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Foltern für Bodenprivatisierung

 

Mexiko: Oppositionellen Bauern Geständnisse als »bewaffnete Räuber« abgepreßt

junge welt vom 28.04.2009
Von Luz Kerkeling, Chiapas

  Im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas sind oppositionelle indigene Bauern Opfer von Regierungswillkür und Polizeigewalt geworden. Am 13. April wurden sechs Angehörige der Tzeltal-Ethnie aus dem Bezirk Bachajón von Polizeieinheiten in Gewahrsam genommen. Nach Angaben des Menschenrechtszentrums Fray Bartolomé de las Casas wurden sie unter Folter zu Geständnissen von Taten gezwungen, die sie nie begangen haben: schwerer bewaffneter Raubüberfall auf Autobusse, die Touristen transportierten. Am 18. und 19. April wurden zwei weitere Bauern willkürlich inhaftiert. Ihr Aufenthaltsort ist bislang unbekannt.

Die Festgenommenen sind Aktivisten der »Anderen Kampagne«, eines landesweiten linken Bündnisses, das 2005 von der Zapatistischen Befreiungsarmee (EZLN) initiiert wurde. Ziel der Kampagne ist die Erarbeitung und friedliche Durchsetzung einer neuen antikapitalistischen Verfassung auf außerparlamentarischem Weg. In unmittelbarer Nachbarschaft von Bachajón liegt Agua Azul, eines der wichtigsten touristischen Ziele von Chiapas mit beeindruckenden Wasserfällen in tropischem Ambiente. Agua Azul wird von regierungsnahen Kräften kontrolliert. Die Bauern der »Anderen Kampagne« und der EZLN-Basis der Region, die dort stark sind, werden von der OPPDIC, der »Organisation zur Verteidigung der indigenen und bäuerlichen Rechte«, als Feinde betrachtet. Die OPPDIC ist eine regierungsnahe Gruppierung, die direkt von den Einnahmen in Agua Azul profitiert. Sie verfügt über einen paramilitärischen Arm und hat schon mehrfach Zapatisten schwer verletzt, ihr Vieh abgeschlachtet oder ihre Maispflanzungen zerstört.

Um die Freilassung ihrer Familienangehörigen zu erwirken, organisierten über 100 Aktivisten aus Bachajón ab dem 15. April eine Straßenblockade auf der vielbefahrenen Landstraße zwischen Ocosingo und Palenque an der Kreuzung, die zu Agua Azul führt. Die Aktivisten verlangten einen Obolus, um passieren zu können und informierten die Autofahrer über den Hintergrund ihrer Blockade.

Am 17. April wurden 800 Polizisten zusammengezogen, woraufhin die Blockade freiwillig aufgelöst wurde. Trotzdem griff die Polizei die Demonstranten an, zerstörte das kleine Kassenhäuschen der oppositionellen Bauern in der Zufahrtstraße zu Agua Azul und entwendete neben Dokumenten und Kleidung 115 000 Pesos; ein enormer Betrag für die bitterarmen Campesinos der Region. Die Installationen der OPPDIC blieben hingegen unbehelligt.

Hintergrund des Konfliktes sind Versuche, immer mehr bäuerliches Gemeinschaftsland zu privatisieren, um den lukrativen Tourismus in dieser Region auszubauen. »Die indigenen Gemeinden profitieren nicht von dieser Art von Entwicklung«, wie Hermann Bellinghausen, Mitgründer der renommierten Tageszeitung La Jornada gegenüber jW betont: »Der sogenannte Öko-Tourismus schafft die Schneisen für die später vorgesehene Ressourcenausbeutung der Zone, darunter Öl, Uran und die immense biologische Vielfalt. Außerdem zerstören die Projekte das soziale Miteinander in den Dörfern«.

In rund 20 Tageszeitungen wurden von der Regierung in Chiapas unter Juan Sabines von der sozialdemokratischen PRD offenbar bezahlte, völlig gleichlautende Artikel veröffentlicht, die die Bauern der »Anderen Kampagne« als gewalttätige Kriminelle abstempeln. Das Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de las Casas und zahlreiche Gruppen der »Anderen Kampagne« betrachten die Repression als gefährliche Provokation gegen die EZLN und ihr Umfeld und fordern die sofortige Freilassung der Gefangenen.

 Quelle:  
  http://www.jungewelt.de/2009/04-28/041.php 
 

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