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Diskurs der Doppelmoral seitens der Zentralregierung bzgl. der Montes Azules

La Jornada vom 06.12.2004
Hermann Bellinghausen
übersetzt von Sven & Andrea

 
Keine Gemeinde hat den Urwald so sehr beschädigt, wie die militärische und touristische Expansion
Diskurs der Doppelmoral seitens der Zentralregierung bzgl. der Montes Azules wird bekanntgegeben
Arbeiten in der Zone beschädigen die Umgebung, sagen Menschenrechts- und Umweltgruppen

In Bezug auf Montes Azules haben in letzter Zeit unabhängige Beobachter und einige Organisationen der Zivilgesellschaft die Verlautbarungen der Bundesregierung als "doppelten Diskurs" bezeichnet. Einerseits werden die (größtenteils noch ausstehenden) Errungenschaften im Agrar- und Umweltbereich veröffentlicht, welche durch die Umsiedlung "irregulärer Ansiedlung" in den geschützten Gebieten erzielt wurden, andererseits werden Projekte mit Mitteln der öffentlichen Hand durchgeführt, welche die Risiken für das Biosphärenreservat erhöhen. Was die Regierung mit der einen Hand schreibt, radiert sie mit der anderen direkt wieder aus. Die Brücken, die zur Zeit in Amatitlan und Nuevo Sabanilla gebaut werden, ebenso wie die von der bundesstaatlichen und von der nationalen Wasserkommission im ejido Cintalapa gebaute Dränage, die den Rio Lacanja ernsthaft verschmutzt, illustrieren unheilverkündend die andere Seite des Regierungsdiskurses.

Diese Orte gehören zu den Mikroregionen, in denen die EU Projekte finanziert. Es ist angebracht zu fragen, ob sich die europäische Union mit diesen Hilfen an den plünderischen Bauarbeiten beteiligt, welche die mexikanische Regierung ausführt. Diese Fälle "belegen beispielhaft das tatsächliche Vorgehen, das in der Selva Lacandona stattfindet, zumal es 22 Jahre dauerte, bis für das ausgewiesene Naturschutzgebiet ein Handlungsplan entworfen wurde " merkt Miguel Garcia, Koordinator der Umweltschutzorganisation "Hölzer des Volkes des Südostens", an. Das geschützte Gebiet "wird 1978 [als solches] ausgewiesen und zu demagogischen Zwecken benutzt. Gleichwohl existierte es 20 Jahren nur auf dem Papier, während weiterhin die Verteilung von Agrarland und die Finanzierung extensiver Rinderzucht betrieben wurde." Diese Organisation hat wiederholt darauf hingewiesen, dass die Ansiedlungen in Montes Azules nicht die Ursache großer Umweltschäden sind, sondern dass "der große Plünderer von Montes Azules die Regierung ist". Die Regionen mit größten Schäden im Reservat "finden sich in Nueva Palestina und der Region von Miramar". Wenn man Sattelitenbilder analysiert, lässt sich mit Blick auf Miramar und die Militärbasis von San Quintin zusammenfassend sagen, dass die Entwaldung seit 1995 "quasi vollständig" ist. Keine Bauerngemeinde hat den geschützten Wald so geschädigt, wie militärische und touristische Aktivitäten. Diese Zone wurde durch die Waldbrände von 1998 niedergebrannt "und hier befand sich die größte Kaserne der Selva Lacandona, nicht die Ansiedlungen, die man zu vertreiben beabsichtigt", führt die Umweltschutzorganisation aus. In Nueva Palestina, im nicht-lacandonischen Teil der Gemeinde, "förderte die Regierung über Jahre hinweg die intensive Rinderzucht mit öffentlichen Mitteln, Krediten der Weltbank, technischen Hilfen, Verteilung von Saatgut und Samen für Weideflächen".

Andererseits stellt diese Organisation in einem am 13. Oktober veröffentlichten Brief an die zapatistischen Autoritäten fest, dass Montes Azules "ein ökologisches Reservat ist , das der Staat auf Territorien auswies, die vor 30 Jahren in betrügerischer Absicht an die maya-karibischen Brüder übergeben wurde, damit Präsident Echeverria dann wertvolles Holz ausbeuten konnte". Die Umweltschutzorganisation merkte hier weiter an, dass "große multinationale Unternehmen, zur Zeit als Umweltschützer verkleidet, die Kontrolle über das ganze Gebiet an sich bringen wollen. Sie benutzen die maya-karibischen Brüder, die sie mit Brotkrumen abspeisen und zählen dabei auf die Komplizenschaft der Regierung. Inzwischen ist es nicht mehr das wertvolle Holz, das die großen Unternehmen ausbeuten wollen; genauso wenig suchen sie die Berge zu roden und abzubrennen, um Rinderzucht-Farmen zu errichten. Die Dinge liegen etwas heikler".

Multinationale Unternehmen wie Coca-Cola, Ford Motors Company, Savia Seminis, Monsanto und die Pharmakonzerne Bayer, Zeneca und Novartis "drängen darauf, die Berge zu erhalten, aber ohne Bevölkerung, schon gar nicht mit rebellischer. Sie wollen sich der Bäume, der Tiere und des Wassers bemächtigen, um mit ihren Untersuchungen und Gerätschaften patentierte Medikamente, transgenes Saatgut und chemische Produkte herzustellen. Ebenso um Wasser abzufüllen und zu stauen". Um so "an das mexikanische Volk und die Völker der Welt das Essen, die Medikamente, das Wasser und letztendlich das Leben selbst sehr teuer zu verkaufen".

In dem Schreiben wurde hinzugefügt, dass es das Interesse der "Investoren" ist, das hinter der Vertreibung der Indigenen steht, "die in Montes Azules aus Überlebensnotwendigkeit siedeln. Sie wollen sich die Beute rauben, ohne von den Indios gehindert zu werden".

Verschmutzung in Lacanja

Eben jene Lakandonen von Lacanja Chansayab, die für gewöhnlich Verbündete der Regierung sind, haben sich gegen die Schäden, welche die staatlichen Bauprojekte in Montes Azules verursachen, ausgesprochen. Ihre Autoritäten schickten gemeinsam mit denen der Siedlung Lacanja Tzeltal (diese liegt außerhalb des Naturschutzgebietes und hat dort keinerlei Rechtsansprüche) am 29 Okt. einen Brief mit deutlichem Inhalt an die Bundes- und die Landesregierung. Darin fordern sie "die Streichung und die völlige und sofortige Sperrung des Dränage-Projektes in der Nachbargemeinde Cintalapa". Das Dränage-Projekt, so argumentieren sie, ist nahe der Quelle des Rio Lacanja erbaut, 6 km oberhalb von Lacanja Tzeltal und 20 km von Lacanja Chansayab entfernt. Es steht zu befürchten dass sich "verschmutztes Wasser in diesen wichtigen Fluss ergießt", der die nordöstliche Grenze des Naturschutzgebietes darstellt. "Somit verletzt dieser Bau Artikel 49 des Gesetzes zum ökologischen Gleichgewicht".

Als indigene Völker, sagen sie "verstehen wir nicht, wie die staatlichen und bundesstaatlichen Autoritäten über Radio und Fernsehen verbreiten können, dass sie sehr besorgt um Montes Azules seien, während die gleichzeitig ein Projekt bauen und unterstützen, das die dortige Flora und Fauna schwer beschädigt." Sie klagen an, dass die Regierung damit "ihre Rechte als indigenen Völker, wie sie in dem Convenio 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und im "Protokoll von San Salvador", hervorgegangen aus dem Abkommen über ökonomisch, soziale und kulturelle Rechte der UN, definiert sind, grundlegend verletzt."

Die Nachbarn aus dem Ejido am Rio Lacanjá fügen dem hinzu: " diese absurde Maßnahme der Regierung führt dazu, dass es bald schwere Auseinandersetzungen zwischen uns und den Brüdern aus dem Ejido Cintalapa geben wird. Und zwar deshalb, weil bereits am 24.Mai diesen Jahres eine Kommission aus Tzeltales aus Lacanjá, die friedlich die Übereinkünfte umsetzte, von Leuten des Ejido Cintalapa mit Macheten abgegriffen wurde. (Cintalapa ist das Dorf, in dem sich jene militärische Basis befindet, die den nordöstlichen Zugang zu Montes Azules kontrolliert.)

Die beiden Gesichter des "Naturschutzes" (conservación) legen nahe, dass die Regierung die Absicht hat, genau das Gegenteil dessen zu tun, was sie verspricht. Sie verfolgt jenen "doppelten Diskurs", wie ihn Menschenrechts- und Umweltschutzorganisationen anklagen.

 Quelle:  
  http://www.jornada.unam.mx/ 
 

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