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EZLN-Kommuniqué - Sie und wir - VII. Die Allerkleinsten 6.

 

6. – Der Widerstand

Kommunique vom 08.03.2013
übersetzt von RedmycZ, Christine, und ¡Alerta!, MaMa

  März 2013

Anmerkung: Die nachstehenden Fragmente berichten vom Widerstand der zap....Moment! Gibt es eine zapatistische Luftwaffe? Das Gesundheitssystem ist besser als das der schlechten Regierung? In diesen fast 20 Jahren haben die zapatistischen Gemeinden mit Einfallsreichtum, Kreativität und Intelligenz allen Varianten der Aufstandsbekämpfung widerstanden. Der sogenannte »Kreuzzug gegen den Hunger« [1] der priistischen [2] Handlanger ist nichts anders als eine Neuauflage der Täuschung, dass die Indigenen Almosen verlangen und nicht Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit. Diese Kampagne der Aufstandsbekämpfung kommt nicht allein, sie wird von der Medienkampagne begleitet (die gleiche, die im heutigen Venezuela ihre Berufung zum Staatsstreich gegen die Bevölkerung bekräftigt, eine Bevölkerung, die es verstehen wird, ihr Leiden in Stärke zu verwandeln), die gesamte politische Klasse ist beteiligt (in dem, was »Pakt gegen Mexiko« [3] heißen müsste) und natürlich, einer neuen militärischen und politischen Eskalation: im zapatistischen Gebiet werden die paramilitärischen Gruppen mutiger (mit Erlaubnis der bundesstaatlichen Regierung), die staatlichen Truppen verstärken ihre provozierenden Patrouillen, um »die zapatistische Führung zu aufzuspüren«, die Geheimdienste werden wiederbelebt und das System der Rechtssprechung beweist erneut seine Dummheit (siehe den Fall Cassez) indem sie dem Professor Alberto Pathistán Gomez die Freiheit verweigern und ihn dafür verurteilen, dass er es wagt, im Mexiko des 21. Jahrhunderts Indigener zu sein. Aber der Professor widersteht und ganz zu schweigen von den zapatistischen Gemeinden......

-*-

Guten Tag Compañeros, guten Tag Compañeras. Ich heiße Ana und gehöre dem aktuellen Rat der Guten Regierung an, jenem der vierten Generation von 2011 bis 2014, im Caracol I in La Realidad. Ich werde ein wenig über den ideologischen Widerstand sprechen, dieses Thema werden wir zu zweit abhandeln, ich und der Compañero. Ich werde über die Ideologie der schlechten Regierung sprechen. Die schlechte Regierung verwendet alle Medien, um die Bevölkerung zu kontrollieren und falsch zu informieren, zum Beispiel das Fernsehen, Radio, Daily Soaps, Handys, Zeitungen, Zeitschriften, ja sogar den Sport. Über Fernsehen und Radio wird viel Werbung verbreitet, um die Menschen abzulenken, die Daily Soaps dienen dazu, die Menschen zu verderben und damit wir glauben, auch uns wird es so ergehen wie der Hauptdarstellerin in dieser Seifenoper. In der Schulbildung ist das ideologische System der schlechten Regierung so, dass es mit den Nicht-Zapatistas so verfährt, dass ihre Kinder täglich mit einer schönen Uniform in die Schule gehen, ob sie lesen und schreiben lernen, das ist nicht wichtig, nur der Schein ist wichtig und dass die Kinder nett aussehen. Sie geben ihnen auch Stipendien, damit sie zur Schule gehen können, aber am Ende sind die einzigen, die daraus Nutzen ziehen die Firmen, die die Schulmaterialien oder die Uniformen verkaufen. Wie widerstehen wir in unserem Caracol all diesen Übeln der Ideologie der Regierung? Unsere wichtigste Waffe zur Verteidigung ist die autonome Erziehung. Dort in unserem Caracol wird den Bildungsbeauftragten die wahre Geschichte gelehrt, die Geschichte die uns einfache Leute betrifft, damit diese dann an die Kinder weitergegeben wird, und auch unsere Forderungen werden bekannt gemacht. Wir haben auch begonnen, politische Gespräche mit unseren Jugendlichen zu führen, damit sie wach sind und nicht so leicht von der Ideologie der schlechten Regierung getäuscht werden. Wir führen auch Gespräche mit der Bevölkerung über die dreizehn Forderungen [4]. Das ist das Wenige, was ich Euch erklären wollte und jetzt kommt der Compañero dran.

(…)


-*-

(…)

Da sind auch noch die Programme, die Projekte der Regierung. Die Regierung beginnt mit Projekten, damit unsere Brüder [5] was von diesen Projekten bekommen und damit sie glauben, das ist was Gutes, und wenn sie was bekommen, vergessen sie ihre Arbeit. Und dann sind unsere Brüder nicht mehr selbstständig sondern sind von der schlechten Regierung abhängig.

Was machen wir, um dem zu widerstehen? Wir organisieren uns und machen Gemeinschaftsarbeit, wie schon einige Compas gesagt haben, wir machen Gemeinschaftsarbeiten im Dorf, in der Region, in den Bezirken und auch in den Zonen. Diese Arbeiten machen wir, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen, verschiedenste Arbeiten, das machen wir, um Widerstand zu leisten und nicht auf die Projekte der schlechten Regierung hereinzufallen, und wir machen unsere eigene Arbeit, damit wir selbstständig sind und nicht von der schlechten Regierung abhängig.

-*-

Es gibt ein großes Krankenhaus in einer Ortschaft, sie heißt Guadalupe Tepeyac, und jetzt bauen sie ganz in der Nähe, eine halbe Stunde Weges entfernt, oder vielleicht eine Stunde, im Zentrum von La Realidad ein anderes Krankenhaus, eine Kinderklinik. Aber was passiert in diesem Krankenhaus in Guadalupe Tepeyac? Da jegliche Ausrüstung vorhanden ist, kommen viele Menschen aus verschiedenen Dörfern und Bezirken. Und was passiert? Wenn sie zum Beispiel eine Ultraschallaufnahme machen müssen oder eine Laboruntersuchung und weil die Ärzte dort wissen, dass auch unser Krankenhaus das Schulkrankenhaus ´Los Sin Rostro de San Pedro´ in der Nähe ist, und die im Regierungskrankenhaus die Untersuchungen nicht machen können, weil sie kein geschultes Personal haben, sie haben die Ausstattung, aber niemand, der die Ausstattung bedienen kann, was sie daher machen ist, dass sie die erste Untersuchung machen und dann schicken sie die Leute in unser Krankenhaus, ins zapatistische Schulkrankenhaus. Damit ihr seht, wie weit wir gekommen sind Compañeros, die Untersuchung wird gemacht und natürlich gibt es auch Regeln in diesem Krankenhaus, einen Betrag von jedem Patienten zu kassieren, um die Untersuchung zu machen.

Und die Leute merken, dass sie im offiziellen Krankenhaus nicht erhalten, was viele erwarten, die Lösung ihres Problems, und so kommen sie in unser Krankenhaus, und obwohl es einfach ist wie wir sagen, aber hier wird den Menschen gesagt, was los ist, wenn der Ultraschall fertig ist und dasselbe gilt für Laboruntersuchungen. Dort im Krankenhaus von Guadalupe gibt es einen Laboranten, und es gibt viele Dinge, die der Laborant nicht machen kann und sie schicken die Leute in unser Schul-Krankenhaus. Wir haben dort einen Compañero, der geschult wurde, und er hat auch schon einige andere Compañeros ausgebildet, er macht unterschiedliche Untersuchungen. Aber nicht nur das, der Vorteil, den er hat und den das andere offizielle Krankenhaus nicht bietet, ist der, dass der im offiziellen Krankenhaus nur die Laborstudie oder den Ultraschall macht und sonst nichts, dann schickt er den Patienten zu einem anderen Arzt, damit ihm dieser eine Behandlung verschreibt, unser Compañero dagegen macht die Laboruntersuchung, er stellt das Rezept aus, er sagt, welche Behandlung die richtige ist, denn er hat große Kenntnisse im Laborbereich erworben.


-*-

(…)

Um ein wenig darüber zu sprechen, was es mit den Landstädten [6] auf sich hat [die unter dem Applaus der Medien, von der »linken« korrupten Regierung von Juan Sabines Guerrero errichtet wurden]. Am Anfang haben sie Häuser gebaut. Nach dem, was uns die Compañeros erzählen, ist das Baumaterial Sperrholz, dieses ganz dünne, nicht so wie die Holzplatten, die wir hier verwenden. Jetzt ist es so weit, dass die Bauten aufgeblasen sind wie ein Luftballon, wenn der Wind stark weht und wenn es heiß ist und vom Regen, denn alle Materialien, mit denen die Häuser gebaut wurden, sind bereits kaputt. So ist das. Also, aus einigen Gemeinden aus diesem Bezirk sind die Familien in diese Stadt gezogen, sie waren dort und laut Pressemeldungen gibt es eine Küche mit den Massen 3 x 3, sehr klein, und ein Zimmerchen und ein Wohnraum daneben. Aber da kann man gar nichts tun, denn wenn sie dort ihre Feuerstelle machen, wie sollen sie das denn machen? Das geht nicht.

Im Moment funktioniert nichts mehr, die Familien zogen hin, aber wir haben gehört, dass sie in ihre Dörfer zurückkehren mussten. Einige Familien sind zwar noch dort, aber unter sehr prekären Bedingungen. Man sagt, dass sie auf dem Hügel, oberhalb der Bauten, Wassertanks errichtet haben, aber diese funktionieren nicht, Compañeros, sie funktionieren nicht. Man sagt, dass es eine Bank gibt, um sein Geld anzulegen, ich weiß nicht, ob es die Weltbank ist oder eine staatliche oder eine von der Gemeinde, ich weiß es nicht, aber sie funktioniert nicht. Es sind nur Gerüste vorhanden und sie zerfallen. Es ist nicht so, wie sie sagen „Landstadt“, ein schöner Name aber in Wirklichkeit gibt es nichts. Daher ist es so, wie die Compañeros sagten: Warum sollen wir an Projekte und andere Dinge glauben? Das sind alles Lügen.

(…)

Wie die Compañeros sagten, ist das ein Teil des Krieges des Feindes, daher, wenn sich einige Compañeros dieser Zone von diesen Ideen überzeugen ließen und dann dorthin gegangen sind, war es nicht so, dass sie ein Leben mit mehr Würde haben werden. So war es an vielen Orten, die, die aus der Organisation ausscheiden oder die auf der Seite der Parteien sind, aber die Basisgemeinden haben ein besseres Leben gehabt. Die Landstädte sind also eine reine Lüge, was sie gesagt haben und was tatsächlich gemacht wurde.

Um die ideologische Manipulation zu verstehen, welche die schlechte Regierung in Santiago El Pinar [7] ausübt, ein Beispiel. Den Frauen wurde versprochen, dass sie ihnen Legeställe für Hühner einrichten werden. Wie ihr wisst, müssen diese Legehühner mit Futter versorgt werden, als sie ihnen das gaben, erhielten sie viele Hühner, damit diese Eier kacken, also alles wunderschön am Anfang, denn die Hühner haben viele Eier gelegt, aber die Regierung hat keinen Markt gesucht, wo die Eier verkauft werden konnten. Die Hühner legten viele Eier und was machen wir jetzt. Konkurrenz mit den großen Lebensmittelläden, wo viele Eier verkauft werden, ist nicht möglich. Also, so erzählten uns unsere Brüder, was sie gemacht haben war eine Aufteilung, sie teilten die Hühner auf, aber die Regierung lieferte kein Futter mehr, die Hühner wurden blass und immer blässer und hörten auf, Eier zu legen. Und die Frauen sagten: „Was machen wir jetzt? Wir müssen zusammenlegen. Aber wie soll ich, wenn ich die Eier schon gegessen habe? Woher soll ich Geld nehmen?“ Und die Hühner sind gestorben, was die schlechte Regierung versprochen hat, war ein Misserfolg. Das Ganze hat nur dazu gedient, dass bei der Übergabe die Fotografen anwesend waren und die Übergabe filmten und alle sagten, wie schön das ist und was weiß ich, was noch. Aber das war nur für ein Monat, zwei Monate, im dritten Monat war alles zu Ende.

So ist es, dass abgesehen von anderen Problemen, das Problem besteht, wie der Compañero bereits sagte, dass die Häuser unbrauchbar sind, weil sie sich aufblähen, wie man sagt, wie ein Frosch. Die Frauen sind es gewöhnt, die Tortilla auf der Feuerstelle oder auf einem offenen Feuer am Boden zuzubereiten, aber auf einem Erdboden, hier allerdings ist der Boden aus Sperrholz und darauf kann man kein Feuer anzünden. Und der Gaszylinder, also wer den Umgang mit Gas nicht kennt, der hat nicht einmal für ein Monat Gas, und dort liegen die Gasbehälter herum, es gibt einen Herd und der ist für nichts nütze. Dann, wie Ihr wisst, ist das Leben der indigenen Bauern so, dass sie hinter dem Haus ihr Gemüsegärtchen haben, Zuckerrohr, Ananas, Bananen und was es noch so alles gibt, wie das eben unsere Lebensweise ist, aber dort gibt es gar nichts, nur das Haus und sonst nichts. Sie wissen nicht was tun, aber sie wohnen jetzt weit weg vom Ort, wo ihr Boden ist, und sie müssen dort hin gehen zum Arbeiten, aber das ist neuerlich eine Ausgabe, das hin und zurück fahren.

Die Politik der schlechten Regierung besteht darin, dem Gemeinschaftsleben den Garaus zu machen, entweder du verlässt deine Erde oder du verkaufst sie, nun und wenn du sie verkaufst, dann bist du der Beschissene. Es ist eine Politik der Ungerechtigkeit, dazu da, um das Elend zu vergrößern. Alle die Millionen, die sie von der UNO erhalten, den Vereinten Nationen, steckt die schlechte Regierung ein, egal ob es sich um die bundesstaatliche, staatliche oder die Landkreisregierungen handelt und mit dem Geld organisieren sie jene, die für die Probleme in den Gemeinden verantwortlich sind, Probleme die vor allem uns betreffen, uns die wir den Basisgemeinden angehören.

Es ist die Fortsetzung jener Politik über die so viel gesprochen wurde, jetzt wollen sie nicht mehr, dass man darüber spricht, in den Medien sagt man nicht mehr, was der Plan Puebla-Panama ist. Jetzt gibt es einen anderen Namen, denn der Plan Puebla-Panama wurde von vielen Seiten angegriffen, aber es ist dasselbe, nur der Name wurde geändert und dient dazu, das Gemeinschaftsleben zu zerstören, um das Gemeingut, das noch besteht, auszurotten.

(…)


-*-

-*-

So ähnlich ist es, wie wir die Arbeiten des Widerstandes ausführen, denn wir sprechen über den Widerstand. Und die Arbeit der Compañeros, die darin besteht, dass sie ihr Feld oder ihre Kaffeepflanzungen bearbeiten oder Rindvieh haben, dann verkaufen sie manchmal ein Tier und es bleibt ein wenig Geld und die schlechte Regierung versucht, uns mit ihren Projekten der »Pisos Firmes« [8] und der Verbesserung der Häuser anzugreifen, das, was unsere Brüder akzeptieren, die Priistsas oder Parteianhänger sind.

Aber es ist so, dass die sich schon daran gewöhnt haben, Geld zu bekommen, man kann sagen, ihr Blick ist schon mehr auf die schlechte Regierung gerichtet, damit mehr Geld kommt über diese Projekte, wie uns einige Compañeros aus La Garrucha erzählten, dasselbe passiert auch im Caracol von Morelia. Manchmal verkaufen diese Brüder das Wellblech, das sie von einem Regierungsprojekt erhalten haben, die Regierung glaubt, dass ihre Partei dann besser dastehen wird, aber das Gegenteil ist der Fall - und das ist der Lohn der Arbeit der Compañeros im Widerstand -, denn die Parteiangehörigen kommen her, um zu verkaufen.

Ein Beispiel: Eine Wellblechplatte kostet beim Eisenwarenhändler 180 Pesos, aber sie verkaufen sie für 100 Pesos, ja sogar für 80 Pesos. Dann bekommen sie die Blockziegel für den Hausbau, die kosten beim Eisenwarenhändler 5, 6 oder 7 Pesos und sie verkaufen sie für 3 oder sogar 2 Pesos. Und die Compañeros, wir, die wir im Widerstand sind, wir sind nicht daran gewöhnt, den Lohn unserer Arbeit zu vergeuden, sie sind es, die kaufen, und vielleicht werdet ihr eines Tages in einem neu gegründeten Dorf sehen, dass das Wellblech farbig [9] ist, aber das wurde wirklich durch die Arbeit der Compañeros angeschafft. Genau so ist es auch dort.

Aber auch die Regierung hat bemerkt, wohin ihre Projekte gehen. Sie tun es nicht, damit die Parteiangehörigen, die Priistas, Vorteile haben, sondern sie nützen es gegen die Zapatistas, dort werden ihre Hausprojekte gemacht, aber nicht nur, dass sie das Material zur Verfügung stellen, es kommt auch schon der Maurer. Wenn das Material kommt, steht der Maurer schon bereit, denn sie haben bemerkt, dass die Zapatisten ihre Häuser verbessern, daher machen sie das mit den anderen, es gibt viele Formen der schlechten Regierung seit 1994 und bis heute, wie sie manipulieren.


-*-

Gut Compas, nochmals erklären wir, was der militärische Widerstand ist, wie das zum Beispiel schon die Compañera erklärt hat. Es ist meine Aufgabe, zu erklären, was 1999 im Ejido Amador Hernandez, Gemeinde General Emiliano Zapata geschehen ist.

Zu jener Zeit, an einem 11. August kam das Militär und wir Compañeras und Compañeros haben gegen das Eindringen der Militärs Widerstand geleistet. Nachdem sie das Gemeindegebiet besetzen wollten, gingen sie zuerst in einen Tanzsaal, was die Compañeras machten war, ihnen direkt gegenüberzutreten, sie vertrieben sie aus dem Ortsgebiet und sie mussten außerhalb des Dorfes lagern. Aber das Ganze ging weiter, wir machten eine Protestaktion. Alle nahmen teil, alle aus der Zone die zum Caracol La Realidad gehören. Auch die Zivilgesellschaft nahm an dieser Widerstandsaktion teil und der Widerstand konnte durchgehalten werden, denn es war Zeit des ´chaquiste´, die Zeit des Schlammes, wie das so ist, wenn Regenzeit ist. Wir sind nicht auf ihre Provokationen eingegangen, wir sind ihnen nicht militärisch gegenübergetreten, sondern friedlich.

In dieser Protestaktion haben wir Tanzveranstaltungen gemacht, wir haben vor den Militärs getanzt. Und wir haben religiöse Zeremonien abgehalten, die Compas hatten ein ganzes Programm und plötzlich haben wir ihnen auch eine politische Rede gehalten. Was hat das Militär gemacht? Es schien, als ob wir sie überzeugt hätten, denn wir machten unsere Protestaktion direkt vor ihnen, also hat das Militärkommando Lautsprecher aufgestellt, damit sie unsere Worte nicht hören konnten und sie zogen sich ein kleines Stück weiter zurück.

Was ist dann passiert? Da haben sich die Compañeros wieder etwas einfallen lassen, sie haben von Papiefliegern gehört, auf diese schrieben sie, warum wir dieses Protestcamp machen, und wir warfen diese Papierflugzeuge den Militärs zu, die sie aufhoben. Das war die erste zapatistische Luftwaffe, damals in Amador Hernandez, aber sie besteht nur aus Papier.


(…)

All das, Compas, ist bei diesem militärischen Widerstand geschehen und wie wir mit den Soldaten herumgerempelt haben, die Compañeros und Compañeras auf einer Seite, gegenüber die Militärs in zwei Reihen, und da war ein Compa der.... ein kleingewachsener Compa, als uns die Militärs mit ihren Schildern stießen und sie hatten diese Schlagstöcke und sie schlugen und stießen uns, und der besagte Compa, also der stieg einem Soldaten auf die Zehen und sie stiegen auch ihm auf die Zehen. Da war ein anderer Soldat, ein großer und der begann zu lachen, weil unser Compa dem anderen auf die Zehen trat und dieser tat dasselbe. Der Soldat lachte also und der kleine Compa sagte zu diesem Scheißkerl von Soldaten: »Worüber lachst du denn, du Zwerg?« und das obwohl der Soldat viel größer war und unser Compa viel kleiner.

(…)


-*-

Das war es, was ich gesehen habe und was wir sehen. Das Ergebnis das ist da. Nicht vergeblich haben wir Tostadas gegessen, um anzufangen, und die Tostadas geben Kraft und Weisheit. Dort wurde viel praktiziert, was man Kollektivismus nennt. Warum spreche ich so? Compañeros. Entschuldigt das Schimpfwort Compañeras, aber wir haben von den Compañeros aus jedem Dorf, aus jedem Bezirk viel gelernt, um den verdammten Soldaten gegenüber zu treten, die in unsere Ortschaften eingedrungen sind, die uns bedroht haben. Da haben die Compañeras gelernt, sich zu verteidigen, ich weiß nicht, mit Schlägen mussten sie die Soldaten vertreiben, mit Gewalt, mit Steinen, mit Gebrüll und mit Verfluchungen haben sie es gemacht. So haben sich die Compañeras organisiert, ich habe es gesehen und habe es gut in Erinnerung, die Compañeras haben es geschafft, den Soldaten gegenüberzutreten, und sie haben bewiesen, dass sie es können, die Compañeras.

(…)


-*-

Die Amtsträger_innen begannen auch, sich abzuwechseln und über unsere Bedürfnisse, die wir in jedem Dorf, Region, oder Zentrum oder Landkreis artikulierten, Bescheid zu wissen. So haben wir gearbeitet, langsam sind wir vorangekommen. Nach der Gründung beginnen wir zu erschaffen, dann beginnen wir die Arbeit mit der Krankenvorsorge und der Erziehung, dann, wie die Compañera bereits sagte, haben wir schon eine Klinik in der Gemeinde, sie heißt ´Compañera Maria Luisa´ [Kampfpseudonym von Deni Prieto Stock, gefallen im Kampf am 14.2.1974 in Nepantla, im Bundesstaat Mexiko] und im Ejido San Jeronimo Tulija heißt die Klinik ´Compañera Murcia Elisa Irina Saenz Garza´, eine Compañera die kämpfte und im Kampf gefallen ist, im Rancho El Chilar (im lakandonischen Urwald, Chiapas, Mexiko im Februar 1974), dort, ganz nahe wo wir sind, an der Grenze, dort starb sie und deshalb haben wir der Klinik diesen Namen gegeben.

-*-

Dení Prieto Stock und Elisa Irina Sáenz Garza »Murcia«

-*-

(Fortsetzung folgt…)

Ich bezeuge das.
Aus den Bergen des Südostens von Mexiko
Subcomandante Insurgente Marcos

Mexico, März 2013


TOP SECRET. Übung der zapatistischen Luftwaffe (FAZ, Abkürzung auf Spanisch) an irgendeinem Ort in den Bergen des Südostens von Mexiko.




Ein weiterer Beweis des kriegerischen Geistes, der den zapatistischen Mädchen und Jungen eingebläut wird: hier lesen sie gerade ´Der einfallsreiche Edelmann Don Quijote de La Mancha´ eines gewissen Miguel de Cervantes Saavedra, bei ihm handelt es sich sicherlich um einen ausländischen, sowjetischen Militärberater... Die UdSSR gibt es nicht mehr? Habe ich es Ihnen nicht gesagt, ein weiterer Beweis, dass diese Indigenen hoffnungslos altmodisch sind. Sie lesen Bücher! Sicherlich machen sie das, weil sie Umstürzler sind, denn bei Peña Nieto ist Bücher lesen ein Delikt. [10]




Gesang des Schmerzes und der Wut einer Mapuche-Mutter, als sie ihren Sohn verloren hat, der von den chilenischen Carabinieri ermordet wurde.




Lied für die Caracoles des EZLN, von Erick de Jesús. Zu Beginn des Videos Worte der zapatistischen Frauen.




Anm. d. Übers.:

  1. Dieser Plan (in Spanisch: »Cruzada Nacional contra el Hambre«) wurde am 21. Januar 2013 vom neuen mexikanischen Präsidenten Enrique Peña Nieto in Las Magaritas / Chiapas verkündet. Mehr dazu hier: http://amerika21.de/2013/01/76187/sozialprogramm-ezln
  2. Die PRI ist die regierende und das politische Systems Mexikos seit mehr als 80 Jahren in weiten Teilen dominierende Partei.
  3. Der sogenannte »Pakt für Mexiko” (»Pacto por México«) wurde eine Tag nach der Amtsübernahme des neuen mexikanischen Präsidenten Peña Nieto, am 1. Dezember 2012, von diesem und den Vorsitzenden aller großen mexikanischen Parteien unterschrieben. In dem 34-seitigen Dokument erklären sie, bestimmte »Reformen« in vielen verschiedenen Politikbereichen auf den Weg bringen zu wollen.
  4. Das sind das Recht auf eine Unterkunft, auf Land, auf Arbeit, auf Ernährung, auf Gesundheit, auf Bildung, auf Information, auf die eigene Kultur, auf Unabhängigkeit, auf Demokratie, auf Gerechtigkeit, auf Freiheit und auf Frieden.
  5. Die Zapatistas bezeichnen die indigenen und kleinbäuerlichen Anhänger_innen der Regierung als ihre »Brüder und Schwestern” - Mitglieder und Sympathisant_innen der Bewegung werden als »Compañeros«, »Compañeras« und » Compañeroas« bezeichnet.
  6. Die sogenannten »ciudades rurales sustensables« (»Nachhaltige Landstädte«) sind Kleinstädte, die aktuell in vielen Regionen in Chiapas geplant oder gebaut werden und teilweise bereits fertiggestellt sind. Sie sind auf dem Reißbrett entworfene Entwicklungsprojekte im Rahmen der UN »Millenium Development Goals«. Die verstreut in kleinen Ortschaften lebenden Menschen der Umgebung sollen in diese Städte umziehen – dies geschieht oft unter Druck oder falschen Versprechungen. Angebliches Ziel ist es, ihnen dort besseren Zugang zu Grundversorgung und wirtschaftlicher Entwicklung zu geben. Kritiker_innen merken aber an, das hierdurch die auf kleinbäuerliche Selbstversorgung und indigene Kultur basierende Lebensweise der Menschen zerstört wird und sie zu kontrollierbaren und abhängigen Billiglohn-Arbeiter_innen gemacht werden. Dazu passt, dass viele Unternehmen Teile dieser Städte mitfinanzieren und im Gegenzug Monopole erhalten. Für mehr Infos vgl. den Schwerpunkt-Artikel des Menschenrechtszentrums SiPaz.
  7. In Santiago El Pinar wurde eine ciudad rural errichtet.
  8. Das Regierungsprogramm »Piso Firme” (»Fester Boden”) besteht darin, dass den Menschen standardisierte und am Reißbrett entworfene Häuser mit Zementböden gebaut werden. Auch wenn ein fester Boden für viele eine gewisse Verbesserung ihrer Lebensbedingungen darstellt, die Häuser entsprechen oft nicht den Bedürfnissen der Bevölkerung und die Regierung verfolgt mit diesem Projekt vor allem strategische Ziele: Die Registrierung der Bevölkerung und außerdem die Aufwertung in UN-Entwicklungsstatistiken, für die der Prozentsatz an Häusern mit festen Böden ein wichtiger Indikator ist.
  9. Als Zeichen dafür, dass es aus einem der Regierungsprojekte stammt.
  10. Der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto konnte, als er bei einem Wahlkampfauftritt auf der Buchmesse in Guadalajara gefragt wurde, was die drei Bücher seien, die ihn am meisten geprägt hätten, zunächst keine nennen, nannte dann die Bibel und anschließend verwechselte er Autoren und Werke.


 Quelle:  
  http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2013/03/08/ellos-y-nosotros-vii-ls-mas-pequens-6-la-resistencia 
 

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