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Ökonomie und Politik nach den Attentaten in den USA

Poonal vom 08.10.2001
Von Lucien O. Chauvin

  (Lima, 8. Oktober 2001, na-Poonal).- Regierungen und Unternehmen in Lateinamerika sind damit beschäftigt, sich so schnell wie möglich auf die neue Weltlage einzustellen, die durch die terroristischen Attentate am 11. September in den USA entstanden ist.

Sofort nach den Ereignissen in New York und Washington solidarisierte sich die Region mit den USA. In allen Erklärungen — der einzelnen Länder sowie der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) — wurde für den "Krieg gegen den Terrorismus" Hilfe angeboten. Sogar Kuba, das als einziges Land aus der OAS und von den Debatten um eine regionale Freihandelszone ausgeschlossen ist, verurteilte die Anschläge und bot humanitäre Hilfe und Unterstützung bei geheimdienstlichen Ermittlungen an. Die Unterstützung für die US-Regierung ist damit praktisch einmütig.

Die Meinungen gehen auseinander, wenn es darum geht, die Folgen der Attentate auf die Region einzuschätzen. Das negativste Szenario präsentierte Otto Boye, ständiger Sekretär des Ökonomischen Systems Lateinamerikas (SELA), der ein Sinken der Wachstumsraten und weniger ausländische Investitionen vorhersagt. Zudem geht er von einer höheren Anfälligkeit der Exportwirtschaft aus. In Folge der Attentate wird es laut SELA zu einem Rückgang des Wirtschaftswachstums kommen, durch den die Region 40 Milliarden US-Dollar verlieren wird. ExpertInnen bestätigen, dass die Wirtschaft der USA auf Grund der Angriffe 60 Milliarden US-Dollar verlieren wird. Boye meint, dass "dies die Vorhersagen des Wirtschaftswachstums der Region direkt betrifft".

AnalystInnen der Wall Street und multilaterale Organisationen haben eine andere Sichtweise. Viele von ihnen sagen kurzfristig weniger Wachstum vorher, langfristig allerdings würde die Region davon profitieren. Der Internationale Währungsfond (IWF) sieht die Wirtschaft geringer wachsen als erwartet. Die Organisation hatte ihre Vorhersagen allerdings bereits Anfang des Jahres nach unten korrigiert, als die US-Wirtschaft zu schrumpfen begann. Der IWF geht von einem Wachstum von 1,7 Prozent für dieses Jahr und von 3,6 Prozent für kommendes Jahr aus.

Walter Molano, Chefanalyst von BCP Securities mit Sitz in den Vereinigten Staaten, glaubt, dass die Attentate der Region langfristig zu gute kommen können. "Die Gesamtwirkung dürfte für Lateinamerika günstig sein" sagte er. "Die Reduktion des transpazifischen Handels wird den lateinamerikanischen Produzenten Spielraum geben, in Erscheinung zu treten".

Historisch gesehen geht es Lateinamerika besser, wenn die USA in einen Krieg eintreten, so Molano. Das mächtige Land im Norden richte sich dann auch nach Süden auf der Suche nach verlässlichen Partnern in seiner Hemisphäre.

Die argentinische Präsident Fernando de la Rúa und Fernando Henrique Cardoso aus Brasilien boten den USA Militärhilfe und Truppen an. Argentinien erhofft sich dabei einen positiven Nebeneffekt. Während bislang die Kritik der US-Regierung an de la Rúa aufgrund seines finanzpolitischen Kurses überwog, ist nun mit mehr Harmonie zu rechnen. Noch vor wenigen Wochen hatten hohe Regierungsvertreter der Vereinigten Staaten das millionenschwere Finanzpaket für Argentinien vom Internationalen Währungsfonds kritisiert. "Die neue Aktivität von Washington konzentriert sich darauf, seine Verbündeten zu unterstützen und seine Feinde zu besiegen. Da Argentinien seine Unterstützung für jede Militäraktion angekündigt hat, ist nun offensichtlich, auf welcher Seite es steht", meint Molano.

Venezuela hat trotz seiner Unterstützung der Resolution der OAS eine kontroversere Position. Präsident Hugo Chávez erklärte, sein Land werde Hilfe und andere Formen der Unterstützung nach Afghanistan schicken. Die Hilfe will Venezuela allerdings erst dann zur Verfügung stellen, wenn die Vereinten Nationen sie anforderten.

Kolumbiens Situation ist komplizierter. Die USA haben mehr als 1,3 Milliarden US-Dollar für die Militärhilfe und zur Drogenbekämpfung im Rahmen des Plan Colombia versprochen. Von den fünf Gruppen, die vonseiten der USA als "terroristische Gruppen" in Südamerika klassifiziert werden, sind drei aus Kolumbien. Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC), das Nationale Befreiungsheer (ELN) und die paramilitärischen Selbstverteidigungseinheiten Kolumbiens (AUC) sind im Kampf gegen den Terrorismus für die USA offiziell von "globaler Bedeutung" und damit Ziele in dem neuen Krieg. Dieser neue Fokus könnte schnell die Ausrichtung des Plan Colombia ändern, bei dem die Behörden der Vereinigten Staaten bisher darauf bestanden haben, dass es sich ausschließlich um einen "Kampf gegen Drogen" handelt. Unter den neuen Bedingungen könnten die Mittel der USA für Kolumbien genutzt werden, die Guerilla und die rechten paramilitärischen Gruppen zu bekämpfen.

Die restlichen zwei Gruppen, die von den USA als terroristisch eingestuft werden, sind der Leuchtende Pfad und die Revolutionäre Bewegung Tupac Amaru (MRTA) in Peru. Obwohl beide Gruppen nur noch sporadisch aktiv sind und langfristig geschwächt scheinen, gelten sie der USA als "von globaler Bedeutung". Wie Kolumbien ist auch Peru ein bedeutender Drogenproduzent und die ideologisch aufgeladene Verbindung von Drogenhandel und Terrorismus könnte die künftige Zusammenarbeit der USA mit den peruanischen Behörden prägen. Der neue Drogenbekämpfungszar von Peru, Ricardo Vega Llona, erklärte, er hoffe die Attacken vom 11. September werden helfen, eine "amerikanische Vision" der gesamten Hemisphäre zu schaffen, in der die USA ihre südliche Nachbarn als natürliche Partner auf allen Gebieten betrachten, einschließlich im Kampf gegen Drogen. "Diese Tragödie könnte uns zu einer neuen Ära des Verständnisses und der Zusammenarbeit in der Region bringen", sagte er.

Abgesehen vom Thema Terrorismusbekämpfung ist das Augenmerk vor allem auf die Wirtschaft gerichtet. Lawrence Krohn, von ING Baring, sieht v.a. Mexiko gefährdet, da die Wirtschaft des Landes stark mit der der Vereinigten Staaten verflochten sei.

In Brasilien sind mehrere Fluglinien dem us-amerikanischen Beispiel gefolgt und haben einen Teil ihres Personals gekündigt. Auch zwei Fahrzeughersteller, Fiat und Volkswagen, nutzten die Gunst der Stunde und haben Entlassungen angekündigt, falls die Verkaufszahlen zurückgehen.

Ecuador und Venezuela, die abhängig von den Erdölexporten sind, könnten Schwierigkeiten beommen, wenn der Rohölpreis dauerhaft fällt. Chile schließlich wird unter ökonomischen Druck geraten, wenn sich die weltweite Rezession verschärft und die Exporte nach Asien zurückgehen.

In Peru fragen sich die Tourismusverbände wie die Sache für sie steht. Bis jetzt zieht Peru jährlich etwa eine Million TouristInnen an. Ein Viertel davon kommen aus den USA. Man fragt sich, ob der leichte Trend, dass UrlauberInnen aus Angst vor dem Fliegen oder wegen einer möglichen wirtschaftlichen Rezession ihre Reisen stornieren, anhalten wird. Andererseits könnten sich mittelfristig touristische Ziele wie Mexiko, Zentralamerika oder Peru bei einem möglichen Konflikt in anderen Regionen in attraktive Alternativen verwandeln.

Als Rohstofflieferant könnte Lateinamerika auch einem willkommenen Anstieg der Preise für Metalle, wie Kupfer, Zinn und Blei entgegengehen. Auch landwirtschaftliche Produkte, wie zum Beispiel Kaffee, der sich zur Zeit auf einem historischen Preistief befindet, könnten davon profitieren.

Es gibt Anzeichen dafür, dass der us-amerikanische Kongress jetzt diskutiert, Bush die Vollmacht zu geben, auf "schnellem Weg" ein Freihandelsabkommen für Amerika voranzubringen. Die Regierungschefs der Andenländer hoffen, dass die Erneuerung und Erweiterung des Abkommens über einen bevorzugten Handel mit der Andenregion ansteht. Der geplante Vertrag, der den steuerfreien Export von Produkten in die USA ermöglichen soll wird am 1. Dezember neu verhandelt.


Quelle: poonal
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