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Persönlicher Bericht von der Zapatour

 

Der Marsch der ZapatistInnen – persönliche Notiz

Indymedia Chiapas vom 02.03.2001
by pit

  Ein interner Blick auf den Marsch der ZapatistInnen
Der Marsch der ZapatistInnen − persoenliche Notiz

Bevor der Marsch begann, konnte sich keiner von uns so richtig vorstellen, wie so eine Reise ablaeuft, wie die Tage aussehen, mit welchen Problemen wir konfrontiert werden. Wir, das ist eine Gruppe von etwa 50 AuslaenderInnen − also "Internationalistas" − die sich bereits vor dem Marsch in St. Christóbal gegruendet hat, um sich auf den Marsch vorzubereiten, sich kennenzulernen und zu organisieren. Es hat sich jetzt − nach 2 Tagen Reise − gezeigt, dass wir uns auf nicht auf alles vorbereiten konnten, letztendlich aber von den bereits bestehenden Strukturen provitierten und relativ schnell ein Netz zwecks Informationsaustausch und gegenseitiger Unterstuetzung aufbauen konnten. Wie sieht nun der Marsch der Zapatisten aus?

Der Marsch ist erst einmal ein Konvoi, bestehend aus Autobussen, Pick-ups und PKWs. An der Spitze faehrt der Bus mit der Comandancia, gefolgt von 11 Bussen, die von der Coordinadora Mexikos organisiert wurden. Die darauf folgenden etwa 200 Fahrzeuge sind unabhaengig organisiert und bilden zusammen einen mehreren kilometerlangen Treck. Ausserdem gibt es Fahrzeuge an der Spitze, die fuer die Sicherheit der Comandancia sorgen. Fuer uns praktisch nicht sichtbar, von dem fast immer anwesenden Hubschrauber abgesehen, sind die etwa 1600 Sicherheitsbeamten der PFP − Policia Federal Preventiva − die Eliteeinheit Mexicos, die ebenfalls den Marsch begleiten und fuer die "Sicherheit" der Zapatisten sorgen.

In dem Konvoi organisiert ist die nationale wie internationale Zivilgesellschaft, sowie die Comapañer@s aus den zapatistischen Gemeinden.

Diese Marcha bedeutet in erster Linie viel im Bus sitzen (insgesamt sind es ca. 3000 km), immer wieder durch jubelnde Menschenmengen fahren, die sich entlang der Strasse versammeln, Schilder hochhalten und Sprechchoere bilden.

Diese Reise hat fuer uns aber auch bedeutet, dass vieles nicht organisiert war und wir eine Selbstorganisation unter uns, daher vor allem unter den Bussen der Coordinadora aufbauen mussten. Vor allem das Thema der Sicherheit der ZapatistInnen, die mit uns in den Autobussen sitzen, hat uns sehr beschaeftigt. In Tuxtla, unserem ersten Halt nach St. Christóbal, ist es zu einem Uebergriff eines Betrunkenen auf einen Compa gekommen, der diesem die Kaputscha vom Kopf reissen wollte. Wir mussten also klaeren, wie wir in Zukunft mit solchen Situationen umgehen, bzw. sie verhindern koennen. Sollen wir Sicherheitsguertel bilden oder setzen wir die Compas dadurch vielleicht sogar einer groesseren Gefahr aus. Daran schliesst sich nahtlos die Frage an, welche Aufgaben wir ueberhaupt uebernehmen koennen, da wir ja offiziell internationale Beobachter/ Begleiter sind. Nicht ganz so heftige, wenn auch dringende Fragen bezogen sich auf Unterkunft und Verpflegung. Einige Orte sind gut organisiert, es gibt Trinken und Essen, z.B. in Oaxaca wurden wir mit einem Willkommensschild in unsere Unterkunft geleitet und es wurden Essenskarten ausgeteilt. In der ersten Nacht z.B. aber war lange nichts geklaert, bis wir es uns schliesslich in einem Park gemuetlich gemacht hatten.

Schwierig ist auch der Kontakt zu den Compas der Comunidades. Sie haben ihre eigenen Entscheidungsstrukturen, die uns Internationalen oft nicht so klar sind. Seltsam ist das ungleiche Verhaeltnis von Internationalen und Compas. In unserem Bus bestand imerhin ein Verhaeltnis von 1:3, in anderen Bussen liegt es jedoch bei 1:10. Auch die nationale Zivilgesellschaft ist nur marginal vertreten.

Keine Frage, die Praesens der internationalen Zivilgesellschaft ist wichtig, ist Teil des Konzeptes der EZLN und bedeutet einen Schutz fuer die Reise der Comandancia und der anderen ZapatistInnen. Nur ist es jetzt so, dass die internationale Zivilgesellschaft die grosse Mehrheit bildet und viele ZapatistInnen nicht mitfahren, da sie sich das Ticket fuer die Reise einfach nicht leissten koennen. Vielleicht waere es in diesem Fall sinniger gewesen einen Fond zu bilden, um mehr ZapatistInnen aus den Gemeinden die Mitfahrt zu ermoeglichen. So muessen wir uns jetzt neben den Jubelrufen auch − und mit recht − Fragen und Buhrufe anhoeren, wo denn die ZapatistInnen und die Indígenas seien...

Aus bisher nicht geklaerten Gruenden sind schliesslich 2 grosse Gruppen von Compañeros (insgesamt ca. 40) in der Nacht zum Mittwoch (28.2.) in ihre Comunidades zurueckgekehrt, haben sich also entschieden, nicht weiter an der Marcha teilzunehmen. Jetzt muss diskutiert werden, ob das an der Marcha ansich, also z.B. an der fehlenden Aufmerksamkeit der Comandancia fuer ihre Basis lag, an internen, nur diese beiden Gruppen betreffenden Gruenden oder ob es innerhalb der Busse zu Missverstaendnissen und fehlender Komunikation gekommen ist.

Nachdem nun einige Busse der Coordinadora praktisch nur noch aus Internationalen bestand, hat sich eine Gruppe von ihnen entschlossen, nicht weiter an der Marcha teilzunehmen. Das ist erst einmal nicht als allgemeine Kritik am Sinn und Zweck der Marcha zu verstehen. Vielmehr haengt dies in erster Linie mit der bereits aufgeworfenen Frage der ueberdimensionalen internationalen Praesens zusammen, die durch die Entscheidung der Compas, nicht weiter an der Marcha teilzunehmen, obskure Zuege angenommen hat...

Solidaridad con las bases zapatistas
Solidaridad con la resisténcia en Cancún

pit

 Quelle:  
  http://chiapas.indymedia.org/display.php3?article_id=403 
 

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