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Schließung der »Schule für Folterer« gefordert

Poonal vom 06.06.2006
Von Pablo Long

  (Montevideo, 17. Mai 2006, na-poonal).- Argentinien, Bolivien, Uruguay und Venezuela werden künftig keine Militärs mehr zur Ausbildung an die "School of the Americas" schicken. In den 60 Jahren ihres Bestehens wurden an dieser US-amerikanischen Kriegsakademie ca. 62.000 Offiziere ausgebildet, darunter die grausamsten lateinamerikanischen Diktatoren. Möglicherweise werden sich weitere Staaten dem Schritt der vier Länder, deren Bevölkerung unter den Auswirkungen der Doktrin der Schule zu leiden hatte, anschließen.

Brasilien, Chile, Ecuador und Peru werden die Stationen der nächsten Rundreise von Roy Bourgeois sein, einem katholischen Priester, der die Organisation "School of the Americas Watch" (SOAW) leitet. SOAW strebt die endgültige Schließung der Ausbildungsstätte an. Als Roy Bourgeois im März und April dieses Jahres Argentinien, Bolivien und Uruguay besuchte, erreichte er, dass diese Staaten eine Entscheidung trafen und dem von Venezuela im Januar 2005 gefassten Beschluss folgten.

In den sechs Jahrzehnten ihres Bestehens wurden an der Akademie Militärs aus 18 Ländern in den Bereichen Krieg niederer Intensität, psychologische Operationen, Techniken der Aufstandsbekämpfung, Kommandooperationen sowie Methoden zur Befragung und Informationsbeschaffung ausgebildet, "was alles nichts mit jenem Gründungsvorhaben von 1946 zu tun hatte, die Demokratie zu fördern und die Militärs in der Respektierung der Menschenrechte zu unterweisen", so Bourgeois.

Nicht weniger als elf lateinamerikanische Diktatoren haben diese berüchtigte Schule durchlaufen, unter ihnen die Argentinier Leopoldo Galtieri (1981-82) und Roberto Viola (1981), die Bolivianer Hugo Bánzer Suárez (1971-78) und Luis García Meza (1980-81), der Guatemalteke Efraín Ríos Montt (1982-83) und der Chilene Augusto Pinochet (1973-90).

Ein weiterer Schüler der Einrichtung, der von sich reden machte, war der kürzlich verstorbene Major der salvadorianischen Streitkräfte Roberto D’Aubuisson. D’Aubuisson verließ die Schule 1972 und gründete die Todesschwadrone in seinem Land. Eines dieser Schwadrone war direkt für die Ermordung von Erzbischof "scar Arnulfo Romero im Jahre 1980 verantwortlich. Andere Absolventen der Einrichtung setzten hinter den Kulissen Mord und Folter als normale militärische Strategie durch. Vladimiro Montesinos, die "Macht hinter dem Thron" während der Regierungszeit von Alberto Fujimori in Peru (1990-2000), war ein ausgezeichneter Schüler der Militärakademie.

Am 27. März hatte die argentinische Verteidigungsministerin Nilda Garré erklärt: "Argentinien wird keine Offiziere mehr an die School of the Americas schicken; das wäre sogar illegal, weil an diesem unheilvollen Institut die Bereiche innere Sicherheit und Kampf gegen den Drogenhandel gelehrt werden, was den Militärs bei uns gesetzlich verboten ist." Zwei Tage später äußerte sich die uruguayische Regierung unter Tabaré Vázquez. Bolivien, das zwei blutige Diktaturen unter dem Kommando ehemaliger Absolventen der Schule hinter sich hat, kündigte als viertes Land seinen Rückzug an. "Unser Personal wird nach und nach von dieser Ausbildungsstätte für Diktatoren abgezogen", erklärte der bolivianische Präsidialminister Juan Quintana. Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hatte erklärt: "Venezolanische Soldaten werden diesen Ort nie wieder betreten. An dieser Schule wurden jahrelang viele unsagbar schreckliche, grausame Diktatoren Lateinamerikas ausgebildet."

Ein kurzer Blick auf die Geschichte zeigt, dass die lateinamerikanischen Staaten, in denen die schlimmsten Menschenrechtsverletzungen zu verzeichnen sind, gleichzeitig jene sind, welche die meisten Offiziere zur Ausbildung an die Akademie geschickt hatten. Kolumbien steht mit 8679 Absolventen an erster Stelle. Es folgen El Salvador (6776), Nicaragua (4693), Panama (4235), Bolivien (4049) und Honduras (3691).

Seit den Neunziger Jahren wurde in Lateinamerika der Ruf nach einer Schließung der Schule immer lauter, und auch in den USA fand er mehr und mehr Zustimmung. 1996 erhielt die Kampagne für die Schließung der Schule Aufwind, nachdem die US-amerikanische Tageszeitung "Washington Post" sieben Handbücher veröffentlicht hatte, die bei der Ausbildung der lateinamerikanischen Militärs verwendet wurden und in denen von Folter und weiteren Themen, die mit Demokratie nichts zu tun haben, die Rede war. Damals nahm sich der Kongress der Sache an und stellte dem Pentagon ein Ultimatum. Mehrere Kongressabgeordnete führten an, eine Schule mit dem Namen "School of the Americas" sei ein Unding. Daraufhin wurde die Schule allerdings nicht geschlossen, sondern im Jahre 2001 umbenannt. Nun trägt sie den hochtrabenden und trügerischen Namen "Institut der westlichen Hemisphäre für Sicherheitskooperation" (Western Hemisphere Institute for Security Cooperation, WHISC). "Damit hat man sozusagen eine Giftmülldeponie einparfümiert", lautete damals der ironische Kommentar von Priester Bourgeois.


Quelle: poonal
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