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Die EZLN taucht wieder auf

Poonal vom 07.01.2003
Poonal 554 vom 07.01.2003

  (Mexiko-Stadt, 5. Januar 2003, poonal).- Tausende von Indigenas aus den autonomen zapatistischen Gemeinden "besetzten" in der Nacht zum 1. Januar vorübergehend die Stadt San Cristóbal im südmexikanischen Chiapas. Mit ihnen waren sieben Comandantes der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) angereist. Insgesamt kamen rund 20 000 Menschen, um an diesem 9. Jahrestag des Aufstands der EZLN von 1994 in San Cristóbal mit Macheten und Fackeln gegen die Politik der Regierung des konservativ-liberalen Präsidenten Vicente Fox und für die Autonomie der indigenen Gemeinden zu demonstrieren.

"Wir sind die, die 1994 für eine würdige und gerechte Sache die Waffen ergriffen haben," erklärte Comandante Bruce Lee. "Unser Kampf gilt nicht nur den Indígenas. Er ist für alle, für die Indígenas und für die Nicht-Indígenas." Man werde nicht darauf warten, bis die Regierung eine Erlaubnis gäbe. Die indigenen Völker würden auch nicht auf eine Lösung von Seiten der politischen Parteien warten, sagte der Zapatist. Das Recht auf Autonomie werde erkämpft, "mit oder ohne Gesetz."

Mit diesen Worten reagierte die EZLN auf die Ablehnung der Klagen gegen das Ley Indígena vom Sommer vergangenen Jahres. Damals hatte sich der Oberste Gerichtshof Mexikos geweigert, die Einsprüche von über 300 indigenen Gemeinden gegen das Gesetz zu verhandeln. Die Kommunen hatten geklagt, weil in dem im Jahr 2001 verabschiedeten Gesetz wesentliche Forderungen der indigenen Organisationen nicht aufgenommen worden waren. So etwa das Recht, über die Nutzung ihres Landes sowie der dort lagernden Rohstoffe selbst entscheiden zu können.

Fast zwei Jahre lang hatte die EZLN kaum mehr von sich hören lassen. Nach einen spektakulären Marsch nach Mexiko-Stadt im Frühjahr 2001 konzentrierte sie sich auf die Arbeit in den autonomen Gemeinden. Man wollte abwarten. Schließlich hatte Präsident Fox bei seinem Amtsantritt im Jahr 2000 erklärt, er werde den Chiapas-Konflikt in 15 Minuten lösen.

Weder zu der Ablehnung jener Gesetzesklagen noch zu tödlichen paramilitärischen Angriffen gegen Zapatisten im August 2002 hatte sich die EZLN in der Folge geäußert. Auch etwa beim bundesweiten Aktionstag gegen das so genannte Entwicklungsprojekt Plan Puebla Panama am 12. Oktober 2002 wartete man vergeblich auf eine unterstützende Äußerung der EZLN. Das selbst verordnete Schweigen der Organisation hatte in den letzten Monaten immer wieder zu Spekulationen über Spannungen und Spaltungen innerhalb der zapatistischen Bewegung geführt.

Doch der kurzzeitige "Besuch" in San Cristóbal führte eindrucksvoll vor Augen, dass in Mexiko weiterhin mit den Zapatisten gerechnet werden muss. "Wir sind einmal mehr gekommen, um zu sagen, dass wir leben und hier weitermachen", sagte Comandante Omar. "Wir haben uns nicht ergeben." Man habe nicht vor neun Jahre die Waffen erhoben, "um nach Almosen zu betteln, sondern um Demokratie mit Gerechtigkeit und Würde zu erkämpfen", ergänzte Comandante Esther vor der Kathedrale von San Cristóbal. In diesem Sinne unterstütze man das Rebellentum der Argentinier, den "politischen Kampf des baskischen Volkes und der italienischen ’desobedientes". Es gehe darum, erklärte Kommandant Bruce Lee, die Freiheit zu globalisieren, nicht "den Tod und die Misere".

Bereits in den letzten Wochen hatte die EZLN ihr Schweigen gebrochen. Anfang Dezember forderte der EZLN-Sprecher Subcomandante Marcos in einem öffentlichen Brief den spanischen Richter Baltasar Garzón zu einem Rededuell auf. Das Thema: Der Baskenlandkonflikt. Zuvor hatte Marcos den Juristen als "grotesken Clown Garzón" und "Arm der politischen Klasse Spaniens" beschimpft. Mit dem Verbot der linksnationalistischen Batasuna habe der Richter seine "wahre faschistische Gesinnung offenbart" und dem "baskischen Volk" das legitime Recht auf seinen politischen Kampf abgesprochen. Dass Garzón einst Augusto Pinochet angeklagt hatte, habe dem chilenischen Ex-Diktator lediglich einen bezahlten Urlaub in Europa eingebracht, schrieb Marcos.

Diese Sätze stießen nicht nur bei dem spanischen Richter auf Ablehnung. Garzón hat bei vielen lateinamerikanischen Linken wegen seiner Anklage gegen Pinochet einen guten Stand. Der mexikanische Autor Carlos Monsiváis etwa, der selbst zu den intellektuellen Unterstützern der EZLN zählt, kritisierte Marcos und betonte, dass erst der Prozess gegen ehemaligen chilenischen Staatschef den Rahmen für eine strafrechtliche Verfolgung weiterer ehemaliger Diktatoren aus Lateinamerika geschaffen habe. Mit seinen radikalen Gehabe habe der "Sub" der Sache der indigenen Bewegung geschadet.

"Offiziell" beendete die EZLN ihr Schweigen in einem Schreiben vom 29. Dezember. Dort äußerte sich Marcos zu den unmittelbar von der Räumung bedrohten zapatistischen Gemeinden in Montes Azules. Nach den Plänen der Regierung Fox sowie konservativen Nichtregierungsorganisationen soll in dieser Region in Chiapas ein Naturschutzgebiet entstehen. Die Indígenas stünden diesem Vorhaben im Wege, da sie für den Anbau ihrer Grundnahrungsmittel Teile des Regenwaldes vernichten würden. Doch eine friedliche Räumung in Montes Azules, so erklärte der Subcomandante, werde es mit der EZLN nicht geben.

Marcos, der mit Abstand bekannteste Comandante der Zapatisten, war in San Cristóbal nicht anwesend. Mit Blick auf die Äußerungen des EZLN-Sprechers stellte Comandante Tacho jedoch klar, "alles, was der ’Sub` gelernt hat, haben wir ihm beigebracht".


Quelle: poonal
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