Luft, des Regens, des traditionellen Wissens und von allem, was die Mutter Erde hervorbringt."

Sie widersetzen sich "der Zertifizierung von Ländern, Küsten, Gewässern, Samen, Pflanzen, Tieren und des traditionellen Wissens unserer Völker zum Zwecke der Privatisierung", und lehnen die Besetzung und Zerstörung heiliger Zentren und Stätten ab, sowie die Kommerzialisierung ihrer Kultur. Sie lehnen ebenfalls das Escalera Náutica oder Meer von Cortés Megaprojekt ab, sowie den Bau der Küstenautobahn durch Yaqui Gebiet.

Die Teilnehmer der Zusammenkunft ratifizierten ihre Zurückweisung der Olympischen Winterspiele 2010", die in Vancouver, Kanada, auf heiligem Gebiet stattfinden sollen, die der Tortuga Nation gestohlen wurde, um dort Skianlagen einzurichten."

Sie denunzierten, dass der Eroberungskrieg und die kapitalistische Ausrottung "wie nie zuvor die Ausbeutung der Mitglieder unserer Völker verschlimmert, die auf Plantagen und in Maquiladoras schuften, oder als Migranten in fernen Städten und Ländern leben müssen, wo sie unter den schlimmsten Bedingungen angeheuert werden, und Sklaverei und Zwangsarbeit unterworfen sind."

Die Zurückweisung schließt auch die großen internationalen Ladenketten mit ein, "die den Gemeinden die wirtschaftlichen Ressourcen rauben," und die neoliberale Politik, die Gemeindewirtschaften und die Ernährungssouveränität schwächt und zum Verlust einheimischer Saatgutsorten führt. Sie verpflichten sich die integrale Re-Konstituierung ihrer Völker anzustreben und ihre Kulturen, Sprachen, Traditionen, Organisationen und Selbstregierungen zu stärken.

"Mit dem Rückhalt unserer Kultur und Weltsicht, werden wir unsere eigenen Bildungsinstitutionen stärken und wiedererschaffen, und die Bildungsmodelle zurückweisen, die der Nationalstaat uns aufzwingt, um unsere Kulturen auszulöschen."

Sie sprechen sich gegen "alle Formen der Repression gegen unsere Völker aus, die sich in der Militarisierung und der Paramilitarisierung unserer Gebiete ausdrücken, sowie in gewaltsamen Vertreibungen, Massendeportationen, der Einrichtung von Grenzen zur Spaltung und Fragmentierung, und der Einkerkerung und dem Verschwinden derer, die für die historischen Ansprüche unserer Völker kämpfen".

Eine starke Präsenz hatten die abwesenden indigenen "politischen Häftlinge". Einige schickten Grüsse aus El Amate (Chiapas) und Molino de Flores (Texcoco, insbesondere die indigene Mazahua Gefangene Magdalena García Durán). "Zugegen" waren auch die oaxaquenischen Loxichas aus San Isidro Aloapam, die Organisation Vocal und andere Mitglieder der Volksversammlung der Bevölkerung von Oaxaca; genau wie die zapatistischen Gefangenen in Tabasco sowie der Lakota Anführer Leonard Peltier. Für sie alle wurde die umgehende Freilassung gefordert.

Die Yaqui aus Vicam und aus anderen Ortschaften strömten für die Abschlusszeremonie in großer Anzahl zusammen, bei der die traditionellen Jagd- und Pascolatänze dargeboten wurden. Fast 3000 Personen nahmen an der Abschlusskundgebung der Zusammenkunft teil.

 Quelle:  
  http://www.jornada.unam.mx/ 
 

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