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Lydia Cacho: »Dieses Land ist für mich immer noch kein sicherer Ort«

Poonal vom 17.02.2021
Anayeli García Martínez

  Foto: Eneas De Troya
Foto: Eneas De Troya CC BY 2.0


(Mexiko-Stadt, 4. Februar 2021, cimacnoticias).- 15 Jahre ist es her, dass Lydia Cacho Ribeiro, Journalistin und Verteidigerin der Rechte von Frauen und Mädchen, entführt und gefoltert wurde. Nun wurde ein weiterer Mittäter gefasst. Mario Marín Torres, ehemaliger Gouverneur von Puebla, wurde am 3. Februar dieses Jahres im Hafen von Acapulco im Bundesstaat Guerrero verhaftet. Im Jahr 2005 hatte Marín zusammen mit den Unternehmern Kamel Nacif und Jean Succar Kuri die Entführung und Folterung Cachos organisiert. Unter dem Vorwand einer Verleumdungsklage wurde die Journalistin am 16. Dezember 2005 in Quintana Roo von der Polizei und privaten Sicherheitsdiensten festgenommen, nach Puebla gebracht und dort gefoltert. Nach ihrer Freilassung beschrieb Cacho den gesamten Trick mit dem fingierten Haftbefehl. Im Februar 2006 veröffentlichten die Medien ein Telefongespräch zwischen Marín und Nacif, in dem letzterer seinem »hochgeschätzten Gouverneur« für die Verhaftung von Cacho dankte und dafür, dass er ihr »ein wenig auf die Finger gehauen« habe. Seitdem wurde die Journalistin bedroht und verfolgt. Die Schikane hatte begonnen, nachdem ihr Buch »Los demonios del Edén« herausgekommen war, in dem sie einen Kinderhandel- und Pornoring aufdeckte und die Beteiligung von Geschäftsleuten und Politikern wie Marín, Miguel Ángel Yunes Linares, Kamel Nacif und Jean Succar Kuri nachwies. Kuri ist der einzige, der wegen sexuellen Missbrauchs und Kinderpornografie verurteilt wurde. Im Jahr 2016 erhielt er eine Haftstrafe von 112 Jahren Gefängnis, wobei das Urteil noch ein Revisionsverfahren durchläuft.

»Einer ist geschnappt, zwei sind noch draußen«



Lydia Cacho ist seit 2012 außer Landes. Zuvor waren am 21. Juli desselben Jahres zwei Männer in ihr Haus in Puerto Morelos im Bundesstaat Quintana Roo eingebrochen, hatten ihre Hunde getötet und in ihrer Abwesenheit Arbeitsgeräte und journalistisches Material gestohlen. Ihre Anwälte von der Menschenrechtsorganisation Artículo 19 bezeichneten die Tat als Racheakt, da Cacho kurz zuvor ein Gericht dazu gebracht hatte, einen Haftbefehl gegen den Ex-Gouverneur zu erlassen.

Nachdem sie in ihrem spanischen Exil von der Verhaftung Maríns erfahren hatte, erklärte Lydia Cacho: »Das wurde auch Zeit. Wir haben jetzt mehr als 14 Jahren darum gekämpft, und jetzt hat die Polizei endlich ihre Arbeit gemacht«. Sie habe Beweise, dass der ehemalige Gouverneur des Bundesstaats Puebla von 2005 bis 2011 nicht nur die Menschenhändler geschützt hatte, die in ihrem Buch denunziert werden, sondern selbst auch Konsument von Kinderpornografie war und ein Mädchen sexuell missbraucht hatte. Die Frage von Fernsehporter*innen, ob sie nun nach Maríns Verhaftung nach Mexiko zurückkehren wolle, verneinte Cacho und erklärte, seine Verhaftung bedeute keine ausreichende Sicherheitsgarantie, zwei weitere Täter seien noch auf freiem Fuss: Hugo Adolfo Karam Beltran, ehemaliger Sicherheitsminister von Puebla, und der Geschäftsmann Kamel Nacif, der sich im Libanon versteckt. »Einer ist geschnappt, zwei sind noch draußen«, erklärte sie.

Der Verrat von Olga Sánchez Cordero



Im Jahr 2016 wurde die illegale Inhaftierung der Journalistin vor dem Obersten Gerichtshof der Nation erneut verhandelt. Im November 2007 hatte das Gericht festgestellt, dass keine schwerwiegende Verletzung der Persönlichkeitsrechte der Journalistin vorlag und Mario Marín Torres von den Vorwürfen entlastet. Eine der Ministerinnen, die damals gegen die Anerkennung der schweren Verletzung der Rechte der Journalistin gestimmt hatte, war die damalige Innenministerin Olga Sanchez Cordero. Anlässlich der Verhaftung Maríns Anfang Februar erklärte Cacho, Sanchez Cordero habe sie und die anderen Opfer verraten. Sie sei zwar die Beamtin, die am meisten über Gewalt gegen Frauen spreche, »doch in Wirklichkeit hat sie die Frauen im Stich gelassen«. Für Cacho Ribeiro war die damalige Ministerin dafür verantwortlich, dass es mehr als 15 Jahre gedauert hatte, bis die Justiz aktiv wurde. Dafür trage Sánchez Cordero eine moralische und rechtliche Schuld. »Sie war Teil einer brutalen Komplizenschaft des Obersten Gerichtshofs, und diese Komplizenschaft hat verhinderte, dass Tausende von Fällen wie die all dieser Mädchen, die ich dokumentiert hatte, und Hunderte von Fällen, die meinem eigenen mehr oder weniger ähnlich waren, Journalist*innen, Menschenrechtsverteidiger*innen, die verfolgt und bedroht wurden, usw., vor Gericht gebracht und zu juristischen Präzedenzfällen für Mexiko hatten werden können«, so Cacho.

Öffentliche Entschuldigung auf Empfehlung der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte



Sánchez Cordero hatte erklärt, auch im Fall des ehemaligen Gouverneurs Marín sei es wichtig, gegen Straflosigkeit vorzugehen. Es müsse ein unparteiisches Verfahren geben, bei dem »die Gerichte und die Staatsanwälte wirklich ihre Arbeit richtig machen, um die Straflosigkeit in unserem Land so weit wie möglich zu reduzieren«. Im Fall des Kandidaten für das Amt des Gouverneurs von Guerrero Felix Salgado Macedonio, der der sexuellen Belästigung und Vergewaltigung beschuldigt wird, hatte die ehemalige Ministerin sich mit ihrer Aussage über die Unschuldsvermutung als Verfassungsgrundsatz unbeliebt gemacht: »Das Mindeste, was die Verfassung garantieren muss, ist ein ordnungsgemäßes Verfahren inklusive einer Anhörung und der Unschuldsvermutung«. Dies habe gleichermaßen für Moreno und für Mario Marin zu gelten. Als vor 14 Jahren der Fall der Verletzungen der Persönlichkeitsrechte der Journalistin Cacho verhandelt wurde, sei sie als Ministerin der Ansicht gefolgt, dass diese vorlagen. »Das war offensichtlich, das habe ich in den Plenarsitzungen bestätigt und sogar von psychologischer Folter gesprochen. Aber die Klage hatte ja in den Instanzen der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte Erfolg, und natürlich sind wir der Empfehlung der Kommission gefolgt und haben uns öffentlich bei Lydia Cacho entschuldigt.« Der Unterstaatssekretär für Menschenrechte, Bevölkerung und Migration, Alejandro Encinas, war seinerzeit dafür zuständig, die Verletzung des Rechts der Journalistin auf freie Meinungsäußerung, Wahrheit und Gerechtigkeit durch den mexikanischen Staat öffentlich zu erklären und zu versichern, dass der Staat sich verpflichte, dafür zu sorgen, dass sich ähnliches nicht wiederholt.

»Wir Frauen sind hier, um die Geschichte dieses Landes zu verändern«



Die Journalistin hatte die auf Betreiben der Vereinten Nationen erfolgte öffentliche Entschuldigung, bei der auch Sánchez Cordero anwesend war, zum Anlass genommen, um zu beklagen: »Wir haben es nicht geschafft. Die Verbrecher waren stärker als die Ehrlichkeit der Presse, stärker als der Mut der Kinder, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, stärker als all’ unsere Anstrengungen und die unschätzbare Solidarität der Gesellschaft«. Immerhin sei es gelungen, das Thema Pädophilie in den Medien zu platzieren. »Es wird immer behauptet, Journalismus sei eine Männersache und Menschenrechte ein Anliegen zarter weiblicher Gemüter, und dass die Stimmen von Kindern nicht auf die Seiten von Zeitungen gehörten. Immerhin das haben wir erreicht, und niemand kann es uns wegnehmen. Trotz Folter und Verfolgung beugen wir uns nicht dem Narrativ des korrupten, verlogenen, sexistischen und selbstgefälligen Journalismus der patriarchalen Macht. Wir Frauen sind hier, um die Geschichte dieses Landes zu verändern.« Anlässlich der Verhaftung des Gouverneurs von Puebla Anfang Februar hob die Journalistin noch einmal hervor, dass es ihrer Arbeit zu verdanken sei, dass Jean Succar Kuri wegen gewerblicher sexueller Ausbeutung verurteilt wurde und er und Mario Marín nun in Gefängniszellen in der Stadt Cancún schlafen müssen. Dieser Fall zeige, dass Kinderpornografie nicht nur eine Sache von Drogenhändlern und Auftragskillern sei, sondern dass es genügend Politiker gebe, die mitmischten. Es sei daher immens wichtig, dass Journalist*innen ihre Kraft und Macht nutzen, um den Stimmen der Opfer die nötige Sichtbarkeit zu verleihen«.

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