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Appell eines Partisanen der individuellen und kollektiven Autonomie

News vom 12.11.2006
Raoul Vaneigem
übersetzt von Lars Stubbe

  In Erwägung, dass die Bewohner Oaxacas das Recht haben, so zu leben, wie sie es wollen, in der Stadt und der Region, die ihre sind;

In Erwägung, dass sie Opfer brutaler Angriffe der Polizei, des Militärs und der Todesschwadronen im Solde eines korrupten Gouverneurs und einer korrupten Regierung, deren Autorität sie nicht mehr anerkennen, geworden sind;

In Erwägung, dass die Bewohner Oaxacas das legitime Recht auf Leben haben, und dass die Illegalität das Ergebnis der Besatzungs- und Repressionskräfte ist;

In Erwägung, dass der massive und friedliche Widerstand der Bevölkerung Oaxacas nicht nur ihre Entschlossenheit bezeugt, sich nicht der Drohung, der Angst, der Unterdrückung zu beugen, sondern auch ihre Weigerung, auf die Gewalt der Polizisten und paramilitärischen Mörder, mittels einer Gewalt zu antworten, die das von den gedungenen Feinden des Lebens ausgeübte Werk des Leids und des Todes rechtfertigen würde;

In Erwägung, dass der Kampf der Bevölkerung Oaxacas der Kampf von Millionen von Menschen ist, die verlangen, human zu leben und nicht wie Hunde, in einer Welt, in der alle Lebensformen durch Finanzinteressen, das Gesetz des Profits, die Mafias der Geschäftswelt, von der Warenwerdung der natürlichen Ressourcen, des Wassers, der Erde, der Flora und Fauna, der Frauen, der Kinder, der versklavten Körper und Köpfe der Menschen, bedroht sind;

In Erwägung, dass der im Namen des Lebens gegen den totalitären Einfluss der Ware aufgenommene weltweite Kampf das Volk Oaxacas daran hindern kann, der Verzweiflung nachzugeben, die immer ergeben der Macht dient, da sie das Denken lähmt, das Selbstvertrauen schmälert, die Fähigkeit hemmt, sich neue Lösungen vorzustellen und zu erschaffen und neue Kampfformen zu entwickeln;

In Erwägung, dass die internationale Solidarität sich allzu häufig mit endlosen emotionellen Wiederholungen, humanitären Diskursen und hohlen Erklärungen, die nur den Dünkel des Sprechenden befriedigen, begnügt;

Wünsche ich, dass den Volksversammlungen Oaxacas eine praktische Unterstützung zukommt, damit sich das, was noch keine Kommune ist, dazu entwickeln kann. Denn das, was sich hier abzeichnet, ordnet sich in der Nachfolge der Pariser Kommune und der andalusischen, katalanischen und aragonesischen Kollektive während der spanischen Revolution von 1936-1938 ein, wo die Erfahrungen der Selbstorganisation den Grund für eine neue Gesellschaft legten. Zu diesem Zweck appelliere ich an die Kreativität einer jeden und eines jeden, die Probleme aufzugreifen, über deren Relevanz und Bedeutung nicht im Voraus zu entscheiden ist, die, ob nun zu Recht oder Unrecht, im Rahmen des Aufbaus einer Regierung des Volkes durch das Volk normalerweise auftauchen, das heißt, Probleme einer direkten Demokratie, in der die individuellen Forderungen in Betracht gezogen, unter dem Blickwinkel einer möglichen Harmonisierung betrachtet und mit einer kollektiven Anerkennung bedacht werden, die es erlaubt, sie zu befriedigen.

Wie, wenn überhaupt, ist es möglich und wünschenswert, dass die Angehörigen der Opfer der Repression und der polizeilichen Besatzung als Nebenkläger gegen den Gouverneur und die für die Morde, die Gewalt Verantwortlichen auftreten? Wie kann ihnen internationale Unterstützung zugesichert werden? Wie können die Verhaftungen, das Vorgehen der Paramilitärs, die Rückgabe der Region in die eisernen Hände der Korrumpierten verhindert werden? Wie kann über die von der Barbarei der Polizei und der Mafia ausgelösten Welle der Empörung hinaus, der Bevölkerung Oaxacas darin geholfen werden, das von ihr beständig ausgedrückte Streben effektiv gesichert werden: wir wollen von keiner Art Gewalt mehr heimgesucht werden?

Auf welche Art und Weise sollte gehandelt werden, damit keine Repression auf die Individuen und Kollektive, die das Recht zu leben verteidigen, ausgeübt wird? Was kann die internationale Solidarität zum zivilen Widerstand in Oaxaca beitragen, damit dieser zivile Widerstand einfach zur Legitimität eines Volkes wird, um sich unmittelbar selbst in der direkten Demokratie zu regieren?

Und in einer langfristigeren Perspektive: Wenn sie es wünscht, wie können wir der Kommune von Oaxaca dabei helfen, die Nahrungsmittelversorgung und die Versorgung mit individuellen und kollektiven Gütern sicherzustellen?

Wie können wir den Volksorganisationen dabei helfen, dass sie selbst, ohne Abhängigkeit von den Mächten "von oben", die Verwaltung des Verkehrswesens, der Gesundheitseinrichtungen, der Wasser- und Stromversorgung sicherstellt? Welche internationale Unterstützung kann dem Projekt einer "alternativen Bildung", das sich nach dem langen Streik der Lehrer in Oaxaca abzeichnet, gewährt werden? Gibt es keine wissenschaftliche Organisation, die die Nutzung natürlicher und sauberer Energien in der Region Oaxaca entwickeln helfen kann? Es würde sich um ein doppeltes Ziel handeln. Einerseits zu verhindern, dass diese zum Nutzen des Staates und der multinationalen Konzerne autoritär durchgesetzt werden, wie dies im Isthmus passiert ist. Andererseits geht es darum, sich daran zu erinnern, dass die Sorge um die Energieversorgung und die Umwelt für uns nur in ihrem Verhältnis zur Selbstorganisation einen Sinn ergibt. Denn, da sie in den Dienst der selbstorganisierten Gemeinden gestellt werden, ermöglichen sie es nicht nur, sich von den Erdöl- und Technikmafias unabhängig zu machen, sondern führen auch nach und nach die Unentgeltlichkeit ein, die ihr erneuerbarer Charakter und ihre Unerschöpflichkeit garantieren, sobald einmal die Investitionskosten gedeckt sind. Und diese Vorstellung unentgeltlicher Energie, die auch die Unentgeltlichkeit der Transportmittel, der Gesundheitsversorgung, der Bildung einschließt, stellt nicht nur eine kompromisslose Waffe gegen die Tyrannei der Waren, sondern vor allem den sichersten Garanten unseres menschlichen Reichtums dar.

Jedes Mal wenn eine Revolution das Ziel der Verbesserung des Alltagslebens aller Menschen vernachlässigt hat, hat sie der Repression Waffen an die Hand gegeben.

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