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Delegado Zero in Tonala

La Jornada vom 10.01.2006
Elio Henriquez
übersetzt von Dana

  Tonalá, Chiapas, 9. Januar. Subcomandante Marcos bezeichnete es als "kriminell", dass Marta Sahagún, Ehefrau von Präsident Vicente Fox, "sich verhält als hielte sie ein öffentliches Amt inne", und zusammen mit dem Präsidenten "die Schicksale eines Landes entscheidet, obwohl niemand sie für diese Aufgabe gewählt hat."

Nach der Wiederaufnahme der Anderen Kampagne, die am letzten Freitag aufgrund des Todes von Comandanta Ramona unterbrochen worden war, erklärte Delegado Zero, dass "der zivilisierte, anständige und friedliche Weg" der Wahlen "dieses Land mit Verbrechen gefüllt, und die großen Politiker: Abgeordnete, Senatoren, Präsidenten, Gouverneure, Staatssekretäre, sind schon in den roten Zahlen anzutreffen".

Vor ungefähr 200 Personen, die sich im Kinopalast versammelt hatten, ermahnte Marcos den Präsidenten ironisch auch an die Nichterfüllung seines Wahlversprechens, den bewaffneten Konflikt in Chiapas innerhalb von 15 Minuten lösen zu können. Daraufhin merkte er an, dass das Problem von Chiapas das gleiche ist, das in allen Bundesstaaten Mexikos existiert: das kapitalistische System.

Der Sup brach heute um 10:00 Uhr Vormittags von San Cristóbal auf, und erreichte kurz nach 14:00 Uhr Tonalá, wo am letzten Freitag Abend das Treffen mit Mitgliedern der Frente Cívico Tonalteco (Bürgerfront von Tonalá) und anderen Unterstützern der Sechsten Erklärung aus dem Lakandonischen Urwald, aufgrund des plötzlichen Todes von Ramona abgesagt worden waren.

Nach seiner Ankunft kam er zunächst bei einer privaten Adresse unter um zu essen, und es erfolgten keine öffentlichen Aktivitäten bis 18:00 Uhr, als er sich mit einem gemischten Publikum im alten Kinopalast traf, um das unterbrochene Treffen von vor drei Tagen zu Ende zu bringen.

Nach zwei Stunden, und Redebeiträgen von ungefähr 30 Personen, die über verschiedene Probleme im Bezirk und in ganz Mexiko sprachen, ergriff der Sup für 45 Minuten das Wort, als es keine Wortmeldungen mehr gab und viele Anwesende ihn um eine Ansprache baten.

"Wir haben nicht gelogen"

Zunächst dankte er für "Ihr Verständnis für das, was am 6. Januar geschehen ist, aufgrund des Unglücks, das uns [mit Ramonas Tod] getroffen hat. Vielleicht haben einige von Ihnen schlecht von uns gedacht, aber es hat sich bereits bestätigt, dass wir nicht gelogen haben. Aber wir sind zurückgekehrt, um unser gegebenes Wort, Ihnen zuzuhören, zu erfüllen", sagte er.

Danach erzählte er einen Teil der Geschichte des Aufstandes von 1994, wobei er auch den ehemaligen Präsidenten Carlos Salinas de Gortari erwähnte.

"Wir warteten auf die Stunde um zu sagen, dass es uns reichte, als dieser Verbrecher namens Carlos Salinas de Gortari kam, der hier anspazierte und den Verfassungsartikel reformierte, der das Recht auf Land garantierte, was bedeutete, dass wir Campesinos und Indigenas von nun an weder Recht auf Land haben würden, noch darauf Protestmärsche, durchzuführen oder Forderungen zu stellen oder irgend etwas. Und da sagten wir "das ist der Augenblick", und wir mussten uns entscheiden entweder zu sterben und als Kultur und menschliche Wesen zu verschwinden, oder zu den Waffen zu greifen."

Beim Erzählen dieses Teils der Geschichte der zapatistischen Bewegung, erinnerte er sich erneut an Ramona und richtete den Blick auf die Wand zu seiner Rechten, wo auf einem Behang zu lesen war: "Jene die für das Leben sterben, können nicht tot genannt werden. Keine Minute des Schweigens, sondern ein Leben des Kampfes! Es lebe Comandanta Ramona!"

"Die Frau, die wir am 6. Januar verloren haben, Comandanta Ramona, war eine bescheidene und einfache Frau", so wie es alle großen sozialen Kämpfer sind, betonte der zapatistische Anführer.

"Sie kennen mich besser, weil ich die Aufgabe des Sprechers habe, nicht weil ich höhergestellt wäre als meine Compañeros. Besonders dieser Compañera komme ich nicht einmal nahe, weil sie immer barfuss lief, und obwohl sie so klein war, musste ich immer zu ihr hinaufschauen", erklärte er.

Die zapatistische Bewegung, so Delegado Zero, "ist weder jetzt, noch war es jemals, noch wird jemals Marcos sein, so wie die Andere Kampagne niemals einen Anführer haben wird".

Gegen die Parteien

Der kurz davor erfolgte Beitrag des PAN-Anhängers Andrés Marcial Corzo, gab Marcos die Gelegenheit die Nationale Aktionspartei zu kritisieren, und insbesondere die Ehefrau des mexikanischen Präsidenten.

Der tonaltekische Professor sprach von der "Verwirrung" und "Überraschung", die die Andere Kampagne bei ihm hervorgerufen hätte, durch ihre Einstellung gegen die politische Parteien und ihre Präsidentschaftskandidaten. "Wenn wir uns nicht an den politischen Parteien beteiligen. Wie wollen wir dann an die Macht kommen?" fragte der PAN-Anhänger.

"Ich möchte mich gerne auf das beziehen, was ein Herr von der Nationalen Aktionspartei gesagt hat, darüber dass er sich Sorgen macht, weil uns immer beigebracht worden sei, dass der zivilisierte, friedliche und gesetzliche Weg der Wahlen, der einzige Vorschlag ist, der in Frage kommt, und dass die Andere Kampagne etwas anderes vorschlägt, und er darüber besorgt ist, was passieren wird", begann der Rebellenanführer.

Er ging zum Angriff über: "Dazu sagen wir, dass dieser zivilisierte, anständige und friedliche Weg dafür gesorgt hat, dieses Land mit Verbrechen zu füllen. Oder ist es etwa nicht kriminell, dass Señora Marta Sahagún de Fox, die Ehefrau von Señor Fox, der sagt er sei der Präsident von Mexiko, sich so zeigt, dass heißt, so verhält, als hielte sie ein öffentliches Amt inne, obwohl niemand sie gewählt hat? Und sie gehört genau der PAN an. Wie soll jemand aus der PAN Ihren Kindern beibringen für die Demokratie zu kämpfen, wenn sie gemeinsame Entscheidungsgewalt über die Schicksale eines Landes ausüben, obwohl niemand sie für diese Aufgabe gewählt hat?"

Marcial Corzo, so Marcos weiter, nachdem der Applaus verklungen war, "sprach hier, und wir haben ihm zugehört. Als eine Frau wie Ramona, eine Indigena namens Esther, den Bundeskongress betrat um in 2001 unsere Forderungen zu präsentieren, marschierten alle PAN-Mitglieder hinaus, weil sie es nicht tolerierten, eine Indigena zu sehen, die nicht zur Dienerschaft gehörte".

Dann fragte er: "Ist dies das Land oder die zivilisierte Weise, die wir unseren Kindern vererben wollen, wo die Hautfarbe eines jeden, oder die Art zu sprechen, Grund ist, verhöhnt zu werden?"

Er erklärte, die politische Elite des Landes "empfindet für Sie, für uns, nur tiefste Verachtung. Wir sind nicht würdig von ihnen zur Kenntnis genommen zu werden, nicht einmal um uns zu sagen, dass wir schlecht sind. Für sie existieren wir nicht ".

Vor einem aufmerksamen Publikum von Jugendliche und Erwachsene, fuhr Delegado Zero fort: "Diese zivilisierte Welt, die uns jene anbieten, die über Demokratie und politische Parteien reden, ist in Wahrheit die schlimmstmöglichste Welt, voller Verbrecher, und die Demokratie, die sie uns anbieten, liegt darin zu wählen wer uns töten, einsperren, ausrauben und verhöhnen soll. Ist das die Demokratie für die wir gekämpft haben und kämpfen werden? Es ist die Freiheit mir meinen eigenen Henker auszusuchen, und wir sagen: ’Nein, die Henker sollen alle gehen, Politik soll nicht mehr betrieben werden um Macht auszuüben, Geld zu verdienen und die anderen zu unterdrücken, sondern sich in eine andere Politik verwandeln."

 Quelle:  
  http://www.jornada.unam.mx/ 
 

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