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3. Informationsbulletin zum Treffen

 

Treffen der zapatistischen Gemeinden und der Völker der Welt

News vom 31.12.2006
übersetzt von Katja (B.A.S.T.A.)

  Am zweiten Tag des Treffens der zapatistischen Gemeinden und der Völker der Welt nahmen fast 2000 Compañeros und Compañeras aus 44 Ländern der Welt teil. Über den Tag verteilt fanden Arbeitsgruppen zu den Themen Die Andere Bildung, Die Andere Gesundheit und der Kampf der Frauen statt.

An der Arbeitsgruppe zur Anderen Bildung nahmen, wie an den anderen Arbeitsgruppen auch, autonome Autoridades (gewählte Vertreter/innen − Anm. d. Üs.) der fünf Räte der Guten Regierung und der Zapatistischen Autonomen Landkreise in Rebellion (Municipios Autónomos Rebeldes Zapatistas - MAREZ) teil, welche die Art erklärten, wie die Gemeinden die Bildung in der Autonomie und im Widerstand organisieren.

Die autonomen Vertreter machten detaillierte Angaben zur Anzahl der Schulen, die in ihrem Gebiet gebaut wurden, einige davon mithilfe der solidarischen Mittel und noch viel mehr mit Beiträgen der Gemeinden selbst. Sie sprachen auch von der Bedeutung der Ausbildung von Bildungspromotoren, die in Gemeindeversammlungen gewählt werden, sich weiterbilden und dann in ihren Gemeinden unterrichten.

Sie erklärten, dass die zapatistische Bildung die 13 Forderungen ihres Kampfes mit 4 Wissensgebieten in Verbindung setzt: Leben und Umwelt, Mathematik, Geschichte und Sprachen. Die wahre Bildung, sagten sie, ist ein Teil der Völker und wird nicht von den schlechten Regierungen aufgezwungen.

Den Beiträgen der zapatistischen Autoridades folgten die der Compañeros und Compañeras vieler Länder der Welt. Es sprach Mixper, Chicana mit Huichol-Hintergrund, vom Kollektiv APC und vom Bildungsprojekt "Semillas del Pueblo" − Samen des Volkes, die erklärte, dass in den USA die farbigen Menschen, die Kinder von Migranten und Indígenas marginalisiert, lächerlich gemacht, als minderwertig behandelt werden und ihnen ihre Träume in den Regierungsschulen geraubt werden.

Die Schule "Akademie Samen der Völker" entstand aus vielen Träumen von den Menschen der Gemeinschaft, um die Identität und die indigenen Traditionen zurück zu gewinnen und den Lernenden eine starke indigene Identität zu geben.

Juan Chávez von der widerständischen Studentengruppe des technologischen Instituts von Oaxaca sprach von einem alternativen Bildungsprojekt namens "Brigada Comunitaria", wo kostenlos Mathematik, Physik und die Geschichte, die die Regierung uns verschweigt, unterrichtet wird.

Eine Compañera vom Netz "Red Transhumante" aus Argentinien erzählte, dass dieses Projekt 1998 entstand, vor einem schwierigen Kontext und aus einer großen Verzweiflung heraus. Eine Gruppe hatte die Idee, das Land zu bereisen und zu fragen, wie sich die Menschen fühlten. Mit einem gelben Bus namens "Quiquincho" begannen wir mit Workshops zur Reflektion über die Realität mit dem Wort und mit Kunst. Es heißt "transhumant", weil wir auf der Suche nach dem besten Land sind.

Ein Compañero von der Universität Berkeley, Kalifornien, und Radio Zapatista, erzählte, dass in dieser Universität ein Kollektiv aus zapatistischen Lernenden und Lehrenden entsteht, die eine Wandel vorantreiben, indem sie beispielsweise Spanischunterricht für Latinoschüler, die Kinder von Migranten, erteilen, als eine Art, wie diese ihre Identität zurückgewinnen können.

Es sprachen auch Brüder und Schwestern von „Mexicanos sin Fronteras" − Mexikaner ohne Grenzen; außerdem Compas von Ya Basta Italien, vom Projekt Schulen für Chiapas, auch aus den USA, und von einer öffentlichen Schule für Erwachsene aus Madrid.

Gleichzeitig zur Arbeitsgruppe zur Anderen Bildung fand die Reflektion über die Andere Gesundheit statt, in der die Vertreter der fünf Räte der Guten Regierung betonten, wie wichtig es ist, die traditionelle Medizin der indigenen Völker zu bewahren. Sie sprachen davon, wie sie das Gesundheitssystem im Widerstand organisieren, indem sie Gesundheitspromotoren ausbilden und kleine Gesundheitszentren, Mikrokliniken und zapatistische Krankenhäuser errichten.

Die Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinden im Widerstand äußerten sich auch zum Thema Abort. Sie sagten, dass Aborte oft ungewollt geschehen, als Teil der Situation, die in den Gemeinden existiert. "Viele Frauen leiden unter diesem Problem, sie wollen keine Fehlgeburten, aber sie geschehen aufgrund der Lebensbedingungen der Indígenas," sagten sie

In der Frage- und Antwortrunde wurde betont, wie wichtig es sei, das Wissen auf dem Gebiet der sexuellen Aufklärung und reproduktiven Gesundheit zu stärken. Es wurden auch von den mentalen Gesundheitsproblemen gesprochen, von der Wichtigkeit von Impfkampagnen unabhängig von der Regierung, von der Benutzung ökologischer Herde, mit denen Schäden vorgebeugt werden kann, die durch das Einatmen vom Rauch des Brennholzes bei den Frauen entstehen, und von der Bedeutung der Bildung im Bereich Familienplanung.

Die Zapatistas erklärten, dass ihr prekäres Gesundheitssystem alle Mitglieder der Unterstützungsbasis ihrer Gemeinden gratis versorgt, und außerdem steht die Gesundheitsversorgung auch den Indígenas offen, die keine Zapatistas sind, denn "die Gesundheit ist ein Recht, wo keine Unterschiede gemacht werden dürfen, wie es die schlechte Regierung tut."

20 Compañeros und Compañeras aus vielen Teilen der Welt berichteten von ihren verschiedenen Erfahrungen mit alternativer Gesundheitsversorgung. Das Kollektiv "Brigada Callejera" aus Mexiko Stadt sprach von seiner Arbeit mit Sexarbeiterinnen dort, und ein anderes Kollektiv aus Michoacán betonte die Bedeutung der Physiotherapie in der Gesundheit. "Der Kapitalismus macht krank und bietet bei der Heilung nur Teillösungen," so das Kollektiv.

Ximena Castillo aus Chile sprach von der mentalen Gesundheit und ihrer Arbeit in einem Gemeinderehabilitationszentrum für Schizophrene; und Gisela Morales aus Monterrey erklärte, dass sie in einer marginalisierten Zone arbeitet, wo die Gemeinden Reptilien suchen, um sie zu essen. "Es ist notwendig, zu versuchen, das System nicht in uns selbst zu reproduzieren, ein anderes Paradigma zu schaffen. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Erde und die Natur die ältesten Ärzte und Krankenhäuser sind," sagte Gisela.

Edgar Ibarra von der "Granja del Sur Central" aus Los Angeles, Kalifornien, erzählte, dass sein kommunitäres und selbst verwaltetes Projekt 1992 entstand und über 14 Hektar Land verfügte, wo sich die Menschen ihre eigenen Nahrungsmittel anbauen konnten und außerdem Workshops zu traditioneller Medizin und Landwirtschaft angeboten wurden. Sie wurden von dem Land vertrieben, aber haben immer noch einen Ort, wo sie Gesundheitsversorgung auf der Grundlage von Heilpflanzen anbieten.

Unter den Beiträgen waren auch die Stimmen einer unabhängigen Missionarin, einer Ärztin aus Mexiko Stadt, die mit chinesischen Heilern gearbeitet hat, eines Compa aus der Sierra Totonaca, der in einem Gemeindegesundheitsprojekt arbeitet, eines Kollektivs aus Yucatán, eine Erfahrung einer Musiktherapie aus Buenos Aires, und eine bewegende Geschichte einer Indígena aus Kanada. Außerdem gab es Beiträge von Schwestern und Brüdern aus Guatemala, Amatlán (Morelos), Costa Rica und Mexiko Stadt.

Der Kampf der Frauen

Eine Sinfonie von 20 zapatistischen Frauen zeigte heute auf klare und deutliche Weise die Herausforderungen der indigenen Frau, die Herausforderungen der Frauen innerhalb des Kampfes, die Partizipation der zapatistischen Frauen an der Autonomie, ihre kleinen Errungenschaften, ihre enormen Probleme, ihren Horizont und den langen Weg ihres Kampfes für Gleichberechtigung in den Gemeinden.

Eine nach der anderen erzählten die zapatistischen Frauen der Tzotziles, Tzelatles, Tojolabales, Choles, Zoques und Mames von ihrem Leben in den Gemeinden, in denen es Machismo gibt, unter dem sie leiden; Gemeinden, in denen die eigenen Partner ihnen die politische Arbeit verbieten, in denen Leute sich über sie oder über ihre Ehemänner lustig machen, wenn sie Aufgaben übernehmen, die nicht traditionell den Frauen zugeschrieben sind.

Sie sprachen immer wieder davon, wie wichtig es ist, sich als Frauen zu organisieren, sich an den Aufgaben des Widerstandes zu beteiligen, davon, dass sie es als ihre eigenen Grenzen betrachten, dass sie kein Spanisch sprechen und oft nicht lesen oder schreiben können. "Aber nach und nach lernen wir und werden immer bewusster," sagten sie.

Ohne Angst beantworteten die zapatistischen Frauen die Fragen, die ihnen das wissbegierige Publikum stellte, und gaben Antworten über ihre Art, sich zu organisieren und die Schwierigkeiten, denen sie sich gegenüber sehen. Sie sagten, dass sie nun das Recht haben, gemeinsam mit ihrem Partner über die Anzahl der Kinder zu entscheiden, die sie haben möchten, aber sie schränkten auch ein, dass es oft "Ehemänner gibt, die keine Rücksicht nehmen."

Alle waren sich einig, dass es "notwendig ist, ein Treffen von Frauen zu organisieren, um Ideen auszutauschen und gemeinsam den Kampf zu organisieren."

Bei der Aufzählung ihrer kleinen und großen Errungenschaften erzählten die Frauen der EZLN, dass es Männer gibt, die jetzt schon Aufgaben im Haus übernehmen (auf die Kinder aufpassen, Essen bereiten, die Tiere versorgen, etc.); dass es immer mehr Partizipation der Frauen in Aufgaben der Autonomie gibt (Gesundheit, Handel, Bildung, Autoridades des Landkreises, Mitglieder der Räte, etc.); sie betonten, dass es aufständische Frauen mit verschiedenen militärischen Rängen gibt und außerdem Frauen, die den zapatistischen Milizen und dem Geheimen Recolutionären Indígena-Komitee angehören

Im Rahmen der Beiträge aus Mexiko und anderen Ländern der Welt wurde eine Botschaft der kurdischen Frauen übertragen, die eine Brigade mit dem Namen der Kommandantin Ramona bilden. Außerdem gab es Redebeiträge des Kollektivs "Regeneración Cuidado Infantil" aus New York; von Compañeras der Anderen Kampagne der Anderen Seite; vom zapatistischen Unterstützungsnetz aus Madrid; der Unabhängigen Frauenbewegung aus Chiapas; von der Arbeiterinnenfront des IMSS; vom Zenrtum für Frauenrechte; vom Kollektiv "Rompiendo la Noche" aus Nuevo León; und vom Kollektiv "Lucio Blanco" aus Tamaulipas.

Am Ende der Runde stellten die zapatistischen Frauen den Teilnehmern eine Frage: "Was wollt ihr gegen die Misshandlung, die Vergewaltigung und die Gewalt gegen die Frauen der Welt tun?" Aus dem Auditorium kam die Antwort: "Die Stimme erheben, bilden, anklagen ..."

Diese Arbeitsgruppe wurde von der Kommandantin Sandra und dem Kommandanten Moisés koordiniert, die aus der Region Morelia kommen und daran erinnerten, dass an diesem "31. Dezember 13 Jahre unseres Kampfes zu Ende gehen, als wir sagten, ya basta, es reicht mit der Diskriminierung der Verachtung der indigenen Frauen."

Es folgten ein Kulturprogramm, Tanz und Gesang, um das Jahr zu verabschieden und das 14. Jahr des zapatistischen Kampfes zu begrüßen.

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