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Staudämme und andere Übel

 

(ein PPP-Text)

Indymedia vom 01.05.2002
von Kristin Schneider

  Am 21.3.2001 fand im El Petén in Guatemala en Forum ’Por la Vida’ statt. Anlass war die Ankuendigung, dass in dieser Gegend ein Staudamm gebaut werden soll. Teilgenommen haben an diesem Treffen Menschen aus ganz Mittelamerika und dem Sueden von Mexiko, da in dieser Region im Rahmen des Plan Puebla Panama (PPP) an die 70 Staudämme gebaut werden sollen. Teil des PPP sind auch der Bau von Maquilas (zur Ausnutzung der billigen Arbeiter), Grossplantagen (Eukalyptus), Biopiraterie und die Nutzung der vielfaeltigen natuerlichen Ressourcen, wie Öl und Wasser. Fuer die USA und die Transnationalen-Konzerne, die hauptsaechlich hinter diesen Plaenen stehen, sind aber nicht nur der Zugang zu diesen Ressourcen wichtig, sondern auch die geostrategische Lage. Am Istmus von Tehuantepec im Sueden von Mexiko soll eine wahrscheinlich 6-spurige Autobahn gebaut werden die den Pazifik mit dem Atlantik verbindet und so als Alternative zum Panama-Kanal genutzt werden kann.

Von Staudaemmen und anderen Uebeln

Im Rahmen des Plan Puebla Panama sollen in der mittelamerikanischen Region, vom Sueden Mexikos (Puebla) bis Panama, insgesamt 70 Staudaemme gebaut werden. Allein in Chiapas heisst es, 32 Staudaemme. Der Grenzfluss Usumacinta zwischen Chiapas und Guatemala, soll gleich fuenf mal gestaut werden. Vom 21. − 24. Maerz fand in der Kooperative Unión Maya Itzá, im El Petén, Guatemala das mesoamerikanische ’Foro por la Vida’ statt. Wenn der Usumacinta gestaut wird, steht ein Teil des Gebietes in dem das Forum stattfand eines Tages unter Wasser. Ca. 350 Menschen aus den verschiedenen mittelamerikanischen Laendern, aus Columbien, der Dominikanischen Republik und wenige Nichtlatinos nahmen am Forum teil und wurden in den Familien der Bauernkooperative untergebracht.

Vor sieben Jahren kamen die Familien der Kooperative aus Mexiko nach Guatemala zurueck. Dorthin waren sie waerend dem Krieg in Guatemala gefluechtet. Manche haben dort 13 Jahre und mehr gelebt. 1993/94 beschloss die mexikanische Regierung, dass sie nach Guatemala zurueckkehren muessen. In den letzten sieben Jahren haben sie sich ein neues Leben aufgebaut. Es gibt eine Schule, Versammlungsraeume und einen Kranken’raum’ indem ein cubanischer Arzt arbeitet (Cuba unterstuetzt Guatemala mit Aerzten). Ca. 100 Familien haben sich weit auseinanderliegende einfache Holzhuetten, meistens mit Wellblech gebaut. Wasser wird von den Frauen und Maedchen an einer Zysterne oder am nahen Fluss geholt. Es gibt keinen Strom. Um die Huetten laufen die Huehner, Truthaehne, die kleinen Ziegen und Schweinchen herum. Auf den Bergen und Huegel ringsherum tiefgruener Regenwald und vor allem Nachts schreien die Bruellaffen, was der ganzen Gegend eine besondere Atmosphere gibt.

Die Teilnehmer des Foros schlafen und essen 3 Tage in den Familien: Bohnen, Reis und Tortillas, manchmal ein bisschen Ei, Kuerbis oder Huhn.

Am ersten Tag des Forums berichten verschiedene Organisationen aus verschiedenen Laendern von ihren Protesten und Kaempfen gegen Staudaemme. In den Jahren 1976-83 wurde z.B. in Guatemala der Staudamm von Río Chixoy gebaut, der mehr als 20 Gemeinden ueberflutete. Damals herrschte noch Krieg und viele von denen die sich gegen den Bau organisierten und protestierten verschwanden oder wurden ermordet. Die Regierung versprach den damaligen Bewohnern der Gegend gute Haeuser, fruchtbares Land, Lastwagen um ihre Produkte zu transportieren und Lanchas (Boote) zum ueberqueren des Staudammes. Nichts davon ist eingehalten worden. Das Land das sie erhalten haben ist so klein, dass nicht einmal genug Platz ist um Huehner zu halten. Nachbahrschaftskonflikte haben stark zugenommen, da sie so eng aufeinander sitzen. Die Lebensbedingungen haben sich stark verschlechtert. Drei Maenner aus der betroffenen Comunidad Río Negro sind zum Forum gekommen, um den Leuten der heute bedrohten Kooperative von ihren Erfahrungen zu erzaehlen. Ueber 440 Leute sind damals ermordet worden. Nuechtern zaehlen sie auf: am 30.2.1982 wurden 70 Campesinos ermordet, am 3.3.82 wurden 70 Frauen und 107 Kinder ermordet....

Auch berichten sie, dass sie damals nicht genau wussten was ein Staudamm ist, sie hatten davon keine Vorstellung. Sie befragten ihre Alten im Dorf was sie tun sollten und diese sagten, dass Menschen keine Fluesse so viel groesser machen koennen, wenn, dann kann das nur Gott. So gab es viele, die sich garnicht gegen den Bau des Staudammes aussprachen, da sie sich nicht vorstellen konnten was passieren wuerde. Deshalb dachten sie auch nicht darueber nach, was sie durch diesen Bau verliehren wuerden, bis zu dem Tag als das Tal geflutet wurde und alles unter dem Wasser verschwand. Der Staudamm brachte ihnen eine soziale und oekologische Katastrophe. Heute gibt es keinen Kontakt und Handel zwischen denen die auf der einen Seite des Sees leben und denen die auf der anderen Seite leben. Die versprochenen Lanchas (von denen sie damals auch keine Vorstellung hatten) haben sie nicht bekommen. Gesagt wurde ihnen vorher, dass der Stausee 8 km lang sein wuerde. Heute ist er 52 km lang und 120 m breit.

Auch Vertreter aus anderen Laendern (aus Costa Rica, Belize, Columbien und der Dominikanischen Republik) berichten von ihren Auseinandersetzungen und Kaempfen gegen schon gebaute oder noch geplante Staudaemme. Die verschiedenen Erfahrungen zeigen, dass die zuvor gemachten Versprechungen meist nicht eingehalten werden. In Belize kam z.B. mit dem Bau eines Staudammes die Privatisierung der Elektrizitaet. Heute zahlt die Bevoelkerung in Belize drei-mal mehr fuer ihren Strom als er in anderen mittelamerikanischen Laendern kostet (und auch mehr als in Kanada, wo der Konzern herkommt der in Belize das Monopol auf Strom haelt). Da der Staudamm in Belize aber nicht die erwartete Leistung bringt (weil der Fluss die meiste Zeit im Jahr nicht viel Wasser fuehrt), soll jetzt noch ein zweiter gebaut werden, weiter oben am Fluss, noch groesser. Beide liegen in einer der letzten Gegenden mit urspruenglichem Regenwald.

Am zweiten und dritten Tag werden in verschiedenen Gruppen Strategien und Alternativen diskutiert, wie koennte man einen Widerstand gegen diese Kraftwerke organisieren und wie kann man sich vernetzen und zusammenarbeiten. In allen vorgetragenen Erfahrungen mit schon existierenden Staudaemmen und in allen weiteren geplanten Projekten waren und sind vor allem indigene Menschen und Bauern betroffen. Hunderttausende, wenn nicht noch mehr, werden ihr Haus, ihr Land und haeufig auch ihre Kultur verlieren. Und das in einer Situation, in der es eh schon zu wenig Land fuer die Kleinbauern gibt. Auch sind in allen Faellen diese Gegenden fuer ihre grosse Biodiversitaet, ihre Artenvielfalt an Pflanzen, Tieren und Baeumen bekannt.

Auf dem Forum wird auch ueber die Bedrohung von 35 Gemeinden von Montes Azules gesprochen, einem Gebiet in Suedosten von Chiapas. Sie sollen zwangsumgesiedelt werden, angeblich aus Naturschutzgruenden. Zum Teil leben die indigenen Gemeinden schon seit den 50ger/60ger Jahren dort, lange bevor das Gebiet in den 70ger Jahren zum Naturreservat erklaert wird. Die versprochenen Landeigentumstitel haben sie nie erhalten. Andere Gemeinden haben sich spaeter gegruendet, es sind Fluechtlinge aus den verschiedenen Phasen und Regionen des Kriegs in Chiapas. Ein Teil der Doerfern sind zapatistisch, ein Teil gehoeren zur PRI und ein weiterer Teil zur ARIC (indigene Bauernorganisation). Vor zwei Jahren sollten sie schon einmal vertrieben werden, wozu es aber nicht kam, weil die PRI die Wahl verlohr.

Zufaellig ist Montes Azules einer der ’Hotspots’der Biodiversitaet in Chiapas, ausserdem gibt es dort Oel und viel sauberes Wasser, was ein immer selteneres und teureres Gut wird. Monsanto und Norvartis, zwei der weltweit groessten Biotech- und Pharmakonzerne haben sich schon grosszuegig bereit erklaert, sich nach der Raeumung des Gebietes um den Naturschutz in der Gegend zu kuemmern.

Drei der bisher 38 in Montes Azules lebenden Gemeinden duerfen bleiben. Sie sollen vermutlich Teil eines oekotouristischen Projektes werden.

Das Foro por la Vida war davon gepraegt, dass die Mehrheit der Anwesenden viel Erfahrung und Wissen ueber ihre lokale Geschichte und Kaempfe hatten. Bedeutend weniger Teilnehmer allerdings hatten ein Verstaendnis von den internationalen, globalen Zusammenhaengen. Der Zugang zu verstaendlichen Informationen ueber die weltweit ablaufenden Prozesse, die ihren direkten Einfluss auf die lokalen Verhaeltnisse haben (zusammenfassend Globalisierung genannt), ist ihnen aus vielen Gruenden stark erschwert.

Das es etwas gibt, was sich Plan Puebla Panamá nennt, ist selbst in Chiapas vielen Indígenas und Campesinos nicht bekannt und dass, obwohl es dort immerhin eine Infrastruktur von vielen NGO’s gibt, die mit Indígenas zusammenarbeiten und die leichter Zugang zu diesen Informationen haben.

Plan Puebla Panamá

Der PPP ist ein Mega-Projekt, geschaffen um die Interessen der grossen nationalen und transnationalen Konzerne zu bedienen. Es geht um ’Entwicklung’, aber es wird nicht dazu gesagt, dass es um die Entwicklung der Reichen und Maechtigen in z.B. México geht und um die Entwicklung der reichsten Laender, wie v.a. der USA. Betroffen sind von dem Plan die fuenf suedlichsten (und aermsten) Bundesstaaten von México (Puebla, Veracruz, Oaxaca, Guerrero, Tabasco, Campeche, Yucatán, Quintana Roo und Chiapas) und die mittelamerikanischen Laender Guatemala, Belize, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica und Panamá, d.h. insgesamt ca. 65 Millionen Menschen.

Die Region ist fuer die tansnationalen Konzerne und v.a. fuer die USA aus vielen Gruenden interessant. Z.B. ist es die am naechsten an den USA gelegene Region, in der es viele arme Menschen, mit wenig Bildung und bis jetzt wenig bezahlte Arbeitsplaetze gibt. Die Arbeitskraft der Menschen im suedlichen México wird als ca. 40% billiger eingeschaetzt, als die Arbeitskraft der Méxikaner in der Maquiladorenzone an der Grenze zu den USA. Dieses Potential will die Industrie nutzen und plant eine ganze Reihe von Maquiladoras, um billig fuer den Weltmarkt produzieren zu koennen. Die furchtbaren Arbeitsbedingungen und das Fehlen jeglicher sozialer Absicherung ist aus anderen Maquiladoraregionen bekannt. Z.B. in den Maquiladoras in Guatemala werden 12 Stunden am Tag gearbeitet. Insgesamt haben die ArbeiterInnen eine Pause von 45 min. in der sieWie die Arbeitsbedingungen und sozialen Absicherungen (naemlich keine) in den Maquiladores sind, ist aus dem Norden Méxicos und anderen armen Regionen der Welt laengst bekannt.

Weiter gibt es, wie schon erwaehnt, eine grosse biologische Artenvielfalt, die v.a. fuer die grossen Biotech- und Pharma-Konzern von Interesse sind, aber auch fuer die Agrarindustrie (Saatgut, Pestizide und Duenger). Geplant sind mehrere Bioprospektionsprojekte, d.h.: das gezielte Sammeln von Pflanzen, haeufig mit dem Ziel ihre DNA entschluesseln und patentieren zu lassen, um sich so ein Exklusivrecht auf die Pflanze und ihre Wirkungen zu sichern. Es geht um die Umwandlung der Pflanze selbst in ein kommerzielles Gut, egal ob es Heilpflanzen sind oder wichtige Grundnahrungsmittel wie Mais und Bohnen, dessen Kontrolle zunehmend in der monopolisierten Macht der Transnationalen Konzerne liegen. In den Laendern des Suedens wird deshalb Bioprospektion fast mit Biopiraterie gleichgesetzt. Indígene Rechte an ’ihren’ Pflanzen und ihrem Wissen werden ignoriert und uebergangen. Fuer die Koordinierung der verschiedenen Projekte in diesem Bereich wurde schon 1996 ein Plan entworfen, der sich Coridor Biológico Mesoamerica nennt und heute zum Kern des PPP gehoert. V.a. die Weltbank hat die daran beteiligten Projekte finanziert. Aus ihren Veroeffentlichungen dazu wird deutlich, dass die Komerzialisierung der biologischen/genetischen Vielfalt im Vordergrund steht. Die Erhaltung der Biodiversitaet ist fuer die Industrie wichtig, da sie die Grundlage fuer weitere grosse Gewinne bedeutet und nicht weil sie die Lebensgrundlage fuer viele Indígenas ist (und letztlich fuer die ganze Menschheit). Die Pharmaindustrie verdient jedes Jahr ca. 40 Milliarden Dollar an Medikamenten die auf der Grundlage von Pflanzen und traditionellem Heilwissen entwickelt wurden.

Ich will nur kurz erwaehnen, dass man immer weniger von den Pharma- und den Agrar-Konzernen als getrennten Industrien sprechen kann. Die Verschmelzung und Monopolisierung der frueher fuer bestimmte Bereiche zustaendigen Firmen, zu grossen alles umfassenden Biotechnologie-Konzernen, geht rasend schnell.

Eine Bedrohung der Biodiversitaet geht nicht nur von deren Komerzialisierung aus, sondern noch staerker durch das zunehmen von transgenen Pflanzen, die mit ihrer genetischen Manipulation leicht normale Pflanzen durch Kreuzaussaehung kontaminieren koennen. México gilt z.B. als das Ursprungsland des Mais und es besteht ein Moratorium auf den Anbau von transgenen Pflanzen. Trotzdem wurde vor einigen Monaten eine Kontamination durch transgenen Mais auf Feldern in Oaxaca festgestellt, die wahrscheinlich durch die Maisimporte aus den USA kommt. Zwar ist dieser Mais eigentlich nur zum essen gedacht (eigentlich auch nur fuer Tiere), aber da nirgends draufsteht, dass es genmanipulierter Mais ist und dass er nicht zur Aussaat verwendet werden soll, war eigentlich klar, dass das frueher oder spaeter passieren wird. Es besteht die Gefahr, dass alle Wildsorten des Mais kontaminiert werden. Die Biotech-Industrie ist dafuer verantwortlich, aber genau aus dieser bedrohung heraus ist es fuer sie auch so wichtig moeglichst schnell so viel wie moeglich die urspruenglichen genetischen Ressourcen zu sichern, bevor sie kontaminiert sind. Eine durchaus realistische Horror-Zukunftsvision ist, dass es irgendwann keine ’normalen’, der Allgemeinheit gehoerenden Pflanzen mehr gibt, alles Saatgut ist patentiert , alles genmanipuliert und alles muss jedes Jahr neu gekauft werden. Was das gesundheitlich heisst...wird nicht gross erforscht, interessiert nicht.

Bestandteil des PPP’s sind auch Plantagenpflanzungen, mit z.B. Eucaliptus und der Palma Afrikana. Diese beiden eignen sich hervorragend fuer die industrielle Papier- und Oelherstellung. Ausgenutzt wird hierbei der Faktor, dass die Baeume schnell wachsen. Eucaliptus braucht in Skandinavien 80 Jahre zum wachsen, im subtropischen Klima von Chiapas nur 5-7 Jahre. Danach ist der Boden allerdings fuer nichts mehr zu gebrauchen, komplett ausgelutscht. Perfider Weise soll fuer diese Plantagen das Land in der Regel nicht von den Indígenas und Campesinos gekauft, sondern nur gepachtet werden. Nach spaetestens 10 Jahren sitzen diese so mit einem komplett unbrauchbaren Boden da. Allgemein sind Monokulturen fuer den zwar fruchtbaren aber auch sensiblen Boden negativ. Es bedeutet immer mehr Pestizide und Duenger, als wenn man Mischkulturen pflanzt. Abgesehen von den Gefahren der Plantagenpflanzungen fuer den Boden, bedeutet es auch immer Produktion fuer den Export und das heisst wieder mal weniger Land fuer die Produktion der Nahrungsmittel die von den Leuten hier benoetigt werden.

Es existieren grosse Erdoelvorkommen, viel Wasser (mehr als 50% der noch vorhandenen Wasservorraete in México befinden sich in Chiapas), was fuer die Getraenkeindustrie wichtig ist. Coca-Cola, die auch am Trinkwasserverkauf in México beteiligt sind, versucht sich beliebt zu machen, in dem sie Computer an Schulen in Chiapas, wo die Wasservorkommen am groessten sind, verschenkt. Fox unterstuetzt den Konzern, in dem er ihm Steuererleichterungen verschafft. Ausserdem ist das Wasser fuer die schon ober genannten Staudaemme wichtig, wobei der jeweilige nationale Strombedarf eigentlich abgedeckt ist. Der Strom der neu produziert werden soll, ist fuer die USA oder fuer die neuen Maquiladoras.

Neben dieser Reichheit an natuerlichen Resourcen, hat der PPP auch eine wichtige geostrategische Bedeutung. Am Istmus von Tehuantepec (zwischen Oaxaca, Veracruz und Chiapas) betraegt die Landbreite nur einige 100 km. Eine Verbindungsstrasse zwischen dem Pazifik und dem Golf von México, als Alternative zum Panamá-Kanal, soll den Guetertransport zwischen den USA (deren Hauptproduktion liegt an der Ostkueste) und Asien, mit grossem Konsumerpotential, verkuerzen. Die gesamte mittelamerikanische Region soll wirtschaftlich ’erschlossen’ werden, dafuer werden viele neue Strassen und Haefen gebaut werden.

Ausserdem gibt es Geruechte, dass quasi eine innerstaatliche Grenze Mexikos dort eingerichtet werden soll. Die MigrantInnen, die von weiter aus dem Sueden kommen, sollen schon dort gestoppt werden. Schliesslich ist es leichter eine Grenze von einigen 100 km zu kontrollieren, als die ueber 3000km lange Grenze zwischen USA und México.

Der Vollstaendigkeithalber muss noch erwaehnt werden, dass als Teil des PPP auch eine Reihe von Oekotourismusprojekten geplant sind. Eingebettet in wunderschoene Natur wollen die grossen Tourismuskonzerne Hotel- und Freizeitanlagen fuer den exklusiven Geldbeutel schaffen. Schoene Fluesse, Seen oder Hoehlen werden dann auf Privatgelaende liegen und nicht mehr fuer alle zugaenglich sein. Die verbleibende Bevoelkerung (wie wahrscheinlich im Falle Montes Azules) stellen die billigen Arbeitskraefte und die folkloristische Kulisse.

In der aufkeimenden Bewegung gegen den PPP wird dieser Plan als Teil eines umfassenden Bestrebens der USA gesehen, in den wirtschaftlichen, politischen und militaerischen Bereichen der Lateinamerikanischen Laender ihre Interessen (oder die der transnationalen Konzerne) durchzusetzen. Zu diesen Bemuehungen gehoert auch der Plan Colombia. Ein Bestandteil dieses Planes ist es, dass auf Veranlassung der USA grossflaechig, auch fuer Menschen giftige Pestiziede, versprueht werden. Die Begruendung: Kampf den Cocapflanzungen.

Ziel der USA ist es, in einigen Jahren ein Freihandelsabkommen fuer ganz Amerika (ohne Cuba) abschliessen zu koennen, die ’Área Libre Comercio de las Americas’ − ALCA. Unterstuetzung fuer die verschiedenen regionalen Plaene und Projekte und fuer die Verhandlungen der ALCA bekommt die USA von den transnationalen Konzernen und den reichen Eliten der jeweiligen beteiligten Laender Mittel- und Lateinamerikas. Diese neoliberale Politik wird auch von der Weltbank (die faktisch durch die USA kontroliert wird, da diese mehr als 50% der Einlagen haelt), ihren verschiedenen Institutionen, dem Internationalen Waehrungsfond und der Inneramerikanischen Bank fuer Entwicklung vorangetrieben. Die Weltbank begruendet ihre Politik damit, dass ’Entwicklung’ nur durch ein Wachstum der Wirtschaft, eine Vergroesserung des Exportes, bzw. eine exportorientierte Wirtschaft und die Oeffnung der Maerkte moeglich waere. Die Erfahrung ist allerdings (und mittelweile gibt es wirklich viele Beispiele an denen man das genau ablesen kann), dass sich dabei nur die Reichen ’entwickeln’. Die Armen, die Bauern und Indígenas geraten durch diese Politik in Abhaengigkeitsverhaeltnisse und sind so den Launen des Weltmarktes unterworfen. Besonders Projekte der Privatisierung von Wasser, Strom, Land und Pflanzen bedrohen massiv die Lebensgrundlage der Mehrheit der Bevoelkerung (nicht nur) in Mittel- und Lateinamerika. In allen Laendern (mit Ausnahme von Cuba und Venezuela) sind die Regierungen, nach Forderungen der Weltbank, dabei die Privatisierungen voranzutreiben. In México ist z.B. die Privatisierung der Elektrizitaet geplant. Aus Protest dagegen, und weil die Strom-Preise erhoeht wurden, wird in einigen Teilen Méxicos das Zahlen der Stromrechnung boykottiert.

In Bolivien hat die Privatisierung des Wassers zu so grossen Unruhen und Protesten gefuehrt (mit mehreren Toten auf der Seite der Protestierenden), dass die Regierung die Privatisierung wieder zuruecknehmen musste. In vielen anderen Laendern wird trotzdem weiterhin von solchen Plaenen gesprochen.

Parallel zu den genannten Plaenen, deren Umsetzung bereits an vielen Stellen begonnen hat, nimmt die Militarisierung besonders strategisch wichtiger Orte zu. So wurden z.B. in México im Dezember 2001 von der Profepa (der federalen Umweltschutzbehoerde) neun Gebiete in México benannt, die fuer auslaendische Investoren besonders interessant waeren, die zu Regionen mit erhoehter Prioritaet zur Widerherstellung der Ordnung und des Rechtszustandes erklaert wurden. In diesen Zonen soll (bzw. wurde zum Teil schon) verstaerkt Militaer stationiert werden. Alle genannten Regionen zeichnen sich durch grosse Artenvielfalt und Waelder aus. Als die zwei wichtigsten Regionen wurden Los Chimalapas (Oaxaca und Chiapas) und die Montes Azules! genannt. In Montes Azules wurde die Militaerpraesents erhoeht und wie schon gesagt wird die Vertreibung/Zwangsumsiedlung von 35 Doerfern gefuerchtet.

Aber auch das US-amerikanische Militaer befindet sich oeffter zu gemeinsamen Truppenuebungen in den lateinamerikanischen Laendern. Anfang des Jahres fuehrten sie Uebungen in Argentinien mit Beteiligung von Argentinien und Chile durch. Lernziel war vor allem Guerillabekaempfung im Urwald. Ab Oktober wird die gemeinsame Militaergruppe der NAFTA (Kanada, USA und México) ihre Arbeit aufnehmen. Ihr Einsatzgebiet reicht dann von Alaska bis Chiapas! Explizite Aufgabe ist die Sicherung der wichtigen strategischen Ressourcen.

Auf dem Forum ’Por la Vida’ in Guatemala ist man sich darueber einig, wie wichtig es ist, in Zukunft mehr zusammenzuarbeiten. Die verschiedenen Organisationen in den einzelnen Laendern muessen ihre Zwistigkeiten begraben und es muss ueber Laendesgrenzen hinweg zusammengearbeitet werden, wenn man eine Chance auf erfolgreichen Widerstand haben will. "Wenn diese Plaene uns allen aufgezwungen werden, muessen wir uns auch zuammen wehren." Ein Abschlusskomunique wird von 98 Organisationen aus 21 verschiedenen Laendern unterzeichnet: "Agua, Luz y Tierra para el Pueblo" (Wasser, Licht/Elektrizitaet und Land fuer’s Volk). Darin wird sich gegen den Bau von Staudaemmen, gegen den Plan Puebla Panamá, gegen Biopiraterie und Freihandelsabkommen ausgesprochen. Die Institutionen, die diese Art der Projekte finanzieren (wie die Weltbank, die interamerikanische Bank fuer Entwicklung und der IWF), werden verurteilt und aufgefordert solche Projekte nicht weiter zu finanzieren. Die lateinamerikanische Bevoelkerung wird aufgerufen sich am Widerstand zu beteiligen und die Regierungen werden aufgefordert diese Art von Projekten, die gegen die Interessen ihrer Gemeinden und Doerfer gehen, einzustellen. Solidaritaet wird bekundet mit allen lateinamerikanischen Bewegungen die gegen Staudaemme kaempfen:
- Río Usumasinta an der Grenze zwischen México und Guatemala
- Chaparral, Intibucá an der Grenze zw. El Salvador und Honduras
- Itzantún und El Cajón in México
- La Maroma in El Salvador
- Susuma in Honduras
- El Tigre an der Grenze zw. El Salvador und Honduras
- Chalillo in Belice
- Bayano und Tabasará in Panamá
- Guaiguei in der Dominikanischen Republik
- Boruca im Sueden von Costa Rica

In einem Gespraech, gegen Ende des Foros, fragt uns ein alter Mann aus der Kooperative, wie wir die Chancen einschaetzen, den Bau des Staudamms verhindern zu koennen. Er sagt, dass er in den letzten Tagen viel gelernt hat. Ihm sei klar geworden, dass der Widerstand gegen den Staudamm nicht nur eine Auseinandersetzung mit der guetemaltekischen und mexikanischen Regierung bedeutet. Er sei nur ein armer Bauer und verstehe nicht viel von dieser Politik die in der Welt passiert. Deshalb ist er froh, dass so viele Leute zu ihnen in den Petén- Wald gekommen sind, die ihnen die Sachen erklaeren und die ihnen hoffentlich auch helfen werden, um das geplante Projekt zu verhindern. Als ich hoere wie viel Hoffnung er auf uns setzt, muss ich aufpassen, dass mich das Gefuehl der Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit nicht ueberwaeltigt.

 Quelle:  
  http://germany.indymedia.org/2002/05/21020.shtml 
 

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