Bewaffnete Angriffe auf zwei zapatistische Gemeinden

Die Regierung Mexikos schürt die Aufstandsbekämpfung gegen die Gebiete der EZLN

redajmaq.org vom 05.05.2022
übersetzt von: lisa - colectivo malíntzin

 

Jobel — San Cristóbal de Las Casas, am 5. Mai 2022

An den Congreso Nacional Indígena — CNI
An die Sexta Nacional und Internacional
An die Netzwerke des Widerstands und der Rebellionen
An diejenigen, die die Erklärung für das Leben unterzeichnet haben
An die Menschen, die Würde und Organisierung säen

Compañeros und Compañeras, die schlechte Regierung Mexikos fährt beharrlich fort den Krieg/ die Aufstandsbekämpfung gegen die Gebiete der EZLN zu schüren.

Die paramilitärische Gruppe der ORCAO (Regionale Organisation der Kaffeeanbauer von Ocosingo) hat dieses mal 83 Personen der Zapatistischen Unterstützungsbasis (BAEZLN) der Gemeinden Emiliano Zapata und La Resistencia − angeschlossen dem Rat der Guten Regierung der Region Patria Nueva − gewaltsam vertrieben.

Die Red de Resistencia y Rebeldía [Netzwerk des Widerstands und der Rebellion] Ajmaq hat in diesem Gebiet [die gewalttätigen Aktionen] dokumentiert, öffentlich angeklagt und die Gemeinden der Zapatistischen Unterstützungsbasen begleitet. Dort wurden Karawanen zur Beobachtung und Dokumentation durchgeführt und die Situation in den [zapatistischen] Gemeinden von Moisés y Gandhi und Nuevo San Gregorio öffentlich angezeigt und bekannt gemacht.

Gestern, am 4. Mai 2022 und heute, am 5. Mai 2022 erhielten wir vom Rat der Guten Regierung »Neue Morgendämmerung im Widerstand für das Leben und die Menschheit«, Caracol 10 »Das rebellische Saatkorn zum Erblühen bringen« die Information über eine weitere Gewalteskalation durch die ORCAO. Die ORCAO hat unsere Compañeras und Compañeros der BAEZLN bewaffnet angegriffen. Am 2. Mai 2022, um ca. 20:00 Uhr, begannen die bewaffneten Angriffe der paramilitärischen Gruppe gegen die Gemeinde Emiliano Zapata − als Teil einer Serie von bewaffneten Attacken. Die Zapatistischen Unterstützungsbasen zogen sich daraufhin in die autonome Schule zurück, um sich vor den Kugeln zu schützen. [Zuerst kamen die Schüsse] aus ca. 300 Meter Entfernung, dann aus 50 Meter, dann aus 30 Meter. Die paramilitärische Gruppe kam immer näher heran. Angesichts der lebensbedrohlichen Situation entschieden die Zapatistischen Unterstützungsbasen, dass − wegen der seit 3 Jahren andauernden Gewalt, die in den letzten Monaten weiter zugenommen hat − 11 Familien, bestehend aus 54 Personen (darunter Frauen, Männer, Jugendliche, Mädchen, Jungen, alte Frauen und Männer), den Ort verlassen.

Die Gewalt setzt sich weiter fort. Wir haben Zeug*innenberichte, dass die bewaffneten Aktionen der paramilitärischen Gruppe der ORCAO andauern. Heute, am 5. Mai 2022, um 12:59 Uhr, richteten die Mitglieder der ORCAO aus San Felipe ca. 32 Schüsse des Kalibers 22 gegen die zapatistische Gemeinde La Resistencia. Um 13:30 Uhr wurden die Angriffe der ORCAO aus San Felipe weiter fortgeführt, als eine Gruppe von ihnen die zapatistische autonome Schule niederbrannte, sowie eine Garage eines Mitglieds der Zapatistischen Unterstützungsbasis in La Resistencia. Die Häuser der Zapatistischen Unterstützungsbasen sind nur ca. 10 Meter vom Brandort der autonomen Schule entfernt. Während des Niederbrennens der autonomen Schule waren fortgesetzt Schüsse zu hören. Wegen dieser Situation haben 29 Personen (Frauen, Männer, Jugendliche, Mädchen, Jungen, alte Frauen und Männer) die Gemeinde La Resistencia verlassen müssen. Jetzt, im letzten Report, wurde berichtet, dass die Häuser der Zapatistischen Unterstützungsbasen offen stehen − ohne bisher genau zu wissen, welche Schäden von der paramilitärischen Gruppe der ORCAO angerichtet wurden.

Zu dem, was am 2. Mai 2022 geschah, geben Zeug*innenberichte folgendes wieder:

»Die ORCAO hat die Gemeinde Emiliano Zapata angegriffen, aus 300 Metern Entfernung. Als sie bis auf 50 Meter herangekommen waren, mussten die Familien den Ort verlassen. Sie wurden angegriffen durch die Gruppe von San Felipe. Diejenigen, die kamen, um anzugreifen, sind aus sieben Gemeinden, die der ORCAO angehören.

Wir haben den Compañeros und Compañeras gesagt, dass wir nicht in Provokation verfallen werden. Sie haben uns mit verschiedenen Waffenkaliber angegriffen. Diejenigen der ORCAO aus [der Gemeinde] 7 de Febrero begannen zu schießen. Wir sagten den Compañeros und Compañeras von Moisés y Gandhi, dass sie gehen müssen, wenn sie [die ORCAO] bis auf 30 Meter herangekommen sind; das war der Moment als die Familien den Ort verlassen mussten.

Eine andere Gruppe [der ORCAO] aus San Antonio griff mit Waffen verschiedenen Kalibers die Gemeinde Moisés y Gandhi an. Sie kamen nahe an die Schule heran und zogen sich um 5:00 Uhr morgens zurück.«

Nach erhaltener Information greift die ORCAO seit 3 Jahren unausgesetzt zapatistische Gemeinden an. Diese widerstehen und werden weiterhin widerstehen − trotz der Aggressionen, die von bewaffneten Attacken bis hin zum Raub von Ernten, der Zerstörung von Gütern reichen: den Früchten der Arbeit der Zapatistischen Unterstützungsbasen.

Andere Zeug*innenberichte lauten:

»Es macht uns sehr traurig, denn wir leiden mit den Kindern. Gestern, um 15:00 verließen wir den Ort: aushaltend, gehend, den Hunger ertragend. Denn seit vorgestern, ca. 20:00 begannen sie uns anzugreifen; wir gingen los, uns zu verstecken: unter Leiden; die Kinder zitterten, da wir losgingen, um uns zu verstecken. Sie begannen uns aus hochkalibrigen Waffen zu beschießen, die Kugeln kamen nahe an uns heran. Es kehrte ein wenig Ruhe ein und wir gelangten bis zur Schule; dort blieben wir. Wir waren umzingelt; und sie sahen uns, denn da sind keine Büsche und Bäume. Sie begannen [erneut] uns zu beschießen; wir legten uns auf den Boden, damit die Kugeln uns nicht erreichen. Bis um 3:00 Uhr morgens waren wir eingekreist. Sie [die Compas] haben uns gesagt, dass wir uns zurückziehen; und das haben wir getan, denn wir wollen keine Konfrontation, die sich in Tote wandelt. Deshalb gingen wir gestern los; zu Fuß kamen wir, Hunger und Durst wegen dieser Hitze ertragend.«

»Das ist nicht das erste Mal, das sind jetzt 3 Jahre; immer mit den Kugeln lebend, gingen wir auf die Milpa, aufs Mais-Bohnen-Feld arbeiten − und immer haben wir Angst, denn sie verjagen uns mit Schüssen. Es geht bereits ins 4. Jahr und es geht weiter. Und wer wird das Problem lösen, die verdammte Regierung tut nichts oder will, dass wir sterben oder was ... Ihr werdet es ihnen sagen; wir sind gewöhnt zu arbeiten, unsere Bohnen und unseren Mais zu pflanzen; wir wollen hier nicht längere Zeit sein, denn hier wird auch gelitten; die Kinder sind an ihr zu Hause gewöhnt und auch daran zu arbeiten; und dies alles wegen diesen verdammten Leuten der ORCAO ...«

»Seit Jahren lassen sie uns zapatistische Unterstützungsbasen (BAEZLN) nicht in Ruhe arbeiten; das hat zugenommen mit Beginn der Regierung von Andrés Manuel López Obrador und seinem Programm »Sembrando Vida − Leben säend«. Das einzige, was es provoziert, sind Spaltung und Konflikt. Sie lassen uns nicht arbeiten … Das wird vorangetrieben durch ihre Anführer [der ORCAO], José Pérez, der Erster Rat der Landkreisregierung von Ocosingo ist − und Tomas Santiz Gómez. Dazu noch Antonio Juárez, Marcos López Gómez und Juan Gómez. Sie sind die Anführer, die die Gemeinden ermuntern, uns zu attackieren − das geschah letztendlich als die sieben Gemeinden uns angegriffen haben. Die ganze Nacht haben sie geschossen; auch brennen sie die Maisfelder ab und rauben den Mais.«

»Die Compañeras sind wütend und traurig, denn sie haben ihre Sachen und Tiere zurückgelassen; von dort aus leisten sie Widerstand und kämpfen. Eine Compañera hat sich beim Laufen am Stacheldraht verletzt; sie müssen den Ort verlassen, so wie sie es können. Ein anderer Compañero ist gerade frisch operiert; und er musste losgehen. Eine andere Compañera ist im sechsten Monat schwanger. Die von der ORCAO … ich verstehe ihre Eltern nicht; es sind die von der Regierung, die ihnen Geld geben; der AMLO [Andrés Manuel López Obrador] bringt nur Schwierigkeiten in die Gemeinden; jetzt mit seinem Programm »Sembrando Vida«; sie wollen, dass wir uns untereinander umbringen; das ist, was die 4 T [4. Transformation] will.«

Aus der Red de Resistencia y Rebeldía Ajmaq heraus lehnen wir die bewaffneten Aktionen und Angriffe der verbrecherischen Gruppe der ORCAO gegen die zapatistischen Gemeinden Emiliano Zapata und La Resistencia ab. Wir klagen die mexikanische Regierung öffentlich an, Teil dieser Aktionen der Aufstandsbekämpfung zu sein − und die Drangsalierung und die Aggressionen gegen die Gebiete der EZLN nicht zu stoppen. Wir rufen die Companer@s der Sechsten Erklärung aus dem Lakandonischen Urwald, die Netzwerke des Widerstands und der Rebellion, und alle Companer@s im Kampf für das Leben und in Verteidigung der Madre Tierra, der Mutter Erde, dazu auf, dass wir mit öffentlichen Anklagen und Solidaritätsaktionen demonstrieren − um zu fordern, dass diese Personen, die Mitglieder der ORCAO sind und verbrecherische Taten gegen unsere Compañeras und Compañeros der EZLN begehen, zurückgehalten werden. Wir fordern, dass die Gewalt gegen das zapatistische Gebiet gestoppt wird.

Solidarität mit den Pueblos Zapatistas!
Stopp den Aktionen der Aufstandsbekämpfung gegen die Pueblos Zapatistas!
Red de Resistencia y Rebeldía Ajmaq.


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Quelle: https://redajmaq.org/es/fomenta-el-gobierno-de-mexico-la-contrainsurgencia-hacia-los-territorios-del-ezln


 

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