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Marcos schlägt Rededuell mit Garzón vor

La Jornada vom 09.12.2002
übersetzt von Dana

  Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung. Mexiko.

7. Dezember, 2002.

An Señor Fernando Baltasar Garzón Real
Oberster Richter des 5. Zentralgericht des Obersten Gerichtshofes
Calle García Gutiérrez 1 28.004
Madrid, Spanien

Senor Baltasar Garzón:

Ich habe den Brief vom 3. Dezember 2002 gelesen, den Sie an mich gerichtet haben, und der am 6. Dezember in der mexikanischen Tageszeitung El Universal veröffentlicht wurde. Außer dass Sie sich darin die Freiheit herausnehmen, mich mit allen möglichen Namen zu beleidigen, fordern Sie mich zu einer Debatte heraus, zu jeder Zeit und an jedem Ort meiner Wahl.

Ich gebe Ihnen zur Kenntnis, dass ich diese Herausforderung annehme und (wie es die Gesetze der fahrenden Ritterlichkeit erfordern) da ich der Herausgeforderte bin, liegt es an mir, die Bedingungen für dieses Treffen festzusetzen.

Es gibt drei Bedingungen:

ERSTENS. Die Debatte wird auf den Kanarischen Inseln stattfinden, genauer gesagt, auf Lanzarote, vom 3.-10. April 2003.

ZWEITENS. Señor Fernando Baltasar Garzón Real wird alle nötigen und ausreichenden Garantien und Zusicherungen der spanischen und der mexikanischen Regierung sicherstellen, dass der herausgeforderte Ritter und sechs seiner Getreuen, an dem Duell teilnehmen und sicher nach Hause zurückkehren können. Die Kosten für Reise und Verpflegung für Subcomandante Insurgente Marcos und seine Delegation werden von der EZLN getragen, und bestehen aus Coyucos, Tostadas, Bohnen und Pozol. Was des weiteren die Übernachtung betrifft, so wird der fahrende Ritter (oder seefahrende Ritter) kein anders Obdach benötigen, als den würdigen kanarischen Himmel.

DRITTENS. Am gleichen Ort wie die Debatte, parallel aber nicht gleichzeitig, wird ein Treffen zwischen allen politischen, sozialen und kulturellen Akteuren des baskischen Problems stattfinden, die dies wünschen. Das Thema des Treffens wird lauten: "Das Baskenland: Pfade."

VIERTENS. Señor Baltasar Garzón Real wird an dem Treffen teilnehmen um zu sprechen und zuzuhören. Er wird große Mühe auf sich nehmen, um die spanische Regierung zu überzeugen dazu beizutragen, durch Entspannungsmaßnahmen eine günstige Atmosphäre für die Veranstaltung zu schaffen. Er sollte sie auch drängen, eine Delegation zu dem Treffen zu schicken, ungeachtet ihrer Entscheidungsbemächtigung, da sie nur gebeten werden zuzuhören und zu reden.

FÜNFTENS. Der Ritter Subcomandante Insurgente Marcos wird am besagten Treffen teilnehmen, aber nur um zuzuhören, da dieses Thema nur der Verantwortung des baskischen Volkes obliegt.

Subcomandante Insurgente Marcos wird sich zusätzlich, an die baskische Organisation Euskadi Ta Askatasuna wenden (besser bekannt unter der Abkürzung: ETA), und sie um einen unilateralen Waffenstillstand von 177 Tagen ersuchen, während dem die ETA keine offensiven Militäraktionen austragen wird. Der ETA Waffenstillstand soll am Morgen des 24. Dezembers 2002 beginnen.

Subcomandante Insurgente Marcos wird sich ebenfalls an die baskischen politischen und sozialen Organisationen und dem baskischen Volk als ganzes wenden, um sie einzuladen, das besagte Treffen zu organisieren und zu veranstalten.

Subcomandante Insurgente Marcos wird sich auch an die spanische und baskische Zivilgesellschaft wenden, um sie zu bitten sich für eine Kampagne "Eine Chance für das Wort" zu mobilisieren, deren Zweck es ist, die spanische Regierung und die ETA dazu zu drängen, auf der ganzen iberischen Halbinsel angemessene Bedingungen für das Treffen zu schaffen.

SECHSTENS. Der Gewinner der Debatte, wird von einer Jury aus sieben Personen gewählt, die alle aus dem spanischen Staat kommen. Subcomandante Insurgente Marcos überläßt Señor Fernando Baltasar Garzón Real das Privileg vier der Juryteilnehmer zu ernennen, und zu entscheiden, wer den Vorsitz haben soll, und im Falle eines Gleichstandes aufgrund von Stimmenthaltung, den Sieger des Duells bestimmen soll. Die anderen drei Mitglieder der Jury werden von der EZLN eingeladen.

SIEBTENS. Wenn Señor Fernando Baltasar Garzón Real, Subcomandante Insurgente Marcos fair und gerecht besiegt, soll er das Recht haben, diesen ein mal, vor wem er auch immer wünscht zu demaskieren. Subcomandante Insurgente Marcos wird sich zusätzlich öffentlich entschuldigen, und sich der Spanischen Gerichtsbarkeit stellen, damit sie ihn foltern können (genau wie sie die Basken foltern, die festgenommen werden) und er auf die Anklagen antworten soll, die in Señor Garzón Reals Brief vom 3. April, 2003 vorgebracht werden.

Wenn andererseits Señor Fernando Baltasar Garzón Real fair und gerecht besiegt wird, wird er sich verpflichten, als gesetzlicher Berater der EZLN bei den Klagen fungieren, die — vielleicht als das letzte friedliche zapatistische Mittel, und vor internationalen Institutionen — präsentiert werden, um die Anerkennung der indigenen Rechte und Kultur zu fordern, die in Verletzung internationaler Gesetze und des gesunden Menschenverstandes, von den drei Gewalten der mexikanischen Regierung nicht anerkannt worden sind.

Zusätzlich soll er — sofern er willens und fähig ist — die EZLN gesetzlich vor diesen internationalen Institutionen vertreten, NUR hinsichtlich der Forderung nach der Anerkennung unserer Rechte und Kultur.

Dies aufgrund der Tatsache, dass auch Klagen über die Verbrechen gegen die Menschlichkeit des Señor Ernesto Zedillo Ponce de Leon vorgebracht werden, der für die Morde von Acteal verantwortlich ist (die im Dezember 1997 in den Bergen des mexikanischen Südostens verübt wurden) wo 45 indigene Kinder, Frauen, Männer und alte Menschen exekutiert worden sind. Wie man sich erinnert, wurde Señor Zedillo erst kürzlich von Señor José María Aznar, dem Oberhaupt der spanischen Regierung, für seine Beteiligung an den Morden ausgezeichnet.

Klagen werden ebenfalls gegen die Oberhäupter der spanischen Regierung vorgebracht werden, die während Señor Zedillos Amtszeit in Mexiko seine Komplizen bei diesem und andere Angriffe gegen die mexikanischen indigenen Völker verantwortlich gewesen sind.

Diese Bedingungen sind nicht verhandelbar, und Señor Fernando Baltasar Garzón Real wird innerhalb eines vernünftigen Zeitraums antworten, ob er sie akzeptiert oder nicht. Die Details der Debatte andererseits können von den Sekundanten des Herausforderers und des Herausgeforderten ausgehandelt werden.

Señor Fernando Baltasar Garzón Real: wie Sie aus den Kopien der Briefe ersehen können, die ich beifüge, habe ich bereits mit der Aufgabe begonnen, den Teil auszuführen für den ich verantwortlich bin.

Von einem Spanier zum anderen — da ein Viertel spanischen Blut durch meine Ader fließt — ich hoffe dass Sie nun verstehen, und dass Sie willens sein werden die Debatte zu führen, zu der Sie mich herausgefordert haben.

Sie haben die Möglichkeit zu wählen: entweder Ihr Wissen und Ihre Fähigkeiten im Dienste einer gerechten und noblen Sache zu stellen (und nebenbei zu demonstrieren, dass die internationale Gerechtigkeit nicht nur dazu dient, Kriege zu autorisieren und Verbrechen zu verstecken), oder da weiterzumachen wo sie sind, und die Schläge der Oberen zu akzeptieren, weil sie an der Spitze stehen, und das Blut und den Schmerz der Unteren.

Vale. Salud, und möge dies helfen, dem Wort eine Chance zu geben.

Aus den Bergen des mexikanischen Südostens.

Subcomandante Insurgente Marcos.

Dezember 2002.

PS. Sie sollten wissen, Eure Ehren, dass alle Beleidigungen mit denen Sie mich in Ihrem Brief bedacht haben, mich praktisch k-a-l-t gelassen haben. Was mich verletzt hat, war die Bemerkung über die "lächerliche Pfeife". Deshalb schnitze ich mir jetzt eine neue. Sie werden sehen, sie wird der allerletzte Schrei sein, wenn sie auf der Gran Vía oder La Ramblas auftaucht. Übrigens, darf man vor den Cibeles rauchen?

EIN WEITERES PS. Dieses ganze Zeug über das "treibende Boot" hat mich beunruhigt. Sie meinen, dass die Küsten vor uns nicht die Insel El Hierro sind (die bis zur Entdeckung Amerikas für das Ende der Welt gehalten wurde) sondern Java? Ich sagte bereits als wir an Krakatoa vorbeisegelten, dass wir uns, wie gewöhnlich und in allen Ehren für die "Zapatisten", den längsten Weg ausgesucht haben. Seufz.

 Quelle:  
  http://www.jornada.unam.mx/ 
 

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