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Interview mit Digna Ochoa y Plácido und Michel Maza

News vom 01.05.2000
ai-Journal Mai 2000

  Aus gegebenem Anlass ein älteres Interview (Mai 2000), von Digna Ochoa y Plácido mit AI, über Drohungen gegen Menschenrechtsverteidiger in Mexiko



"Aufklärung ist unser bester Schutz"

Sie dokumentieren seit Jahren Menschenrechtsverletzungen in Mexiko — und sind deshalb immer wieder Drohungen und Übergriffen ausgesetzt. amnesty international musste mehrfach Eilaktionen zu ihren Gunsten starten: Digna Ochoa y Plácido und Michel Maza arbeiten im 1988 von Jesuiten gegründeten Menschenrechtszentrum "Miguel Agustín Pro-Juárez" (PRODH) in Mexiko-Stadt. Das ai-JOURNAL traf die Menschenrechtlerinnen in Berlin.

ai-JOURNAL: Wie beurteilen Sie die Menschenrechtslage in Mexiko?

Michel Maza: Wir beobachten eine beängstigende Verschlechterung: Die Zahl der "Verschwundenen" nimmt ständig zu, staatliche Morde und willkürliche Festnahmen gehören zum traurigen Alltag, Folter und sexuelle Misshandlung sind weit verbreitet. Die Opfer der Menschenrechtsverletzungen sind vor allem Kleinbauern, Angehörige indigener Gemeinschaften, Menschenrechtler und Journalisten. Der Hauptgrund für die Verschlechterung der Situation ist die mangelnde Effektivität der Behörden. Sie haben die Verantwortung für Übergriffe geleugnet und haben es unterlassen, solche Fälle ausreichend zu untersuchen oder Verantwortliche zu bestrafen. Das Justizsystem in Mexiko ist nicht unabhängig. Zudem wurden in der jüngsten Vergangenheit durch zahlreiche Reformen die zivilen Rechte des Einzelnen immer mehr beschnitten. Zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit können Festgenommene nun deutlich länger ohne Verfahren inhaftiert werden.

Welche Repressalien haben Sie als Menschenrechtlerinnen erfahren?

Digna Ochoa: Im August vergangenen Jahres wurde ich von Maskierten überfallen und entführt. Mir wurden ein Rucksack, wichtige Unterlagen und mein Geldbeutel gestohlen. Im Oktober sind Unbekannte in mein Haus eingedrungen. Sie haben mir die Augen verbunden und mich neun Stunden lang verhört. Die Art dieses Verhörs lässt darauf schließen, dass die Täter aus dem Umfeld des Militärs oder der Polizei kamen. Die Täter müssen die selben gewesen sein, wie damals im August: sie ließen meinen gestohlenen Rucksack in meinem Haus stehen. Wir haben überprüft, ob es einen direkten Zusammenhang zur Arbeit im PRODH geben könnte. Sowohl im August als auch im Oktober waren wir um die Aufklärung von Menschenrechtsverletzungen bemüht, in die Armeeangehörige involviert waren. ...

Michel Maza: Mitarbeiter des Zentrums erhalten immer wieder Morddrohungen, per Post oder per Telefon. Das Schlimmste ist der dauernde psychische Druck, unter dem wir stehen: auf der Straße werden wir verfolgt, oft klingelt nachts alle paar Minuten das Telefon ...

Wie haben die Behörden reagiert, als Sie diese Vorfälle angezeigt haben?

Michel Maza: Es wurde eine Akte angelegt, aber eine richtige Untersuchung gab es nie. Bei der Spurensuche in Dignas Haus wurden nicht einmal ihre eigenen Fingerabdrücke gefunden. Ihre gestohlene Geldkarte wurde an einem Geldautomaten eingesetzt. Die Behörden haben das Video, durch das der Täter identifiziert werden könnte, aber erst nach Monaten von der Bank angefordert. Da war es bereits vernichtet.

Digna Ochoa: Als der interamerikanische Gerichtshof die mexikanische Regierung aufforderte, die Sicherheit der Mitarbeiter unseres Zentrums zu garantieren, wurden zu meinem Schutz zwei Polizisten abgestellt. Die sitzen nun in einem offensichtlich fahruntauglichen Auto vor meiner Haustür. Sie haben nicht einmal ein Funkgerät. Es ist absolut lächerlich.

amnesty international hat mehrfach Eilaktionen gestartet, um Sie und ihre Mitarbeiter zu unterstützen. Wie beurteilen Sie die Auswirkungen solcher Aktionen? Haben Sie keine Angst, dass Sie dadurch erst recht ins Visier der Behörden geraten?

Digna Ochoa: Nein, diese Angst haben wir nicht. Im Gegenteil: Solche Aktionen geben uns die Kraft und den Mut weiterzukämpfen. Wir fühlen uns nicht allein, das ist enorm wichtig. Die weltweite Aufmerksamkeit verhindert beispielsweise, dass Drohungen in Taten umgesetzt werden.

Michel Maza: Wir halten es für wichtig, den internationalen Druck auf die mexikanische Regierung zu verstärken.

Könnte ein UNO-Sonderberichterstatter für Menschenrechtsverteidiger Ihre Arbeit unterstützen?

Digna Ochoa: Ein Sonderberichterstatter ist vor allem ein unabhängiger Beobachter. Er kann einen internationalen Vergleich anstellen. Der UNO-Sonderberichterstatter für Folter war in Mexiko. Seine Bewegungsfreiheit war zwar eingeschränkt, aber er konnte direkt auf konkrete Fälle reagieren und auf Aufklärung drängen. Das ist unser bester Schutz.



Interview: Eva Gutmann

amnesty international, Sektion der Bundesrepublik Deutschland e.V., 53108 Bonn Telefon: 0228/983 73-0 — Telefax: 0228/63 00 36 Spendenkonto: 80 90 100 — BfS Köln — BLZ 370 205 00 E-mail:ai-journal-at-amnesty.de



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