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Mexiko-Projekte von medico international (Schweiz)

 

Jahresbericht 2008: Mexiko. Fünf kleine Projekte – politisch, engagiert und basisnah

medico internat. (CH) vom 29.03.2009
Sanja Previsic und Philipp Gerber

  Psychische Wunden heilen

"Wir lernten, ohne Medikamente zu heilen." Mit diesen Worten fasst ein zapatistischer Gesundheitspromotor die dreijährige Ausbildung zur "psychischen Gesundheit" zusammen. Der langanhaltende "Krieg niederer Intensität", den die Regierung gegen die aufständischen Zapatisten im Südosten Mexikos führt, hinterlässt bei der betroffenen Bevölkerung auch psychische Wunden: Angstzustände, Erschöpfung, Spaltung von Gemeinden und Familien sind die Folgen.

Strategien gegen Folter und Kriminalisierung sozialer Bewegungen

"Psychische Gesundheit ist ein sehr konkretes Anliegen der indigenen Gemeinden, das mit kleinem finanziellen Aufwand angegangen werden kann", meint Ximena, die Koordinatorin der Ausbildung.

Die Ausbildungskurse in der Nordregion von Chiapas haben die Stärkung der zapatistischen Gemeinden zum Ziel. 2008 vollzog sich ein Übergang vom Ausbildungszyklus hin zur Weitervermittlung des Gelernten in den Bezirken, aus denen die GesundheitpromotorInnen stammen. So fand ein Kurs zum Thema Sicherheit statt: Da die GesundheitspromotorInnen häufig zu den Kranken reisen müssen und bei Bedrohungen sowie Aggressionen durch feindlich gesinnte Gruppierungen (wie Paramilitärs oder regierungstreue DorfbewohnerInnen) Kriseninterventionen machen, setzen sie sich Gefahren aus. Der Kurs wurde in Zusammenarbeit mit einer Psychologin aus Kolumbien durchgeführt, die zum Thema spezialisierte Kenntnisse hat. Im Mai 08 wurde der Ausbildungszyklus mit einer Diplomfeier abgeschlossen. Das erste medico-Projekt in Mexiko erreichte damit ein wichtiges Etappenziel.

Bis Ende 2008 führten die Gesundheitsverantwortlichen in allen zehn Bezirken der Region je einen Multiplikationskurs durch, in dem sie ihr Wissen weiter vermittelten. Die Erarbeitung von didaktischem Material sowie die Weiterführung der Multiplikationsphase unter Supervision stehen nun im Mittelpunkt der Arbeit.

Aufbau medizinischer Grundversorgung

Indigene Basisgesundheit ist auch das Thema unseres zweiten Chiapas-Projektes, das wie alle weiteren Projekte im 2008 startete. Unsere Partnerorganisation SADEC arbeitet in acht Gesundheitsposten in den Regionen "Norte" und "Selva". Von diesen aus wird eine medizinische Basisversorgung aufgebaut. Dies geschieht mit aktiver Beteiligung der indigenen Bevölkerung im Rahmen der zapatistischen Autonomie. Anlässlich unserer Projektreise im Oktober 2008 berichtete der leitende Arzt Joel Herreria: "Die Impfkampagne konnten wir dieses Jahr weitgehend den zapatistischen GesundheitskoordinatorInnen übergeben. Dies ist ein wichtiger Erfolg in der langjährigen Zusammenarbeit." Auch Überweisungen in ein öffentliches Spital werden unterdessen direkt durch die zapatistischen Gesundheitsverantwortlichen gemacht. SADEC muss dabei jedoch oft bei den Aufsichtsbehörden der Spitäler Druck ausüben. "In den Spitälern werden Indigene weiterhin diskriminiert und schlecht behandelt. Bei Geburtskomplikationen werden Frauen häufig in ein anderes Spital weiterverwiesen. Viele Frauen sterben auf dem Weg. Damit waschen sich die Verantwortlichen die Hände rein, da diese Todesfälle nicht in der Spitalstatistik erscheinen", berichete Joel. SADEC konnte durch ihre Präsenz schon mehrmals solche Vorfälle abwenden.

Die Senkung der Müttersterblichkeit wird auch durch eine intensivierte Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsverantwortlichen und Hebammen angestrebt. Joel formuliert das Ziel: "Wir wollen die Anerkennung der Hebammen weiter stärken. Sowohl innerhalb der indigenen Bevölkerung als auch bei der autonomen zapatistischen Regierung."

Gesundheit für politische Gefangene

Im Bundesstaat Oaxaca unterstützt medico seit Mitte 2008 eine Initiative von ehemaligen politischen Gefangenen und ihren VerteidigerInnen. Im Rahmen der Kampagne "Gerechtigkeit für Oaxaca" übernimmt medico die Kosten der medizinischen und psychologischen Betreuung, soweit sie nicht von den – in allen Punkten freigesprochenen – ehemaligen Gefangenen getragen werden können. Die Gefangenen verlangen vom Staat Gerechtigkeit und haben deshalb gemeinsam Klage gegen die Folterer und deren Hintermänner eingereicht. "Die wahren Verantwortlichen der Agressionen, die wir erlitten haben, sollen damit in Verantwortung genommen werden", wie Elia Coca, eine zierliche ehemalige politische Gefangene sagt, die selber gefoltert wurde.

Diesen nicht ungefährlichen Ruf nach einem Ende der Straflosigkeit begleitet das "Komitee 25. November. Bisher haben 29 von 140 ehemaligen Gefangenen die Klage eingereicht. Das Komitee erstellt mit Hilfe von medico auch die professionelle Dokumentation, damit die Folter vor Gericht bewiesen werden kann. Dies geschieht anhand des sogenannten "Istanbul-Protokolls", einer internationalen Richtlinie zur Dokumentation von systematischer Folter. Das Komitee 25. November leistet in dieser Hinsicht eine wichtige menschenrechtliche Pionierarbeit in einem Land, wo die Grundrechte weiterhin täglich verletzt werden.

Sauberes Trinkwasser

Ein zweites, kleineres Projekt in Oaxaca ist der Versuch von ManEco, die Wasserreinigungsmethode SODIS in verschiedenen Gemeinden einzuführen. Dabei wird mit Hilfe von UV-Strahlen das Trinkwasser gereinigt und die Durchfallerkrankungen sollen massiv gesenkt werden (siehe dazu den Bericht im medico-Bulletin 2/08). Bisher stockt die Projekt-Pilotphase noch ein wenig. Lokale politische Konflikte, Verzögerungen in den Gemeindeplanungen und personelle Schwierigkeiten der kleinen Partnerorganisation haben uns dazu bewogen, die Pilotphase des Trinkwasseraufbereitungsprojekts bis Ende 2009 zu verlängern.

Folter verhindern – Folteropfer betreuen

In Guerrero arbeitet die medico-Partnerorganisation CCTI auf einem ähnlichen Gebiet wie das Komitee von Oaxaca. Dabei liegt der Fokus mit Weiterbildungen, der Begleitung von politischen Gefangenen und der Intervention in Krisensituationen stärker im präventiven Bereich. Eine Ausbildung zum Thema Folterprävention fand beispielsweise in Zitlaltepec statt, an der 40 Polizisten der "Policía Comunitaria" teilnahmen. Diese indigene autonome Kommunalpolizei entstand als Reaktion auf die Kriminalität und wird durch die gemeindeeigene Bevölkerung gestellt. "Zuerst haben uns diese Männer bloss belächelt", berichtete die junge Psychologin des CCTI. "Doch danach haben sie sehr aufmerksam zugehört. Nach Kursende schlugen sie vor, die Ausbildung auch in anderen Gemeinden mit den Gemeindepolizisten durchzuführen."

Eine Krisenintervention wurde Ende November 2008 just am selben Tag nötig, als das CCTI den Diplomlehrgang zur Prävention und Dokumentation von Folter an der Universität von Acapulco begann: Ein pensionierter Lehrer wurde entführt, galt tagelang als verschwunden, bis er in Polizeihaft auftauchte. Eine Woche später verschwand ein weiterer Aktivist, der den Mord an einer Menschenrechtsanwältin denunziert hatte – er entkam seinen Häschern (Militärs und lokalen Drogenbaronen) und fand nach zehn Tagen in seine Gemeinde zurück. Beide Fälle betreute das CCTI schnell und mit grosser Wirkung in der Öffentlichkeit. Was im gewalttätigen politischen Kontext Guerreros eine gute Portion Mut braucht. medico konnte diese Kriseninterventionen mit unterstützen.

Unsicherheit und Straflosigkeit nehmen zu

Wie diese Beispiele aus dem Alltag unserer ProjektpartnerInnen zeigen, sind sie mit schwierigen Rahmenbedingungen konfrontiert. Die Rezession zeigt in Mexiko schon deutliche Folgen: Der Handel mit dem nördlichen Nachbarn und die Geldüberweisungen der MigrantInnen aus den USA gehen weiter zurück. Dies hat katastrophale Auswirkungen, vor allem in der armen Bevölkerung. Zudem ist Mexiko gezeichnet durch eine Militarisierung und Kriminalisierung sozialer Bewegungen im Rahmen des so genannten Krieges gegen die Drogenmafia. Die Behörden sind oft selber in den Drogenhandel verstrickt, das Land erlebt eine rapide Kolumbianisierung, eine kollektive Angst vor Unsicherheit und eine totale Straflosigkeit. Das Budget für die innere Sicherheit wird erhöht, dasjenige für Gesundheit und Bildung gekürzt. Als Mexiko-Verantwortliche von medico wurde uns bei den Projektbesuchen im Herbst klar, wie wichtig in diesem politischen Kontext diese neuen Projekte von medico sind: Sie stärken die sozialen Bewegungen in Südmexiko in der Auseinandersetzung um Autonomie und Anerkennung von Grundrechten.

Sanja Previsic und Philipp Gerber

Die Mexiko-Projekte im Überblick

Projekt «Salud mental zapatista in Chiapas»
Projektpartner: «Junta de Buen Gobierno»
2008 unterstützt mit Fr. 5’920.-

Projekt «Indigene Basisgesundheit in Chiapas»
Projektpartner: «Salud y Desarrollo Comunitario» (SADEC)
2008 unterstützt mit Fr. 37’600.-

Projekt «Folterdokumentation in Oaxaca»
Projektpartner: «Comité 25 de noviembre»
2008 unterstützt mit Fr. 8’557.50

Projekt «Trinkwasseraufbereitung mit Sodis in Oaxaca»
Projektpartner: «Manejo Ecologico Oaxaca» (ManEco)
2008 unterstützt mit Fr. 7’750.-

Projekt «Folterprävention in Guerrero»
Projektpartner: «Colectivo Contra la Tortura y la Impunidad» (CCTI)
2008 unterstützt mit Fr. 22’140.-

Total Projektzahlungen 2008: Fr. 83’967.-

Der ganze Jahresbericht kann als PDF heruntergeladen werden:
http://www.medicointernational.ch/images/stories/publikationen/bulletin1_09.pdf


Philipp Gerber, Campaigning

medico international schweiz
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Tel. 044 273 15 55 Fax 044 273 15 66
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www.medicointernational.ch

 Quelle:  
  http://www.medicointernational.ch 
 

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