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Außer der Reihe: Dramatische Stunden

 

Armee in Honduras vereitelt Rückkehr Zelayas

junge welt vom 07.07.2009
André Scheer

  Blutiges Ende eines Tages, der voller Hoffnung begonnen hatte. Das Militär ist in Honduras am Sonntag mit brutaler Gewalt gegen mehrere hunderttausend Menschen vorgegangen, die am Flughafen der Hauptstadt Tegucigalpa auf die Ankunft des rechtmäßigen Präsidenten Manuel Zelaya gewartet hatten. Die Landung des Flugzeuges, in dem neben Zelaya auch der Präsident der UNO-Vollversammlung, Miguel D’Escoto, weitere Funktionäre sowie Journalisten reisten, wurde von den Soldaten durch eine Blockade der Landebahn des Flughafens verhindert. Die Maschine mußte zunächst nach Nicaraguas Hauptstadt Managua ausweichen und flog von dort weiter in die Kapitale El Salvadors.

Am Sonntag morgen (alle Angaben in Ortszeit) hatte Zelaya in Washington noch einmal erklärt, an diesem Tage nach Honduras zurückzukehren, obwohl die Putschisten angekündigt hatten, seine Einreise verhindern zu wollen. Alle Flughäfen des Landes wurden auf Befehl der Putschisten geschlossen, sämtliche nationalen und internationalen Flüge abgesagt. Mehrere tausend Soldaten und Polizisten besetzten die Gebäude und Rollfelder, die Zufahrtswege wurden abgeriegelt.

Mehrere Regierungen des Kontinents hatten Zelaya gebeten, aus Sicherheitsgründen auf die Reise zu verzichten, was dieser jedoch zurückwies. Dann könne er seine Rückkehr ja gleich bis zum 27. Januar 2010 verschieben, sagte er ironisch. An diesem Tag endet Zelayas Amtszeit als Präsident von Honduras. Mit Blick auf die angespannte Sicherheitslage verzichteten die Präsidentin von Argentinien, Cristina Fernández, Ecuadors Präsident Rafael Correa, Paraguays Staatschef Fernando Lugo sowie OAS-Generalsekretär José Miguel Insulza darauf, Zelaya zu begleiten. Sie flogen mit der argentinischen Präsidentenmaschine nach San Salvador. Zelaya hingegen reiste mit seinen Begleitern in einer von Venezuela gestellten Maschine direkt nach Tegucigalpa.

Dort zogen seit den Morgenstunden mehrere hunderttausend Menschen aus der Innenstadt zum Flughafen. Honduranische Journalisten sprachen von bis zu 400000, einzelne Angaben gingen sogar von einer halben Million Demonstranten aus, die völlig friedlich in einem endlos scheinenden Zug durch die Straßen zogen. Die Szenerie wurde von Liedern und Sprechchören bestimmt, immer wieder sprangen die Demonstranten zu dem Slogan »Wer nicht hüpft, ist ein Putschist« in die Luft. Polizeisperren wurden von den ersten Reihen der Putschgegner immer wieder zurückgedrängt, so daß sich der Marsch Schritt für Schritt den Weg zum Flughafen bahnen konnte. Die Anweisungen Zelayas an seine Unterstützer waren eindeutig: Niemand dürfe eine Waffe tragen, niemand dürfe Gewalt anwenden.

Nicht mehr weit entfernt vom Flughafen wurden die Straßensperren der Polizei plötzlich aufgehoben, die Einheiten zogen sich zurück. Gerüchte machten die Runde, der Airport sei wieder eröffnet worden. Tatsächlich nahm die Präsenz von Polizei und Militär am und im Flughafen zunächst deutlich ab, so daß die Menschen bis unmittelbar an die Absperrzäune gelangen konnten. Der Maschendrahtzaun hielt dem Druck der Demonstranten nicht lange stand, so daß bald die ersten direkt auf das Gelände gelangen konnten. Reporter alternativer Medien freuten sich bereits: »Der Flughafen ist unser« – ein tragischer Irrtum. Die großen Medien in Honduras waren von den Putschisten zum Schweigen gebracht worden. Stundenlang mußten alle legalen Sender eine Pressekonferenz der Putschisten übertragen, die unmittelbar darauf noch einmal in voller Länge wiederholt wurde.

Wenige Minuten vor der erwarteten Ankunft des Flugzeugs von Zelaya, das bereits honduranischen Luftraum erreicht hatte, eröffnete das Militär ohne Vorwarnung das Feuer auf die Demonstranten und setzte Tränengas ein. Zwei Menschen starben noch am Flughafen durch die Kugeln der Soldaten. Zahlreiche Menschen wurden verletzt. Militärfahrzeuge rasten auf die Landebahn, um sie zu blockieren. Trotzdem harrten Hunderttausende Menschen am Flughafen aus und reagierten mit Jubel, als am Himmel die Maschine Zelayas auftauchte und begann, über der Landebahn zu kreisen. Über Funk drohten die Putschisten dem Piloten mit dem Abschuß des Flugzeuges. Eine Landung gegen die Anweisungen des Towers war durch die Blockade der Landebahn unmöglich. Daraufhin entschied die Besatzung der Maschine, nach Managua abzudrehen.

In Nicaragua wurde das Flugzeug aufgetankt, um dann seinen Weg nach San Salvador fortzusetzen, wo Zelaya um 23 Uhr gemeinsam mit den dort wartenden Präsidenten vor die Presse trat, die Repression verurteilte und betonte: »Wir werden weiterkämpfen, daran darf es keinen Zweifel geben. Es geht nicht um einen Posten, es geht nicht darum, Präsident zu sein. Es geht um die Würde des Volkes von Honduras!«

 Quelle:  
  http://www.jungewelt.de/2009/07-07/023.php 
 

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