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Zapatistische Jahrestage

Poonal vom 12.02.2002
Von John Ross

  Der Traum besteht noch, doch der Ausgang der zapatistischen Rebellion ist ungewiss

(Oventic, 28. Januar 2002, na-Poonal). - Es fehlen nur wenige Tage, dann jährt sich der Beginn des spektakulären Marsches der zapatistischen Kommandanten in die Hauptstadt, der mit einer Massenkundgebung vor dem Nationalpalast endete. Doch der Euphorie folgten Monate der Enttäuschung. Das Jahr 2001 entpuppte sich als schwieriges Jahr für die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN). Ihre Hoffnungen waren hoch gesteckt, als Präsident Vicente Fox das sogenannte Indigena-Gesetz ins Parlament schickte. Doch die Abgeordneten kürzten alle Abschnitte aus dem Entwurf, die mehr Selbstbestimmung für die indigenen Gemeinden vorsahen. Die zapatistische Führung brach daraufhin alle Kontakte mit der Regierung ab. Bis heute schweigt sie.

Gleichzeitig muss die EZLN gegen das Vergessen ankämpfen. Die Terrorattacken am 11. September in den USA ließen ihre Sache noch stärker in den Hintergrund treten. Als die Zapatisten in der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar unter einem großen Vollmond im chiapanekischen Oventic den achten Jahrestag ihres Aufstandes feierten, hatte ihre Feier einen anderen Charakter als in den Vorjahren. Hunderte Menschen von der zivilen Basis der Zapatisten kamen auf dem Basketballfeld des Ortes zusammen und tanzten Cumbias. Kein einziger Kommandant war anwesend. Weder wurde David, der im Theologieseminar geschulte Zapatistenführer, gesehen, noch die Majorin Ana Maria, die viele Neujahrstage vorher den Überraschungsangriff auf San Cristobal dirigierte.

Die Anwesenden kamen aus vier autonomen Rebellenlandkreisen, zeigten offen ihre Gesichter und ihre Autoritäten verlasen optimistische Erklärungen auf Spanisch und Tzotzil. "Die schlechte Regierung gibt Pressemitteilungen heraus, die von einem "makelosen Frieden" reden. Davon kann nicht die Rede sein. Wir sind nicht mit der Regierung zufrieden, die uns beleidigt hat, in dem sie das Gesetz über die Indigena-Rechte verstümmelte, aber wir blicken nicht entmutigt auf das Jahr 2002. Diese Nacht feiern wir das achte Jahr unseres ’Krieges gegen das Vergessen’".

Chiapas hat sich seit des zapatistischen Aufstandes vom 1. Januar 1994, dem Datum, an dem der Nordamerikanische Freihandelsvertrag in Kraft trat, verändert. Doch die Geschwindigkeit der Veränderung war sehr langsam. In diesen Tagen sind auf den weißen Häuserwänden von San Cristobal Sprüche gemalt, die wahrscheinlich den Musiker Kurt Cobain genauso wie den Subcomandante Marcos erwähnen. Dazu sind noch Plakatschnipsel zu sehen, auf denen steht "George Bush: Gesucht wegen Terrorismus".

An 1. Januar dieses Jahres verließ die Revolutionäre Institutionelle Partei (PRI), deren 70-jährige Herrschaft mit der Wahl von Fox endete, das Rathaus von San Cristobal. Der neue Bürgermeister, der die Partei der Sozialen Aktion gründete, ist ein Radiokommentator mit großem Rückhalt unter den Indigenas. Enoch Herández gewann im vergangenen Oktober bei geringer Beteiligung knapp eine Wahl, in der er die Kandidaten von fünf eingesessenen politischen Parteien hinter sich ließ. Die Stimmen der Indigenas waren entscheidend. In gewisser Weise hatte die Indigena-Bevölkerung acht Jahre nach ihrem Aufstand die Stadt schließlich eingenommen.

Aber die Geschwindigkeit der Veränderungen kommt fast einem Stillstand gleich. Kritiker weisen darauf hin, dass die Maya-Indigenas, die die EZLN formten, deren Mühen und Einsatz, kaum belohnt wurden. Aber in der Neujahrsnacht schien Oventic ein Kulturzentrum zu sein, das in einen kalten und schlammigen Hang hinein gebaut wurde. Ein Gesundheitszentrum, ein Auditorium, eine neue Schule, eine Bibliothek und das Basketballfeld leuchteten im Mondlicht.

Wahrscheinlich hätte die Regierung all das gebaut, wenn die EZLN für die PRI gestimmt hätte statt die Waffen zu ergreifen. Aber die Zapatisten schafften die Gebäude und Dienstleistungen durch eigene Anstrengungen. Sie sind niemandem zu Dank verpflichtet. Das ist die Würde und ihre Art, Ziele zu lösen, die sie mit der Selbstbestimmung verwirklichen wollen. Auch wenn sie ein weiteres Mal von der Regierung zurückgewiesen wurden — die, die in den chiapanekischen Bergen zusammen gekommen sind, scheinen sich ihrer Träume immer noch sicher zu sein.


Quelle: poonal
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