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WTO: Interview mit Eréndira Cruzvillegas Fuentes

Poonal vom 03.09.2003
Von Andreas Behn, Poonal 589 vom 09.09.2003

  (Mexiko-Stadt, 3. September 2003, npl) Eréndira Cruzvillegas Fuentes ist Direktorin der Nichtregierungsorganisation CENCOS (Centro Nacional de Comunicación Social). CENCOS ist im Bereich Menschenrechtsarbeit und alternative Kommunikation engagiert und gehört zu den Gruppen in Mexiko, die maßgeblich an der Vorbereitung der Gegenaktivitäten zur WTO-Konferenz in Cancún beteiligt sind.

npl: Die globalisierungskritische Bewegung in Mexiko hat angekündigt, die WTO-Konferenz zum Entgleisen zu bringen. Wie soll das erreicht werden?

Eréndira Cruzvillegas Fuentes: Ziel ist es, mittels breitem Druck aus der Gesellschaft zu verhindern, dass erneut über die Köpfe der betroffenen Menschen hinweg Handelsabkommen vereinbart werden. Entgleisen deswegen, weil schon jetzt im Bereich Agrarsubventionen und bei der Frage des Patentrechts auf Medikamente abzusehen ist, dass die Interessen der Entwicklungsländer nicht genügend Beachtung finden. Außerdem haben viele der WTO-Staaten sich verpflichtet, Menschenrechts- und Umweltstandards einzuhalten, und wenn dies durch die Beschlüsse in Cancún unterlaufen wird, ist es notwendig, die WTO entgleisen zu lassen. Es kann doch nicht angehen, dass ein weiteres Mal die Rechte des Marktes über die Rechte der Menschen gestellt werden.

npl: Soll also wie in Seattle 1999 versucht werden, die Konferenz mittels massiver Proteste zu verhindern?

Eréndira Cruzvillegas Fuentes: Gerne würden wir verhindern, dass sie sich überhaupt treffen. Aber so oder so werden sie zusammenkommen und hinter dem Rücken der Menschen konferieren. Die Zivilgesellschaft hat — im Gegensatz beispielsweise zu UNO-Konferenzen — hier keinen Zugang zu dem Tagungsort. So hoffen wir auch darauf, dass die Konferenz an der Uneinigkeit der Teilnehmer scheitert.

npl: Wer organisiert die Aktivitäten, mit denen in Cancún protestiert werden soll?

Eréndira Cruzvillegas Fuentes: Die Proteste, aber auch die Gegenvorschläge zur WTO-Konferenz, werden von rund 300 Organisationen aus ganz Mexiko getragen, die in verschiedenen Netzwerken zusammengeschlossen sind. Daran sind landesweit organisierte Indígenas, Bauerngruppen, Frauenaktivistinnen, aber auch sehr regional orientierte Gruppen beteiligt.

npl: Gab es Einigkeit über inhaltliche Schwerpunkte?

Eréndira Cruzvillegas Fuentes: Die alternativen Vorschläge unserer Bewegung sind sehr breit und werden in erster Linie auf den verschiedenen Foren, die in Cancún veranstaltet werden, thematisiert. Ein Forum beschäftigt sich mit Fragen der Landwirtschaft, ein anderes Forum arbeitet zur Frage, inwieweit sich Freihandel auf die Lage der Frauen auswirkt. Darüber hinaus wird es um das Thema Krieg gehen, um Strategien der Gewerkschaften oder um die Privatisierung von Wasser und des Energiesektors. Wichtig ist auch das Forum für alternative Kommunikation, bei dem es darum geht, denjenigen, die keine Stimme haben, zumindest in Cancún eine Stimme zu verleihen — denn die großen Medien berichten meist nur darüber, dass protestiert wird, während die inhaltlichen Positionen der unterschiedlichen Initiativen kaum benannt werden.

npl: Warum ein Forum für alternative Kommunikation?

Das alternative Kommunikationszentrum arbeitet bereits seit drei Monaten in Cancún. Ziel ist nicht nur, die Gegenaktivitäten und ihre Inhalte zu verbreiten. Der Öffentlichkeit soll auch vermittelt werden, um was es bei Themen wie Agrarabkommen oder bei alternativen Handelskonzepten überhaupt geht.

Im Vorfeld der Tagung werden Workshops durchgeführt, um Methoden der alternativen Kommunikation zu vermitteln und daran zu arbeiten, das Recht auf freie Meinungsäußerung wirklich durchzusetzen. Immer wieder werden zivilgesellschaftliche Organisationen zum Schweigen gebracht, nicht nur wegen der politischen Ausrichtung der großen Medien, sondern auch aus ökonomischen Interessen oder weil wir schlicht nicht verstanden werden. Nicht nur in Mexiko, sondern in allen Kontinenten soll durch diese Arbeit eine alternative Berichterstattung ankommen, sowohl über die offiziellen Aktivitäten wie über die Gegenvorschläge.

Der Weltverband der freien Radios AMARC wird täglich live über das Geschehen berichten. Und im Internet wird unter www.omcmexico.org während der Konferenz aktuell berichtet, morgens für Europa und abends für Lateinamerika

npl: Wie reagieren Regierung und Polizei auf die angekündigten Aktivitäten

Eréndira Cruzvillegas Fuentes: Inzwischen wissen wir, dass die Autoritäten ein sehr rigides Sicherheitskonzept haben werden. Im Zentrum des Geschehens wird es einen Bereich geben, von dem aus das FBI und Agenten von Geheimdiensten den gesamten Einsatz koordinieren. Dann gibt es eine Rote Zone nur für die Regierungschefs, Minister und ihre Stäbe, in die nicht einmal akkreditierte Personen hinein dürfen. Dann kommt die orange Zone, wo die größeren Veranstaltungen stattfinden werden, und in die auch akkreditierte Journalisten und NGO-Vertreter hinein dürfen.

Und schließlich die Grüne Zone, über die wir uns die meisten Sorgen machen, weil hier die Gegenaktivitäten stattfinden werden. Hier wird vor allem die örtliche und die Bundespolizei präsent sein, die unserer Erfahrung nach am brutalsten vorgeht. Gerade dort, wo die Demonstrationen stattfinden, soll die Gemeindepolizei aufmarschieren, die schon bei früheren Anlässen sehr unangenehm auffiel. Deswegen rufen wir die internationale Öffentlichkeit auf, besonders auf mögliche Übergriffe und Repression seitens der Polizei in Cancún zu achten.


Quelle: poonal
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