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Straflosigkeit, 22 Jahre nach dem Golonchán Massaker

La Jornada vom 07.07.2002
von Hermann Bellinghausen
übersetzt von Dana

  Bezirk Sitalá, Chiapas, 7. Juni − Am 15. Juni werden 22 Jahre seit einem der schwersten, berüchtigsten und unbestraften Verbrechen der zeitgenössischen chiapanekischen Geschichte vergangen sein: die Ermordung der Tzeltal Campesinos in Wololchán (auf Spanisch Bololchán oder Golonchán), durch bewaffnete Zivilisten im Dienste des Eigentümers der Golonchán Farm und eine Abteilung Bundessoldaten.

Am Sonntag, dem 15. Juni 1980 tauchte in diese Gemeinde im Bezirk Sitalá eine grosse Abteilung Soldaten auf. Sie setzten zunächst Tränengaskanister ein, dann wildes Schiessen, das mindestens 12 Tote und unzählige Verwundete forderte, und 120 Familien aus dem Dorf vertrieb. Einige Tage zuvor hatte die Polizei in Yajalón eine Gruppe Familien aus Golonchán angegriffen, mehrere Menschen verletzt und einen getötet. Wie es meistens der Fall ist, handelte es sich um eine angekündigte Tragödie.

Sebastián López Méndez, Vater von sechs Kinder die mit ihm das Massaker überlebt haben, erzählte dem Rporter Juan Balboa in Juni 1981:

"Etwa 500 von uns lebten dort, aber jetzt existiert Golonchán nicht mehr. Das Dorf ist verschwunden. Wir sind alle in andere Gemeinden verstreut. Dort ist nur noch eine Gruppe von der CNC. Keiner von den Leuten von vor einem Jahr." Er fügte hinzu: "Was passiert ist, war gut, weil das der Kampf ist, aber es war schlecht, dass die Regierung befahl die Menschen zu töten."

Das Massaker und die Umstände die ihn ermöglichten, sind von zahlreichen Historiker und Forscher als ein Faktor der zum indigenen Aufstand von 1994 führte festgehalten worden. Es gab Opportunismus seitens der politischen Parteien (die PRI und die aufgelöste PST), Gleichgültigkeit seitens der Landwirtschaftsbeauftragten, Intoleranz und Unterdrückung seitens der Regierung. In einer Erklärung an Präsident José López Portillo, schrieb die Mutter eines Opfers: "Um 17:00 nachmittags zogen sich die Finqueros Polizeiuniforme an. Das Schiessen hielt drei Stunden lang an, ohne Unterbrechung. Dann flüchteten alle Menschen entsetzt in die Berge." (wiederveröffentlicht in ’Caminante’, dem offiziellen Blatt der Diözese San Cristóbal, Nr. 26, 1981).

Die anonyme Frau sagte: "Dieses Unglück fügten uns die Reiche zu. Ich werde meinen Sohn niemals wiedergesehen, da er verschwunden ist. Wir hatten riesige Probleme und Schwierigkeiten, weil die Kleinen mit uns waren als wir flohen, wir mussten sie durch Schlamm, Felsen und Dickichte zerren, und schleppten unsere Säuglinge in den Armen."

Die Tragödie und ihre Folgen haben nichts von ihrer Bedeutung eingebüsst. Das sollte nicht das letzte Mal sein, dass die Indigenas von Chiapas ähnliches zu berichten haben würden: "Wir waren wie Tiere auf der Flucht. Wir flohen mit den Kleinen, und wir wurden blau vor Kälte in den schlammigen Graben. Ich weiss nicht wie wir es geschafft haben uns nicht in den Schluchten zu verirren. Das Leiden der Kinder war furchtbar, sie hingen von den Bäumen zwischen Dornen um Miternacht, ohne Ocote Fackeln um uns zu leiten.

"Die Finqueros waren gewohnheitsmässige Mörder. Sie wollten keinen ehrlichen Dialog eingehen," sagten die Indigenas aus Golonchán. "Unsere Herzen haben jegliches Vertrauen in den Gouverneur (Juan Sabines Gutiérrez) verloren, denn als er uns besuchen kam, füllte er unsere Herzen mit Hoffnung, mit den Versprechungen die er uns gab: dass er den Mördern nicht erlauben würde unsere Häuser zu betreten. Jetzt können wir uns nicht vorstellen, wie er so handeln konnte, so verräterisch, den er musste offensichtlich seine Bewilligung geben. Unsere Tragödie ist gross, und viele von uns sind gestorben," schrieben die Überlebende des Massakers an Prasident López Portillo.

Eine weitere Publikation aus der Zeit, das Magazin ’Punto Crítico’, berichtete, dass die Häuser der Indigenas bei dem Angriff niedergebrannt wurden: "Eine Frau und ihr Neugeborenes starben, verbrannten in ihrem Haus." Die Angriffe gegen die Indigenas erfolgten "in einigen Fällen, um sie von ihrem Gemeindeland zu vertreiben, und in andere, um die grossen Fincas zu erhalten, die sich auf Kosten der Gemeinden ausbreiteten" (’Punto Crítico,’ Nr. 9, Juli 1980).

Ein Jahr nach der Tragödie erklärte Sebastián López Mendoza dem Reporter Juan Balboa, der damals für den Proceso arbeitete: "Wir sind bereit zu kämpfen um uns zu organisieren, um Land zu suchen, denn wir haben nichts." Und die Indigenas warnten: "Wenn es noch eine Versammlung die wieder entscheidet, dass die gesetzlichen Mittel erschöpft worden sind und dass es Invasionen geben muss, werden wir es tun."

Zwei Jahrzehnte sind vergangen. Zahlreiche Morde und Vertreibungen von Indignas in den Gebieten die von Tzeltales, Tzotziles, Choles und Tojolabales bewohnt werden. Viele Campesino Kämpfe, vor und nach dem zapatistischen Aufstand vom 1. Januar 1994. Andere ungeklärte Massaker, wie das vom 22. Dezember 1997 in Acteal, und jene vom 10 Juni 1998 in Unión Progreso und Chevajebal (und gerade von schreckliche Jahresfeier die Rede ist, am Montag werden es vier Jahre sein, seitdem sie stattgefunden haben). Und die Menschen von Sitalá vergessen nicht, was in Golonchán passiert ist.

 Quelle:  
  http://www.jornada.unam.mx/ 
 

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