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Recht auf Stadt und Grenzkonflikte in den Borderlands von Mexiko 2022

Politische Reise nach Ciudad Juárez, Mexiko mit Exkursionen ins Umland und nach El Paso, Texas vom 10.-24. September 2022

IAK. Politische Reisen 21.04.2022

  Foto: Carolina Rosas Heimpel
Foto: Carolina Rosas Heimpel


Teilnahmebeitrag: 1.450 Euro (inkl. Flüge, Gemeinschaftsunterkunft, Transport, Hotelzimmer gegen Aufpreis möglich)

Organisatorische Details auf der Website

Die mexikanische Grenzstadt Ciudad Juárez erlangte erstmals durch Frauenmorde in den 1990er Jahren eine traurige Berühmtheit. Immer wieder steht die Boomtown als »gefährlichste Stadt der Welt« im Fokus der Medien. Und in den letzten Jahren fällt das Licht der Öffentlichkeit erneut auf Juárez und seine Zwillingsstadt, El Paso, Texas, weil Hunderte geflüchteter Familien hier täglich über die Grenze gehen oder auf Asyl warten.

Weitgehend unbekannt ist, dass Ciudad Juárez sich durch eine enorm vielschichtige und aktive Zivilgesellschaft auszeichnet. Sie basiert auf dem Engagement der Mütter von verschwundenen und ermordeten Mädchen. Der Einsatz vieler Menschen für Frieden und Gerechtigkeit während der militärischen Besetzung im sogenannten »Drogenkrieg« wurde kaum bekannt. Auch die Arbeit von Organisationen, die diesseits und jenseits der Grenze in direkter Solidarität mit Migrant*innen, Geflüchteten und Abgeschobenen arbeiten, verläuft zumeist im Stillen. Kreative kulturelle und politische Ausdrucksformen wie Hiphop, Street Art und Theater sind in der Grenzstadt sehr sichtbar.

Denn gesellschaftliche Ausgrenzung, Marginalisierung und Repression existieren in den weit ausgedehnten Vierteln am Rande der Wüste nicht erst seit dem sogenannten »Drogenkrieg«. Erfolgreich haben Kunst- und Stadtteilprojekte seit dem Rückgang der Gewalt öffentliche Räume in kollektiver Weise zurückerobert. Eine Fortsetzung von Militarisierung unter dem neuen, als progressiv geltenden Präsidenten Andres Manuel Lopez Obrador, genannt AMLO, die Gentrifizierung der Innenstadt sowie Fracking im direkten Umland sind anstehende Herausforderungen für die Zivilgesellschaft. Eine Auswahl von Initiativen und Aktivist*innen möchten wir durch die Reise näher kennenlernen.

Zwischen Ciudad Juárez und El Paso, Texas, wurde die Mauer während der Pandemie nochmal mit drei Lagen Natodraht verstärkt, um Geflüchtete am Übertritt zu hindern. Das Asylrecht in den USA wurde ausgesetzt und in der mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juárez bekamen Frauen auf der Flucht Kinder — so lange dauerte ihr Aufenthalt dort. Mit gesundheitspolitischen Argumenten wurden abertausende Familien aus aller Welt von der US Border Patrol nach Juarez abgeschoben oder in der Wüste ausgesetzt. Dass es in der Pandemie nicht zur humanitären Katastrophe kam, bleibt der Organisation der Zivilgesellschaft zu verdanken. So entstand beispielsweise das Hotel Filtro, eine Quarantänestation für Geflüchtete.

Während in Ciudad Juarez seit nun drei Jahrzehnten Frauenmorde weder verhindert noch aufgeklärt werden, hat die Gewalt gegen Frauen in der Pandemie verheerende Ausmaße angenommen. Initiativen wie das indigen-mestizische Kollektiv Ni en More, das faire Arbeitsbedingungen für Frauen und Bio-Designmode mit einem Aufruf gegen Gewalt gegen Frauen schafft, organisierte Mütter und Familien und lokale feministische Kollektive. Zahlreiche Organisationen leisten Widerstand, und schaffen Alternativen und Sichtbarkeit für die anhaltenden Gewaltverhältnisse.

Ciudad Juarez und El Paso sind noch keine 200 Jahre getrennte Zwillingsstädte in zwei verschiedenen Ländern. Bevor Mexiko seine Nordstaaten 1848 an die USA verlor, lag die Grenze viel weiter nördlich. Erst ab 1848 wurde der Río Bravo/Río Grande zum Grenzfluss. Die binationale Wassernutzung wurde schon mit dem Bau eines Staudamms auf US-amerikanischer Seite zum Thema. Seit aus El Paso aber ein halbes Jahr lang die Kanalisation ungehindert in die Wasserader floss, beanspruchen Initiativen das Recht auf Wasser auch im komplexen binationalen Kontext einzufordern. Dieses Jahr ist ein weiteres Grenzthema in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt: der Stadtpark Chamizal, eine Auenlandschaft, die in einer einmaligen Aktion in den 1960er Jahren von den USA an Mexiko zurückgegeben wurde. Die grüne Lunge der Stadt in der Wüste wollen Unternehmer heute zum Bau kommerzieller Zentren nutzen.

In der Industriemetropole Juarez werden in 300 Montagebetrieben hochtechnologiesierte Produkte für den Weltmarkt gefertigt. Die Strukturen der sogenannten Maquila-Indstrie prägen das Stadtleben. Jahrzehntelang hat Cd. Juárez nach Unternehmerinteressen getickt. Nun wird mehr und mehr die Forderung nach dem Recht auf eine lebenswerte Stadt laut, mit Kultur, Umweltschutz, solidarischer Ökonomie, öffentlichen Räumen und Infrastruktur für alle. Lokale Initiativen wie der sonntägliche Bazar del Monu, das Fahradkollektiv Fixiebeat, die Gratis Tiendas oder das feministische Haus- und Kunstprojekt CX16 sind Beispiele konkreter Umsetzung. Land- und Immobilienspekulation prägen den urbanen und semi-urbanen Kontext. Ein geplantes Minenprojekt im Flora- und Fauna Schutzgebiet, den Sanddünen von Samalayuca, 50 km von Ciudad Juárez, stellt eine positive Stadtentwicklung infrage.

[i] Hinweis: Chiapas98 ist ein ehrenamtliches, nicht-kommerzielles Projekt. Sollten Sie nachweislich die Urheberrechte an einem der von uns verwandten Bilder haben und nicht damit einverstanden sein, dass es hier erscheint, kontaktieren Sie uns bitte, wir entfernen es dann umgehend.

 Quelle:  
  https://www.iak-net.de/mexiko-2022/ 
 

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