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Worte von Delegado Zero in Los Cabos, 13.10.06

 

Worte von Subcomandante Marcos für das Forum "Der Kapitalismus, die Erde, das Wasser, die Luft"

Kommunique vom 13.10.2006
übersetzt von Dana

  Gute Abend Baja Sur, guten Abend Compañeros und Compañeras von hier aus Los Cabos.

Wir kommen aus einer Ecke des Landes, welche die Berge des mexikanischen Südostens sind, und jetzt berühren wir diese andere Ecke des Landes, das Los Cabos ist.

Auf der Fahrt von La Paz hierher, nachdem wir die Fähre verlassen haben, fuhren wir über die Landstraße, hier durch Todos Santos, und haben eine Menge Landstücke mit Verkaufsschildern in Dollarzeichen und englischer Sprache gesehen.

Dabei könnte man an ein Bild aus einem nordamerikanischen Land oder einem nordamerikanischen Gebiet denken. Aber das Bild an das wir dachten, war das von Quintana Roo, auf der anderen Halbinsel, in der anderen Ecke dieses Landes, das genau auf dem Korridor liegt, der von Chetumal, Playa del Carmen und Cancún ausgeht.

Es gibt einen Compañero von der Anderen Kampagne, den wir sehr schätzen, der bereits gestorben ist, er starb in diesem Jahr: Julio Macossay, der unter anderem als wir dort ankamen derjenige war, der am vollkommensten verstand, dass die Zerstörung der Natur nicht das Werk des Schicksals oder Pech oder der Wille Gottes ist, sondern das Werk der räuberischen Habgier des Kapitals, das den Reichtum haben will.

Auf dieser ganzen Reise konnten wir sehen, wie alle Ejidos, die an der Küste, am Meer, gelegen sind, privatisiert wurden. Alle Ejidatarios wurden enteignet - wie der Compañero aus El Centenario darlegte - durch das PROCEDE und das PROCECOM, weil es auch kommunale Landstriche gab oder noch gibt, die Maya Indigenas gehörten, die auf der Halbinsel Yucatán leben.

Und dies war schon so weit gekommen, dass ganze Strände ummauert wurden. Der frühere Eigentümer des Landes konnte, wie dort ein Beispiel genannt wurde, nicht einmal hoffen, zurückkehren zu dürfen um darauf als Gärtner zu arbeiten. Er konnte nicht einmal einen Blick darauf werfen, denn zwischen ihm und dem Land seiner Vorfahren, stand und steht jetzt eine Mauer.

Und man wartet darauf, dass der Preis für dieses Land steigt, damit die großen Hotelunternehmen sich darauf niederlassen. Die Zerstörung, die uns die Compañeros und Compañeras hier dargelegt haben, die gerade sprachen, gehört zu den vollständigsten von denen wir gehört haben. Wir sind uns nur nicht sicher, ob sie von Baja California Sur sprechen, oder von Michoacán, oder von Jalisco, von Sinaloa, von Veracruz, von Chiapas, von Yucatán, oder von irgendeinem anderen Bundesstaat der Republik. Überall wurde uns von der gleichen Art von Enteignungen erzählt, wie uns das von dem Compañero aus El Centenario berichtet wurde, sowohl in fast allen Sprachen der 56 Maya-Völker, die es in Mexiko gibt, als auch auf Spanisch.

Überall wird dieser Enteignungskrieg geführt, in dem es darum geht, den Eigentümern des Landes das wegzunehmen, was ihnen gehört.

Sehen Sie, Compañer@s, da gibt es so einen Herren namens Bush, der den Beweis dafür erbringt, dass der Sohn den Vater noch übertreffen kann - in diesem Fall an Dummheit - und der Präsident der Vereinigten Staaten ist. Er hat einen Krieg auf einer Lüge begründet: er hat gelogen und gesagt, der Irak würde Massenvernichtungswaffen besitzen. Sie haben sich nie damit aufgehalten, das zu beweisen. Einer der großen nordamerikanischen Politiker sagte: "Es wird der Moment kommen, an dem es nicht mehr wichtig sein wird, was wahr ist und was falsch". Und dieser Moment ist jetzt bereits gekommen, mit der Invasion dieses Volkes, das immer noch weiter angegriffen wird, ohne dass es noch eine Rolle spielt, ob sie wirklich Massenvernichtungswaffen haben oder nicht. Heute weiß man, dass es eine Lüge war, aber das ist nicht mehr wichtig, da der Krieg ohnehin schon geführt worden ist.

Und das ist das Problem mit den Dingen, die uns die Regierenden erzählen. Wir wissen nie, ob es wahr ist oder falsch, bis es zu spät ist. Und jetzt drehen sie uns die Leier von der Modernisierung des Landes an - wie Compañera Lucía erklärte - mit dieser Falle des Tourismus, der dafür sorgen soll, dass es mehr Arbeitsplätze gibt, alles hübscher wird und wir besser leben.

Vielleicht wird auch so eine Falle gestellt, die der Compañero beschrieben hat, als er sagte, dass es solche gibt die vernichten sollen, und solche, die erhalten sollen. Und die Frage, die sich in beiden Fällen stellt ist: zu wessen Gunsten? Für wen soll diese Natur denn erhalten werden?

In einigen Science Fiction Filmen stellt man sich vor, dass die Erde unbewohnbar gemacht worden ist, und die Menschheit zu einem anderen Planeten auswandern muss. Diese anderen Planeten sind kein Science Fiction, es sind die Naturschutzgebiete, derer sich die großen Unternehmen, getarnt als Naturschutz-NGOs bemächtigen, und zu Reservaten erklärt werden. Was stattdessen erbaut wird, können wir in Los Cabos sehen - und haben es in fast allen Bundesstaaten auf unserer Durchreise gesehen, scheinbar wie ein Modell, wie ein Abziehbild, das über alle Regionen unseres Landes geklebt wird - nämlich ein Einkaufszentrum, ein Wal Mart, ein paar Kinos, ein paar Geschäfte. Die großen Einkaufszentren, bei denen man nicht weiß, ob man in La Paz steht oder in Villahermosa - und dabei liegen sie Tausende von Kilometern voneinander entfernt. Und das Ziel, das sie verfolgen, ist zu leben wie sie es gewohnt sind, ohne etwas zu vermissen. So, dass der einzige Unterschied zwischen einem Leben in New York oder in Los Cabos darin besteht, dass es in Los Cabos saubere Luft gibt, und in New York nicht.

Und sobald diese Stadt unbewohnbar gemacht worden ist, werden diese Leute einfach hierher ziehen, nach Baja Sur oder irgendeinem anderen Teil der Republik, um dort von neuem ihr Handelszentrum zu errichten.

Wenn nun einer meint, für die Einwohner von Los Cabos oder Baja California Sur würden sich dadurch irgendwelche Vorteile ergeben, liegen Sie falsch. So wie die Spanische Eroberung uns indigenen Völker das Land raubte und uns alles wegnahm, was wir hatten, so wird man Ihnen heute, ob Indigenas oder nicht, alles wegnehmen, was Sie haben.

Und vielleicht denkt der kleine Unternehmer, oder derjenige, der eine gute Arbeit hat, dass sie für die arbeiten können. Nein, wieder falsch. So wie sie früher das Land der Indigenas ausplündern wollten, wollen sie heute Ihre Arbeit, Ihre Intelligenz, Ihre Kaufkraft ausplündern. Wenn Sie denken, dass diese großen Hotelunternehmen Ihnen Arbeit geben werden, liegen Sie falsch. Sie bringen nämlich ihre eigenen Angestellten schon mit, ihre eigenen Ingenieure, ihre eigenen Manager, ihren eigenen PR-Leute, alles inklusive. Dieses "alles inklusive" gilt nicht für die anreisenden Touristen, sondern für die Firmen, die bereits mit allem nötigen ankommen, und einfach keine einzige Arbeitsstelle zu schaffen.

Das gleiche wie hier, in diesem Teil der pazifischen Küste der Halbinsel von Baja California, das zu Baja California Sur gehört, haben wir auch auf der anderen Halbinsel gesehen, an der Küste von Quintana Roo. All diese Hotelunternehmen, die sich dort niederlassen, haben keinen einzigen Arbeitsplatz für die Menschen von Quintana Roo geschaffen: alle Angestellten dieser Hotels sind Leute, die aus anderen Bundesstaaten des Landes und aus Guatemala angereist sind.

Wir leben, wie ich schon sagte, in eine der Ecken [des Landes]: in der letzten Ecke, sagen wir. Von unseren Bergen aus ist Guatemala zu sehen, genau wie von Ihren Bergen aus die Meere zu sehen sind, das Meer von Cortés und der Pazifische Ozean. Wir können beide ein anderes Land sehen und stellen uns die Frage: Was wird aus uns werden? Denn man denkt immer, dass es zwar schon Probleme gibt, dass aber jemand anderes kommen wird, um sie zu lösen.

Und das gleiche Märchen wurde uns jetzt zu den letzten Wahlen von den drei wichtigsten politischen Parteien verkauft: die PRI mit Madrazo, die PAN mit Felipe Calderón, und die PRD mit Andrés Manuel López Obrador. Das Märchen und die Lüge, dass eine einzige Person von oben herab, die Probleme lösen würde, die seit langer Zeit errichtet worden sind.

Wir in der Anderen Kampagne - und ich spreche nicht mehr von den Zapatisten, sondern von allen Organisationen, die dazu gehören - glauben, dass die Dinge sich nicht auf diese Weise lösen lassen. Wenn noch jemand glaubt, dass irgendein Politiker kommen wird, um die Probleme von Los Cabos oder von Baja California Sur zu lösen, bitten wir sie mal folgende Rechnung zu machen: dass sie die letzte Amtsperiode des Bürgermeisters und der Gouverneurs überprüfen, und dann die letzte davor. Und wenn sie jung sind, sollen sie die alten Zeitungen von damals und noch früher durchsehen, und dann die Frage beantworten, ob es Baja California Sur besser oder schlechter geht als früher. Und dass sie sich ihren eigenen Tisch und ihr eigenes Haus ansehen, die Kleider, die sie anhaben, ihren Lebensstandard, wie man heute sagt, und sagen, ob es nicht schlechter ist als früher. Und die Lebenskosten steigen immer höher, und das Gehalt wird immer niedriger.

Und früher hatten wir eine sichere Anstellung, früher gab es einen Arbeitsvertrag, es gab einen Ruhestand, es gab Urlaub, es gab Weihnachtsgeld. Jetzt wissen wir nicht einmal, ob wir am nächsten Tag noch eine Arbeit haben werden.

Das Problem, das wir sehen, und zu dem wir gerade die Compañeros einladen möchten, die das Problem der Umweltzerstörung wahrnehmen, ist, dass wir den Blick heben, und sehen, wer dafür verantwortlich ist. Wenn wir sagen, dass der Zyklon dafür verantwortlich ist - für den ja keiner etwas kann - sollten wir uns seine Auswirkungen ansehen. Denn in einem der Vorträge hier wurde gesagt: "wenn es hier einen Zyklon gibt, haben nur die Armen darunter zu leiden, nicht die Reichen". Und als wir durch Quintana Roo durchgereist sind, gab es ein Zyklon der alles gleichmäßig zerstörte, aber die Fox Regierung gab nur den Hoteliers Hilfszuwendungen, nicht den Menschen, die ihre Häuser und alles, was sie hatten, verloren.

Und das Treffen der Anderen Kampagne fand in einer Ecke statt - die auch so hieß [*Spanisch.: El Rincón], die zu einem Haus gehörte, das nur noch mit einigen Ziegeln überdacht war, und durch den Zyklon zerstört worden war. Und wir sind auch durch die Hotelzone gereist, wo die Baumaschinen im Einsatz waren, um alles wiederaufzubauen, dank den Millionen, die Fox ihnen gegeben hat, um schnell voranzukommen.

Wir möchten fragen, ob das so sein muss, oder ob wir nicht etwas anderes aufbauen könnten, wo die Menschen, die arbeiten, die Vorteile genießen, und nicht die Leute, die nicht arbeiten. Wo die Politiker dem Volk gehorchen, und nicht bloß Komplizen der Verbrecher sind, die alles stehlen.

Sie wissen, dass es in diesem Land keinen einzigen Politiker gibt, der durch seinen Posten nicht reich geworden wäre, nicht einen einzigen. Jeder, der mit einer bestimmen Menge Geld eintritt, kommt am Ende mit noch mehr Geld heraus. Und niemand kann sagen, dass sie sich das mit Arbeiten verdient hätten, denn niemand arbeitet in diesem Land weniger als die Politiker.

In einem Teil von Sinaloa - wir kommen jetzt aus Sinaloa - erklärten wir, dass ein Abgeordneter, ein Senator, durchschnittlich vierzig Tage pro Jahr arbeiten. Und sie haben ein monatliches Gehalt von bis zu 1.200.000 Pesos. Ich weiß nicht, ob hier irgend jemand vom Mindestlohn lebt, der bei etwa 45 - 46 Pesos liegt; sie müssten 10 Jahre lang arbeiten, um soviel zu verdienen, wie die in einem Monat verdienen - und das ohne krank zu werden, und ohne etwas für Essen oder Kleidung auszugeben, ohne ins Kino zu gehen, ohne sich zu vergnügen oder Schulsachen zu kaufen - dass heißt, ohne ihre Kinder überhaupt in die Schule schicken zu können.

Deshalb sagen wir: er handelt sich nicht nur um ein System, das die einen reich macht und die anderen arm, sondern das außerdem auch noch eine Klasse von Parasiten erschaffen hat - die Politiker - die auf Kosten der einen und der anderen leben, ohne auch nur das Geringste zu leisten, außer in den Zeitungen oder den Nachrichten zu erscheinen, oder alle drei oder sechs Jahren hier in Los Cabos oder in El Centenario, oder wo auch immer vorbeizuschauen, um den Leuten zu versprechen, dass sich jetzt alles ändern würde.

Die Zerstörung des Landes wird von einem System betrieben, das nur daran interessiert, ist Profite zu machen. Und es ist ihm egal, ob es für diese Profite etwas vernichtet, das nicht zu ersetzen ist. Ich habe Ihnen hier einige Zahlenangaben mitgebracht - aber ich will Sie nicht ermüden - einige Angaben darüber, wie in der Regierungsperiode von Fox - von 2000 bis 2006 - die Luftverschmutzung fast um das doppelte gestiegen ist, und der Urwald und die Wälder sich verringert haben.

Und im Fernsehen sehen Sie vielleicht, dass es die Indigenas sind, die den Berg zum Einsturz bringen. Nein, es sind die großen Holzunternehmen, genau wie der Compañero uns das erklärte: die großen Holzunternehmen, die die Erlaubnis der Umweltbehörden haben. Denn genau das passiert: die mexikanischen Behörden, die die Natur beschützen sollten, sind diejenigen, die die Gesetze machen, um sie zu zerstören.

Und Sie können denken: "Schön, aber es wird ja noch eine Weile dauern, bis hier alles zur Wüste wird." Aber als ich hier vor einer Weile vorbeikam, gab es viele Kinder. Ich weiß nicht, ob Sie diesen Kindern ins Gesicht blicken können und sagen: "ist mir egal". Denn jene von Ihnen, die schon längere Zeit hier in Los Cabos und Baja California Sur verbracht haben, können sehen, dass es nicht egal ist, weil das Los Cabos von heute nicht mehr das gleiche ist wie vor 10 Jahren, oder 15 oder 20 Jahren. Was werden sie denken wenn das weitergeht, was uns der Compañero aus El Centenario erklärt hat, denn es wird ja nicht nur ausgebeutet, sondern auch zerstört und kontaminiert. Das Baja Sur, dass diese Kinder vorfinden werden, wird anders sein als das, das Sie kennen, und Sie können mir glauben, es wird nicht besser sein. Es wird nichts geben, auf das sie stolz sein können. Jedenfalls, falls wir da noch leben, werden sie uns sagen: Gut, und was hast du gemacht, um das zu verhindern?"

Und, was wir zu tun versuchen, ist uns zu verbünden. Nicht um irgendeinen Kandidaten an die Spitze zu bringen, oder damit irgendjemand regiert, sondern damit die Compañeros von El Centenario sich organisieren und über ihr Land bestimmen. Damit die Leute, die in Los Cabos leben, in Los Cabos bestimmen, und nicht von einem Abgeordneten, einem Senator, einem Bürgermeister abhängig sind, dem es nur darum geht, wie viel er stehlen kann, oder welchen Handel er eingehen kann, um uns das Wenige wegzunehmen, das wir besitzen.

Wenn einige glauben, dass die großen Kapitalisten nur an den großen reichen Landstrichen interessiert sind, irren sie sich. Sie wollen auch unsere Armut. Weil sie in dieser Armut etwas entdeckt haben, das früher wertlos war, und zwar die Luft, das Wasser und die Erde.

Sehen Sie, wir sind Indigenas von Maya-Abstammung, wir leben dort in Chiapas, aber genau so wie die Compañeros Purépechas, die in der Karawane mitreisen, haben wir eine bestimmte Auffassung vom Land. Das Land ist nicht nur die Erde auf die wir treten, sondern alles was dazugehört: die Luft, das Wasser, all das zusammen - der Lebensraum, wie Sie das sagen. Und unserer Auffassung zufolge, war das Land unser Beschützer: das, was für uns gesorgt hat und uns die Kraft gegeben hat 500 Jahre lang gegen die Invasionen Widerstand zu leisten. Denn vor den Spaniern gab es die Azteken, und alle Völker wurden von diesem Imperium beherrscht. Dann kamen die Spanier, dann die Nordamerikaner, dann die Franzosen, und dann kam Fox, aber sie konnten uns nicht unterwerfen.

Also sagten wir, dass uns das Land dabei geholfen hat, Widerstand zu leisten, weil die Berge auf unserem Land uns Nahrung gespendet und uns beschützt haben. Aber jetzt fühlen wir - genau wie die Compañeros, die hier zu uns gesprochen haben - dass das Land stirbt, und uns bittet, den Gefallen zu erwidern. So wie das Land sich früher um uns gekümmert hat, sind wir jetzt an der Reihe, uns darum zu kümmern.

Und es wird sich nichts ändern. Sehen Sie, die steigende Kurve der Umwelt- und Wasserverschmutzung steht in keinem Zusammenhang damit, wie die Wälder und die Quellen wachsen. Irgendwann wird man die zwei Sachen nicht mehr miteinander verbinden können. Und fragen Sie sich nur folgendes: wenn die großen Reichen, die sich in den großen Hotelketten vergnügen, zu wählen haben, wer die frische Luft atmen, wer das klare Wasser sehen, wer auf einem sauberen Gebiet bleiben soll, werden sie Ihnen gestatten dort zu leben, wenn das nicht für alle reicht?

Und es wir ihnen egal sind, ob sie aus California Sur stammen, oder ob ihre Großeltern und Urgroßeltern das taten. Das einzige was zählen wird ist, dass die das Geld haben, und Sie nichts haben. Und wenn Sie denken, dass die Regierung Sie respektieren oder schützen wird, irren Sie sich. Sie [die Reichen] waren es, die diesen Regierungen die Kandidatur bezahlt, und in vielen Fällen die Bezirkspräsidentschaft, den Gouverneursposten, die Abgeordnetenstelle oder das Senatorenamt gekauft haben.

Deshalb sagen wir, dass wir uns entscheiden müssen, ob wir uns selbst weiterhin etwas vormachen wollen und glauben, dass jetzt vielleicht doch noch jemand kommen wird, um die Probleme zu lösen. Oder dass vielleicht die PRI nicht mehr ganz so kriminell sein wird. Oder dass die PAN vielleicht ein wenig intelligenter sein wird. Oder das die PRD vielleicht nicht mehr ganz so korrupt sein wird. Das wird nicht passieren, weil sie die Politik in ein Geschäft verwandelt haben. So, wie jemand arbeitet, um einen kleinen Laden zu betreiben, oder das Land bebaut, oder seinen Lebensunterhalt als Fischer verdient, so betreiben die eine politische Partei, nur verdienen sie viel, viel mehr. Und sie können Millionen investieren, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden - denn sie haben ein Vermögen für den Wahlkampf hinausgeworfen - weil sie das Geld zurückkriegen werden, sobald sie einen Handel eingehen, um Gesetze zu Gunsten der Reichen zu erlassen, und nicht für uns.

Sie haben die Politik also in einen Geschäft verwandelt, aber zudem ohne die Möglichkeit der Beteiligung. Wenn jemand von Ihnen sich politisch beteiligen möchte, müssen Sie in diese Partei eintreten und der PRI angehören. Ich weiß nicht ob noch irgend jemand der PRI angehören kann ohne sich zu schämen, aber vermutlich gibt es welche. Oder wie man der PAN angehören kann, ohne zu fühlen, dass der Intelligenzquotient dort sehr niedrig liegt. Oder wie jemand sagen kann, sie wollten in die PRD eintreten, ohne vorher durch ein Gefängnis gewandert zu sein, oder hinterher dort zu landen. Und so steht es mit jeder politischen Partei.

Und dann könnte auf jemand die Idee kommen: "gründen wir doch eine andere Partei". Wozu? Wenn wir alles, was wir haben, alles was wir geschafft haben, dadurch erreicht haben, dass wir uns selbst organisierten, wieso sollten wir darauf warten, dass ein anderer es für uns tut.

Die Andere Kampagne kommt weder, um Ihnen zu sagen, was Sie tun sollen, noch um Befehle zu erteilen. Die Andere Kampagne kam her um zuzuhören, und es war wichtig dass das Mikrofon funktionierte, weil Compañeros aus anderen Teilen des Landes mitreisen, die von den alternativen Medien sind. Die kommerziellen Fernsehsender von heute werden vielleicht nichts bringen, aber sie schon. Und dieses Bild, das was du gesagt hast, was sie gesagt haben, wird nach Quintana Roo gelangen, weil es auch dort Gruppen wie Sie gibt, von Campesinos, von Indigenas, von Umweltforschern und Studenten, die in der gleichen Lage sind, die sehen, dass der Schutz der Natur ein Delikt geworden ist, während ihre Zerstörung mit Auszeichnungen belohnt wird.

Denn die Gefängnisse dieses Landes sind voller Menschen, die gegen die Abholzung kämpfen. In Guerrero haben wir Indigenas gesehen, die in Haft sind, weil sie das Abholzen von Bäumen verhindert haben. In Quintana Roo gibt es Fischer, Maya Indigenas, die im Gefängnis sitzen, weil sie dagegen gekämpft haben, dass die großen Fischereiunternehmen dort das Meer zerstören. Und dafür wurden Sie unter Anklage der Umweltzerstörung festgenommen, was als Bundesdelikt ohne Kaution gilt.

Und so ist es überall, aber Ihre Geschichte ist nicht nur eine Geschichte der Zerstörung, sondern auch eine Geschichte des Kampfes. Denn ich habe verstanden, dass in El Centenario und hier, überall wo wir waren, die Probleme nicht nur wahrgenommen werden, sondern das man auch versucht herauszufinden, wie man sich dagegen organisieren kann.

Stellen wir uns mal vor, wie es sein wird, wenn Baja Sur mit dieser ganzen Landkarte vereint wird, die wir gerade beschrieben haben, mit Baja Norte, mit Sonora und mit Sinaloa, Nayarit und Jalisco, und hier wo wir jetzt stehen, dieses touristische Handelszentrum errichtet werden kann. Als Naturschutzgebiet ist es so was wie der Planet zu dem sie fliehen können, außer, dass sie anstatt mit einer Rakete zum Mond zu fliegen, das Flugzeug von New York nach Los Cabos nehmen werden. Und dann wird es hier keine dunkelhäutigen Menschen mehr geben, keinen von uns, weil ihnen weder unser Aussehen gefällt, noch unsere Art zu sprechen und uns zu kleiden, nicht einmal wie wir riechen, egal, wie sehr wir uns parfümieren, egal, wie wir unsere Haare färben, weil wir zu einer anderen Kategorie gehören, verstehen Sie?

Also werden sie ihre eigenen Leute bringen und hier ansiedeln. Nur, dass dies nicht nur in Baja California Sur der Fall sein wird, sondern im ganzen Land.

Sehen Sie, ich möchte Ihnen eine Geschichte erzählen. Vor fast dreizehn Jahren haben wir einen bewaffneten Aufstand gegen die Regierung geführt, wir waren Tausende von Indigenas. Und die Menschen hier, in Baja Sur, sind aufgestanden um Gerechtigkeit für uns zu fordern. Menschen hier, in Baja Sur, fühlten sich verpflichtet - wie die Compañera Lucia das sagte - Chiapas neu zu erschaffen.

Wir, als Chiapaneken, fühlen uns verpflichtet dafür zu kämpfen, dass Baja California Sur neu erschaffen wird. Und die einzige Form, dies zu tun besteht darin, alle diese Schmerzen zu verbinden, die uns hier erzählt worden sind, die wir schon an anderen Orten gehört haben - weil uns einige Ecken noch fehlen: uns fehlt die Ecke von Tijuana, von Ciudad Juárez, von Matamoros. Bis wir alle Ecken des Landes aufgesucht haben, und nach allen Seiten gereist sind, um diese Diagnose - wie Sie das sagen - stellen zu können: dieses Land liegt als Land im Sterben, und wir sterben mit.

Und von unserer Geschichte wird dann nichts übrig bleiben, weder als Indigene Völker, noch als Indigenas, noch die ganze Kampftradition aus den Geschichtsbüchern. All das wird ausgelöscht werden, wie ein Planet, der vernichtet und neu besiedelt, und dem Bild der großen kapitalistischen Metropolen nachgestaltet wurde. Stellen Sie sich New York in Los Cabos vor, aber ohne Leute aus Sur California, also ohne Sie. Stellen Sie sich das gleiche in Ocosingo vor, aber ohne uns; stellen Sie sich das in Morelia vor, aber ohne die Purépechas; und stellen Sie sich das in Jalisco vor, aber ohne die Huicholes.

Und all dies passiert überall und wir müssen uns nicht nur fragen, wieso es passiert, sondern auch, was werden wir tun?

Ich bin sicher dass Ihre Stimme, Ihr Wort, das, was Sie uns erklärt haben, in wenigen Stunden oder in wenigen Tagen zu all diesen anderen Compañer@s gelangen wird. Weil es genau das ist, was die Andere Kampagne anbietet. Sie bietet - wie der Compañero aus Atenco das sagte - weder Kappen, noch Snacks, noch Sportschuhe an. Was sie anbietet ist, dass ihre Stimme woanders gehört wird, und dass, wenn Sie kämpfen müssen, dieser andere von woanders sagt "ich unterstütze euch". So wie Sie - als wir kämpften - sagten: Wir unterstützen die Indigenas von Chiapas".

Das ist es, was wir Ihnen vorschlagen, nichts weiteres. Weder dass jemand Ihnen befiehlt, noch dass Sie sich einer politischen Partei anschließen, noch dass sie eine soziale Organisation bilden. Sie können alle sehen, bei sich Zuhause, bei Ihrer Arbeit, in Ihrer Schule, wo Sie gerade sind, dass es hier ein Problem gibt. Wenn Sie denken, dass dieses Problem Gottes Wille ist, oder Pech, oder weil Sie dunkelhäutig und hässlich geboren wurden und sich das so gehört, wenn Sie denken, das ist in Ordnung so, dann alles klar, dann können sie die PRI, die PAN oder PRD wählen.

Aber wenn Sie denken, dass dies eher das Produkt einer Ungerechtigkeit ist, und den Verantwortlichen dafür finden . . . Und der Verantwortliche ist nicht nur das Salzunternehmen, das den Compañeros von El Centenario zusetzt - Verzeihung, den Compañeros aus Vizcaino -, oder diejenigen, die Cota Montaño gekauft haben - bevor er zum großen Verteidiger der Demokratie in der PRD wurde - um sich El Mogote und El Centenario anzueignen. Sondern es ist das ganze System, das alles in nützliche und nutzlose Waren einteilt. Und wir, entschuldigen Sie bitte, werden zu den Waren gezählt werden, die nutzlos sind.

Und als Lebewesen haben wir Anrecht darauf, für unsere Arbeit respektiert zu werden. Niemand der Anwesenden hier - zumindest denke ich das - bestiehlt irgendjemanden, ansonsten wären sie Abgeordnete oder der Gouverneur von Baja California Sur. Aber wenn Sie niemanden bestehlen, wieso werden Sie dann nicht mit Respekt behandelt, wieso haben Sie keine würdigen Dinge zum Leben: weil jemand sie Ihnen wegnimmt.

Und dazu muss man noch das Geschichtsbewusstsein hinzuzählen, von dem man uns erzählt hat, denn man hat uns erzählt, dass es hier gewesen ist, wo sich die Leute erhoben haben und - gemeinsam mit denen aus Baja California Sur - die nordamerikanische Armee zurückgeschlagen haben, die in Mexiko eingefallen war. Und glauben Sie mir, dass das nur wenige Teile der Republik das von sich behaupten können. Aber niemand weiß, dass dies in Baja California Sur passiert ist. Wir wissen es jetzt, aber nicht weil es in irgendeinem Buch stehen würde, sondern weil Sie, die hier leben, uns das gesagt haben.

Darum also geht es in der Anderen Kampagne: dass Quintana Roo für Quintana Roo spricht; dass Baja California Sur für Baja California Sur spricht; für die indigenen Völker, die indigenen Völker; für die Jugendlichen, die Jugendlichen, für die Frauen, die Frauen. Dass jeder seine Stimme und sein Schicksal in seine eigenen Hände nimmt. Und dass wir uns alle vereinen und anfangen wegzuräumen, was uns im Weg steht, also die Politiker. Und eine andere Art errichten, uns zu regieren.

Wir machen das bereits und haben gesehen, dass es gelingen kann. In unseren Gemeinden regieren sich diese Gemeinden selbst, deshalb heißen sie auch Autonome Zapatistische Bezirke in Rebellion. Sie setzen ihre Autoritäten selber ein, und wenn sie nicht dienen, werden sie abgesetzt. Um hier jemanden abzusetzen, muss man schon sterben. So wie in Oaxaca, wo es schon mehrere Tote und viele Gefangenen gibt, und Ulises Ruiz will nicht gehen, obwohl ihn dort keiner haben will, weder die Unternehmer, noch seine Familie, noch seine Frau, wirklich niemand. Außer Fox, der ihn dort immer noch an der Macht hält, und Abascal.

Weshalb sollen wir das also tun? Wenn wir einen schlechten Regierenden haben, müssen wir, anstatt dass er uns um Verzeihung bittet, uns immer noch organisieren, und riskieren ins Gefängnis zu kommen oder zu sterben, damit er geht. Und nicht einmal, damit er ins Gefängnis geht, sondern nur den Bundesstaat verlässt und woanders hingeht. Das ist nicht gerecht.

Wir kratzen alles zusammen um etwas zu Essen zu haben und überleben zu können, und müssen noch diese Leute ertragen. Ich weiß ja nicht, ob irgend jemand hier mit Cota Montaño verwandt ist - mein herzliches Beileid, wenn das so ist, aber wir anderen haben das nicht nötig. Wir müssen ihn ertragen und ihn unterstützen, oder den Gouverneur oder den Bürgermeister, und müssen das überhaupt nicht tun. Das, was wir tun müssen, ist hier und in Chiapas und überall in Mexiko, eine andere Form zu errichten uns selbst zu organisieren, uns als eine Gesellschaft zueinander in Beziehung zu bringen, in der wir die Menschen für das schätzen können, was sie sind, und nicht für das, was sie haben, denn dann werden wir auch besser leben können.

Und sehen Sie, in dieser Welt, die wir uns in der Andere Kampagne vorstellen, wird das Wasser Leben sein, und nicht ein abgefülltes Produkt. Die Erde wird wieder die Mutter sein, jetzt dankbar, weil wir ihr das Leben zurückgaben, das sie uns gab. Die Luft wird geatmet werden können. Ein Mensch zu sein wird keine Schande mehr sein, so wie es jetzt der Fall ist.

Und das, was wir möchten, ist unseren Teil zu erfüllen, damit man sich nicht länger schämen muss, Mexikaner zu sein, denn wenn man sich Fox ansieht, tut das schon ein wenig weh, nicht wahr?

Hierzu möchten wir Sie einladen, Compañeros und Compañeras: betrachten wir diese Probleme. Wenn Sie damit einverstanden sind, organisieren Sie sich, treten sie mit uns ein. Wir bitten Sie um nichts anderes, als uns Ihre Geschichte zu erzählen, um sie kennen zu lernen, und dass Sie im Gegenzug der Geschichte der anderen zuhören. Und Sie unter sich, wir alle untereinander, werden anfangen Vereinbarungen zu schließen, nicht irgendwas das Marcos sagt oder die Zapatisten, oder irgendein Außenstehender, sondern zwischen den Campesinos, den indigenen Völkern, den Jugendlichen, den Frauen, den Homosexuellen, den Lesbierinnen untereinander, zwischen allen, die verachtet werden, so wie die alten Männer und Frauen verachtet werden.

Das ist es, was wir Ihnen sagen wollten, Compañer@s. Danke, es ist eine Ehre unsere Arbeit in Baja California Sur hier in Los Cabos beginnen zu dürfen.

 Quelle:  
  http://enlacezapatista.ezln.org.mx/la-otra-campana/505/ 
 

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