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Teilfertigungsindustrie und Coronavirus

Poonal vom 16.05.2020
Luis Hernandez Navarro

  Eine Maquiladora in Mexiko. Foto: Guldammer/Wikimedia Commons
Eine Maquiladora in Mexiko. Foto: Guldammer/Wikimedia Commons


(Mexiko-Stadt, 28. April 2020, La Jornada).- Don José, so berichtet die Journalistin Ana Lilia Ramírez, arbeitete in einer Nähfabrik in Tijuana, die der Autoindustrie zulieferte. Er war 42 Jahre alt, die letzten fünf Jahre beschäftigt in dem Teilfertigungsunternehmen (maquiladora). Er litt an Bluthochdruck. Am 14. April starb er am Covid-19 im Regionalkrankenhaus 1 der Mexikanischen Sozialversicherungsbehörde (IMSS).

Rosa, die Tochter von Don José, zeigte dem Unternehmen den IMSS-Gesundheitspass ihres Vaters, auf dem der Bluthochdruck ihres Vaters verzeichnet war. Der Firma war dies egal. Sie verlangte ein ärztliches Attest. Als er dies erhielt, war es zu spät. Das Fließband durfte nicht stillstehen. Entweder ging Don José zur Arbeit oder er stand auf der Straße. Er arbeitete weiter bis zu seinem Tod.

Als die IMSS das Unternehmen über den Tod des Arbeiters benachrichtigte, schloss der Betrieb. Seine Teilfertigung lieferte keine lebenswichtigen Produkte, um der Pandemie entgegenzutreten. Weder medizinische Produkte oder Ausrüstung noch verarbeitete Lebensmittel. Nur Teilfertigungen für Autos. Und einen Toten und Covid-infizierte Arbeiter*innen.

1200 Kilometer weiter, in Ciudad Juárez, starben zwei Arbeiterinnen des Teilfertigungsbetriebes Electrolux-Kühlschränke an Covid-19, schreibt Kau Sirenio. Das Unternehmen gab dies in einer kurzen Mitteilung aus drei Absätzen bekannt. Zwei Wochen zuvor, am 7. April hatten die Arbeiterinnen wegen fehlender Schutzvorkehrungen in der Fabrik gegen die Krankheit protestiert. Der Betrieb schloss die Arbeiterinnen ein und entließ 20 von ihnen. Am 22. April gab das Unternehmen drei Fälle von Infizierten zu. Schließlich schloss es, doch versicherte, »systemrelevant« zu sein.

Profit geht vor Gesundheit



Wie in La Jornada vom 27. April nachzulesen ist sind Fälle wie die von Don José oder den Arbeiterinnen bei Electrolux die Regel. Die Coronavirus-Krise hat die Situation nur noch schlimmer gemacht. Der Maquila-Industrie, die angesichts der prekären Lage auf dem Arbeitsmarkt sowie einem de facto-Moratorium der Umweltgesetzgebung gedeiht, war die Gesundheit ihrer Beschäftigten (viele von ihnen Frauen) schon immer egal — im Gegensatz zum Gewinn. Das ist jetzt nicht anders. Die Produktionsbänder dürfen nicht stillstehen. Arbeitskräfte, die sie am Laufen halten, gibt es im Überfluss.

Carlos Monsiváis taufte diese industriellen Ausnahmeterritorien in Taiwanajuato oder Maquilatitlán [Wortspiele mit mexikanischen Städtenamen] um. Sie befinden sich in den Grenzstädten zu den USA, aber auch in der Region Bajío, im Großraum von Mexiko-Stadt oder auf der Halbinsel Yucatán. Monsiváis wies damit auf ihren Charakter als Teilfertigungsenklaven hin, in denen Arbeiter*innen als Personen entbehrlich, weil einfach ersetzbar sind.

Am 24. April hatten nur 141 Maquiladoras in Baja California ihre Aktivitäten eingestellt. 68 Prozent dieser Betriebe im Bundesstaat produzierten weiter. Trotz der Regierungsanweisung, vom 30. März bis 30. April alle nicht systemrelevanten Aktivitäten im öffentlichen, privaten und gesellschaftlichen Sektor unverzüglich einzustellen. Es verwundert daher nicht, dass am 24. April trotz unzureichender Erfassung 60 Arbeiter*innen aus Maquila-Betrieben in Tijuana positiv auf den Coronavirus getestet wurden.

Damit nicht genug. Zahlreiche Unternehmen, die ihre Aktivitäten suspendiert haben, verweigern den Beschäftigten die volle Lohnzahlung oder haben ihr Personal entlassen.

Proteste in den Maquiladora-Hotspots



Die Verweigerungshaltung der Betriebe hat in Dutzenden Maquiladoras die Wut der Arbeiter*innen ausgelöst. In Tijuana, Mexicali, Ciudad Juárez, Durango, Yucatán, Reynosa und Matamoros hat es spontane Proteste gegeben. Die Forderungen variieren von Unternehmen zu Unternehmen und Stadt zu Stadt. Sie umfassen: Stopp der Produktion, vollständige Lohnzahlungen, keine Entlassungen unter dem Vorwand von Covid-19, sanitäre Vorsorgemaßnahmen dort, wo weitergearbeitet werden muss; und im Krankheitsfall Unterstützung für Familienangehörige.

Die Arbeitsbehörden haben in verschiedenen nördlichen Bundesstaaten Teilfertigungsbetriebe geschlossen, die keine systemrelevanten Aktivitäten durchführen. Aber viele andere Unternehmen operieren straffrei weiter.

USA üben Druck auf Mexiko aus



In bester kolonialer Tradition übt Uncle Sam Druck auf Mexiko aus, damit die Teilfertigungsindustrie abseits jeglicher Gesundheitsüberlegungen weiter produziert. Über Twitter rief US-Botschafter Christopher Landau dazu auf, die Versorgungsketten intakt zu halten. Er brachte seine Sorge zum Ausdruck, die Schließungen aufgrund des Coronavirus könnten den Lieferfluss von Teilfertigungsstücken und Produkten schädigen, die an die Unternehmen der Nordamerikanischen Freihandelszone (Kanada, USA, Mexiko) gehen. »Auch die wirtschaftliche Zerstörung bedroht die Gesundheit«, schrieb er.

Ganz auf dieser Linie schrieb der US-Lobbyverband National Association of Manufacturers (NAM) einen Brief an Mexikos Präsident López Obrador. Er forderte, dass die mexikanische Klassifizierung industrieller Aktivitäten sich daran ausrichte, welche Industrien in den USA als grundlegend gelten.

Die Tatsache, dass sich die Unternehmen in der Lombardei darauf versteiften, die Fabriken trotz der Pandemie weiterproduzieren zu lassen, war fundamental für die italienische Gesundheitskatastrophe. Das blinde Beharren der Maquila-Betriebe an der Grenze zu den USA, unter Vernachlässigung jeglicher Rücksichtnahme auf die Gesundheit ihrer Beschäftigten weiterzuarbeiten — und das Fehlen einer energischen Reaktion der mexikanischen Behörden, dieses Verhalten zu unterbinden — antizipieren, dass der italienische Fall sich in Mexiko wiederholen könnte.

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 Quelle:  
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