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Gaskrieg in Bolivien fordert 30 Tote

Znet vom 13.10.2003
Benjamin Dangl und Kathryn Ledebur
übersetzt von Dana

  In den vergangenen drei Tagen forderte die anhaltende Konfrontation zwischen Sicherheitskräfte und Demonstranten in der Stadt El Alto, 30 Tote und mehr als 100 Verletzte, die meisten davon durch Schusswunden. Demonstranten in El Alto haben wochenlang die intensivsten Straßenblockaden im ganzen Land aufrechtgehalten, und schnitten die Hauptroute zu La Paz ab. Infolgedessen litt La Paz unter einer ernsten Knappheit von Treibstoff, Nahrung und andere Vorräte hinnehmen.

Die schwerste Konfrontation fand am Sonntag, dem 12. Oktober statt, als schwerbewaffnete Militärs und Polizeikräfte, die einen Gastank eskortierten, versuchten die Blockaden in El Alto zu durchbrechen um La Paz zu erreichen, wo die Treibstoffknappheit zusammen mit den Blockaden, das Transportwesen zum Erliegen gebracht hatten. Die Demonstranten in El Alto weigerten sich die Lastwagen durch die Blockaden passieren zu lassen, und gegen 10:00 Uhr vormittags brach die Konfrontation mit den Sicherheitskräften aus.

Die Sicherheitskräfte, bewaffnet mit hochkalibrige Waffen, feuerten wahllos auf die Demonstranten und auf Wohnhäuser, als sie die Stadt in Hubschrauber umflogen und die Mengen vom Boden aus unter Beschuss nahmen. Einige Demonstranten waren mit Stöcke und Schleudern bewaffnet, und ein Teil der Toten und Verwundeten waren Kinder. Unter den 28 Toten dieses Tages, befand sich ein Soldat des Charagua Regiments, was darauf hindeutet, dass Armeeverstärkungen aus weitentfernten Regionen geholt wurden. Die Presseberichte über die anhaltende Gewalt beinhalteten verzweifelte Appelle lokaler Krankenhäuser um Blutspenden und medizinische Vorräte, da sie außerstande waren, die ständig wachsende Anzahl von Verwundeten zu versorgen. Ärzte flehten Demonstranten an, Ambulanzen durch die Blockaden zu lassen. Die Sicherheitskräfte benutzen Ambulanzen jedoch häufig für den Transport von Truppen, Munition und Tränengas, was das Misstrauen der Menge hervorruft.

Mit dem Massaker vom vergangenen Wochenende, ist die Anzahl der Todesopfer dieses Gaskrieges im letzten Monat auf 38 angestiegen. In den vergangenen 14 Monate, forderten Konfrontationen mit Sicherheitskräfte fast 100 Todesopfer, die größte Todeszahl in einer solchen Zeitspanne in der modernen Geschichte Boliviens, einschließlich den Jahren der Militärdiktatur.

Das Versprechen die Öffentlichkeit über den Gasexport an Chile zu konsultieren stößt auf taube Ohren

Angesichts der wachsenden Unzufriedenheit und steigenden Gewalt, verkündete die Regierung mit am 12. Oktober verspätet, dass sie die Verhandlungen über den Verkauf von Gas an Chile aufs Eis legen und zunächst die Bolivianische Öffentlichkeit darüber konsultieren würde. Wäre dieser Vorschlag gemacht worden als die protestierenden Sektoren ihre Opposition zum bevorstehenden Export erstmals verkündet hatten, hätten viel Gewalt und Verluste von Menschenleben vermieden werden können. Auf dem Höhepunkt der Regierungsrepression in El Alto wurde diese Ankündigung von den protestierenden Sektoren nicht als glaubhaft angesehen.

Der Vizepräsident distanziert sich von der Regierung

Der Bolivianische Vizepräsident Carlos Mesa erklärte am Morgen des 13. Oktobers öffentlich, dass er mit den Handlungen der Regierung nicht übereinstimme. Er sagte, "Die Repression, die an diesem Wochenende in El Alto entfesselt wurde, und alles was La Paz seit heute morgen erleiden musste, haben mich gegen diese Haltung aufgebracht." (Red Ada) Mesa trat jedoch von seinem Posten als Vizepräsident nicht zurück. Politische Analytiker spekulieren, dass seine öffentliche Ablehnung der repressiven Methoden der Exekutiven, während er gleichzeitig seinen Posten beibehält, ihm die Tür zur Präsidentschaft offen hält, falls Sánchez de Lozada, wie in der Verfassung vorgesehen, zurücktreten sollte

Breite Sektoren fordern Rücktritt des Präsidenten

Obwohl viele Demonstranten im ganzen Land, einschließlich derer in El Alto, gegen den Export Bolivianischen Gases in die US durch einen Chilenischen Hafen protestieren, sind die Forderungen der verschiedenen Sektoren unterschiedlich. Seit dem Massaker von El Alto, konzentrieren sich alle Protestsektoren zunehmend auf den Rücktritt des Präsidenten, als Vorbedingung für ein Dialog zu jeden anderen Punkt. Gruppen wie die Katholische Kirche und die Ständige Menschenrechtsversammlung, die versucht hatten einen Dialog zwischen den Protestgruppen und der Regierung zu initiieren, erklärten es sei unmöglich angesichts des hohen Levels von Militär- und Polizeigewalt in El Alto und La Paz Verhandlungen zu führen.

Die Regierungskoalition und das Land fallen auseinander

Nicht nur wütende Bürger im ganzen Land fordern den Rücktritt des Präsidenten, sondern auch führende Persönlichkeiten in der Regierung und den Medien, obwohl der Regierungssprecher, Mauricio Antezana behauptete, die Koalition bleibe weiterhin standhaft. Jaime Paz Zamora, Anführer der MIR (Linke Revolutionäre Partei) ist aus dem öffentlichen Licht verschwunden. Der Bürgermeister von El Alto, Jose Luis Paredes, von der gleichen Partei, denunzierte die Gewalt in seiner Stadt, und führte eine Menge wütender Demonstranten auf den Regierungspalast zu, mit der Ankündigung, Sánchez de Lozada zum Rücktritt zwingen zu wollen. Ein weiterer Regierungsminister der MIR reichte heute seinen Abschied ein. Die Neue Republikanische Kraft (NFR) präsentierte unterschiedliche Positionen. Ein Sektor kündigte seinen Rücktritt aus der Koalition an. Andere Parteivertreter verkündeten öffentlich ihre ungebrochene Unterstützung. Regierungsquellen deuten an, die Koalitionsparteien beabsichtigten sich von der Koalition zu distanzieren, um sich in der Öffentlichkeit einen Anschein von Legitimität zu bewahren. Diese Bemühungen werden höchstwahrscheinlich fruchtlos bleiben, da die große Masse der Bolivianischen Bevölkerung die Koalition insgesamt ablehnte.

Wütende Demonstranten intensivieren Märsche und Blockaden

Die Tode in El Alto haben die Wut der Demonstranten nur noch mehr angestachelt, und die Proteste intensiviert, da neue Gruppen sich der Bewegung gegen den Präsidenten und den Export nationalen Gases anschließen. Gegenwärtig marschieren riesige Menschenmengen durch und nach La Paz, und heftige Blockaden, Proteste und Streiks gehen im ganzen Land weiter. Sicherheitskräfte feuern weiterhin mit Tränengas, Gummigeschosse und scharfe Munition in die Mengen von Demonstranten. Heute Abend gab es bereits 45 weitere Verwundete. Der Tod zweier Verwundeten vom 12. Oktober erhöhte die Spannungen ebenfalls.

Statement des Präsidenten empört Öffentlichkeit

In einem Versuch die Konfliktspirale zu bremsen, machte Sánchez de Lozada am 13. Oktober gegen 14:00 Uhr eine öffentliche Erklärung. Der Präsident erklärte er werde nicht zurücktreten, da er demokratisch gewählt worden sei, und in Amt bleiben müsse, um "die Öffentlichkeit zu schützen". Er erklärte weiter, dass "Bolivien sich in Gefahr befindet, und von einem riesigen subversiven Projekt aus dem Ausland geplagt wird, der versucht die bolivianische Demokratie zu zerstören". Er erwähnte ebenfalls eine "Diktatur der Gewerkschaften", die versuche die Nation zu vernichten, und versprach "aufrührerische Sektoren zu unterdrücken", wie die Gruppen, die von Felipe Quispe und Evo Morales angeführt werden. Sanchez de Lozada erklärte, die Bewegung gegen ihn sei "ein versuchten Coup, unterstützt von den finsterten Interessen auf der Welt". Während die Streitkräfte unter seinem Kommando weiterhin Demonstranten erschossen und verprügelten, fügte er hinzu, dass "Dialog die Antwort ist, und es keine Gewalt geben wird". Die Statements entrüsteten die Protestsektoren und die gesamte Öffentlichkeit, und wütende Bürger bemerkten "der Präsident macht Mittagspause!". Darüber hinaus zeigte es wie weit Sánchez de Lozada der harten Realität des bitteren aktuellen Konfliktes entfremdet zu sein scheint.

Ein öffentlicher Auftritt der First Lady am 12. Oktober reflektierte die Verzweiflung des Präsidenten noch mehr. Während Sicherheitskräfte weiterhin Mengen von Demonstranten und Unbeteiligte mit scharfer Munition unter Beschuss nahmen, trat die First Lady im Programm der regierungseigenen TV-Station auf, die den Ernst des Konfliktes ständig heruntergespielt hatte, und laut aus der Bibel vor.

Am gleichen Tag kündigten sieben Journalisten des Senders. In einer öffentlichen Erklärung denunzierten die Reporter den ständigen Druck des Pressebüros der Regierung, um Vorfälle bei den Konfrontationen zu manipulieren und zu verfälschen. Sie erklärten weiter "man kann nicht betrügen und lügen wenn Menschen in El Alto ermordet werden" (El Diario 10/13/03). Am nächsten Tag ging die Station von Sendung.

Verzweifelte Versuche die Glaubhaftigkeit und Legitimität der verfallenden Regierung wiederherzustellen, haben nichts dazu beigetragen den Konflikt zu bremsen. Stattdessen untergruben ihre Handlungen das öffentliche Vertrauen in ihre Regierungsfähigkeit noch weiter. Nach dem Massaker von El Alto und der anhaltenden gewalttätigen Repression, erachten viele diese symbolische Konzessionen für zu wenig, zu spät. Die meisten Bolivianer sind weiterhin an ihre Fernsehsessel gefesselt, oder protestieren auf den Strassen. Die Ereignisse der nächsten Tagen, könnten die Bolivianische politische Landschaft radikal verändern.

Benjamin Dangl und Kathryn Ledebur arbeiten für das Andean Information Network in Cochabamba, Bolivien. Dangl kann über: theupsidedownworld-at-yahoo.com erreicht werden. Um Ledebur zu kontaktieren oder AIN Updates zu erhalten schreiben Sie an: paz-at-albatros.cnb.net


 Quelle:  
  http://www.zmag.org/weluser.htm 
 

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