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CNI, CIG & Marichuy: Worte der Comandanta Hortencia

Actividades del CIG y su Vocera vom 19.10.2017
übersetzt von lisa - colectivo malíntzin

  CNI, CIG & Marichuy: Worte der Comandanta Hortencia

Worte der Comandanta Hortencia
– im Namen des CCRI-CG des EZLN in Oventik, Chiapas, Mexiko, 19. Oktober 2017.

Compañeras, Compañeros des Indigenen Regierungsrats.
Compañeras, Compañeros des Congreso Nacional Indígena.
Compañera, Schwester, Freundin, María de Jesús Patricio Martínez.
Compañeras, Compañeros der Sexta nacional und internacional.
Brüder, Schwestern der verschiedenen sozialen Organisationen.
Brüder, Schwestern der verschiedenen Pueblos und Municipios (1),
die zu diesem Treffen eingeladen wurden.
Brüder, Schwestern der landesweiten und internationalen Presse.
Brüder, Schwestern der landesweiten und internationalen freien und alternativen Medien.
Brüder und Schwestern nationale und internationale Beobachter.

Brüder und Schwestern, heute sind wir in diesem Zentrum, Caracol II von Oventik, »Widerstand und Rebellion für die Menschheit« zusammenkommen. Wir sind hier, um die Worte des Indigenen Regierungsrats (2) und seiner Sprecherin – seiner Vocera – María de Jesús Patricio Martínez zu empfangen, zu begleiten und zu hören.

Im Namen der Compañeras, Compañeros – Frauen, Männer, Jugendliche, Kinder und Alten der Unterstützungsbasis des Ejército Zapatista de Liberación Nacional – begrüßt das Comité Clandestino Revolucionario Indígena des EZLN den Indigenen Regierungsrat und seine Vocera, María de Jesús Patricio Martínez. Und wir möchten Ihnen, Euch sagen, Ihr habt einen langen und schwierigen Weg begonnen; jedoch ist es notwendig, sich mit den Brüdern und Schwestern in all den Winkeln unseres Landes Mexiko zu treffen.

Marichuy – wie wir liebevoll sagen – ist unsere Sprecherin, unsere Vocera, die gemeinsam mit allen Rätinnen und Räten des Indigenen Regierungsrats das gesamte mexikanische Gebiet durchlaufen wird, um die am Stärksten vergessenen, marginalisierten, verachteten Pueblos (3) unseres Landes zu sprechen und ihrer Stimme zuzuhören. Es sind Pueblos wie wir, die wir Pueblos originarios (4) sind – oder wie sie uns mit Verachtung nennen: »Pueblos indios« (5). Marichuy wird auch wahrhaft von der schwierigen Situation sprechen, in der wir mexikanischen Armen leben – egal welcher Organisation, Partei, Ethnie, Hautfarbe, Sprache, Kultur, Religion wir angehören.

Unsere Vocera wird von hier aus die Stimme der Pueblos originarios tragen – die Stimme der Pueblos, die kämpfen, die Widerstand leisten, die gegen die vom kapitalistischen System – repräsentiert durch die schlechten Regierungen – verursachten Übel rebellieren.

Als Pueblos originarios sind wir die am meisten Vergessenen, Marginalisierten, Verachteten; als Pueblos originarios erhalten wir keinerlei Respekt. Während mehr als fünf Jahrhunderten erlitten wir die grausamste Ausbeutung, die Plünderung unserer Reichtümer, den Raub unseres Land und unserer Gebiete, die Zerstörung unserer Sprachen und Kulturen, lediglich weil wir Originarios (6) dieser Länder und von der Farbe der Erde sind, die wir sind. Wir haben keinerlei Wert, haben weder Recht auf Gesundheitsversorgung noch bessere Bildung; wir sind für die großen Kapitalisten und schlechten Regierungen nur ein Störfaktor.

Wenn wir Pueblos, tribus, naciones originarios (7) unsere Rechte und Gerechtigkeit fordern, werden wir unterdrückt, verhaftet,verfolgt, verschwunden gemacht, gefoltert und ermordet. So lebt man in unseren Bundesstaaten und in unserem gesamten Land Mexiko – und in allen Winkeln der Welt.

Wenn wir uns organisieren, um uns sichtbar zu machen, um uns hörbar zu machen – damit alle wissen, wir existieren – wenn wir Widerstand leisten, rebellieren, wir leben, dann fangen sie mit ihren Beleidigungen, ihren Lügen an: Wir könnten nicht denken, nicht organisieren; wir würden manipuliert. Wir dienten den politischen Interessen der Vende-patrias (8) und bildeten einen »Komplott« gegen die »guten« Meztizos und Landinos (9). Diese wollen uns zwingen, dass wir ihnen folgen, ihnen gehorchen. Denn sie, ja sie, sie wissen Bescheid, und wir, wir sind, laut ihnen, nur Unwissende. Vergeblich bleiben jedoch ihr Studium und ihre Großkopfigkeit, wenn sie nichts von dem, was passiert und passieren wird, begreifen. Sie wollen uns dominieren, verächtlich machen und demütigen – genauso wie diejenigen, die gegenwärtig die Vorarbeiter (10) spielen.

Sie wollen uns unter Druck setzen, damit wir den Chef, den Herrn, den Patron, den Großgrundbesitzer wechseln.

Wir wissen, auf gleiche Weise leben und leiden unsere Hermanos und Hermanas indígenas in vielen Ländern unseres Kontinents Amerika und in der ganzen Welt. Um nur einige zu nennen: Wir wissen, wie unsere Hermanos in Guatemala, Nicaragua, Argentinien, Brasilien, Peru, Bolivien, Ecuador, Chile und in vielen anderen Ländern leiden. Es gibt weder Regierungen noch Gesetze, die unser Pueblos schützen oder verteidigen.

Wir grüßen hier im Besonderen den Hermano pueblo (11) Mapuche, der Widerstand leistet im letzten Winkel der Welt. Dem Pueblo Mapuche und denjenigen, die sie in ihrem Widerstand begleiten, wie Santiago Maldonado, schicken wir eine große Umarmung, die den gesamten Kontinent Amerika ausfüllen möge – bis sie ihn, Santiago Maldonado, gefunden haben (12).

Das im Moment Wichtigste ist jedoch, es gibt in allen Pueblos originarios unseres Kontinents und auf der ganzen Welt, Bewusstsein, Widerstand, Rebellion, Wut, Lust zu leben und zu kämpfen:
Für eine andere Welt, eine andere Gesellschaft, für ein neues Leben für alle.

Heute, morgen, für immer gilt: Ein Pueblo originario zu sein – aus welchem Teil der Welt auch immer – bedeutet nicht mehr Beschämung, sondern stolz zu sein. Es bedeutet nicht mehr, eine Erzählung, ein Mythos zu sein, sondern eine Wirklichkeit. Denn es sind wir, die Pueblos originarios, die unsere Madre tierra (13) und die gesamte Natur bewahren und verteidigen werden. Es sind wir Pueblos originarios – zusammen mit unseren ehrenwerten und rebellischen Brüdern und Schwestern Künstler, Studierte, der Ordensgemeinschaften, Intellektuelle, Wissenschaftler – die wir die Welt und die Menschheit bewahren werden.

Darum sagen wir...

Heute ist die Stunde der Pueblos originarios. Es ist die Stunde der Frauen, der Marginalisierten, der Verachteten, der Vergessenen. Es ist die Stunde all der Armen und Ausgebeuteten Mexikos, Amerikas und der Welt. Es ist die Stunde, dieses kriminelle und mörderische kapitalistische Gesellschaftssystem zu ändern. Es ist die Stunde, dass wir – alle Armen auf dem Land und in der Stadt – uns zusammentun. Es ist die Stunde, uns zu organisieren und für wahrhaftige Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit – für alle – zu kämpfen.

Von heute an werden unsere Pueblos wissen, sich selbst zu regieren und ihr eigenes Schicksal zu bestimmen – so wie wir zapatistischen Frauen und Männer es demonstrieren, indem wir seit mehr als zwanzig Jahren unsere Autonomie aufbauen.

Denn wir, Frauen und Männer, wollen nicht den Herrn, den Patron, den Befehlsgeber wechseln. Wir wollen keinen Herrn, keinen Patron, keinen Befehlsgeber – weder Ladino, Meztizo noch Indígena. Keinen einzigen Herrn.

Was wir wollen ist Freiheit, unsere Freiheit, DIE FREIHEIT.

Wir wissen gut, keiner wird sie uns schenken. Wir wissen gut, wir müssen Tag für Tag kämpfen, jede Stunde und überall, um unsere Freiheit zu erlangen. Doch damit hört es nicht auf: Wir müssen kämpfen, dass niemand uns diese Freiheit dann entreißt.

Wir bitten unsere Vocera und den Indigenen Regierungsrat respektvoll, dass sie losgehen, um den Stimmen der Pueblos originarios und all der armen gesellschaftlichen Sektoren Mexikos zuzuhören, um von den Kämpfen, dem Widerstand und der Rebellion der vielen Hermanos im ganzen Land wissen zu können.

Wir bitten, dass sie die Wahrheit klar aussprechen: Niemand wird uns etwas schenken. Wir müssen kämpfen, um das zu erhalten, was wir wollen, verdienen und brauchen.

Dies müssen wir organisiert erreichen.

Wir, Pueblos zapatistas, sind mit der Vocera und dem Indigenen Regierungsrat und mit dem Congreso Nacional Indígena. Sie, Männer und Frauen, werden den Auftrag erfüllen, das Land zu durchlaufen – um die Wahrheit zu sagen und zu hören – und auch um Euch zum Kämpfen einzuladen. Wir wissen auch, es ist für sie, Männer und Frauen, nicht einfach. Jedoch ist es notwendig, sich für eine gerechte Sache einzusetzen – für das Leben aller.

Unsere Vocera wird davon sprechen, dass es möglich und notwendig ist, ein anderes Mexiko zu schaffen, wo unter den Prinzipien des Gehorchend Regierens regiert werden kann, wo die Leute befehlen und die Regierung gehorcht.

Hermanos, Hermanas auf dem Land und in der Stadt, wir laden Euch ein, der Vocera zuzuhören, damit Ihr die Wahrheit hört. Die Wahrheit ist, es gibt gegenwärtig keine Regierung, die unser Land regiert. Diejenigen, die sagen, sie seien die Gouverneure und der Präsident, sind nichts anderes als die korrupten Vorarbeiter und Verwalter (14), die die Befehle der multinationalen Konzerne ausführen.

Da sind die neoliberalen Regierungen, die vorhaben, unseren ganzen Reichtum zu plündern und unser Land in ihre Finca, ihren Großgrundbesitz zu verwandeln. Uns, die wir dieses Land bewohnen, werden sie wie ihre Sklaven halten. Sie werden uns zerstören. Diese Übel werden keinen verschonen. Uns alle werden sie wegschwemmen – ohne Partei-, Organisations- oder Religionszugehörigkeit zu unterscheiden.

Denn wir wissen, die Pläne der schlechten Regierungen und verfluchten neoliberalen Kapitalisten bedeuten Tod, Zerstörung, Vernichtung derer, die rebellieren. Wir wissen, mit ihren Waffen sind sie ausgerüstet, um der gesamten Menschheit ein Ende zu bereiten.

Wir müssen jedoch keine Angst haben. Sie, die befehlen und sich der Reichtümer unseres Landes bemächtigen, sind wenige. Die Arbeitenden, die armen Schichten der Gesellschaft – gleich welcher Beschäftigung sie nachgehen – leiden. Jedoch sind wir viele Millionen. Und darum: Wenn wir aufwachen, wenn wir uns zusammentun, uns organisieren und gemeinsam kämpfen – als Hermanos und Compañeros – werden wir diese Situation verändern können und dieses kriminelle Ungeheuer zu Fall bringen – denn die Wahrheit und die Vernunft sind auf unserer Seite.

Wenn wir jedoch nichts tun, werden unsere Kinder, unsere Enkel – alle Generationen, die nach uns kommen – schlechter leben als wir; und unser Land wird keine Zukunft haben.

Darum dürfen wir nicht zulassen, dass unsere Gebiete und unser Land zum Besitz der großen transnationalen Unternehmen und neoliberalen Mächtigen werden, die lediglich unsere Naturschätze ausplündern und zerstören. Wir dürfen nicht zulassen, dass sie uns manipulieren, betrügen und unsere Pueblos umbringen. Es ist die Stunde, um zu sagen: BASTA; ES REICHT – mit all diesen Übeln! Schluss damit – ungerecht Verhaftete, Verschwunden gemachte, Gefolterte und Ermordete zu haben!

Es ist die Stunde, anzufangen eine neue Gesellschaft zu schaffen, eine neue Welt, in der wir menschliche Wesen in Freiheit und Gerechtigkeit und nicht mehr im Elend leben und an heilbaren Krankheiten sterben müssen. Wo wir uns als Hermanos gleich und respektvoll behandeln, in Verbindung und Gleichklang mit der Madre naturaleza (15)

Mexiko muss ein inkluierendes Land sein, in dem Raza (16), Hautfarbe, Sprache, Kultur, Religion keine Rolle spielen.

Wir haben darum keinen anderen Weg, nur den, uns zu entscheiden, uns zusammenzutun und gemeinsam zu kämpfen – organisiert. Wir können nicht darauf warten, dass uns irgendjemand aus diesem Unglück rettet. Die Teilnahme von allen ist dafür notwendig: Männer, Frauen, Jugendliche – organisiert.

-*-

Wir möchten jetzt im Besonderen einige Worte an die Frauen auf dem Land und in der Stadt, in ganz Mexiko und der ganzen Welt, richten

Compañeras und Hermanas,

Wie wir wissen, werden wir Frauen auf dem Land und in der Stadt – wir alle – am Wenigsten wahrgenommen, beachtet. Das Einzige, was man tagtäglich erfährt, ist, es gibt viele vergewaltigte, verschwunden gemachte und ermordete Frauen überall in unserem Land.

Wir wissen, an jeder Abseitsstelle wird die Frau von ihrem Chef missbraucht. Die Frauen werden gedemütigt, verachtet, schlecht bezahlt. Ihre langen Arbeitsstunden verwandeln sich lediglich in einige Geldmünzen, die nicht ausreichen, um würdig zu leben.

Wir wissen auch, viele Frauen werden misshandelt und gedemütigt – zu Hause, in der gesamten Gesellschaft. Es gibt Männer, die ihre Ehefrauen schlagen, demütigen, misshandeln, psychisch wie physisch. Wenn eine Frau aus irgendeinem Grund vor einem Richter erscheinen muss, wird ihr Wort nicht angehört, nicht beachtet. Darum sagen wir zapatistischen Frauen: Wir erleiden als Frauen eine dreifache Unterdrückung – denn wir werden ausgebeutet, gedemütigt, misshandelt, nicht beachtet, weil wir Frauen, Indígenas und Arme sind.

Weil sie Frau ist, weil sie arm ist, kann die Frau sich nicht ausdrücken, nicht die Stimme vor dem Patron, dem Ehemann, der Gesellschaft erheben.

Als Frauen, die wir sind, profitieren sie von uns. Sie benutzen uns in der Öffentlichkeit, in der Werbung – für die Geschäfte der verfluchten Kapitalisten. Sie benutzen uns für den Drogenhandel. Es gibt Frauen, die aus Not als Prostituierte arbeiten müssen. All dies nehmen wir hin – weil wir arm sind, weil uns nicht anderes übrigbleibt, um mit der Familie überleben zu können.

Und immer noch, zusätzlich zu dem Ganzen, machen sie uns verschwinden, bringen sie uns um.

Wir Frauen auf dem Land und in der Stadt werden durch die Programme und Projekte der schlechten Regierung betrogen. Sie machen uns glauben, diese wären zu unseren Gunsten, jedoch in Wirklichkeit sind sie ein Betrug. Sie profitieren von der Situation der Armut, in der wir uns befinden.

Wir Frauen – Indígenas und Campesinas – haben kein Recht auf Land, wo wir unsere Lebensmittel produzieren können. Wir haben keinerlei Erbrecht, nur weil wir Frauen sind. Darum gehen Viele in die Stadt – und Andere riskieren ihr Leben, indem sie Grenzen überwinden, um Arbeit im Ausland zu suchen.

Das ist die Realität, die wir Frauen auf dem Land und in der Stadt erfahren. Es ist eine Situation, die traurig und wütend macht; denn verantwortlich für all das ist das scheiß System, das neoliberale kapitalistische System, was uns ein Leben in Ungleichheit und Ungerechtigkeit verschafft. Unsere Würde als Frauen, die wir sind, wird nicht respektiert.

Das ist jedoch nicht, was wir wollen, und was wir verdienen. Wir als Frauen wollen respektiert werden, einen würdigen Platz innerhalb der Gesellschaft einnehmen, die gleichen Rechte wie die Männer haben und als Frauen und als menschliche Wesen unsere Freiheit erhalten.

Darum – Compañeras und Hermanas in Mexiko und der Welt – wir können so, wie es war und gegenwärtig ist, nicht weitermachen. Es ist nicht der Moment, sich zu demütigen, zu verneigen, still und schweigsam zu sein, sich dem Mann gegenüber unterlegen zu fühlen. Es ist nicht mehr die Zeit, um zuzulassen, dass der Kapitalismus uns weiter ausbeutet, manipuliert, betrügt. Die Stunde ist gekommen, unsere Herzen mit Kraft und Mut zu füllen. Es ist die Stunde, den Blick und unsere Stimme zu erheben und zu schreien: YA BASTA. ES REICHT.

Es ist die Stunde, dass wir Arbeiterinnen uns organisieren und vereint kämpfen, um diese Situation des Todes und der Zerstörung zu verändern. Dazu ist die Teilnahme der Frauen auf dem Land und in der Stadt notwendig. Alter, Hautfarbe, Sprache, Organisations- und Religionszugehörigkeit spielen keine Rolle. Es ist die Stunde, sich bewusst zu werden und große Verantwortung in allen unseren Geographien zu übernehmen. Es ist die Stunde gekommen, gegen das schlechte kapitalistische System zu rebellieren.

Es ist die Stunde gekommen, niemanden um Erlaubnis bitten zu müssen, um frei zu sein. Wir müssen uns stolz fühlen, Frauen zu sein, Mütter zu sein, Ehefrauen zu sein, junge Frauen zu sein, Mädchen zu sein, alte Frauen zu sein – das zu sein, was jede ist. Denn fürs Kämpfen hat das, was wir auch immer sein mögen, keinerlei Bedeutung. Das Wichtige ist, wir wollen die Situation des Landes und der Welt, die voller Ungerechtigkeiten steckt, verändern.

Und eine andere Welt – gerechter, menschlicher – schaffen. Dazu jedoch ist es notwendig, dass wir Frauen – Jugendliche, Mädchen, Alte – aktiv an diesem Kampf teilnehmen.

Wir müssen froh sein, weil wir der Welt jetzt zeigen werden: Auch wir Frauen wissen und können unsere Pueblos regieren. Unsere Vocera bedeutet einen Schritt, den wir jetzt machen: Sie wird alle Bundesstaaten unseres Landes durchlaufen. Hoffentlich werden sie und die Rätinnen eingeladen und bleiben bei guter Gesundheit. Nun, möglicherweise kommt sie ja bis in andere Länder, um mit ihrem Herzen – das wir alle sind – zu sprechen.

Unser Vocera wird nicht betrügen, keine Lügen in die Welt setzen, keinerlei Versprechen machen, keine Geschenke verteilen, keine Geld- oder andere Almosen ausgeben, nur damit wir sie wählen sollen und sie derart auf den Präsidentschaftsstuhl gelangt.

Das einzige Interesse der Räte und unserer Vocera besteht darin, AUFZUWECKEN UND DEM SCHMERZ UND LEIDEN DER PUEBLOS ZUZUHÖREN – und alle dazu aufzurufen, sich zusammenzutun, sich zu organisieren – und je nach ihren Modi, Formen und Geographien zu kämpfen – jedoch mit dem gleichen Ziel.

Unsere Sprecherin ist eine Frau. Eine Frau, die das Herz hat, unsere Pueblos zu repräsentieren. Es ist das erste mal in der Geschichte Mexikos, dass eine indigene Frau sagen wird: Wir haben die Fähigkeit, ein Land zu regieren. Und wenn sie sagt: Ja, es ist möglich – so sagen auch wir alle es mit ihr zusammen.

Ja, wir wissen, es gibt, gab Frauen, die nach der Präsidentschaftskandidatur streben, gestrebt haben. Es sind jedoch Frauen, die die gleichen Macht- und Geld-Interessen haben wie die korrupten, mörderischen, diebischen Männer, die unser Land während vieler Jahre schlecht regierten. Sie setzten den gleichen Plan um wie alle Kapitalisten. Immer haben sie das Land ausverkauft, waren Unterdrücker, Kriminelle, Mörder unserer Pueblos.

Diese Frauen von oben sprechen, denken, sehen, hören zu wie machistische Männer. Es fehlt ihnen lediglich das Toupé, um wie Peña Nieto oder wie dieser scheiß Trump zu sein. Es fehlt, sich den Kopf zu scheren, um den Glatzkof (17) zu geben, sich zu parfümieren wie ein PRI-Mitglied, sich Brillantine ins Haar zu schmieren, um wie all die kleinen Machos zu scheinen.

Unsere Vocera wird demonstrieren, die Frau kann regieren. Sie wird demonstrieren, es ist nicht wahr, was sie sagen: Die indigenen Frauen wüssten nicht zu denken, nicht zu regieren oder Entscheidungen zu treffen. Jetzt wird die Welt es erfahren: Wir Frauen von unten und von links – und alle Armen – wissen zu denken, uns zu denken, uns selbst zu regieren und unser eigenes Geschick als Pueblos zu lenken.

Es ist nicht wichtig, dass die Reichen und Mächtigen unseren Indigenen Regierungsrat und unsere Sprecherin nicht anerkennen.

Für uns zapatistische Frauen und Männer und für viele andere Pueblos zählt das Wort, der Blick, das Gehör des Indigenen Regierungsrats und seiner Sprecherin María de Jesús Patricio Martínez – denn sie und die Frauen und Männer suchen nicht diese Aufgabe, diesen Cargo (18). Was sie suchen, ist, die Leute von unten aufzurufen, sich zu organisieren.

Es hat somit keinerlei Bedeutung, ob sie die Kandidatur oder die Wahlen gewinnt oder nicht gewinnt – denn die Reichen und die schlechten Regierungen sind es ja gewohnt, Fallen zu stellen, Betrug zu begehen, Stimmen zu kaufen, um an die Macht zu kommen.

Wenn Dir die Art und Weise und die Lügen der politischen Parteien gefallen, nun gut. Wenn Du nicht wählen willst, nun gut. Wenn Dir die Trikoloren, die Blauen, die Grünen, die Gelben, die Braunen oder wer auch immer gefallen, nun gut. Jedoch – wie auch immer – wir sagen Dir: Du musst dich organisieren; denn was kommen wird, ist schlimmer als das, was jetzt zu erleiden ist.

Und wenn Du glaubst, das Unglück geschieht nur anderen Männern und Frauen, hast Du Dich sehr geirrt. Ob Du Lohn hast oder nicht, ob Du zu der einen Partei gehörst oder zur anderen oder zu keiner. Ob Du gläubig bist oder Atheist. Studiert hast oder nicht. Meztizo, Landino oder Indígena bist. Weiß oder schwarz oder welcher Hautfarbe auch immer. Ob Du Mädchen, Erwachsene oder alte Frau bist. Wie auch immer, der Sturm wird sich über die ganze Welt und überall ausbreiten.

Darum: Wichtig ist, dass wir alle – Frauen und Männer – uns organisieren. Jede, jeder nach ihrer, seiner Art und Weise, ihrer, seiner Zeit, ihrem, seinem Ort, an dem sie, er lebt, arbeitet, kämpft, widersteht.

Mit diesem Schritt, den wir gerade machen, haben wir erst den Kampf begonnen. Wir sind noch nicht ans Ende gelangt. Keinen Schritt zurück, Compañeras und Hermanas: Niemals mehr ein Mexiko ohne uns Frauen.

Es ist die Stunde, dass wir Frauen die Welt zum Erbeben und die Mauern zum Einsturz bringen, die Ketten des Unrechts, die uns Jahrhunderte lang fesselten, sprengen.

Folgen wir dem Beispiel vieler Compañeras und Hermanas, die kämpften und ihr Leben gaben für unsere Freiheit.

Um diesem ungerechten System ein Ende zu machen und es zu zerstören, ist es notwendig, unsere Kräfte mit den Hermanas Hausfrauen, Ärztinnen, Lehrerinnen, Arbeiterinnen, Angestellten, Künstlerinnen, Studentinnen, Wissenschaftlerinnen und allen arbeitenden Frauen auf dem Land und in der Stadt zu vereinen. Es ist die Stunde, Widerstände und Rebellionen zusammenzubringen, unsere würdige Wut zusammenzuschließen und gemeinsam – Frauen und Männer – gegen den Neoliberalismus zu kämpfen.

Wir müssen unseren Kampf auch mit die_der Anderen (19) vereinen. Diese führen ihre eigenen Kämpfe, und die Politik von oben schenkt ihnen keinerlei Beachtung. Als ob die_der Anderen eine Erlaubnis bräuchten, um zu existieren, um zu sein, um zu kämpfen. Denn die Politik von oben beschämt es, dass wir Frauen sind – von der Farbe der Erde, von der wir sind. Es beschämen sie Homosexuelle, Lesben, Transgender – und alles Differente.

Sie wollen uns – sie, er , sie_er, er_sie – versteckt halten, damit wir uns nicht sehen – uns selbst nicht sehen, so wie wir sind. Und sie wollen auch nicht, dass wir – sie, er, sie_er, er_sie – uns gegenseitig sehen.

Aber gut: Wir sehen uns: wir respektieren uns; wir wissen und erkennen uns. Fehlt nur, dass wir uns zusammentun, um diese Scheinheiligen von dort oben zur Hölle zu schicken.

Die Welt ist sehr groß, und sie umfasst uns alle: Sie, er, sie_er, er_sie. Das Einzige, was nicht mehr dort hineinpasst, ist das kapitalistische System. Denn es hat alles besetzt und lässt uns nicht einmal atmen. Und schlimmer noch. Der Kapitalismus kennt kein Gesättigtsein. Ihm reichen die Toten, die Zerstörung, das Elend, die Trostlosigkeit nicht aus. Nein, er braucht mehr. Mehr Krieg, mehr Tod, mehr Zerstörung.

Compañeras, Hermanas,
Als Frauen, die wir sind, müssen wir unsere Freiheit in die eigenen Hände nehmen. Denn wenn wir es nicht machen, niemand wird kommen, um uns zu befreien. Unsere Söhne und Töchter werden dann schlechter leben als wir, werden vergewaltigt, gedemütigt, versklavt werden in ihrem eigenen Land.

Zum Abschluss möchten wir dem Indigenen Regierungsrat und seiner Vocera sagen, dass sie sich stolz fühlen dürfen, dieses Land zu durchlaufen. Habt den Mut, die Wahrheit zu sagen und Bescheid zu geben, dass der Sturm sich bereits über uns befindet. Wir Frauen sind sicher, es wird Herzen und aufmerksames Gehör geben, um Eure Worte aufzunehmen. Vielleicht wird es auch Momente der Ablehnung und des Spotts geben, aber lasst Euch davon nicht entmutigen und beachtet es nicht.

Es darf außerdem keine Spaltung und keine Konkurrenz zwischen Euch geschaffen werden; und Ihr müsst die Prinzipien des Gehorchend Regierens erfüllen.

Seid Euch klar darüber, wenn eine Frau sich bewusst ist und sich entscheidet, Aufgaben und Verantwortlichkeiten zu übernehmen, wird sie mit vielen Hindernissen konfrontiert sein. Mit vielen Problemen – verursacht durch Ehemann, Eltern, Brüder, Verlobten, von Seiten der Comunidad und des Pueblo – und der gesamten machistischen und patriarchalen Gesellschaft, die ja die ganze Welt regiert. Denn das kapitalistische System geht nicht allein umher; es wird begleitet vom Machismo, der Intoleranz, dem Fanatismus, der Gewalt, dem Krieg gegen alles – überall und in allen Formen.

Die schlechten Regierungen und die Parteiführer, die nur an Macht und Geld denken, werden alles versuchen, damit eine indigene Frau weder sprechen noch zuhören kann.

Alldem muss widerstanden werden. Wir müssen unsere Fähigkeit demonstrieren: Eine Frau kann kämpfen, kann regieren, weiß im Kollektiv, das Schicksal seines Pueblos zu lenken.

Es ist die Stunde gekommen, dass die würdigen Frauen im Widerstand und in der Rebellion Mexiko und der Welt klar sagen: Die Frauen, die kämpfen und sich organisieren – verkaufen sich nicht, geben nicht auf und lassen nicht nach.

So wie unsere Compañeras Rätinnen, wie unsere Vocera, unsere Sprecherin María de Jesús Patricio Martínez, so wie alle zapatistischen Frauen, wie alle indigenen Frauen, alle arbeitenden Frauen und alle rebellischen Frauen der Welt.

Nie mehr ein Mexiko geführt vom kapitalistischen System.
Nie mehr ein Mexiko angefüllt mit Dieben und Mördern.
Nie mehr ein Mexiko voll von korrupten Ausverkäufern.
Nie mehr ein Mexiko ohne uns Frauen und Männer der Pueblos originarios.

Nie mehr eine Welt mit Machismen.
Nie mehr eine Welt mit Befehlsgebern.
Nie mehr eine Welt mit Kriegen, Tod und Zerstörung.
Nie mehr eine Welt ohne Demokratie, ohne Gerechtigkeit, ohne Freiheit.


Es leben die Frauen, die Mädchen, die jungen und alten Frauen Mexikos und der Welt.
Es leben die Pueblos originarios Mexikos und der Welt.
Es lebe der Widerstand und die Rebellion.
Es lebe der Congreso Nacional Indígena.
Es lebe der Indigene Regierungsrat.
Es lebe die Vocera María de Jesús Patricio Martínez.
Es leben alle sozialen Kämpferinnen und Kämpfer Mexikos und der Welt.
Es lebe die Autonomie der Pueblos originarios.
Es lebe der EZLN.

Für das Comité Clandestino Revolucionario Indígena – Comandancia General
des Ejército Zapatista de Liberación Nacional.

Comandanta Hortencia.

19. Oktober 2017,
aus Oventik, Carcol II, »Widerstand und Rebellion für die Menschheit«,
Zona Altos de Chiapas, Mexiko.


 Anhang  
  Worte der Comandanta Hortencia (.pdf)


Anmerkungen der_die Übersetzer_in:

(1) »pueblos y municipios«: hier: »Gemeinden/Dörfer und Bezirke/Landkreise«

(2) im Original: »Concejo Indígena de Gobierno«

(3) »pueblos«: »Gemeinden/Dörfer/Völker/Leute«

(4) wörtlich: »ursprüngliche Völker«

(5) ein Pejorativ; wörtlich: »Indio-Völker«

(6) wörtlich: »Ursprüngliche«

(7) wörtlich: »ursprüngliche Gemeinschaften/Völker, Stämme, Nationen«

(8) im Sinne von: »Ausverkäufer; Landesverräter«; hier wörtlich: »Vaterlandsverkäufer«

(9) »meztizos, landinos«: Nicht-Indígenas; vorherrschende Bezeichnungen, die sowohl Rassismus wie Klassenfrage berühren

(10) im Original: »capataces«

(11) »hermanos; hermanas; hermano pueblo«: »Brüder/ Geschwister; Schwestern; Geschwister-/ Bruder-Volk«

(12) Santiago Maldonado: argentinischer Aktivist; seit 1. August 2017 verschwunden; er wurde am 20. Oktober 2017 als tot identifizert.

(13) wörtlich: »Mutter Erde«

(14) im Original: »capataces, mayordomos«

(15) wörtlich: »Mutter Natur«

(16) »raza«: Verbleibt hier im spanischen Original; in Mexiko drückt es umgangssprachlich Herkunft und Zugehörigkeit aus; auch Jungendbanden benutzen diesen Begriff als gemeinsame Identifizierung.

(17) Man muß unwirkürlich an Carlos Salinas (mex. Präsident: 1992-98) spiegelnde Glatze denken.

(18) »cargo«: nicht in Geld entgoltene Arbeit für die Gemeinschaft, für das Kollektiv

(19) im Original: »loas otroas«; »der_die Anderen; die_der Anderen; sie_er; er_sie« ist lediglich ein Übersetzungsversuch für Genderwarriors.

 Quelle:  
  https://actividadesdelcigysuvocera.blogspot.mx/2017/10/palabras-de-la-comandanta-hortencia.html 
 

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