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Radio Insurgente bald auch auf Kurzwelle

Poonal vom 05.08.2003
Poonal 584 vom 05.08.2003

  (Mexiko-Stadt, 1. Ausgust 2003, poonal).- "Wenn Du von Tausenden Soldaten umzingelt lebst, wenn Du nicht an die schlechte Regierung glaubst, wenn Du von Paramilitärs bedroht oder verfolgt wirst oder sie Dich vertrieben haben. Wenn Du Teil des Kampfes bist und nichts zu tun hast, dann höre "Radio Insurgente". So wirbt der Jingle des zapatistischen Radios für sein Programm. Radio Insurgente ist, "das Radio derer ohne Stimme, das von irgendeinem Ort in den Bergen im Südosten Mexikos sendet".

Wie die mexikanische Tageszeitung La Jornada kürzlich berichtete, haben die Zapatisten in Mexiko ein altes Medium für ihre Kommunikationsguerilla neu entdeckt: Das Radio. Seit einiger Zeit beschallt Radio Insurgente mit mehreren UKW-Sendern das Hochland von Chiapas und den Lacandonischen Regenwald, eine Gegend, in der kaum ein kommerzieller oder staatlicher Sender zu empfangen ist. Musik, Grußbotschaften, Nachrichten und Hörspiele wechseln sich ab. Alle Programmteile werden neben dem Spanischen in mindestens zwei indigene Sprachen übersetzt. Radio Insurgente ist damit in der ganzen Gegend der einzige Sender, der von der lokalen Bevölkerung wirklich verstanden wird, da diese meistens nur schlecht oder gar nicht spanisch spricht.

Für diese abgelegene Region Mexikos, in der die Zeit Jahrhunderte lang stillgestanden hatte bis zum Aufstand der EZLN Anfang 1994, sind die Programminhalte von Radio Insurgente überraschend progressiv: Hier werden z.B. die indianischen Männer aufgefordert, Frauen mit Respekt zu behandeln und sich Hausarbeit und Kindererziehung mit ihnen zu teilen.

Radio Insurgente ist für die Menschen in Chiapas ein einzigartiges Fenster zur Welt, das den Blick auf andere Kämpfe und Konflikte eröffnet. So berichtete der Sender im Frühjahr beispielsweise über den Krieg im Irak- ein Land, von dem die meisten Hörerinnen und Hörer bis dahin nicht einmal wussten, dass es existiert. Täglich gehen Dutzende von Hörerzuschriften ein, die sich bei den RadiomacherInnen bedanken oder Grußbotschaften senden. Das Musikprogramm ist sehr gemischt. Neben traditioneller Tzeltal- oder Tzotzil-Musik, revolutionären Corridos oder cubanischem Son spielt Radio Insurgente auch modernere Klänge.

Am 20. Juli informierte Subcomandante Marcos die internationale Öffentlichkeit in einem Kommuniqué, dass Radio Insurgente in seiner intergalaktischen Ausführung demnächst auch auf Kurzwelle zu empfangensein wird. Marcos wörtlich: "Der Sup wird eine einstündige Musiksendung machen, die wie es geboten ist, im Morgengrauen gesendet werden wird. Nein, der Sup wird nicht etwa singen, sondern er wird Musik, Märchen und Erzählungen vorstellen. Das Programm "Durito DeeJay" startet vorerst noch nicht, weil der Käfer sich noch mit Schleifchen schmückt und außerdem keinen Vertrag unterzeichnet. Er will es unter 24 Stunden täglich nicht machen."

Auf Kurzwelle wird Radio Insurgente auf dem gesamten amerikanischen Kontinent zu empfangen sein, mit ein bisschen Glück auch in Europa. Die mexikanische und internationale Zivilgesellschaft solle sich für den 8.,9. und 10. August nichts vornehmen, so Marcos weiter. Es darf spekuliert werden, ob damit der Start des neuen Radios gemeint ist oder die EZLN noch weitere Überraschungen plant. Eine Frequenz für die internationale Ausgabe von Radio Insurgente wurde bisher nicht bekannt gegeben.

Gleichzeitig warnt der Zapatistensprecher, dass die militärische Lage in Chiapas sich derzeit deutlich verschärft: "Vor allem im Hochland in den Gemeinden Chenalhó, Pantelhó und Cancuc entfalten Paramilitärs fieberhafte Aktivitäten, die auf einen bevorstehenden Angriff hindeuten. Die Militär- und Polizeigarnisonen in dieser Gegend haben sich völlig abgeschottet, sicherlich um später sagen zu können, sie hätten nichts gehört. Die Stimmung ist dieselbe wie kurz vor dem Massaker von Acteal, als 45 Männer, Frauen und Kinder mit exzessiver Grausamkeit von Paramilitärs ermordet wurden."

Angesichts dieser Situation scheint es um so wichtiger, dass die Botschaften von Radio Insurgente bald um die Welt gehen. Denn wie die Zapatisten längst bewiesen haben, können Medien eine sehr wirkungsvolle Waffe sein. Deshalb richtet sich Radio Insurgente auch an die in Chiapas stationierten Soldaten, um sie zum Desertieren aufzufordern. Im Jingle: "Soldado" heißt es: "Soldat, der Du aus dem einfachen Volk kommst, hör zu. Du bist so wie wir, genauso arm. Wenn Du aufhörst, Soldat zu sein, wirst Du ein Leben in Würde gewinnen. Hör auf, gegen Deine eigenen Leute zu kämpfen, gegen Deine eigene Familie oder Deine Nachbarn. Lass Dich nicht mehr kaufen von den Almosen der Regierung. Verweigere die Befehle einer Regierung, die nur die Reichen bevorzugt, aber die Armen immer ärmer macht. Schließ Dich dem Leben der Aufständischen an. Das ist ein interessantes, freies und würdiges Leben."

Gerüchten zufolge sollen die Kurzwellensendungen von Radio Insurgente demnächst auch im Internet zu hören sein. Wer das neue Zapatisten-Radio unterstützen will, kann das durch eine Spende tun, die helfen wird, das Radionetzwerk in Chiapas weiter auszubauen:

Richtet eure Überweisung an:
Nachrichtenpool Lateinamerika e.V.
Postbank Berlin, Bankleitzahl 100 100 10,
Konto Nummer 16264108
Verwendungszweck: "Spende Radio Chiapas"


Quelle: poonal
c/o Nachrichtenpool Lateinamerika e.V.
Köpenicker Str. 187/188, 10997 Berlin
Tel. +49 - 30 - 789 913 61
Fax. +49 - 30 - 789 913 62
E-Mail: poonal AT npla PUNKT de
Web: https://www.npla.de/poonal

Spenden an uns als gemeinnütziges Projekt sind von der Steuer absetzbar. Auf Anfrage (finanzen AT npla PUNKT de) stellen wir gerne Bescheinigungen aus.

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Poonal gehört zur Federación Latinoamericana de Periodistas FELAP

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