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Die März-ila (Nr. 443) zum Thema Care-Arbeit

ILA vom 17.03.2021

  Liebe Freund*innen, Kolleg*innen und Lateinamerikainteressierte,

ila-443auf vielen Demos am 8. März hat das Thema seinen gebührend zentralen Platz erhalten: die Debatten rund um Care(-Arbeit).

Im Editorial der aktuellen »ila« heißt es dazu:

»Care ist ein Thema, anhand dessen die globale feministische und antikapitalistische Revolution am konsequentesten durchdacht werden kann, die sich bereits heute in Tausenden Alltagspraktiken und Organisierungsprozessen widerspiegelt. Programmatisch nennt sich eine deutsche Initiative Netzwerk Care Revolution. Care, im Spanischen oft als cuidado, cuidados oder trabajo de cuidados bezeichnet, ist nicht leicht ins Deutsche zu übersetzen. Es geht um mehr als Hausarbeit. Care ist nicht gleichzusetzen mit Sorge und geht über die Debatte um Reproduktionsarbeit hinaus. Am ehesten trifft es vielleicht der Begriff der Fürsorge, obwohl da auch eine Konnotation des stellvertretenden Handelns, der Übergriffigkeit mitschwingt. Deshalb setzt sich mittlerweile der englischsprachige Begriff zunehmend durch. Dass Care so ein allumfassender Begriff ist, mag die Debatte verkomplizieren und stellenweise unscharf machen. Da wird zum Beispiel diskutiert, ob Liebe eigentlich ein Teil von Care-Arbeit ist. Aber in dieser Breite steckt auch ein riesiges Potenzial, denn es geht um nicht mehr und nicht weniger als darum, alles zu verändern.

Care-Arbeit kann klassisch in zwei Bereiche eingeteilt werden. Direkte Care-Arbeit meint körpernahe Tätigkeiten wie füttern und waschen. Indirekte Care-Arbeit hingegen umfasst all jene Tätigkeiten, die passieren müssen, damit das Leben überhaupt funktionieren kann: einkaufen, organisieren, managen, alles gleichzeitig auf dem Schirm haben. »Unsichtbare Elfenarbeit« wurde dies einmal im Lila Podcast genannt. In jedem Fall beinhaltet Care Beziehungen zueinander. Während im produktiven Sektor Arbeitsabläufe permanent optimiert und rationalisiert werden können, verliert Care-Arbeit zunehmend ihren Sinn, ihren Gebrauchswert, wenn sie dieser Logik untergeordnet wird. Effektivierung des Personalseinsatzes, Ersetzung lebendigen Kontakts durch Tierroboter und andere neueste Praktiken in der (Alten)Pflege nehmen Care den Wesenskern in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Wenn daran gespart wird, verschlechtert sich die allgemeine Lebensqualität, wie Mascha Mädorin treffend feststellte. Die Unterfinanzierung des Gesundheitssystems ist im Sinne des Profits völlig konsequent, im Sinne der Pflege aber paradox. Sie widerspricht einem guten Leben für alle und legt — gerade in Zeiten der globalen Pandemie — die Schwachstellen des kapitalistischen Systems offen.

Care-Arbeit besteht aus unbezahlten ebenso wie aus bezahlten Tätigkeiten, und neben dem Gesundheitswesen zählen etwa Altenpflege, Kindererziehung, Bildung und Reinigung zum bezahlten Care-Sektor. All dies sind Berufe, in denen ein überproportionaler Anteil an Frauen arbeitet und die überproportional schlecht bezahlt sind. Dazu ist wichtig und wird im Diskurs weiterhin verteidigt, dass die un- oder zumindest heftig unterbezahlte Reproduktionsarbeit als der weiblichen Natur gemäß in einer Geschlechterhierarchie festgeschrieben wird und in der Produktionsbilanz unter den Tisch fällt. Allerdings lastet diese Arbeit auf ganz bestimmten Frauen. Während weiße und mestizische Mittelschichtsfrauen ihren beruflichen Karrieren nachgehen, wird Care-Arbeit mehr und mehr ausgelagert und häufig von armen, migrierten und/oder rassistisch diskriminierten Menschen, in der Mehrheit Frauen, erledigt. Es entsteht die sogenannte global care chain, in der auch Männer aus dem globalen Süden als Care-Arbeiter in den globalen Norden migrieren. Care macht deutlich, wie sehr Süden und Norden in der internationalen Arbeitsteilung verbunden sind, einerseits wird der Süden weiterhin für den Norden ausgebeutet und sichert seinen Reichtum, andererseits meldet sich der Süden immer mehr zu Wort und denunziert diese Situation. Gerade feministische Bewegungen mit ihren geteilten emanzipatorischen Diskursen und Projekten schlagen heute die Brücke.

(...)

Lateinamerikanische Feministinnen fordern also dazu auf, Care nicht nur auf den Ebenen bezahlter und unbezahlter Arbeit zu denken, sondern vor allem der gemeinschaftlichen Dimension mehr Aufmerksamkeit zu schenken, all jenen konkreten und alltäglichen Prozessen in den communities, der feministischen und LGBTI-Basisorganisierung, den Recyclingkollektiven, den Fürsorgenetzwerken und den Gemeindearbeiter*innen. Und damit nicht genug, muss der Blick erweitert werden, um Care von den Körpern und den Territorien aus zu gestalten, eingebettet in Prozesse, die gegen die kapitalistische Ausbeutung von Menschen und Natur darum kämpfen, Leben zu erhalten. »Wir verteidigen das Leben«, ist die indigene und feministische Formel von Care.«

Außerdem: Haiti - Opposition setzt Gegenpräsidenten ein; Ecuador - Nach dem ersten Wahlgang; Peru - Sexualisierte Gewalt im Lockdown u.v.m.

Der Schwerpunkt der ila 443 hat einen Umfang von 40 Seiten (das gesamte Heft 56 Seiten) und kann zum Preis von 6,00 Euro bei der ila (Heerstraße 205, 53111 Bonn, Tel 0228-658613, E-Mail vertrieb (AT) ila-bonn PUNKT de   , Internet: www.ila-web.de) bestellt werden.

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[i] Hinweis: Chiapas98 ist ein ehrenamtliches, nicht-kommerzielles Projekt. Sollten Sie nachweislich die Urheberrechte an einem der von uns verwandten Bilder haben und nicht damit einverstanden sein, dass es hier erscheint, kontaktieren Sie uns bitte, wir entfernen es dann umgehend.

 Quelle:  
  http://www.ila-web.de/ausgaben/443 
 

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