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Die Würde des Lebens

La Jornada vom 25.10.2001
Pablo Romo
übersetzt von Dana

  Ich kannte Digna Ochoa seit mehreren Jahren, sie war ein Teil der Familie. Sie war immer eine standhafte und mutige Frau. Wegen ihres christlichen Bewusstseins, setzte sie sich für die Ärmsten ein, entdeckte sie ihre Berufung und übte sie in ihrer professionellen Karriere als Anwältin voll aus. Immer in den schwierigsten Fällen. Immer auf der Seite der Schwachen, jener, die keine Chance hatten einen anständigen Anwalt bezahlen zu können. Ich erinnere mich wie sie uns bei den Fällen im Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de Las Casas half, und über gesetzliche Strategiern beriet. Immer mit grosser Energie, mit einem Stil — in schwierigen Situationen — der ständigen Unbeugsamkeit Straflosigkeit gegenüber. Ich erinnere mich an sie nach ihrer Entführung: ruhig, als ob nichts passiert wäre, unnachgiebig in ihrer Arbeit für Gerechtigkeit. Digna betrachtete das Gesetz als ihr Werkzeug, um Gerechtigkeit wirklich umzusetzen. Sie glaubte an das was sie tat, und sie spielte die Gefahr herunter, die sie für einen normalen Teil des Lebens für einen Verteidiger der Armen in einem Land wie Mexiko hielt.

Der Artikel am letzten Sonntag sagte, dass Digna in der letzten Zeit einen glücklichen Eindruck machte. Vielleicht hatte ihr die Rückkehr in ihr Land eine neue Gelegenheit gegeben, sich nach ihrem Exil erneut für die Gerechtigkeit einzusetzen. Vielleicht hatte sie diese geheime Freude der Gewissheit für das Recht einzutreten vermisst. Es war sicherlich das Glück der Liebe zu ihrem Partner, und die Überzeugung für die Gerechtigkeit zu arbeiten.

Digna war 38 Jahre alt. Sehr jung, obwohl sie wusste was es bedeutete, wegen Verfolgung fern ihres Landes leben zu müssen. Sie hat in ihrem Leben als Anwältin viele Erfahrungen gesammelt. Sie kannte Gefängnisse, die schlimmsten im ganzen Land, und sie verteidigte politische Gefangene, deren Existenz die Autoritäten beharrlich verleugnen. Sie verbrachte viele Stunden in trostlose Räume von Generalstaatsanwaltschaften, um die Wahrheit laut zu erklären, das Wort "Gerechtigkeit" auf den alten Schreibmaschinen zu buchstabieren. Sie war dort wo auch immer ein Verteidiger gebraucht wurde der unbestechlich war, der die Sekretärin und den Gerichtsdiener nicht um Erfrischungen bat. Sie erlitt zwei schreckliche Entführungen, und Verhöre die eindeutig identifizierbar waren. Ich erinnere mich wie sie die erste Entführung einer Gruppe Freunden beschrieb: als sie nahe ihrer Wohnung "den Garten passiert" hatten. Sie berichtete uns mit einer gleichmässigen Stimme, ohne ihre Worte durch Höhen und Tiefen ausschmücken zu wollen, ohne Schatierungen und Verdächtigungen, nur die Erzählung einer Anwältin, die einem Richter einen Fall darlegte: ihren eigenen Fall.

Digna wusste, dass andere Verteidiger Drohungen erhielten, dass ihre eigenen nicht wichtiger sein sollten als die der anderen. Ihr Anliegen und ihre Leidenschaft — wenn ihre Stimme ausdrucksstark war, und ihre Adjektive kraftvoller — galten den gesetzlichen Fallen, die sie in manipulierte Gerichtsverhandlungen entdeckte, den Tricks jener die die Anwendung der Gerechtigkeit in dem Land kontrollierten. Dann veränderte sich ihre Stimme wirklich, und Dignas Augen leuchteten auf, und sie lächelte wenn sie sich den gesetzlichen Gegenmittel vorstellte.

Der oben erwähnte Sonntagsartikel sagte, dass Digna eine Reise geplant hätte, dass sie nach dem Gefängnisbesuch ihre Familie besuchen wollte. Im Grunde lebte sie auf der Reise von einem Gefängnis zum anderen, von Guerrero nach Almoloya, vom Einwanderungsamt zu Albores Guillens, von Unschuldigen überfliessendes Cerro Hueco. Als Erwiderung auf Drohungen gegen ihre Schwestern, sagte sie ihnen, dass es einige Leute gab, die eine andere, sehr baldige Reise für sie planten, ihre letzte, ihre Auferstehung. Ihre Familie wurde plötzlich sehr viel grösser, und als Antwort auf Miguel Conchas Worte auf der Beerdigung — "Wir fühlen uns nicht eingeschüchtert" — werden ihre Brüder und Schwestern heute immer mehr, und fordern die Autoritäten auf die Schuldigen zu bestrafen.

Digna wurde ermordet. Am Freitag, dem 19. Februar, gerade als Präsident Fox ein Interview mit einem Reporter der Corriere della Sera beendete, in dem er gesagt hatte, die Situation in Mexiko habe sich normalisiert, und dass der Krieg der Vergangenheit angehörte.

Die inneren Vorgänge vor dem Ausland zu verbergen, war eine übliche Praktik der Regierung, von der sich der Präsident distanzieren möchte. Lügen ermutigen die Straflosigkeit, Lügen fördern die Gewalt und nähren die Wut derer, die in einer anderen Realität leben. Der Präsident lügt. Digna, heute tot, zeigt es. Und wenn dieses Verbrechen unbestraft bleibt, werden die Verantwortlichen weitere Leben fordern. Eine schnelle und effektive Ermittlung ist notwendig, um die Mörder dingfest zu machen. Die Agenten der Generalstaatsanwaltschaft haben die Ordner, in denen die Akten über die Drohungen gegen Digna und den Menschenrechtsverteidigern des Landes in Frieden ruhen. Sie haben die Ordner in dem Gerichtsverwaltungssystem selbst, wo die Fälle sich befinden die Digna verfolgte, und die jene verraten könnten, die sich durch ihre Arbeit belästigt fühlten.

Die Autoritäten haben eine unerfüllte Verantwortung, der sie sich nicht unter dem Vorwand des "ungemütlichen Erbes" entziehen können. Die Beamten der neuen Regierung wussten von den Drohungen, und die Interamerikanische Menschenrechtskommission hatte die mexikanische Regierung um Massnahmen ersucht, die nicht erfüllt worden sind. Das Vorbeugen von Verbrechen ist kein Verdienst eines demokratischen Systems, es ist einfach eine grundsätzliche Notwendigkeit um in einem System zu koexistieren. Es gibt andere Drohungen, gegen andere Verteidiger, und es ist lebenswichtig, dass die Staats- und Bundesregierungen die notwendigen Mittel ergreifen, um den Menschenrechten das Recht auf Verteidigung zu garantieren.

Angriffe auf Menschenrechtsverteidiger in diesem Land, werden oft völlig offen und ungestraft in den Medien, und besonders im Fernsehen verübt. Sie werden beschuldigt "Terroristen zu beschützen", oder "Liebhaber der Gewalt" zu sein. Ein für öffentliche Lynchmorde geeignetes Umfeld wird geschaffen, und ihre sozialen Aktionen werden diskreditiert. Vorverdaute Gewalt wird leichter geschluckt, wenn man sie im Fernsehen sieht.

Die Drohung, die auf Dignas Leiche zurückgelassen wurde, erinnert uns an so viele andere, in so viele andere Länder. Dieses kleine Fetzen Papier, mit Druckbuchstaben, geschrieben mit einem schwarzen Stift, erfüllt von abscheulichem Gehorsam, ist das gleiche das in Guatemala gefunden wurde, auf den Leichen der Katechisten, die in irgendeinem namenlosen Dorf massakriert worden sind, auf Bischof Romeros Leiche, auf 20.000 Argentinier, auf den Körpern der Sin Tierra in Brazilien. Es ist das gleiche "INRI", das den Autor verrät. Es ist das gleiche "Wir werden euch Hundesöhne alle töten". Es ist das gleiche "Beweg dich nicht und halt die Klappe," das Dignas würdige Stimme nicht tolerieren konnte, ihre Würde nicht tolerieren konnte. Mit den selben Gemeinsamkeiten, als ob es aus dem selben, auf Englisch verfasste, und im gebrochenen Spanisch übersetzte Handbuch über "Wie man einen Menschenrechtsverteidiger ermordet" stammen würde.

Adios, Digna. Die Familie umgibt Dich enger, sie schüchtern uns nicht ein. Würde hat keinen Preis. Wie Luis del Valle Dir sagte: "Mögen wir alle Digna sein, mögen wir des Lebens würdig, dignos, sein, das uns gegeben wurde."

 Quelle:  
  http://www.jornada.unam.mx/ 
 

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