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KRIEG UND FRIEDEN

 

Kommentar des argentinischen Friedensnobelpreisträgers Adolfo Pérez Esquivel

Poonal vom 26.10.2001
alai-Poonal

  (Buenos Aires, 25. Oktober 2001, alai-Poonal).- "Die Welt weiß nicht, wo ihr Haus ist," sagt der dreijährige Luca, als er auf eine Landkarte schaut. Er hätte auch eine Nachrichtensendung sehen können, so schrieb vor kurzem der Schriftsteller Eduardo Galeano. Wir sollten uns der Sorge des Kindes annehmen, uns fragen, ob wir wirklich wissen, "wo unser Zuhause ist", denn es wird im Namen der Souveränität der Macht und der Intoleranz zerstört.

Am 11. September fühlte sich die Welt durch die Attentate in New York und Washington erschüttert und schutzlos. Die Fundamentalisten suchten Rechtfertigungen für die Gewalt, einige erklärten den "Heiligen Krieg", die anderen erklärten, es sei der "Krieg des Guten gegen das Böse", oder "seid mit uns und oder mit den Terroristen", es sei der Krieg der Kreuzzüge, die "ewige Gerechtigkeit" durchsetzen würden.

Der nordamerikanische Machtbereich wurde verletzt und Angst herrscht in seinen Straßen und Städten. Viele verstehen die Aggression nicht, sie ignorieren die Politik der verschiedenen US- Regierungen in der Welt, die Kriege und Konflikte,die in anderen Teilen der Welt losgetreten wurden. Die Überraschung und Entrüstung zeigt sich in den Gesichtern und den Handlungen der Bevölkerung, in der Angst der Moslems und Migranten aus vielen Ländern. Die Opfer des Attentats waren Tausende unschuldige Menschen aus 82 Ländern.

Die Internationalen Beziehungen sind an einem Wendepunkt angelangt. Die Vereinten Nationen sind marginalisiert und darauf reduziert, Resolutionen zu verabschieden, und dienen nur dazu, die Initiativen der USA zu unterstützen. Die Kommunikationsmedien leiden unter der Psychose des Krieges — es gibt keinen anderen Weg, man muss handeln und den Terrorismus mit mehr Terrorismus beantworten, die große Kriegsmaschine in Bewegung setzen und die Macht demonstrieren, über die die Weltmacht und ihr wichtigster Verbündeter Großbritannien verfügen. Es ist gelungen, ein "Einheitsdenken" durchzusetzen, die Entbindung vom eigenen Denken, das Unvermeidliche; es ist gelungen durchzusetzen, dass der einzige Weg der Krieg ist, jegliche andere Alternative zählt einfach nicht.

Die Studenten vom Mai 1968 in Frankreich hatten etwas wichtiges gesagt, das wir aus dem Denken und dem studentischen Widerstand für die heutige Zeit bewahren sollten: "Seien wir realistisch, fordern wir das Unmögliche." Wir, mehrere Friedensnobelpreisträger, denken so und haben uns entschieden, angesichts der Lage der Menschheit zu handeln. Wir — Mairead Corrigan Maguire aus Nordirland, Rigoberta Menchú Tum aus Guatemala und Adolfo Pérez Esquivel aus Argentinien — haben uns am 7. Oktober in New York getroffen, um gemeinsam mit der Friedensbewegung, sozialen Bewegungen, Vietnamkriegs-Veteranen und ökumenischen Religionsgemeinden an einem Marsch zur Verhinderung des Krieges teilzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt wird bekannt, dass die USA und Großbritannien mit der Bombardierung Afghanistans begonnen haben, des Landes, das die mutmaßlichen Terroristen beherbergt. (...) Die USA bombardieren und werfen gleichzeitig Lebensmittel über Kabul ab. Es ist die große Scheinheiligkeit eines jeden Krieges.

Die Welternährungsorganisation FAO meldet, dass an jenem Tag, dem 11. September weltweit 35.615 Kinder verhungert sind. Keine Regierung, weder die Uno, Unicef noch die Presse oder das Fernsehen haben dies veröffentlicht, sich bewegt gezeigt oder dagegen protestiert. "Die stille Bombe des Hungers" ist unhörbar im Einheitsdenken. (...)

Mehr als 54 Konflikte und Kriege lasten derzeit auf der Menschheit. Notwendig sind Veränderungen und wirkliche Lösungen im mittleren Osten und in der Beziehung zwischen Israelis und Palästinensern. Notwendig ist die Aufhebung der Blockaden gegen den Irak und gegen Kuba sowie des Plan Colombia, der einen weiteren regionalen Konflikt in Lateinamerika hervorrufen kann. Neue internationale Beziehungen sind von Nöten.

Die Generalversammlung der Uno muss das Entscheidungsgremium werden und nicht mehr der Sicherheitsrat, eine keineswegs demokratische Struktur, die den mächtigsten Länder erlaubt, Resolutionen und Konflikte, die sie selbst betreffen, entsprechend ihren Interessen zu behandeln.

Es ist notwendig, dass die Uno eine klarere und definitive Rolle bei internationalen Problemen einnimmt. (...) Um dies zu erreichen muss das "selbständige Denken" zum Wohle aller entwickelt und potenziert werden. Und es müssen die Mechanismen überwunden werden, die Herrschaft und sozialen Ausschluss hervorrufen, wie die Auslandsverschuldung, die die armen Staaten unterwirft und unter anderem für die "stille Bombe des Hungers" verantwortlich ist.

Wir wissen, wie alle Kriege anfangen, mit einer Flucht nach vorne oder nirgends wohin, wie sie enden weiß niemand, jedoch wissen wir genau, welche Folgen sie haben, die Zerstörung und den Tod, den Verlust von Tausenden Menschenleben. Das Blut und den Schmerz steuern die Menschen bei. (...)

In Argentinien wie in vielen anderen Ländern engagieren viele sich für die Verteidigung des Lebens und sagen Nein zu Krieg, Ja zum Frieden. Für den 26. Oktober ist das ganze Land aufgerufen, wie in weiteren 16 Ländern gegen den Krieg zu demonstrieren. Die Frage des Kindes ist aktuell: Wissen wir, wo unser Haus ist? Wir müssen die Welt finden und in der Lage sein, sie miteinander zu teilen. Seien wir realistisch, fordern wir das Unmögliche.


Quelle: poonal
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