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Zwei US-Bürger "verbreiten Lügen" über eine Zapatistische Invasion

 

US Department fordert militärischen Einsatz im zapatistischen Gebiet

La Jornada vom 05.02.2003
Hermann Bellinghausen
übersetzt von Dana

  Nuevo Jerusalén, Chiapas, 4. Februar. Vor den Toren der toten Stadt von Toniná scheint eine interventionistische komische Oper in Gange zu sein: 100 Meter vom Haupteinfahrt des Hauptquartiers der 39. Militärregion entfernt, und ein paar Meter mehr von den Baracken des 31. Infanteriebataillons. Am Eingang einer Gemeinde in Widerstand, die zum Autonomen Bezirk Primero de Enero gehört. In der Nähe einer Touristenranch, La Esmeralda, die Eigentum zweier US-Bürger ist.

Ein einzigartiges Szenario in der Gegend: es hat alle nötigen Zutaten um eine kleine Provokation zu inszenieren, und die Angelegenheit weltweit zu berichten. Das wurde kurz vor dem 1. Januar versucht, aber es ging daneben. Zu der Zeit erzählte das Ehepaar Wersch der Presse, ihre Ranch sei "von Zapatisten besetzt worden", etwas das niemals stattgefunden hat, aber die Geschichte wurde weithin berichtet. In den folgenden Wochen erzählten die Besitzer von La Esmeralda ihrer Regierung, internationalen Presseagenturen und der nationalen und staatlichen Presse, dass die Zapatisten sie bedrohen würden. Diese weisen dies entschieden zurück.

Was vor einem Jahr tatsächlich passierte, ist dass die Versammlung der Dörfer von Nuevo Jerusalén und San Juanito beschloss, die Öffentliche Sicherheitspolizei und die Bundesarmee daran zu hindern durch ihre Gebiete zu passieren. Diese "Sicherheitsoperation" betraf die kurze Route zwischen dem Toniná Predio (den Militärbaracken) und der La Esmeralda Ranch. Die Patrouillen würden dort für eine kurze Zeit verweilen, und dann auf ihren Rückweg durch zwei zapatistische Gemeinden marschieren.

Zu Beginn des Jahres 2002 versperrten die Indigenas den Zugang für die Patrouillen und die ausländischen Touristen, die der Polizei und den Soldaten als Vorwand dienten eine Strasse durch Gebiete zu benutzen, die nicht öffentlich waren, da sie der Gemeinde von Nuevo Jerusalén gehörten. Sie ließen nur die Eigentümer der La Esmeralda Ranch, Glenn Wersch und Ellen Jones, passieren. Seit dieser Zeit passieren die Touristen durch die archäologische Zone.

"Dieses ganze Problem wurde von den Eigentümern der Ranch mit ihren Lügen verursacht. Sie haben diese Situation selbst geschaffen, als ob es etwas ernstes wäre," sagt ein Mann, der älteste einer Gruppe von sechs Personen, die den Eingang zu Nuevo Jerusalén bewachen.

"Sie verbreiten die Lüge, wir hätten ihr Land besetzt, was wir niemals vorgehabt haben. Wir haben mit Señor ’Clen’ (wie die Indigenas Glenn Wersch nennen) gesprochen um zu sehen ob er die Lüge verbreitet hat, und dann sind wir gegangen. Dann sagte er wir hätten seine Ranch gefordert. Er muss es missverstanden haben."

Die Indigenas sind sich sicher völlig unbewusst, dass die Geschichten des Wersch Ehepaares die New York Times, die Botschaft der Vereinigten Staaten und das State Department in Washington erreicht haben. Die Zapatisten haben es im lokalen Radio von Ocosingo gehört, als sie von ihrem Marsch in San Cristóbal zurückkehrten. Das reichte ihnen, um zu erkennen, dass die Besitzer der La Esmeralda Ranch "Lügen verbreiteten."

Nun, da die angeblichen Drohungen und Landbesetzungen in den Medien erschienen sind, muss man am Anfang beginnen. Besonders, da diese gekünstelte Geschichte von der US Regierung für eine interventionistische Haltung benutzt wurde, die nicht genug Aufmerksamkeit erhalten hat.

Bei dem Versuch die Warnung zu minimalisieren, die das State Department vor einigen Tagen für US-Bürger, die Chiapas besuchen wollen, veröffentlicht hat, machte Gouverneur Pablo Salazar Mendiguchía eine außerordentliche Enthüllung.

Wie der Gouverneur von Chiapas der nationalen Presse gegenüber erklärte, haben infolge der "Ereignisse" auf der La Esmeralda Ranch, "Behörden des State Departments die Regierung von Chiapas aufgefordert, die Armee einzusetzen, um Glenn Werschs Eigentum zu sichern." Als Erwiderung kommentierte Salazar: "Das ist weder Aufgabe der Armee, noch untersteht die Armee meinem Befehl. Da sie (die US Behörden) nicht die Antwort erhalten haben, die sie erwarteten, reagierten sie mit einem übertriebenen Wutanfall, und nun kommt dieses Kommunique."

Nuevo Jerusalén ist vor acht Jahren auf der ehemaligen Canelo Viehranch gegründet worden. Nach dem zapatistischen Aufstand von 1994, gaben die Besitzer sie auf, nachdem sie von der Regierung entschädigt wurden. Daraufhin beanspruchten EZLN Unterstützungsbasen das Land, errichteten ein neues Dorfzentrum, und nahmen das Land kollektiv in Besitz.

Die neuen Nachbarn der Zapatisten trafen fast zur genau gleichen Zeit ein. Das Amt für Nationale Sicherheit (SEDENA) erwarb das Toniná Predio neben der Autobahn um einen riesigen Komplex militärischer Verwaltungs- und Wohngebäude zu errichten. Auf der Seite der archäologischen Zone erwarben das Wersch Ehepaar die Ranch La Esmeralda und zogen aus den Vereinigten Staaten in das Ocosingo Tal.

Die Berge des archäologischen Schauplatzes können von allen Seiten des Ocosingo Tals gesehen werden, wo die Stufen zur Unterwelt herabführen, und eine schreckliche Gottheit auf einer Stele einen abgehauenen Kopf in seiner Hand hochhält. Die militärische Festung wo der blutige Señor Murciélago-Tigre, Tzoj Choj, gegen Ende der klassischen Maya Periode regierte. Im Lauf der Jahrhunderte sammelte sich hier ein bemerkenswerter Ort für das Nationalinstitut für Anthropologie und Geschichte an, der dennoch weiterhin nicht von Touristen überrannt wird. Bestenfalls gilt er als ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Palenque.

Das war es, was Glenn Wersch und Ellen Jones im Sinn hatten, als sie ein Landhotel mit ein Paar Kabinen, Küchenservice, Gärten und einer angenehmen Umgebung einrichteten. Ein kleines Tourismusunternehmen, nahe an der archäologischen Zone, auf dem Weg durch das südliche Mexiko zu den Stränden der Karibik, und am Eingang zu den Cañadas der Lacandona.

Inzwischen errichtete das SEDENA sein riesigen architektonischen Komplex, von wo aus sie in den letzten sieben Jahren, die überwältigende Militarisierung der Selva Lacandona organisiert und durchgesetzt haben. Ernesto Zedillo weihte die Baracken persönlich ein, und hing dort eine dieser riesigen Fahnen auf, die er auf seinen Reisen durch Chiapas so gerne aufpflanzte.

Zu der Zeit gab es eine Mobilisierung der Unterstützungsbasen der EZLN und ARIC-Independiente und anderer, um ihre Ablehnung der Militärbasis zum Ausdruck zu bringen.

Und das Leben geht weiter. Denn fast gegenüber wurde der indigene Widerstand errichtet, und hier ist er immer noch. In Nuevo Jerusalém und San Juanito gibt es um die 150 Tzeltal Familien, die wie alle Campesinos des Landes versuchen, durch das Bebauen ihrer Milpas zu überleben.

Militärquellen haben wiederholt erklärt, in Nuevo Jerusalém gäbe es einen "zapatistischen Kontrollpunkt", an dem was strenggenommen ein einfacher Eingang zur Gemeinde ist. Trotz ihrer Missstimmigkeiten und der arroganten Haltung des Wersch Ehepaares, gestatteten die Zapatisten den zumeist US-amerikanischen Touristen jahrelang den Zugang.

"Wir wurden es einfach Müde dauernd die Soldaten und die Polizei vor unseren Häusern zu haben und haben das Tor geschlossen," sagte der Mann. Ein junger Mann warf ein: "Dieser ’Clen’ behandelt uns wie Hunde. Er hat überhaupt keinen Respekt." Zustimmendes Gemurmel. Der ältere Mann fügte hinzu: "Gerade haben uns einige INAH Arbeiter erzählt, dass Señor ’Clen’ bei den Ruinen unerlaubt Stacheldraht durchgeschnitten hat, um mit seinem Auto durchzukommen, obwohl es dort keine Straße gab. Nein, kein Respekt."

Inzwischen hat das Wersch Ehepaar seine Sachen gepackt und die Möbel aus der Ranch geschafft, und versicherte der Presse, sie planten so lange auszuhalten wie möglich. Und mit ein bisschen Hilfe vom Radio und einer gewissen US Presse, und der Regierung von Washington jenseits des Río Grande, stehen sie wie Helden des freien Unternehmertums da, denen die Regierung von Chiapas "keine Aufmerksamkeit schenkte." Und die von dem PRI Bezirkspräsidenten von Ocosingo, Omar Burguete, weiter aufgestachelt wurden, der ihnen laut Señora Jones erzählte, sie würden verstehen, dass "es hier keine Gesetze gibt."

In der Nacht zum 29. Januar verließen Glenn Wersch und andere Personen La Esmeralda, und erreichten das abgeschlossene eiserne Tor, die von den Autonomistas mit einem Schloss versehen worden war. Der US-Bürger erklärte, er habe das Schloss "abgeschnitten" um wegzugehen. Die Zapatisten sagen, es war nicht er, sondern sein Vorarbeiter, Ernesto Cruz Kánter, der ebenfalls ein Indigena ist.

Nach seiner Rückkehr aus Ocosingo nach 22.00 Uhr des gleichen Tages, trafen Wersch und Kánter am Tor auf eine Gruppe Einwohner von Nuevo Jerusalém, die sich über seine Handlungen beschwerten. ’Doña Elena,’ wie die Indigenas Ellen Jones nennen, sagte aus, sie hätten ihren Mann angegriffen. Die Zapatisten sagen es sei genau andersherum gewesen. "Er warf sogar einen Compañero unter einen Wagen. Und es ist nicht wahr, dass wir Steine geworfen haben," sagte der Mann, der die Unterhaltung mit der La Jornada führte.

Etwas anderes, das die Autonomistas bestreiten, ist die Geschichte, sie hätten vom Ehepaar Wersch die Besitzurkunde der La Esmeralda Ranch gefordert. "Was passiert ist, ist dass sie sagten wir könnten die Strasse nicht benutzen, weil sie ihnen gehörte, und wir haben sie aufgefordert uns die Besitzurkunde zu zeigen um das zu beweisen. Dann erzählte sie herum, wir hätten sie ihnen wegnehmen wollen. Wozu hätten wir sie denn haben wollen?" fügte der Mann hinzu.

Zuletzt erklärten die Autonomistas hinsichtlich der "fünf Stunden langen Entführung" des Vorarbeiters am 30. Juni, als er die Ranch in einem Taxi verließ: "Ja, es ist wahr, dass wir ihn am nächsten Tag aufgehalten haben, weil er mit dem Durchschneiden unseres Schlosses ein Vergehen verübt hatte. Aber es stimmt nicht, dass wir ihn bedroht und verprügelt haben, wie in der Zeitung stand. Ja, er wurde verletzt, aber nur weil er sich gewehrt hat", gaben sie zu.

"Und wir haben ihn nur zwei Stunden lang hier in der Schule zur Strafe festgehalten. Die anderen Stunden die er in seiner Aussage erwähnte, hat er nicht mit uns verbracht," erklärte der Mann und sagte weiter: "Es scheint uns seltsam, dass ’Doña Elena’ diese Dinge sagen würde, sie ist immer eine gute Person gewesen. Aber nicht Señor ’Clen.’ Er redet immer noch mit uns als ob er unser Boss wäre," endete der Sprecher der Indigenas.

 Quelle:  
  http://www.jornada.unam.mx/ 
 

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