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Mexiko: Nationaler Wissenschaftsrat präsentiert marktreife Alternativen zu Glyphosat

News vom 28.03.2024
Ulrike Bickel

  (Zusammenfassung der Conahcyt-Veröffentlichung vom 28.03.2024: https://conahcyt.mx/si-es-posible-producir-alimentos-sin-glifosato-en-mexico-hay-alternativas-y-evidencia-cientifica/, erscheint demnächst gekürzt bei www.amerika21.de).


Die mexikanische Regierung hat am 28. März auf einer hochrangigen Pressekonferenz wissenschaftliche Ergebnisse (Kommuniqué 503) präsentiert, denen zufolge die Nahrungsproduktion ohne das wahrscheinlich krebserregende Totalherbizid Glyphosat möglich ist, und praktikable Alternativen vorgestellt. Der Nationale Rat für Geisteswissenschaften, Wissenschaften und Technologien (Conahcyt) und weitere Institutionen hatten im Auftrag der Regierung landesweit wissenschaftliche Versuchsprojekte durchgeführt. Das zugrunde liegende Präsidialdekret vom 13. Februar 2023 sieht die Einschränkung und schrittweises Verbot von Glyphosat und gentechnisch verändertem Mais vor (Amerika21 berichtete mehrfach).

Die mexikanische Aktionsplattform zum Verzicht auf Glyphosat umfasste 85 Forschungsprojekte mit mehr als 700 Fachleuten und über 100 Instanzen mit Akademiker:innen, bäuerlichen Gemeinschaften und Unternehmen. Die Experten berichteten über den beispiellosen wissenschaftlichen Prozess zur Validierung von 87 agrarökologischen Bewirtschaftungsplänen auf 17.000 Hektar in 22 Bundesstaaten, wobei 18.000 kleine (<5 ha) und große (bis zu 3.000 ha) Erzeuger:innen kooperativ nachwiesen, dass die agrarökologische Produktion ohne Glyphosat höhere Erträge, Gewinne und Umweltvorteile brachte.

Laut Conahcyt wurden drei neue, zu 100 Prozent mexikanische Herbizide mit Wirkungsgraden von über 90 Prozent entwickelt, deren Produktion derzeit auf industrielle Ebene ausgeweitet wird. Für eines dieser neuen Herbizide hat der Nationale Dienst für Gesundheit, Sicherheit und Qualität in der Landwirtschaft (Senasica) bereits bei der Bundeskommission für den Schutz vor Gesundheitsrisiken (Cofepris) die Genehmigung beantragt.

Zudem wurden drei in Mexiko und drei auf internationalen Märkten bereits kommerziell verfügbare Bioherbizide identifiziert und getestet, alle mit einer Wirksamkeit von bis zu über 90 Prozent im Stadium vor und nach Pflanzenaufgang. Dabei handelt es sich um Beloukha, Burn Out Formula 2 und Weed Zap, die sowohl in der Europäischen Union (EU) als auch in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) zugelassen sind. Diese Bioherbizide sind Conahcyt zufolge bereit für eine industrielle Produktion von anfangs mindestens drei Millionen Litern, die entsprechend der nationalen Nachfrage gesteigert werden könne.

In Mexiko bewirtschaften bereits 4,5 Millionen Menschen 7 Millionen Hektar ohne Glyphosat und andere Pestizide. Die Bedeutung der gemeinschaftlichen Produktion von Bio-Inputs auf Dorfebene wurde hervorgehoben. In Zusammenarbeit mit den Förderprogrammen Produktion für das Wohlergehen (PPB, von Sader) und Leben Säen (Sembrando Vida, von Bienestar) wurden 67,8 Millionen Liter flüssige und 350.000 Tonnen feste Bio-Inputs produziert. Weitere Kapazitäten hätten die 18.200 bäuerlichen Lerngemeinschaften des Sembrando Vida-Programms mit 4.000 Feldschulen, landesweit 30.290 Bioinput-Produktionsflächen und über 688.000 in der Produktion und Anwendung von Bioinputs geschulte Erzeuger:innen. Über diese beiden Programme hat die mexikanische Regierung seit 2023 bereits auf 5,2 Millionen Hektar und mit 1,95 Millionen Bäuerinnen und Bauern agrarökologische Systeme eingeführt und viel Glyphosat eingespart. Darüber hinaus gibt es in Mexiko 658.000 Hektar zertifizierte ökologische Landwirtschaft mit 215.000 beteiligten Landwirt:innen.

Die mexikanische Regierung betonte, dass das Präsidialdekret zum Glyphosat- und Genmais-Verbot die Gesundheit und die Umwelt an die Spitze ihrer Agenda stelle und einen beispiellosen agrarökologischen Wandel in Gang gesetzt habe- in einem Kontext, in dem der Planet, die Landschaft und die Menschheit das neoliberale industrielle Modell der landwirtschaftlichen Produktion, das Treibhausgasemissionen, Landraub, Schäden für die Gesundheit von Mensch und Tier und den Verlust der biologischen Vielfalt verursacht habe, nicht länger tolerieren könnten.

Kleinbauern und -bäuerinnen produzieren rund 60 Prozent des mexikanischen Maises für den menschlichen Konsum. Ihre Gemeinschaften verfügen über jahrtausendealtes Wissen und sorgten schon vor der Einführung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) und Glyphosat für Nahrung. Sie spielen eine grundlegende Rolle bei der Erhaltung einheimischer Arten und Sorten, der Erhaltung der nationalen Megabiodiversität und agroforstwirtschaftlicher Systeme, die mit Glyphosat unvereinbar sind.

Die Verringerung der Importquote von Glyphosat ab 2019 habe keinen Rückgang der Produktion von Lebensmitteln wie Mais und anderen zur Folge gehabt, so dass es keine Anzeichen für eine Gefährdung der Nahrungsproduktion ohne Glyphosat bis 2024 gebe. Die meisten kleinen und mittleren Landwirt:innen verwendeten einheimisches Saatgut im Rahmen des Milpa-Systems (Mais in Mischkultur mit Obstbäumen und Agroforstsystemen).

Der nationalen Erhebung über den Glyphosateinsatz (ENUG) des Conahcyt zufolge werden landesweit etwas mehr als zwei Millionen Liter Glyphosat verwendet; die Mehrheit der Landwirt:innen produzierten nach wie vor ohne dieses Herbizid. Die meisten dieser Erzeuger:innen verwendeten kein Glyphosat oder seien seit fünf Jahren im agrarökologischen Übergang, was ihnen ermögliche, auf den Einsatz von Glyphosat und andere Pestizide zu verzichten oder ihn auf ein Minimum zu reduzieren, wodurch die Erträge gesteigert und die Produktionskosten sowie unerwünschte Umweltauswirkungen verringert würden. Sämtliche Erzeuger:innen verwendeten zusätzliche Praktiken nichtchemischer Vegetations- und Schädlingskontrolle, wie z. B. Unkrautjäten mit Macheten und von Hand, Bodenbearbeitung mit Tieren, Fruchtfolgen, Mischkulturen, Einsatz mechanischer Unkraut-Freischneider und Unkrautbekämpfung durch Feuer, vorgezogene Aussaat-Zeitpunkte sowie andere (biologischer) Herbizide.

Dies zeige, dass traditionelle, manuelle oder maschinelle Verfahren auch ohne Glyphosat die Grundlage erfolgreicher Unkrautbekämpfung sein könnten. Die Lebensmittelsicherheit und Ernährungssouveränität Mexikos sei noch nie von einem importierten Pestizid abhängig gewesen und solle es auch nicht sein.

Die Daten des ENUG, die auf 7.988 gültigen und effektiv durchgeführten Erhebungen beruhen, die Repräsentativität und Fairness der Stichproben mit einer 95-prozentigen Verlässlichkeit implizieren, zeigten, dass nur 44 Prozent der befragten Landwirt:innen Glyphosat verwendeten, davon nur 8,7 Prozent in großem Maßstab, 34,1 Prozent in mittlerem Maßstab und 57,2 Prozent in kleinem Maßstab. Die Bundesstaaten Veracruz, Chiapas, Campeche, Guerrero und Tabasco meldeten die höchste Verbreitung des Glyphosateinsatzes sowohl beim Anbau von Hybridmais als auch von einheimischem Mais, obwohl es nicht zugelassen ist.

Im Informationsblatt Manejo Ecológico Integral de Arvenses en México (MEIA) des Conahcyt, sind hunderte Artikel über nachweislich wirksame Alternativen agrarökologischer Unkrautkontrolle veröffentlicht.

Die Pressekonferenz machte deutlich, dass Pestizide nicht die Grundlage für eine gesunde, effektive und produktive Landwirtschaft sind und dass die Betriebe bereit seien, auf Glyphosat zu verzichten, so dass das Glyphosat- und Genmais-Verbot keine Risiken für die mexikanische Ernährungssicherheit und -Souveränität birgt.

An der Pressekonferenz nahmen der mexikanische Regierungssprecher teil, die Conahcyt sowie die Ministerien für Soziales (Bienestar), für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (Sader), für Agrar-, Territorial- und Stadtentwicklung (Sedatu), die Landwirtschaftsstaatsanwaltschaft (PA) sowie Forscher:innen der Autonomen Universitäten von Mexiko (UNAM) und Chapingo (UACh), dem Nationalen Verband der Vermarktungsgesellschaften der landwirtschaftlichen Erzeuger (ANEC), der Hochschule für Postgraduierte (Colpos) und dem Unternehmen Altus Biotech teil.

Beiträge zur Pressekonferenz zum Thema »Aufmerksamkeit für das Dekret zum Verzicht auf Glyphosat in Mexiko«: https://bit.ly/4cuUVsS. Ergebnisse der Projekte zur Förderung der Ernährungssouveränität: alimentacion.conahcyt.mx/.

 Quelle:  
  https://conahcyt.mx/si-es-posible-producir-alimentos-sin-glifosato-en-mexico-hay-alternativas-y-evidencia-cientifica/ 
 

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