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Statt Massenversammlung: Massenverhaftungen von Polizeichefs

 

Schlag gegen die Beschützer der Drogenkartelle

Zapapres-Import vom 13.04.2002

  jk/ZAPAPRES, Mexiko-Stadt, 13.04.02 Hunderte von Polizisten des Bundesstaates Baja California, der gleichzeitig grenznahes Operationsgebiet des Narco-Kartells der Brüder Arellano Félix ist, waren am Mittwoch, den 10. April, zu einer Arbeitsversammlung in die Polizeiakademie des Bundesstaates zitiert worden.

Thema der Arbeitsversammlung, so die Vorinformation, sollte u.a. die Bekanntgabe der Ergebnisse der Dopingkontrolle sein, die Anfang des Jahres stattgefunden hatte und verbunden war mit einer "Routine-Befragung" am Lügendetektor, und der Abnahme der Fingerabdrücke.

Diese Daten, die auf Anordnung des Gouverneurs des Bundesstaates von den Mitgliedern aller Polizeieinheiten des Bundesstaates erfasst worden waren, wurden mit den Fingerabdrücken und Daten der bundesstaatlichen Verbrecherdateien abgeglichen.

Das Ergebnis: Gegen Dutzende, teils hohe Polizeibeamte, lagen Vorladungen oder Haftbefehle vor, gegen andere liefen bereits Gerichtsverhandlungen.

Die anberaumte Arbeitsversammlung diente als Vorwand, um erstens am Eingang zur Polizeiakademie alle ankommenden Polizisten zu entwaffnen, und zweitens kurz darauf alle anwesenden 200 Polizisten von Spezialeinheiten der Bundespolizei, unterstützt durch Einheiten des Militärs, zu verhaften.

Unter den Festgenommenen: die Polizeipräsidenten von Tijuana und Tecate, sowie die Kommandanten der Kriminalpolizei des Bundesstaates und von Mexicali, aber auch der Direktor des Hochsicherheitsgefängnisses des Staates, sowie der Kommandeur der speziellen Einsatzgruppe gegen Autodiebstahl.

Die Beschuldigungen und Haftgründe: Entführungen, Mord, Vergehen gegen die Antidrogengesetze, sowie Protektion der in Baja California operierenden Drogenkartelle, vor allem durch die rechtzeitige Informierung über anstehende Razzien, laufende Ermittlungen, Aussagen Festgenommener, etc.. Drei Herkules-Militärflugzeuge brachten 41 der Verhafteten, denen Verstöße gegen Bundesgesetze zur Last gelegt werden, zur Vernehmung in die Hauptstadt. "Diese Massenverhaftung, begründet mit der Zusammenarbeit von Teilen der Polizei mit dem organisierten Verbrechen" − so das Editorial der Zeitung La Jornada vom 11. April − "bestätigt die kritischen und gleichzeitig pessimistischen Hinweise auf das Ausmaß der Korruption im Polizeiapparat unseres Landes, eines Apparates, der eigentlich die Verhinderung bzw. Aufklärung von Verbrechen zur Aufgabe hat. Zweihundert verhaftete Polizisten sind, so die erschreckende Logik, nur die Spitze eines Eisberges".

Baja California ist aufgrund seiner geographischen Lage das geeignete Territorium für alle Arten von Vergehen und Verbrechen, organisiert von mächtigen kriminellen Vereinigungen, die vom Schmuggel bis zum Menschenhandel, vom Drogengeschäft bis zur Zuhälterei alle illegalen Geschäftbereiche beherrschen und über ausreichend finanzielle Mittel verfügen, um sich Schutz und Straffreiheit zu erkaufen.

Die Korrumpierung und Unterwanderung des Polizeiapparates, aber auch der verschiedenen anderen staatlichen Instanzen, darunter auch das Justizsystem, ist deshalb in Baja California besonders alarmierend.

Der Anfang der Woche veröffentlichte Bericht des UNO-Sonderberichterstatters über das mexikanische Justizsystem, in dem zwischen 50 und 70 Prozent der mexikanischen Richter als korrupt charakterisiert wurden, kennzeichnet auch die Situation in Baja California.

Das Justizministerium bezeichnete den Einsatz der Spezialeinheiten als Teil und Folge der Schläge gegen das organisierte Verbrechen. Verschiedene Medien meldeten am Freitag, dass wahrscheinlich einige im vergangenen Monat verhafteten Mitglieder des Arellano Félix -Kartells in den Vernehmungen die entscheidenden Tips gaben, um auf Bundesebene die Massenverhaftung zu organisieren.

Das Justizministerium hat angekündigt, ähnliche Aktionen in anderen Bundesstaaten zu unterstützen. Die Einschätzung der Bevölkerung über den Polizeiapparat als größte kriminelle Vereinigung des Landes erweist sich mit der Massenverhaftung in Baja California und anderen die folgen werden, als bittere Wahrheit.

Doch auch die Polizei ist jetzt vorgewarnt. Mögliche Schlagzeilen der Zukunft könnten deshalb lauten: Statt Antritt zur Arbeitsversammlung − Abtauchen ganzer Polizeieinheiten in den kriminellen Untergrund.


Quelle: Zapapres
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